Aus dem Briefwechsel (4)

Beispiele zur Information und Anregung

 

Themenbereiche:    
Soldaten wozu? 30.06.99
Bremen-Wahl 07.06.99
Kosovo 27.05.99
Balkan 22.05.99
Petition 19.05.99
Grünen-Parteitag 14.05.99
Jugoslawien 28.04.99
Humanist! 14.04.99
Medien-Sprache 01.04.99
Kirche/Reform 27.03.99
Lafontaine 12.03.99
Holocaust 28.01.99


 

Soldaten wozu?
 


 
e-Mail zur 3Sat-Sendung am 30.06.99 mit Franz Alt
 

'Drei Länder - ein Thema: Rambos oder Friedensstifter - Soldaten wozu?
 

Die Streitkräfte sollten sich wie auch die Feuerwehr mehr mit der Vorbeugung von Katastrophen befassen. Dies würde eine Beschäftigung mit den demokratischen Strukturen von Krisengebieten bedeuten bis hin zu den Strukturen der Identität der Bevölkerung.

Rudolf Kuhr, München
 


 
der Text wurde auszugsweise während der Sendung verlesen
  

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Bremen-Wahl
 


 
Leserbrief zur Wahl in Bremen Juni 1999 *)
 

Wer am Wahlabend die Berichte in öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen verfolgte, der wartete vergeblich auf Zahlen über die Wahlbeteiligung. Ist es so unbedeutend, daß knapp 40 Prozent nicht gewählt haben? Wenn Politiker vor allem ihre Erfolge sehen wollen, dann ist das vielleicht verständlich. Medien sollten jedoch umfassend informieren, damit die Bürger sich ein reales Bild machen können. Selbst das Frühstücksfernsehen brachte keine Zahlen zur Wahlbeteiligung. Wie gut, wenn man dann die Zeitung im Briefkasten hat.

Ein Vergleich der Ergebnisse mit und ohne Nichtwähler, zwischen den offiziellen und den effektiven Zahlen zeigt beträchtliche Unterschiede:

Offiziell: SPD 42,6; CDU 37,1; Grüne 9,0; DVU 3,0; andere 7,8 %

Effektiv: SPD 25,6; CDU 22,3; Grüne 5,4; DVU 1,8; andere 4,7 %

Der Vergleich macht deutlich, daß die stärkste Partei nicht von 42,6% der Bevölkerung gewählt wurde, sondern bei der Wahlbeteiligung von 60,15% lediglich von 25,6% der Wahlberechtigten. Politiker, die jetzt behaupten, daß "der" Wähler ihnen den Auftrag gegeben hat, die bekunden damit ein eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen und lassen die Hoffnung, alle Bürger zu vertreten, erheblich schwinden.

Rudolf Kuhr
Artillerstr.10, 80636 München, Tel. 089 1293530
 

*) am 07.06.99 an AbendZeitung München; Augsb.Allg.; Bild; HHMorgenpost; ND; Stgt.Ztg.; SZ; taz; TZ Merkur, München. - Veröffentlicht in SüddeutscheZtg. 10.06.99

 


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Kosovo - Ursachen von Konflikten
 


 

RUDOLF KUHR
80636 München
Artillerstr.10

27.05.99 

Hessische Stiftung
Friedens- und Konfliktforschung
Leimenrode 29

60322 Frankfurt

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie freundlich um Auskunft, ob und wie Sie sich mit den tieferen, im Menschen selbst befindlichen Ursachen von Konflikten befaßt haben.

Ich denke da an die derzeit im Kosovo aktuell bedeutenden Zusammenhänge zwischen dem Mythos um die historische Schlacht auf dem Amselfeld und der individuellen Identität bei Serben. Welche Bedeutung haben ethnische und religiöse Orientierungen, wie wirken sie konfliktauslösend und wie können sie als konfliktfördernd überwunden werden?

Haben Sie hier über Material oder können Sie Hinweise geben (evtl. im Internet)?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichem Gruß

Rudolf Kuhr

Karte 'Wandlung'
 


 
Antwort
(Poststempel 28.07.99)

Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung

Frankfurt, im Juli 1999      

Sehr geehrter Herr Kuhr,

Vielen Dank für Ihre Anfrage, leider haben wir aber nicht direkt zu den von Ihnen angesprochenen
Fragen publiziert.

