Aus dem Briefwechsel (5)

Beispiele zur Information und Anregung

 

Themenbereiche

 

Vermittlung 27.10.99   -    menschliches Maß 13.10.99

Symptom-Bekämpfer 29.09.99  -    Neue Regierung 12.09.99

Wahlberichterstattung 06.09.99   -   Atheisten 24.08.99   -   Entmilitarisierung 06.08.99

 


 

Vermittlung
 


 
An: ardmorgenmagazin (at) wdr.de
Kopie: zured (at) das-erste.de, moma (at) zdf.de, zuschauerservice (at) zdf.de, monitor (at) wdr.de
Am: 27.10.99 08:17
Betr.: Hilfeleistung

Sehr geehrtes Redaktions-Team,

Sie leisten sich den Luxus - wie Sie selbstironisch sagen - über Kosovo und Tschetschenien zu berichten und beklagen, daß die Nato und die westlichen Regierungen nichts oder zu wenig gegen den Krieg unternehmen aus Rücksicht auf die Machthaber in Moskau.

Ich frage mich und Sie, auf wen oder was nehmen denn Sie als Medienmacher Rücksicht? Wenn Sie Bilder von Greueltaten zeigen, z.B. wie einem Menschen mit dem Beil der Kopf abgeschlagen wird, dann wäre hier eine Rücksichtnahme auf die Zuschauer vielleicht falsch. Wenn dann aber dem Zuschauer keine Empfehlung und Hilfestellung gegeben wird, seine Empörung oder zumindest Meinung gegenüber der deutschen und russischen Regierung zum Ausdruck zu bringen, dann ist auch dies eine Rücksichtnahme, aber eine falsche, eine unverantwortliche.

Sie könnten und sollten nicht nur berichten, unterhalten und hin und wieder zu Spenden aufrufen und die entsprechenden Konten zeigen, Sie könnten und sollten auch regelmäßig zu Protesten oder zumindest zu Meinungsäußerungen aufrufen und die entsprechenden Post-, Fax- und email-Adressen von Regierung, Botschaften und Konsulaten zeigen, wenn Sie glaubwürdig sein und sich nicht der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen wollen.

Wenn Sie weiterhin nur berichten, unterhalten und zu Spenden aufrufen, dann machen Sie sich letztlich zum Handlanger der Verbrechen. Sie profitieren von erschütternden Bildern, versuchen zeitweise Anteilnahme in Ihrer grundsätzlich belustigend-unterhaltend angelegten Sendung zu zeigen und zu erzielen, und Sie gewöhnen schließlich die Zuschauer an Greueltaten und an das Gefühl, nichts weiter tun zu können als Geld zu spenden, wenn die Action gelaufen ist.

Der gesetzlich den öffentlich-rechtlichen Medien vorgegebene Auftrag zur Grundversorgung der Gebührenzahler mit Information, Bildung und Unterhaltung sollte im Zuge der Entwicklung und zur Förderung der Demokratisierung geändert werden in Information, Bildung und Vermittlung. Vermittlung von Informationen zur Aktivierung der Bürger im Hinblick auf die Bildung von Menschlichkeit. Unsere Spaß-Gesellschaft braucht weniger Unterhaltungsangebote zu deren passivem Konsum als vielmehr Animation zu gesellschaftlichen Engagement. Sie als Medienmacher haben hier größeren Einfluß und damit auch mehr Verantwortung als die Politiker.

Ich bitte um eine Eingangsbestätigung und möglichst auch Stellungnahme.

Mit besorgten Grüßen

Rudolf Kuhr
 


Antwort 1

 
From: Zuschauerredaktion (at) das-erste.de
To: Rudolf Kuhr
Subject: AW: Hilfeleistung
Date: Wed, 27 Oct 1999 10:33

Sehr geehrter Herr Kuhr,

vielen Dank für Ihre Mail und Ihr Interesse am ERSTEN.

Sie kritisieren in Ihrem Schreiben, das Sie gleichzeitig auch an andere Sender geschickt haben, sehr pauschal die deutsche Medienlandschaft. Wir können mit dieser Antwort verständlicherweise nur für das Erste Deutsche Fernsehen sprechen.

