Adel verzichtet ...

... auf Kultur
 

Bericht von Kirsten Girschick und Sabine Platzdasch in der TV-Sendung PANORAMA NDR 23.06.00

Pullern gegen den Pavillon, Poltern gegen die Presse - Die Prinzen-Posse
 

Anmoderation

PATRICIA SCHLESINGER:

Und was beschäftigt die Deutschen sonst noch? Richtig, der Niedergang der Aristokratie. Könige und Prinzen standen einmal für gute Manieren, galten als kulturbildend für das Bürgertum. Damit ist es jetzt wohl endgültig vorbei. Denn ein undogmatischer Jungwelfe hebt sich nicht mehr ab vom gemeinen Volk. Er pinkelt, prügelt und pöbelt, wann es ihm passt - wie ein angetrunkener Hooligan, der sich am nächstbesten Zaun erleichtert - um hinterher diejenigen, die das für nicht standesgemäß oder gar grundsätzlich unhöflich erachten, auf's widerlichste zu beschimpften. Der Prinz als Prolet also. Aber unsere Maßstäbe, unsere bürgerlichen Maßstäbe, unser Hunger nach Vorbildern, zählen da nicht so recht, denn es gibt Adelige, die das Verhalten von Prinz Ernst August von Hannover als das natürliche Bedürfnis eines verzweifelten jungen Mannes sehen.

Kirsten Girschick und Sabine Platzdasch über einen Mann, dessen Exzesse nicht nur Stoff für die Boulevard-Presse sind.

KOMMENTAR:

Prügelprinz - so darf man ihn nicht mehr nennen, den Chef eines der ältesten Adelsgeschlechter Europas.

Pinkelprinz - auch das wird Ernst August nicht gerne hören. Doch der Beweis liegt auf der Hand.

Dabei war der Auftritt auf der Expo doch zunächst so gut gelaufen. Ein Küsschen für Birgit Breuel - das machte natürlich mächtig Durst. Gegen die trockene Prinzenkehle schnell ein Schlückchen oder auch zwei. Der Monegassen-Tag auf der Expo versprach ein voller Erfolg zu werden. Doch dann: zu viel blau im Blut und zu viel Druck auf der hoheitlichen Blase. Vielleicht hätte einer seiner Vorfahren das Problem ganz schlicht gelöst - mit dem Ruf: ein Königreich für ein Klo. Ernst August blieb nur der türkische Pavillon. Doch heutzutage ist auch ein Prinz nie ungestört. Grund genug, jetzt auch die Journalistin von der Bildzeitung mal so richtig anzupinkeln:

(Nachgestellte Szene)

ERNST AUGUST:

"Ich sag` das nur, damit Sie sich langsam ärgern, ja. Ihr schweißdreckiger Arsch wird gefickt von mir, bis ich nicht mehr lebe, ja."

FRAGE:

"Reden Sie mit allen Menschen so, Königliche Hoheit?"

ERNST AUGUST:

"Nein, nur mit Arschlöchern wie Journalisten. Und wissen Sie, was Sie kriegen? Sie wissen gar nicht, was Ihnen blüht, Frau Berger. Keep your Arsch together, Sie werden seitlich gefickt. Ich sage noch einmal ganz in Ruhe: Fotze, und das können Sie schreiben, in meinen Kreisen ist das ein Wort."

KOMMENTAR:

Solche Worte, üblich in deutschen Adelsstuben? PANORAMA hat beim niedersächsischen Adel nachgefragt. Aus rechtlichen Gründen konnten wir die hochbrisanten Gespräche nicht aufzeichnen. Hier unser Erfahrungsbericht in einer Zusammenfassung:

Als Erste erwischen wir Freifrau von Mengersen. Die Herrin des Rittergutes Helpensen ist traurig - nicht über das Verhalten von Ernst August, den kennt sie schließlich sehr gut. Er sei höflich und gesittet. Die eigenwillige Wortwahl des Prinzen könne sie sich nur durch eine vorübergehende Verdunklung des hoheitlichen Gemüts infolge Provokation durch das journalistische Fussvolk erklären.

Kurz darauf ist Freiherr von Mengersen am Telefon - immerhin der Sprecher des niedersächsischen Adelsverbands. Er hält die Prinzenworte mit "f" nicht für adliges Stammvokabular. Vielmehr zeige sich hier der verderbte Einfluss bürgerlicher Jugendsprache auf den hoheitlichen Sprachgebrauch.

Ein letzter Anruf, beim Welfenbund in Hannover. Wilhelm Busse liefert noch eine weitere Perspektive zum adligen Pullern und Pöbeln. Die bürgerliche Presse lüge schließlich immer wieder. Auch er wolle schließlich kein Foto in der Zeitung, auf dem er gerade in der Nase bohrt.

So endet der PANORAMA-Adelsreport. Wenn es noch eines letzten Beweises bedurfte, dass die Monarchie zu Unrecht untergegangen ist, dann liegt er jetzt vor. Ein deutscher Prinz muss Rechenschaft darüber ablegen, wenn er sein Land bewässert.

Abmoderation

PATRICIA SCHLESINGER:

Mit richtigen, mit echten Kriminellen geht's weiter im Ersten, allerdings ohne Adelstitel. In der Reihe "Die großen Kriminalfälle" geht's heute um die Gladow-Bande. Viel Spaß dabei. Und wir sehen uns wieder am 13. Juli. Tschüss.

 

Noblesse oblige. - Adel verpflichtet.
Pierre M. G. duc de Lévis

 
lesen Sie auch den kurzen Text 'Menschenwürde unantastbar'
 


 
Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION
 
7/2000
 


 
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Aktualisiert am 08.07.02