Allerdings können Sie unserer beigefügten Publikationsliste entnehmen, welche Titel Sie eventuell
interessieren. Zusätzlich übersende ich Ihnen die neuesten Exemplare unserer HSFK-Standpunkte
und einige Informationsmaterialien über unser Institut.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift
 

Presse- und Öffentlichkeitsreferat
 


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Hintergründe des Balkan-Problems
 


 

RUDOLF KUHR
80636 München
Artillerstr.10
22.05.99
 

Bundeskanzleramt
Herrn Hans Koschnick
Adenauerallee 139 - 141

53113 Bonn

Sehr geehrter Herr Koschnick,

am 30.04.99 war im Phoenix-TV eine Übertragung Ihrer Rede vom 28.04.99 zum Thema 'Krise auf dem Balkan' vor der 10. Panzerdivision in Sigmaringen zu sehen.

Wie ich vom Bundesministerium der Verteidigung erfuhr, besteht leider kein Manuskript davon. Diese Rede enthielt hervorragende Hinweise auf die tieferen Hintergründe und Ursachen des Balkan-Problems, so daß ich Sie freundlich bitten möchte, mir einen Text zu überlassen oder bei der
Beschaffung eines solchen behilflich zu sein, in welchen diese wichtigen Fakten enthalten sind.

Vielen Dank!

Anbei zwei Texte als Beleg für meine Bemühungen um ursächliche Lösungen von Konflikten und zu deren Vorbeugung zu Ihrer Information.

Mit freundlichem Gruß

Rudolf Kuhr
 

Anlage
Jugoslawien
Menschliche Zukunft
Karte 'Wandlung'
 


 
keine Antwort
 

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Parteitag der Grünen

Leserbrief *)

 
Der Parteitag hat wieder einmal gezeigt, daß Grün nicht nur für Umwelt, sondern auch für Unreife steht. Und daß es den militanten Pazifisten vor der Menschlichkeit um die kompromißlose Bewahrung ihrer reinen Theorie geht. So wichtig die Vielfalt der Meinungen in einer Partei auch ist, die Fundamentalisten sollten solange wieder in die außerparlamentarische Opposition gehen, bis sich in ihnen eine gewisse menschliche Reife zur Politikfähigkeit entwickelt hat.

Rudolf Kuhr
Artilleriestr.10
80636 München
 

*) am 14.05.99 an AbendZeitung München; Augsb.Allg.; Bild; HHMorgenpost; Stgt.Ztg.; SZ; taz; TZ Merkur, München; Spiegel; Stern; Zeit

veröffentlicht in AbendZeitung Mchn., taz, 19.05.99; SüddeutscheZtg. 21.05.99; Stern 02.06.99

 


Zuschrift auf den Leserbrief

Alfred Dirla
Germaniastraße 181
45355 Essen (Borbeck)
Tel. 0201/673655

Herrn
Rudolf Kuhr
Artilleriestr. 10

80636 München

Essen, den 4. Juni 1999

Betreff: Ihren Leserbrief im Stern Heft Nr. 6 vom 2.6.99

Sehr geehrter Herr Kuhr,

ich weiß nicht wie alt Sie sind, wieviel Kriege Sie erlebt haben, ich war sechs Jahre Soldat und wurde mehrmals verwundet im zweiten Weltkrieg. Sie aber waren höchstwahrscheinlich nicht einmal geplant Aus Ihrem Brief ist auch nicht so etwas wie Reife ersichtlich. Daß die militanten Pazifisten, den friedliebenden Militaristen, ein Dorn im Fleisch sind, das ist mir klar, wie es scheint, gehören Sie zur letzteren Kategorie. Aber auch denen im "Freistaat" sollte es Allgemeinwissen sein, das Bayerns "großer" Franz Josef - Strauss, einst tönte: "die Hand, die wieder ein Gewehr anfaßt soll verdorren.", das scheint mir nicht weit weg vom militanten Pazifismus zu sein. Sie aber sollten darauf achten, nicht so sehr zum Echo des "Bayernherzogs" Stoiber zu werden, der zugegeben ein heller Kopf bezüglich der Haare, ist.