Die Aufgabe unserer Journalisten ist, Fragen zu stellen und über ein Thema umfassend und sachlich zu berichten. Jetzt und auch während des Kosovokrieges haben wir stets versucht diesen Programmauftrag zu erfüllen.

Haben Sie unsere ARD-BRENNPUNKTE oder zum Beispiel die Sendung MONITOR während des Krieges gesehen? Sicherlich ist Ihnen dann aufgefallen, dass wir der Regierung und den Verantwortlichen immer wieder kritische und sehr unbequeme Fragen gestellt haben.

Ich wiederhole: Unsere erste Pflicht ist zu Hinterfragen und Missstände aufzudecken. Es muss aber den Zuschauern frei gestellt sein, welche Konsequenzen und Meinungen sie sich aufgrund unserer Berichterstattung bilden. Im übrigen haben wir unzählige Male unsere Zuschauer an die Bundesregierung und die jeweils veranwortlichen Botschaften verwiesen.

Es ist nicht richtig, dass unser Programmangebot sich nur noch auf Unterhaltungssendungen beschränkt. 1998 gab es im Ersten Deutschen Fernsehen jeden Tag mehr als zehn Stunden Informations-Sendungen. Dies entsprach einem Anteil von 43,2 Prozent der Gesamtsendezeit.

Rund ein Viertel der Informations-Sendungen sind Nachrichten. Hinzu kommen Hintergrund-Informationen zu Politik, Kultur, Wirtschaft, Zeitgeschichte und Alltagsfragen. Sport wird nicht der Information zugerechnet.

Mit diesen Angeboten haben die Zuschauer des Ersten die Möglichkeit, sich zur besten Sendezeit über wichtige politische und gesellschaftliche Vorgänge zu informieren. Das Erste wird auch in Zukunft versuchen, seinen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag so gut wie möglich zu erfüllen.

Mit freundlichen Grüßen aus München

Sabine Weis

Zuschauerredaktion DAS ERSTE
 


Antwort 2

 
From: monitor <monitor (at) wdr.de>
Date: Tue, 16 Nov 1999 18:18:06 +0100
To: Rudolf Kuhr
Subject: Re: Hilfeleistung

Sehr geehrter Herr Kuhr,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 27.10.99 und Ihr Interesse an unserer MONITOR-Sendung.

Ihre kritischen Anmerkungen zu unserer Sendung haben wir mit sehr viel Aufmerksamkeit gelesen. Dass Sie die MONITOR-Sendung als "belustigend und unterhaltend" empfinden, erstaunt uns sehr. Unsere Aufgabe als kritische Journalisten sehen wir darin, immer wieder zu versuchen, kompromisslos und eindeutig aktuelle politische Ereignisse in unserer Sendung MONITOR aufzuzeigen und darzustellen.

Zu einem kritschen Magazin wie MONITOR gehören selbstverständlich auch Glossen und Satiren. Seit nun über zehn Jahren steht am Schluss unserer Sendung regelmäßig eine politische Satire, ein Beitrag, der Aktuelles aus der Politik mal aus ganz anderer Perspektive betrachtet. Da es kaum etwas so schwer Fassbares gibt, wie Humor, kommt es regelmäßig nach unserer Sendung zu erhitzten Debatten darüber, was lustig ist und was eben nicht.

Ich bin der Meinung, solange die einen lachen und die anderen sich ärgern, hat man nicht alles falsch gemacht.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Happe
Chef vom Dienst
MONITOR-Redaktion
 


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Menschliches Maß
 


 
Leserbrief zum Artikel 'Menschliches Maß statt göttliche Macht' in 'freidenker' Heft 10/99

Das Auflisten der verschiedenen Faktoren, die dazu führen, daß religiöse Zugehörigkeiten noch immer einen so großen Wert in allen Gesellschaften der Welt haben ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Lösung grundlegender gesellschaftlicher Probleme. Es dient einem besseren Verständnis sowohl der religiös orientierten, als auch der übrigen Menschen und kann zu einer gegenseitigen Annäherung führen. Es könnte sogar dazu führen, daß die in den 6 Punkten aufgeführten Faktoren weitgehend auch von freigeistigen und -denkenden Menschen mit entsprechenden Inhalten versehen werden, um der Gesellschaft ein alternatives Angebot zu machen.

