Mit globaler Ethik gegen Terrorismus

Diskussionsbeitrag zur 'Stiftung Verantwortliche Menschlichkeit'
 
von Peter Stenzinger

 
Die folgenden Zeilen stelle ich mir als ersten Schritt zu einer neuen Initiative vor, welche die Weisheit nicht mehr nur als Privatkapital ehrt sondern als ethisch anwendbare, gesellschaftlich aus-schlagkräftige Trumpfkarte einsetzt.

Der zum Himmel schreiende Reifegrad der geistigen Evolution der Menschheit sowie meine letzten 3 Jahre Gemeinschafts-Erfahrungen im Ökodorf 'Sieben Linden', haben mich genötigt, erneut den Schritt aus dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber zwischenmenschlich unethischen Verläufen, in kreative Verantwortungsbereitschaft umzuwandeln. Die akute Weltlage und die allgemeinen Reaktionen darauf, nötigen mein Bewußtsein, praktische Mitverantwortung für die Erstellung neuer, global funktionsfähiger, ethischer Handlungsstandards zu wagen.

Diese global gültigen Ethik-Aussagen sollten im Zusammenhang ihrer Begründungen so verstehbar sein, daß sie zur Abwendung konfliktträchtiger Situationen benutzt werden können und auf diese Weise die bisher gängigen Reaktionen auf Reaktionen der Reaktionen ablösen!

Das liest sich nicht nur verrückt sondern ist verrückt. Das ist deswegen verrückt, weil jeder Mensch eigentlich nach Glück strebt, also für diesen Zweck glückbringende Verursachungen in den Alltag setzen müsste. Er tut aber das Gegenteil in dem Maße, wie die unaufgearbeitete Emotionalität vergangener Lebensabschnitte in die Gegenwart hinein wirkt. In der Praxis überläßt der Mensch also seiner, in der Vergangenheit entwickelten Emotionalität, die Auswahl der Handlungsstandards. Denn die Durchschnittsmenschen, das sind alle, die nicht systematisch therapeutische Verantwortung für ihr Innenleben pflegen, reagieren in der Gegenwart, gemäß der in der Vergangenheit geprägten Verhaltensroutinen, also vergangenheitsgemäß und gewissermaßen fremdbestimmt, nicht autonom!

Das ist nicht wirklichkeitstüchtig und kann daher auch nicht verantwortungsvoll sein!

Solange Verantwortungsträger für soziale Belange bei sich und untereinander so etwas billigen, billigen sie, daß vergangene Mißemotionen die Weichen für den Lebensweg der Zukunft stellen! In diesem Maße also, wie dieses Prinzip die Praxis prägt, in diesem Maße bekundet eine Kultur, daß sich ihre Verantwortungsfähigkeit für die Belange des Lebens, nicht weit von der Verantwortungsfähigkeit des Tierreiches abhebt bzw. hinter dieser zurückbleibt!

Das ist nicht als Ironie gemeint sondern ist die vom Kulturmenschen bisher noch nicht reflektierte Tatsache dafür, daß es trotz des Überangebotes an analytisch wahrhaftiger Vernunft, nicht zu friedlich sozialer Harmonie zwischen den Menschen kommt!

Gegen diese inhumane Erblast können sozialpolitische Verantwortungsträger mit einer neuen sozialpolitischen Spielregel vertraut gemacht werden, die vor der oben beschriebenen psychischen Falle schützt!

Damit kann der Schritt in eine neue geschwisterlich politische Ära getan werden.

Unterließen es sozialpolitische Verantwortungsträger, in Zeitabschnitten weichenstellender Beschlußfassung, ihre eigene Reiz/Reaktions-Automatik einer übergeordneten ethischen Routine zur Kontrolle zu überantworten, wirkten die unbewußten Ursachen dafür weiter, daß sich kollektive Emotionalität gerade in überlebenswichtigen Belangen, als Trumpfkarte gegen ethisch-analytisch begründete Handlungsperspektive durchsetzt!

Wenn diese Aussage bezüglich ihrer logischen Begründung später auch noch differenzierterer Erläuterung bedarf, so bedeutet es jedoch vorerst für verantwortungsfähige gesellschaftliche Hoffnungsträger grundsätzlich, daß man damit aufhört nur an die vernünftige "Logik" der Allgemeinheit bzw. bei anderen Entscheidungsträgern zu appellieren, sondern jetzt zunächst das Schwergewicht auf die Errichtung und Anwendung einer neuen Entscheidungsregel zu lenken, durch deren Anwendungsprozeß jeglicher unreflektierten und unkontrolliert wirkenden Emotionalität die Macht genommen wird!!!

Harmonie- und Frieden stiftende Initiative bedarf gegenüber unaufgearbeiteter Emotionalität sowie den daraus entstehenden illegitim unterschwellig wirkenden Motiven, eine neu zu schaffende Übereinkunft des Umgangs mit dieser Realität! So eine Übereinkunft könnte man "angewandte globale Ethik" nennen. Aber die darin gesammelte Definition der Werte allein könnte angesichts der oben behaupteten Reiz-Reaktions-Automatik nichts neues bewegen!