Auf Grund der Kriegserfahrung, sind mir militante Pazifisten lieber, als feuchtfröhliche Krieger. Und betreffs Reife, schauen Sie in den Spiegel und Sie sehen der Unreife ins Gesicht.

Ich schließe,
mit freundlichem Gruß

Alfred Dirla
 


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Jugoslawien-Konflikt
(siehe auch Leserbrief zum Thema)
 


E-Mail an ZDF-Redakion LOGO

Von: Rudolf Kuhr
Datum: Mittwoch, 26. Mai 1999 07:22
An: zuschauerservice (at) zdf.de
Betreff: Red. LOGO

 

Z D F Redaktion 'LOGO'

Sendung 'Logo extra - Kosovo-Konflikt'

Sehr Damen und Herren,

wie einer Sendung in Phoenix am 20.05.99 zu entnehmen war, haben Sie in Ihrer oben genannten Sendung eine sehr anschauliche Darstellung der Entwicklung des Kosovo-Konfliktes gebracht, die in ihrer Kürze übrigens auch für Erwachsene ganz hervorragend zur Unterstützung des Bewußtseins von den Zusammenhängen und Hintergründen geeignet ist.

Gibt es davon Video-Kassetten und/oder Ausgaben in gedruckter Form, auf Diskette oder - am einfachsten und billigsten - eine Seite im Internet? Wenn nicht, so möchte ich entsprechendes damit anregen und würde gern zur Bekanntmachnung und Verbreitung der Darstellung beitragen, denn ich empfinde es als unerträglich, daß wir Fernseh-Zuschauer lediglich zu Spenden aufgerufen werden und ansonsten keine Anregung oder Unterstützung von den Medien bekommen, um darüber hinaus in irgendeiner Weise tätig zu werden.

Die modernsten und vielseitigsten Techniken stehen uns zur Verfügung, es gibt inzwischen Millionen von Internet-Anschlüssen, viele Kinder sind bereits darunter. aber es gibt keine Angebote zur Aktivität oder gar zur Zusammenarbeit von Seiten der Medien. Oder doch?

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Tel/Fax 089 129 35 30

http://www.humanistische-aktion.de/

 


Antwort vom ZDF am 28.05.99

From: Doett.O (at) zdf.de
To: Rudolf Kuhr
Subject: AW: logo: Videokopie
Date: Fri, 28 May 1999 13:28:38 +0200
  

Sehr geehrter Herr Kuhr,

vielen Dank für Ihre Mail. Aus urheberrechtlichen Gründen ist die Herausgabe von Sendemanuskripten, redaktionellem Material und Archiv-Unterlagen nicht möglich. Wir haben zu unserer Sendung auch keine aufbereiteten Begleitmaterialien, die wir Ihnen zukommen lassen könnten. Aufgabe des ZDF ist die Erstellung von Fernsehsendungen und -beiträgen. Eine Materialaufbereitung in anderer medialer Form ist in den meisten Fällen schon aus personellen Gründen nicht möglich.

Sofern es die Rechte- und Materiallage erlaubt - was jeweils im Einzelfall geprüft werden muss - können Sie bei uns eine Videokopie bestellen.

Es handelt sich jedoch um teure, weil aufwendig produzierte Einzelkopien, da das ZDF nicht über VHS-Leihkassetten seiner Sendungen verfügt und Kopien mit einem sogenannten Timecode (Zeituhr) vom Dokumentationsband hergestellt werden müssen.

Die Kosten betragen von VHS auf VHS (mit Timecode-Einblendung am oberen rechten Bildrand):

Bis 60 MinutenDM 80,--
Bis120 Minuten DM 90,--
Über120 Minuten DM 100,--

Die Kosten für BetaSp auf VHS (ohne Timecode) betragen:

Bis 60 MinutenDM 120,--
Bis120 MinutenDM 140,--
Über120 MinutenDM 160,--

Diese Preisangaben sind nicht rechtsverbindlich, sondern zu Ihrer ersten Orientierung gedacht. Bindende Angebote/Preisauskünfte bekommen Sie ausschliesslich über die unten angegebene Adresse.