Voraussetzung dafür sind allerdings Erkenntnis, Anerkenntnis und Bekenntnis des gemeinsamen letztlichen Zieles: verantwortliche Menschlichkeit. Es kann weniger darum gehen, die jeweils andere Seite wegen ihrer abweichenden Bedürfnisse abzulehnen oder gar zu verunglimpfen, sondern darum, die eigenen Ansichten und Maßstäbe an der gemeinsamen Aufgabe dieser Menschlichkeit auszurichten. Die Qualität der Menschlichkeit ist entscheidend für alles weitere, letztlich sogar für das Weiterbestehen von Mensch und Natur. Diese Qualität immer wieder neu zu bestimmen und weiterzuentwickeln wäre von beiden Seiten - möglichst gemeinsam - zu beiderseitigem Nutzen zu betreiben. Einseitigkeiten und Gegensätzlichkeiten könnten abgebaut werden zugunsten ganzheitlicher Sicht- und Handlungsweisen sowie gemeinsamer Interessen und Aufgaben.

Auf der einen Seite könnte erkannt werden, daß ein Hinterfragen der Gefühle und ein Verzicht auf irreale Glaubensvorstellungen im Ergebnis zu keiner Verunsicherung, sondern zu mehr Sicherheit führt. Auf der andern Seite könnte erkannt werden, daß die Begriffe Religion und Gott - wissenschaftlich betrachtet - lediglich Rückbindung und Chiffre bedeuten, daß ein Inhalt der Chiffre für aufgeklärte Menschen höchstens das Prinzip ganzheitlichen Menschseins bilden kann und eine Rückbindung an dieses Prinzip sowie ein deutliches Bekenntnis dazu für ein sinnerfülltes Leben von größter Wichtigkeit sind. Vielleicht können eines Tages beide Seiten ohne Schwierigkeiten sagen: Göttliche Macht heißt verantwortliche Menschlichkeit.

Rudolf Kuhr, München, 13.10.99

 


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Symptom-Bekämpfer
 


 
Humanistische AKTION  für mehr Menschlichkeit

Gemeinnützige Initiative seit 1994

München, 29.09.99

An
X. Y.
Straße
Ort

Lieber X Y,

recht herzlichen Dank für die schnelle Zusendung der Informationen zur Benjes-Hecke. Ich habe jetzt eine Seite darüber im Internet unter der Adresse: <http://www.humanistische-aktion.de/benjes.htm>, die ich nach und nach noch vervollständigen möchte. Vielleicht haben Sie irgendwo mal Gelegenheit (Schulen?), reinzuschauen, um mir noch Hinweise zu geben.

Gern würde ich Beispiele nennen, die zu besichtigen sind, mit genauer Ortsbeschreibung, Entstehungsdatum und möglichst auch Ansprech-Personen, die evtl. auch zu Führungen bereit sind. Ich selbst würde gern in der Nähe eine solche Hecke mal besichtigen. Kennen Sie die biologisch geführten 'Hermannsdorfer Landwerkstätten'? Da würde ich so etwas vermuten.

Im Internet habe ich zufällig einen Hinweis auf die inzwischen fast 5 km lange Hecke in Varchentin gesehen und erwähnt.

Zum "geselligen" Thema (Silvio Gesell) hätte ich einiges zu bemerken, zusammenfassend nur so viel: zu dem Weltbild, das die Armut überwindet fehlt jetzt - nach ca. 80 Jahren an Wachstum entsprechender Literatur - nur noch das Menschenbild, das zur Umsetzung dieser guten Idee führt. Hier liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit: Humanismus als alternative ethische Orientierung.

Meine persönliche Erfahrung ist, daß es auf der einen Seite wohlhabende Verfechter der NWO gibt, aber zu geizig sind, genossenschaftliche Projekte bei geringen Renditen zu unterstützen, und daß es auf der anderen Seite Menschen gibt, die ohne Ideologie Tauschbörsen betreiben und Banken, die mit dem alten Geld-System nicht gewinnorientiert arbeiten.