Zum Durchbruch, daß heißt zur schrittweisen Anwendung einer neuen Ethik kann es nur dann kommen, wenn sich immer größere Teile anerkannter Persönlichkeiten zu solch einer Ethikbewegung und ihrer ethischen Anwendung formieren.

Die Ethikbewegung, als institutionalisierte Instanz, würde nach ihrer Anerkennung jedweder Konfliktpartei als dritte "neutrale" Kraft zur Seite stehen und die Brücke zu legitimer Lösung weisen. Die spätere Anwendung von Ethik wird natürlich alten Interessen gegenüber stehen, die ihre widersprüchlichen Ansprüche jeweils aus ihrer inneren Gewohnheit legitimieren.

Demgegenüber wird die Ethikanwendung, als alternativ richtungsweisender Faktor auftreten müssen. Ethischer Lösungsweg wird also nicht mehr von den Vergangenheitsdilemmas ableitet sondern stellt dieser Autopilotengewohnheit durch Kenntnis der Funktion planetarisch gültiger Kausal-Gesetzmäßigkeiten die konfliktfreieste Möglichkeit gegenüber! Bedeutende Entscheidungsfindungen sollten künftig durch Bezug auf ethisch bedeutsame und allgemein erkannte Gesetzmäßigkeiten begründet werden! Vom Gesichtspunkt der Ethik muß der Begriff "politisch durchsetzungsfähig" als Handlungsrechtfertigung künftig diskreditiert sein!

So entsteht eine neue Basis zum Wohle bestmöglichen Überlebens für alle Beteiligten und ist zugleich die realistisch neue Hoffnung auf eine angewandte Ethik des neuen, verantwortlichen Menschen.

In dieser Funktion kann die neue, globale Ethik schon allein durch ihr systematisches Auftreten, alten Anspruchgewohnheiten gegenüber, die geschwisterliche Alternative deutlich machen! Nämlich, - die neu polarisierte Sicht, ob man gewillt ist, der Logik der Verfehlungen aus der Vergangenheit zu folgen oder ob es für alle erfüllender ist, die Zukunftsweichen aus jener Logik heraus zu stellen, die bestmögliches Überleben für alle aus den planetarischen Gesetzmäßigkeiten ableitet.

Zur Bewältigung dieser Aufgabe hat die zu schaffende Ethikbewegung zwei Aufgaben zu erfüllen:

1. Erstellen ethischer Theorie als globale ethische Standards mit selektiver Gewichtung jener Kausalgesetzmäßigkeiten, die - ursächlich und ganzheitlich - Schlüsselcharakter für Konfliktvermeidung haben.

2. Bereitstellung und Verbreitung der globalen ethischen Standards zu erfolgreicher Anwendung innerhalb emotionalisierter Milieus (trainieren angewandter Reiz/Reaktionskontrolle aus der Ethiktheorie).

Nach Anerkennung bzw. Verbesserung dieses Entwurfes durch Menschen, die sich dieser Initiative anschließen, könnte dem eine Sammlung von Gedanken folgen, die nach ethischer Theorie sowie ihrer Anwendung strukturiert ist, um die Interessenten der Ethikbewegung über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten.

Peter Stenzinger, 16.10.01

 

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Ethik

Sittlichkeit ist ohne die Mitwirkung religiöser oder transzendenter Vorstellungen möglich, weil sie in Gefühl und Vernunft der Individuen wie in den Bedürfnissen der sozialen Gemeinschaft genügend starke Wurzeln hat; sie ist ein Entwicklungsprodukt des Wechsellebens von Individuum und Gesellschaft, die Frucht eines Ausgleichs zwischen Einzelwillen und Gemeinschaftswillen. Die Ethik muß auf dem festen Grunde rein wissenschaftlicher Weltbetrachtung fußen: einer immanenten, nicht einer transzendenten; sie muß sozial und human, nicht religiös sein; geschichtlich erarbeitet, da sie nicht geoffenbart sein kann; mit der Menschheit und Kultur sich entwickeln, nicht als ein für allemal fertig und unwandelbar betrachtet werden. Die Ideen und Ideale der Menschheit sind nicht Wirklichkeiten einer transzendenten Welt, wie der falsche Idealismus meint, sie sind wirklich, d. h. wirkend nur insofern, als wir Menschen daran glauben und sie als wahre Idealisten zur Richtschnur und zu Zielpunkten unseres theoretischen und praktischen Verhaltens machen. 

Friedrich Jodl, Philosoph (1849-1914)

*

Jeder Mensch hat grundsätzlich von der Natur die Anlage, einen hohen Grad an Weisheit zu erlangen.
Die bisherigen Kulturen lassen jedoch eine solche Entwicklung nur in Ausnahmefällen zu. Die Menschheit
insgesamt zeigt keine Weisheit, sie gleicht einem Bakterienstamm, der sich ungehemmt solange vermehrt, bis
seine Lebensgrundlagen verbraucht sind. - Kultur braucht deshalb Erneuerung: eine humanistische Orientierung!

 

 

Ethik ist eine bis ins Unendliche erweitere Verantwortung.
Albert Schweitzer, Humanist 1875-1965

 

Entwurf und Einladung zur Mitwirkung an der 'Stiftung Verantwortliche Menschlichkeit'
 


 
Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION
 
10/2001
 


 
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Aktualisiert am 31.08.05