Das ZDF macht an den Videokopien keinen Gewinn. Die Preise gelten ausschliesslich die hohen Personal- und Sachkosten ab.

Bitte beachten Sie, dass die Kopien aus Rechtegründen nur für private Zwecke genutzt werden dürfen! öffentliche Vorführungen sind verboten! Für Vorführungen gelten ebenso wie für nichtprivate Bestellungen und Nutzungen andere Bedingungen und andere Preise, die Sie ebenfalls über die unten genannte Adresse erfahren. Bitte geben Sie in jedem Fall den genauen Verwendungszweck an. Auch eine Weitergabe an Dritte ist nicht zulässig. Wir bitten DRINGEND um Beachtung aller Regelungen des Urheberschutz-Gesetzes!

Sollten Sie interessiert sein oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an folgende Stelle:

ZDF
Programmverwertung
55100 Mainz
Fax: 06131/ 70 95 15

(E-Mail-Bestellung nicht möglich)

Nennen Sie bitte den genauen Sendetitel und nach Möglichkeit das Sendedatum des von Ihnen gewünschten Beitrags.

Mit freundlichen Grüssen
i.A. Oliver Doett
ZDF Mainz
HA Kommunikation
 


E-Mail an ARD-Morgenmagazin


Von: Rudolf Kuhr
Datum: 28.04.99
An: ARD-Morgenmagazin (WDR)

Hallo,

Ihre e-mail-Berichte aus Jugoslawien sind ja sehr unterhaltend aufgemacht,
aber - gibt auch es e-mail-Adressen von Oppositionellen, die Interesse an
Kontakten zu uns haben, und - gibt es Adressen von den Machthabern,
denen man seinen Protest mitteilen könnte?
...

Mit besten Wünschen

Rudolf Kuhr


Antwort vom WDR am 28.04.99

lieber herr kuhr,

leider kann ich ihnen nicht weiterhelfen. wir haben hier in der redaktion nur
diesen einen e-mail kontakt.

trotzdem viel erfolg

herzliche grüße

e... f...


Schade, unser öffentlich-rechtliches Fernsehen sollte uns Zuschauer nicht nur zum Spenden aufrufen, sondern uns Informationen geben, die eigene Aktionen ermöglichen. (Leserbrief zum Thema)


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Neuer Name für 'Freidenker'
 



Leserbrief zum Artikel 'Neuer Name gefällig?' in 'freidenker' 4/99

Peter Bürki regt eine Namensänderung für die Freidenker an. Sehr gut! Ein Aussenstehender soll sofort erkennen, um was es geht. Hervorragend! Verwechslungen mit Freimaurern, Freireligiösen und Weltfremden sollen ausgeschlossen sein. Vernünftig! Der Erfolg unzähliger Sekten macht ihm deutlich, daß der heutige Mensch sich von klaren Aussagen, die ihm einen Halt geben, angezogen fühlt. Stimmt, z. B. "Jesus lebt!" oder "Allah ist groß!". Und Erfolg möchte Peter Bürki haben. Verständlich, aber welchen?

Agnostizismus ist ihm zu schwach. Humanismus sei ähnlich schwammig wie Freidenkertum, ja sogar nichtssagend. Aber ein bewußter und lebendiger Atheismus, das weiß er aus eigener Erfahrung, kann ein stabiles Lebensfundament sein. Deshalb empfiehlt er "Freie atheistische Bewegung" oder "Freie Atheisten Schweiz". Mir kommt da die Frage: Wer in einem freien Land wie der Schweiz nach Freiheit ruft, wie mag es mit dem innerlich beschaffen sein? Sucht er Anhänger, um sich mit deren Hilfe von seinem toten Gott zu befreien? Was ist das für ein Lebensfundament? Worin liegt der Sinn solchen Lebens? Kann es für einen gemeinnützigen Verein ausreichen, die Mitgliedern zu unterstützen, Gott abzulehnen? Und was dann?