Ich denke, daß zumindest gleichzeitig mit der Propagierung neuer Wirtschaftssysteme, wenn nicht vorrangig die Propagierung eines menschlichkeits-orientierten Weltbildes betrieben werden müßte, denn der Mensch ist das Problem der Welt, der Mensch entwickelt und betreibt (mehr oder weniger bewußt) die verschiedensten Systeme.

Wann werden Sie Ihre guten Gedanken im Internet - dem Großhirn der Menschheit - zur Verfügung stellen? Gern wäre ich Ihnen dabei behilflich, ich bin so alt wie Sie und habe es - trotz großer Hemmschwelle - auch noch geschafft. Ich halte es für wichtig, daß dieses ideale Medium vor allem von denen genutzt wird, die zur Verbesserung der bestehenden Verhältnisse beitragen wollen und können.

Was antworten Sie auf eine Frage nach Ihrer Weltanschauung?

Mit besten Wünschen
und freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Probleme lassen sich nicht
mit den Denkweisen lösen,
die zu ihnen geführt haben.

Albert Einstein

Anlage
Einladung
Banken
Grundlage
Karte 'Vermögen'


Antwort

1. Oktober 1999      

Lieber Herr Kuhr,

"wegen Streckenüberlastung" muß ich bei der Benjesheckenberatung etwas kürzer treten, um mich voll auf Vortragsveranstaltungen, DDW-Artikel und Korrespondenz konzentrieren zu können. Habe bisher allen geraten, sich selbst eine Benjeshecke anzulegen, anstatt die der anderen zu suchen und zu besuchen. Das hat ja wohl auch gewirkt, denn andernfalls wären wohl kaum so viele Benjeshecken entstanden. Die Hermannsdorfer Landwerkstätten kommen mir bekannt vor; habe da bestimmt mal vor vielen Jahren einen Vortrag gehalten. Also nix wie hin!

Ob das Internet - wie Sie glauben - das Großhirn der Menschheit ist, wage ich zu bezweifeln. Was da alles drin ist! Lese gerade "das Schwarzbuch des Kommunismus". Stalin ließ Kirchen in Schweineställe und Autoreparaturwerkstätten verwandeln. Dieses Nebeneinander von Gut und Böse (im Internet) läßt mich noch zögern, darin etwas Erstrebenswertes zu erkennen.

Vor einigen Jahrzehnten war viel von moralischer Aufrüstung die Rede. Diese Leute und z.T. Geschäftemacher sind inzwischen ganz ruhig geworden. Sie fragen nach meiner Weltanschauung. Die dürfte aus meinem Buch über Silvio Gesell zu entnehmen bzw. zu erkennen sein.

Der Mensch bedarf keiner Nachbesserung der Schöpfung, kann also so bleiben wie er ist. Sonst könnte man ja auch wirklich verzweifeln - mit der Kirche, die seit 2000 Jahren an einer Verbesserung bastelt. Geben wir den Menschen menschenwürdige Lebensumstände, dann werden die meisten zufrieden sein und wir hätten den Bürgerfrieden, der die Grundlage des Völkerfriedens ist.

In der Freiwirtschaftsbewegung finde ich den Schlüssel für dieses wahrhaft humane Ziel, bedarf also keiner philosophischen Spitzfindigkeiten, die nur von der Arbeit ablenken, die jetzt zu leisten ist. Sie wissen doch: es gibt nichts Gutes -außer man tut es!

Mit herzlichen Grüßen

X Y


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Neue Regierung
 


 
Leserbrief zur taz-Aktion: LeserInnen debattieren über ein Jahr Rot-Grün *)

Als Wähler der neuen Regierung frage ich mich jetzt manchmal, ob SPD und Grüne unserem Land nicht besser in der Opposition gedient hätten. Zu oft habe ich den Eindruck als würde es den Politikern zuerst um ihre eigenen Interessen, dann um die der Partei und zuletzt erst um die Belange des Landes gehen. Zu selten ist eine gewisse menschliche Größe erkennbar, die es ermöglicht, sich selbst zugunsten des gemeinsamen politischen Zieles zurückzunehmen. Ja, es fehlt offensichtlich vielen an einer kritischen Selbstwahrnehmung. Besonders Gerhard Schröder macht es sich und seinen Freunden schwer, indem er sich selbst in der Öffentlichkeit zu wenig beobachtet. Zum Beispiel lassen manche seiner peinlichen Gesten vermuten, daß er noch unter seiner Herkunft leidet, andere, daß er sein Amt nicht ernst nimmt. Auch mit lautstarken Wahlversprechungen macht er sich unglaubwürdig.

Der fluchtartige Rückzug Oskar Lafontaines läßt Außenstehende auf ein sehr mangelhaftes zwischenmenschliches Klima in der Partei schließen, das mit angeordneter Parteidisziplin nur überdeckt, nicht aber saniert werden kann. Der in beiden Parteien durch die Streitlust besonders deutlich werdende Freiheits- und Geltungsdrang sollte nicht auf Kosten von Politik und Menschen gehen. Menschenbildung wäre als innerparteiliche Fortbildungsmaßnahme angesagt, psychologische Beratung dringend geboten. - Am überzeugendsten in ihrem menschlichen Verhalten erschienen mir derzeit Joschka Fischer und Hans Eichel.

Rudolf Kuhr, München
 

veröffentlicht 25/26.09.99
 


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Wahlberichterstattung
 


 
Leserbrief zu den Wahlen in Brandenburg und im Saarland am 5.9.99 *)

Wenn in der Presse die Zahlen über die Wahlbeteiligung bekannt gegeben werden, dann müßte zumindest am Tag nach der Wahl auch das Fernsehen dazu in der Lage sein. Besonders dann, wenn - wie in Brandenburg - fast die Hälfte aller Wahlberechtigten sich nicht an der Wahl beteiligen.

Welche Bedeutung die Wahlbeteiligung für eine Regierung hat, wenn sie sich auf ihren Auftrag durch "den" Wähler beruft, das zeigt erst ein Vergleich der Ergebnisse mit und ohne Berücksichtigung der Nichtwähler:

Brandenburg offiziell: SPD 39,3; CDU 26,5; PDS 23,3; DVU 5,3; Grüne 1,9; FDP 1,8; andere 1,9 %. Unter Einbeziehung der 45,6 % Nichtwähler: SPD 21,4; CDU 14,4; PDS 12,7; DVU 2,9; Grüne 1,0; FDP 1,0; andere 1,0 %

Saarland offiziell: SPD 44,4; CDU 45,5; Grüne 3,2; FDP 2,6; REP 1,3; andere 3,0 %. Unter Einbeziehung der 31,3 % Nichtwähler: SPD 30,5; CDU 31,3; Grüne 2,2; FDP 1,8; REP 0,9; andere 2,0 %

Politik betrifft immer alle Bürger, auch wenn sich nicht alle dafür interessieren. Und öffentlich-rechtliche Medien sollten - im Interesse der Demokratie - über politische Ereignisse umfassend informieren, auch wenn das für die Medienmacher selbst unbedeutend sein mag. Die Vernachlässigung der Wahlbeteiligung begünstigt einen Realitätsverlust und tut weder der Politik, noch dem Journalismus gut.

Rudolf Kuhr
 

*) am 06.09.99 an AbendZeitung München; Augsb.Allg.; Bild; HHMorgenpost; Nürnb.Nachr.; Stgt.Ztg.; SZ; taz; TZ Merkur, München; ARD, ZDF, Phoenix, CDU/CSU, FDP, Grüne, PDS, SPD, Infratest.

 


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Atheisten
 


 
Humanistische AKTION  für mehr Menschlichkeit

Gemeinnützige Initiative seit 1994

München, 24.08.99

Bund für Geistesfreiheit
Heinz J.G. Gremer
Kadalöhleinsweg 25

95326 Kulmbach

 

Sehr geerter Herr Gremer,

Sie schreiben in Ihrem Rundschreiben 2/99 u.a., daß Christen seit 2000 Jahren auf ein Auseinanderleben der Menschen hinarbeiten, und daß Sie als Atheisten sich Christen als Partner bei der Bewältigung der vielfachen menschlichen Probleme abseits jeglicher Transzendenz wünschen.