Für mich ist Humanismus ein Denken und Handeln, das sich an der Würde des Menschen orientiert und dem Ziel menschenwürdiger Lebensverhältnisse dient. Ist das zu wenig? Oder vielleicht schon zu viel? Humanismus konsequent verinnerlicht, enthält unbedingt Freiheit, und zwar zielgerichtet, nicht nur g e g e n etwas, sondern vor allem f ü r etwas: für Menschlichkeit. Ich denke, die Gesellschaft braucht dringend Menschen mit positiven Bekenntnissen und ganzheitlich orientierte Organisationen mit sinngebenden Zielen. Die Ereignisse in Jugoslawien sollten zu denken geben, nicht nur zum frei-denken.

Rudolf Kuhr
 


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Medien-Sprache
 


 
Im ARD-Morgenmagazin am 1.4.99 wurde die vom Pressesprecher der Bundesregierung gewünschte Sprachregelung (Vermeidung von Begriffen wie "Bombardierung" durch die NATO etc.) beanstandet.

Daraufhin entstand spontan folgendes Fax:

Auch die Medien-Macher sollten mal ihre Sprache kritisch beobachten. Ich finde es unerträglich, daß immer wieder von "ethnischer Säuberung" gesprochen wird, so als wenn eine Region von Schmutz gesäubert werden muß.

Ebenso stört mich die immer wieder verwendete verharmlosende Bezeichnung "Molotow-Cocktail" für Brandflasche oder Brandsatz.

Vielleicht denken Sie mal darüber nach.

Und nun weiter viel Spaß und gute Unterhaltung mit Bonsai, Sport und Aktien!

Rudolf Kuhr, München

 


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Kirche und Menschlichkeit
 



 
Humanistische AKTION  für mehr Menschlichkeit
Gemeinnützige Initiative seit 1994

München, 27.03.99

Phoenix
Redaktion mit der Bitte um Kenntnisnahme und Weiterleitung
Postfach 4040

55100 Mainz

Sendung 'Und sie bewegt sich doch - die Kirche' Phoenix 23.03.99

Sehr geehrter Herr Kock,
sehr geehrter Herr Fliege,
sehr geehrte Frau Remberg,
sehr geehrtes Redaktions-Team,

ich habe mit großem Interesse Ihre Diskussion verfolgt und möchte als Mit-Mensch Ihnen einige Gedanken ansatzweise dazu mitteilen. Ich denke, wenn Ihre Bemühungen Erfolg haben sollen, dann wäre es sinnvoll, Sie versuchten, die Kirche mehr von außen zu betrachten und auch den thematischen Ansatz entsprechend zu wählen, denn dieser war ausschließlich auf die Kirche ausgerichtet.

Wenn Sie den Inhalt nähmen, um den es Ihnen mit der Kirche, mit Jesus und Gott geht, dann wäre die Lösung einfacher zu finden, ja Sie hätten sie schon, zumindest im Ansatz. Es geht doch eigentlich um das Heil des Menschen, auch wenn das heute antiquiert klingt. Es geht letztlich um heile innere Menschlichkeit, zu der auch eigene Autorität gehört. Dazu bräuchte es heute nicht mehr äußerer Hilfsmittel wie Kirche, Pfarrer, Jesus, Gott und anderer äußerer Autoritäten, im Gegenteil, diese behindern eher die Entfaltung eines eigenständigen, erlösenden Heils. Es braucht die Erkenntnis von der Ganzheit des Lebens, daß wir ein Teil unserer Mit-Welt sind, bestehend aus menschlicher Gemeinschaft und der sie tragenden Natur.

Das verinnerlichte Grundprinzip der entmündigenden Abhängigkeit von Hirte und Schafen, Vater und Kindern, Kirche und Gemeindemitgliedern könnte gewandelt werden in ein solches von einer gleichberechtigten Gemeinschaft aus eigenständigen Menschen einerseits und einer, von jedem Einzelnen verinnerlichten geistigen Struktur idealer Menschlichkeit als einzige Autorität und vorrangige Aufgabe andererseits. Die in Gott, Jesus, Kirche und anderen mehr oder weniger personifizierten oder verdinglichten Objekten gesuchte Autorität könnte in den Grundsätzen der Menschlichkeit erkannt werden, die individuell widergespiegelt und bestmöglich verinnerlicht eine eigenständige Autorität bilden würde.