Und weiter schreiben Sie, daß die 'Humanistische Union' ihren Namen zu Recht trägt, während der 'Humanistische Verband Deutschlands' eine atheistische Organisation sei, die sich hinter einem humanistischen Mäntelchen verberge. Es sei keine Schande, ein Atheist zu sein, sondern diese Weltanschauung zeuge von Selbstbewußtsein und geistiger Reife.

Diese Ansichten können auch aus einer anderen Sichtweise gesehen werden. Ist es nicht die HU, welche sich eines humanistischen Mäntelchens bedient, weil sie lediglich Bürgerrechte - also nur einen Teil des Menschentums - vertritt und nach eigenen Angaben mit Weltanschauung nichts zu tun haben will, obwohl das Recht ohne eine ethisch fundierte Weltanschauung durchaus auch gegen die Menschlichkeit verwendet werden kann, wie der reale Sozialismus zeigte?

Sind es nicht Atheisten, die sich mit dieser Bezeichnung - die in ihrer negierenden Form keine konstruktive Weltanschauung sein kann - offen von Christen und anderen abgrenzen und damit vielen ihre Art der Bewältigung menschlicher Probleme sowie eine Zusammenarbeit erschweren?

Zeugt es von Selbstbewußtsein und geistiger Reife, oder ist es nicht eher eine Schande, wenn man erkennt, woran es der Gesellschaft fehlt - nämlich an Menschlichkeit - und sich trotzdem nicht zum Menschentum bekennt, nur weil man zu bequem ist, sich selbst in die Arbeit mit einzubeziehen?

Transzendenz ihrer selbst wäre zu wünschen, damit Atheisten und Freigeistige und Freidenker endlich erkennen, daß ihre Bekenntnisse eher pubertärer Unreife entsprechen, weil sie da stehen bleiben, wo die Orientierung von ganzheitlich denkenden und verantwortlich empfindenden Menschen beginnt. Ein Bekenntnis zum Humanismus bedeutet ja nicht, ein perfekter Mensch zu sein, oder sich hinter einem perfekten Mäntelchen zu verstecken, sondern dieses Bekenntnis bedeutet vielmehr, sich ganz dem Anspruch des Menschseins zu stellen, sich damit selbst zu fordern und auch von anderen fordern zu lassen.

Ein Humanist bekennt sich uneingeschränkt zum universellen Menschentum, ein Christ zum separierenden Christentum, ein Freigeist nur zu einem freien Geist, ein Freireligiöser lediglich zu freier Religion, ein Atheist nur zur Nichtexistenz Gottes. Da ist es wohl keine Frage wer den wirklichen Erfordernissen der Gesellschaft näher steht, der es vor allem an Menschlichkeit fehlt, dem Grundstoff aus dem alle menschlichen Systeme und Handlungen bestehen.

Reale, lebendige Menschlichkeit besteht - wie alles Leben - aus zwei gegensätzlichen Polaritäten: Verstand und Gefühl, je nach Lage jeweils mehr oder weniger von dem einen oder anderen Teil. Störungen entstehen durch Abspaltung und Unterdrückung eines der Teile. Katastrophal wirkt hier ein Extremismus. Es geht im Grunde um das Problem von Ganzheitlichkeit oder Gespaltenheit. Während Gefühle meist unbewußt entstehen und es oft auch bleiben, wird der Verstand meist bewußt eingesetzt.

Die Bedeutung der Gefühle auch für verstandesbetonte Entscheidungen und Handlungen wird daher allgemein weitgehend unterschätzt, obwohl selbst auf noch so sehr sachorientierten Gebieten letztlich das Gefühl die Entscheidung bestimmt. Da unsere patriarchalisch geprägte Gesellschaft den Verstand fördert und das Gefühl unterdrückt, kommt es zu den vielfältigen Spaltungen, dem Mangel an Menschlichkeit mit den daraus folgenden Konflikten in zwischenmenschlichen Bereichen und zwischen Mensch und Natur.

Menschlichkeit braucht eine ethische Orientierung, die auf einer ganzheitlichen Weltanschauung beruht, die sowohl Gefühl als auch Verstand anspricht und mit einbezieht und so ein ganzheitliches Menschenbild ermöglicht. Christentum und andere Heilslehren mit mystischen Grundlagen und Formen zwingen den gesunden Menschen zur Spaltung von Gefühl und Verstand und behindern damit die Selbstwahrnehmung und -kontrolle, sie behindern damit auch die Einfühlung in die Mitwelt.

Freigeistige, -religiöse, atheistische und sonstige Weltanschauungen, die sich nicht ausdrücklich zum Menschentum bekennen, fördern ihrerseits die Spaltung, indem sie von vornherein nur Teilbereiche des Menschentums ansprechen und wesentliche Gebiete wie die Psychologie meiden. Und selbst bei den Organisationen, die sich in ihrem Namen zum Menschentum bekennen, wird dieses durch Einschränkungen nicht in seiner Ganzheitlichkeit angestrebt, indem man bemüht ist, das Ganze des Menschentums aufzuspalten in säkulare und religiöse Bereiche, anstatt durch Analyse und Neudefinition strittiger, für viele - oder inzwischen vielleicht auch nur noch manche - wichtiger Begriffe wie Religion, Gott und Glauben.

Da ist es fast wahrscheinlicher, daß sich die christliche Kirche irgendwann zu einer humanistischen Kirche entwickelt, als daß sich freigeistige und humanistische Vereinigungen zu einer gesellschaftlichen Kraft entwickeln, die das universell Verbindliche über das Separatistische setzt. Sinnvoller als lediglich abgrenzend zu sagen "es gibt für mich keinen Gott" oder "ich bin nicht-religiös" oder "ich bin frei", wäre es doch, kommunikativ zu sagen "was verstehst du unter Gott? Für mich ist Gott das Prinzip verantwortlicher Menschlichkeit" und "woran und wie bindest du dich zurück? Ich binde mich frei und unmittelbar an meine ganze Mitwelt und an das Ideal vom verantwortlichen Menschentum zurück. Ich glaube an die Möglichkeit einer friedlicheren Welt."

Unsere eine Welt braucht eine globale ethische Orientierung. Sie braucht Menschen, die sich uneingeschränkt zum universellen Menschentum bekennen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und an ethischen Standards arbeiten, um wegzukommen von Ab- und Ausgrenzungen hin zu konstruktiver Zusammenarbeit auf dem gemeinsamen Gebiet der Menschlichkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Anlage
Zukunft
Karte 'irgendwie'


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Entmilitarisierung
 


 
Leserbrief zu "Angriff auf das Heimatgefühl - Straßenumbenennung" *)

Mein Heimatgefühl wird seit einigen Jahren angegriffen durch den Straßennamen meiner Adresse. Nach mehrfachen Beanstandungen durch Empfänger meiner Post, die meine Initiative 'Humanistische AKTION' mit einer Artillerie-Straße für unvereinbar hielten, habe ich meine Adresse eigenmächtig entmilitarisiert, indem ich den Straßennamen um die letzten zwei Buchstaben kürze. Durch die neuen Postleitzahlen ist eine sichere Zustellung nicht erschwert. Wenn Traditionen eine friedliche Orientierung verhindern, dann veranlassen sie damit friedliebende Bürger zur Selbsthilfe. Die aktuellen Ereignisse im Kosovo zeigen, wohin unkontrolliertes Heimatgefühl führen kann. Heimatgefühl sollte die Entwicklung der Heimat nicht behindern, sondern fördern.

Rudolf Kuhr
Neuhauser Anzeiger 12.08.99
 

*) In dem Artikel griffen "Heimatfreunde" eine Initiative an, die sich
    für eine Umbenennung militaristischer Straßennamen einsetzte.

 


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Humanistische AKTION

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www.humanistische-aktion.de/briefe5.htm

Aktualisiert am 26.02.07