Die Erkenntnis von der Ganzheitlichkeit allen Lebens gilt es immer wieder mit allen ihren Möglichkeiten und Konsequenzen meditativ zu besprechen, um sie so weit zu verinnerlichen, daß ein tiefes Gefühl der Verbundenheit zur Mit-Welt entsteht, des Einsseins mit ihr. Das ist das echte, unmittelbare Religiöse, die direkte, mündige, basisdemokratische, Gefühl und Verstand heilend vereinigende Rückgebundenheit des Einzelnen an das Welt-Ganze. "Groß und glücklich wäre der Meister, der alle seine Schüler größer machen könnte als er selbst war." sagte Fichte. Ich denke, daß auch Gott und Jesus glücklich wären, wenn die Menschen das Ideal einer heilen Menschlichkeit zur höchsten Autorität erheben würden als Voraussetzung einer Heilung der Gesellschaft und ihres Verhältnisses zur Natur.

Den Verantwortlichen und Freunden der Kirche darf es nicht nur um die Erhaltung der Kirche und ihrer eigenen, persönlichen Glaubens-Strukturen und dem sich daraus ergebenden ideellen und/oder materiellen Nutzen gehen angesichts der ethnischen und konfessionellen Veränderungen in unserem Land und der Veränderungen im Zuge der Globalisierung. Wenn die auf uns zu kommenden Spannungen durch die zunehmenden kulturellen und konfessionellen Konfrontationen nicht durch Gewalt, sondern auf geistiger Ebene handhabbar bleiben und vielleicht sogar zugunsten einer menschlicheren universellen Kultur und Konfession nutzbar gemacht werden sollen, dann müssen die hierarchischen und irrealen Glaubens-Strukturen zu realen und demokratischen umgestaltet werden, um damit eine wirkliche, nachhaltige Alternative bieten zu können. Hierin ergäbe sich eine große Chance von globaler Bedeutung für die Kirche.

Konflikte wie beispielsweise in Jugoslawien, Palästina, Irland, Indien usw. können nur gelöst und nachhaltig vermieden werden, wenn die Identität der Menschen nicht einerseits auf irrealen religiösen Wunschvorstellungen basiert und andererseits auf konfessionell und ethnisch abgrenzende Strukturen beschränkt bleibt, sondern wenn sie einerseits auf realisierbare religiöse Vorstellungen beschränkt bleibt sowie die eingeschränkte Erkenntnisfähigkeit des Menschen akzeptiert und damit umzugehen versucht, und andererseits die Orientierung auf universelle Menschlichkeit in ganzheitlichem Eingebundensein in die Natur ausweitet.

Die Kirche läßt sich nur dann erhalten bzw. wiederbeleben, wenn ihre Verantwortlichen und materiell und ideell von ihr Lebenden, sich nicht länger den gesellschaftlichen Entwicklungen verschließen, sondern fragen, wie weit sie im Eigeninteresse eine Verselbständigung des Kirchenvolkes weiterhin einschränken und eingeschränkt lassen wollen. Der Titel einer künftigen Sendung könnte heißen: "Und sie entwickelt sich doch - die Menschlichkeit."

Gern würde ich an einem konstruktiven Gedankenaustausch zur inhaltlichen Erneuerung mit meinen Vorstellungen von einer behutsamen Wandlung der christlich-hierarchischen zu einer humanistisch-selbstverantwortlichen Kirche teilnehmen. Vielleicht können Sie mir Menschen aus der Kirche nennen, die an diesen Vorstellungen Interesse haben könnten.


Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Anlage
Religion
Heil


Antwort

EVANGELISCHE KIRCHE IM RHEINLAND

DER PRÄSES

An die
Humanistische Aktion
für mehr Menschlichkeit
Herrn Rudolf Kuhr
Artillerstraße 10

80636 München

12. Mai1999    

Zum Disput mit Jürgen Fliege
 

Sehr geehrter Herr Kuhr,

für Ihren Brief zum Disput mit Jürgen Fliege danke ich Ihnen sehr. Ich habe ihn mit Interesse gelesen. In meiner Antwort gehe ich aber nur auf Ihren Brief, nicht auf die Anlage ein.

Es geht um das Heil der Menschen, und es freut mich sehr, daß dieses bei dem Disput auch sichtbar geworden ist. Wenn es aber darum geht, dann sind Kirche und Pfarrer mit Jesus und Gott nicht in eine Reihe "äußerlicher Autoritäten" zu stellen. Sie sind keine "Hilfsmittel".

Wesentlicher Bestandteil unseres Glaubensbekenntnisses ist, daß der Mensch nicht aus sich selber lebt und ganz Geschöpf ist. Dieser Glaube ist auch nicht nur eine unverbindliche persönliche Einstellung, sondern Glaube der Gestalt gewinnt, im Tun des Menschen und in der Gemeinschaft der Gemeinde. Dahinter steht auch die Erkenntnis, daß man sich die gute Botschaft nicht selber sagen kann.

Das Grundproblem, das wir haben, besteht auch nicht in der Abhängigkeit von Autoritäten, sondern darin, daß wir in Schuld verstrickt sind. Das entmündigt den Menschen. Die Tragik wird gerade jetzt deutlich in der Suche nach dem besten Weg zum Frieden im Zusammenhang mit dem Krieg in Jugoslawien. Daran wird auch der Kreislauf von Schuld deutlich.

Die "verinnerlichte geistige Struktur idealer Menschlichkeit als einzige Autorität" wird von Ihnen als Ziel formuliert. Auch in der Bibel wird die Hoffnung ausgedrückt, daß Menschen unmittelbar zu Trägern von Geist und Erkenntnis werden. So der Prophet Joel (Joel 3,1-5) wieder aufgenommen von Petrus in seiner Pfingstpredigt (Apostelgeschichte 2,14-36). Aber auch dort ist es nicht ein Leben aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft Gottes und seinem Geist.

Das Humanum des Menschen ist uns sehr wichtig. Aber gerade um es vor der Vergöttlichung und Überforderung zu bewahren, ist die Erinnerung an die Geschöpflichkeit sehr wichtig. Auch die Ganzheitlichkeit der Welt und die Tatsache, daß wir Teil unserer Mitwelt sind, ist Konsequenz aus der Geschöpflichkeit.

Es geht nicht um die Erhaltung der Kirche und ihrer Strukturen als Ziel. Es geht um die Verkündigung der Botschaft vom Reiche Gottes. Um diese Verkündigung zu hören, sie weiterzutragen und diesen Glauben zu leben, entstehen Strukturen und entsteht Kirche. Das muß auch nicht notwendig zu konfessionellen Gegensätzen und Auseinandersetzungen führen. Es kann ebenso zu einer bereichernden Vielfalt führen. Sie weisen auf die Globalisierung hin. Allerdings glaube ich, müssen wir sehr behutsam von einer menschlich-universellen Kultur und Konfession sprechen. Auch die Ideen des Humanismus sind nicht unabhängig von ihren Kulturkreisen.

Ich hoffe, Sie haben vor Ort Möglichkeiten des Dialogs mit christlichen Gesprächspartnern.

Mit freundlichen Grüßen

(Manfred Kock)

Postfach 32 03 40 Hans-Söckler-Straße 7 Telefon (0211) 45 62-300 Internet; www.ekir.de 40418 Düsseldorf 40476 Düsseldorf Telefax (0211) 45 62-555 e-mail.. praesesd (at) aol.com
 


Antwort

teletime - Jürgen Fliege

Herrn
Rudolf Kuhr
Artillerstr. 10

80 636 München

München, den 16. Juni 1999    

Sehr geehrter Herr Kuhr,

ich möchte zunächst für die Verzögerung, mit der ich Ihren Brief beantworte, um Entschuldigung bitten. Ich bekomme täglich sehr viele Briefe, welches den Absendern mitunter ein wenig Geduld abverlangt. In Ihrem Fall kann ich jedoch nur um Nachsicht bitten.

Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief und Themenvorschlag, ich habe mich sehr darüber gefreut.

Leider kann ich Ihnen keine Zusage machen, ob sich Ihr Wunsch in einer meiner Sendungen berücksichtigen läßt. Wir entscheiden dies gemeinsam in der Redaktion je nach Lage der Themen und der Recherchen.

Soweit es uns möglich ist, nehmen wir Ihre Problematik in unsere Themenliste auf. Vielleicht ist es doch einmal möglich, sich von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr

Jürgen Fliege

 


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Rücktritt Lafontaines

Leserbrief *)

 
Der fluchtartige Rückzug Lafontaines aus der Politik läßt auf einen großen Gefühlsstau schließen. Langanhaltende und tiefgreifende Verletzungen müssen diesem, in seiner zunächst erklärungslosen Form fast einem Racheakt gleichenden, Schritt zugrunde liegen.

Als bewußter Wähler und Bürger unter einer Erneuerung versprechenden Regierung wünsche ich mir eine gründliche und offene Aufklärung der im menschlichen Bereich liegenden Ursachen dieser Krise. Möge es unserem smarten Kanzler gelingen, den Mut zu zeigen, die Strukturen der Menschlichkeit bei sich und seinen Parteifreunden anzuschauen und mit Hilfe von kompetenten Beratern zu bearbeiten. Es wäre eine Chance, ohne großen finanziellen Aufwand, grundlegend neue Strategien zur besseren Bewältigung der übrigen Probleme zu entwickeln.

Rudolf Kuhr
Artilleriestr.10
80636 München

*) am 12.03.99 an AbendZeitung München; Augsb.Allg.; Bild; HHMorgenpost; Stgt.Ztg.; SZ; taz; TZ Merkur, München; Spiegel; Stern; Zeit; BR- und Phoenix-TV.

Auszugsweise veröffentlicht in TZ München 15.03.99; AZ München 17.03.99;
Süddeutsche Ztg. 20/21.03.99.


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Holocaust-Gedenktag

Leserbrief *)

 
Wenn ein Gedenktag wie der 27. Januar einen Sinn haben soll, auch für nachfolgende Generationen, die keine direkte Beziehung zu dieser Zeit haben, dann den, daß gefragt wird nach dem Warum.

Warum konnten die Verbrechen geschehen? Trotz einer langen Tradition christlich-abendländischer Kultur! Ja, es muß wohl angesichts immer wieder stattfindender Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Ländern mit religiöser Tradition gefragt werden: Trotz oder wegen dieser Traditionen? Kann es sein, daß gerade die Traditionen es sind, die solche Verbrechen ermöglichen? Indem schon die Kinder selektiert, ihnen traditionelle Autoritäten aufgenötigt und damit eigenständige religiöse Entwicklungen im eigentlichen Sinne beschnitten werden?

Warum werden die geistigen Wurzeln menschlicher Instabilität nicht gesucht, nicht saniert? Warum müssen Kindern in einer Zeit der Globalisierung noch immer konfessionelle und ethnische Fesseln angelegt werden? Warum kann die höchste Autorität nicht in den Grundsätzen einer universellen Menschlichkeit gesehen oder gesucht werden?

Warum kann die Identität nicht in dem Bewußtsein gefunden werden, ein Teil der einen Menschheit, der einen Welt, der einen Natur zu sein? Warum wird dies Kindern nicht vermittelt, nicht erlaubt? Warum verwehrt man ihnen die Entwicklung einer globalen Ethik? Mit welchem Recht???

Zu solchen Fragen sollte ein Gedenktag wie der des 27. Januar anregen.


Rudolf Kuhr
Humanistische AKTION
Artillerstr.10
80636 München


*) am 28.01.99 an AbendZeitung München; Augsb.Allg.; BZ; Bild; HHMorgenpost; ND; Stgt.Ztg.; SZ; taz; TZ Merkur, München; Spiegel; Stern; Zeit.

Auszugsweise veröffentlicht im Stern 7/99


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Aktualisiert am 16.06.04