Fernseh-Fee

zaubert Werbung aus dem Programm
 

Kampf dem Werbestopper - Privatsender verklagen "Fernsehfee" Bericht von Christian Mößner in der BR-Sendung 'Zeitspiegel' vom 20.10.99:

Jeden Abend passiert es auf's Neue. Millionenfach in deutschen Wohnzimmern. Der Fernsehzuschauer greift zur Fernbedienung, sucht seine Lieblingssendung. Wer sich für einen Privatsender entscheidet, entscheidet sich auch für ein Feuerwerk von Werbeblöcken. Meist ohne Rücksicht auf Inhalt oder Dramaturgie werden die Filme zerhackt. Denn Werbung zur besten Sendezeit bringt am meisten Geld. Viele Zuschauer sind genervt. Die einen zappen weg, andere flüchten ganz für die Dauer der Werbeunterbrechung.

Auch Petra Bauersachs aus Koblenz fühlte sich als Opfer des Werbeterrors. Ihrem Zorn entsprang eine raffinierte Geschäftsidee. Mit findigen Technikern entwickelte sie einen kleinen Decoder, der sich ganz nach den Wünschen des Zuschauers programmieren läßt. Die "Fernseh-Fee" war geboren. Der Clou dabei: ein Werbeblocker. Er schaltet automatisch für die Dauer einer Werbeunterbrechung in einen Kanal, wo gerade keine Werbung läuft. Per Videowand und Computer werden alle Werbepausen kontrolliert. Die Box kann auch auf einen Videorecorder abgestimmt werden. Das Ergebnis: ungetrübte Spielfilm-Freuden.

Erfinderin Petra Bauersachs dazu: "Also die Idee ist wirklich geboren worden mit dem Werbeblocker, nicht weil wir uns über Fernsehwerbung als solche geärgert haben, sondern über die penetrante Fernsehwerbung, die sechs oder sieben Mal einen Film unterbricht, ob es jetzt Waschmittelwerbung ist oder ein Gebissreiniger, und dann haben wir uns überlegt, daß es doch ein Gerät geben muß, das die Werbung ausblendet. Und dann haben wir das zu Papier gebracht, auch patentieren lassen, ja und so ging das dann weiter. Denn wenn man Werbung ausblenden kann, kann man auch Horror ausblenden oder Gewalt und so war der Kinderschutz geboren."

Die i-Box oder "Fernsehfee" wird zum Verkaufsschlager. Seit einem Jahr ist das Gerät auf dem Markt, seitdem geht es rund in der Versandabteilung. Je nach Ausstattung kostet die i-Box zwischen drei- und vierhundert Mark. Viele Kunden sind bereit, diesen Preis für werbefreie Spielfilme zu zahlen. Doch des einen Freud' ist des anderen Leid. Denn nicht nur beim Zuschauer schlug die Fernsehfee ein wie eine Bombe, sondern auch in den Chefetagen der Privatsender. Ein Gerät, das automatisch Werbung wegzappt, war die Bedrohung schlechthin.

"Die Privatsender haben natürlich in ganz Deutschland Einstweilige Verfügungen gegen uns eingereicht und machen uns das Leben schwer, weil wir für jede Stadt einen neuen Anwalt brauchen und das ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Und wir sind jetzt ein dreiviertel Jahr zurückgeworfen worden, weil der Werbeblocker nicht auf den Markt gebracht werden durfte."

Der "Werbeblocker" belebt die Konkurrenz zu einem denkbar heiklen Zeitpunkt. Denn der Fernsehmark ist offenbar gesättigt, die Gewinnzuwächse der Werbe-Einnahmen werden von Jahr zu Jahr geringer. Stärker denn je wird Werbung zum Lebensnerv vor allem der "Privaten"... zum Beispiel bei SAT 1: der Sender zog gleich zweimal in Frankfurt gegen den "Werbeblocker" vor Gericht. Vergeblich. Die Richter erklärten die "Fernsehfee" für zulässig. Das Gerät sei weder wettbewerbswidrig, noch gefährde es die Rundfunkfreiheit der Privatsender.

In dem Urteil heißt es im Einzelnen: "Sie (d.h. die 'Fernseh-Fee') greift weder in die Rundfunkausstrahlung ein, noch zwingt sie dem Zuschauer in irgendeiner Weise die Ausblendung der Werbung auf. Vielmehr eröffnet sie ihm die Möglichkeit, durch eigene freie Entscheidung, beim Beginn der Werbeausstrahlung automatisch das Programm wechseln zu lassen."

Doch RTL zog genauso nach wie der kleinere Privatsender VOX. Beide verklagten die kleine Koblenzer Firma ebenfalls. Die Strategie war offensichtlich. Die "Fernsehfee" sollte mit hohen Gerichts- und Anwaltskosten in die Knie gezwungen werden. Bei einem Streitwert von zwei Millionen Mark kommen schnell Prozesskosten von mehreren zehntausend Mark zusammen. Kein Pappenstiel für eine junge Firma, die gerade erst anfängt. Die Taktik schien aufzugehen. Denn das Berliner Landgericht entschied für die "Privatsender". Begründung: der Gesetzgeber garantiere die Existenz des Privatfernsehens als Konkurrenz zum öffentlich-rechtlichen System. Werbung dürfe deshalb nicht durch ein technisches Gerät dem Zuschauer vorenthalten werden.

In dem Urteil heißt es: "Sie (d.h. die 'Fernsehfee') fördert ihr wirtschaftliches Fortkommen durch den Eingriff in Grundrechte Dritter. Ein solches Verhalten ist stets unlauter, weil es dem Leitbild des Wettbewerbs widerspricht. Der Vertrieb eines mit der Werbe-spot-stop-Funktion ausgerüsteten Vorschaltgeräts und die Werbung dafür, verstoßen damit (...) gegen das in Artikel 5 Grundgesetz geschützte Recht auf Rundfunkfreiheit."

Der Rechtsanwalt des Senders VOX, Hans-Henning Arnold, sieht sich bestätigt: "Der Kunde ist König, aber hier geht es darum, daß ein Wirtschaftsunternehmen im Wirtschaftsverkehr versucht, ein anderes zu ruinieren, das ist letztlich der Sinn des Werbeblockers. Natürlich kann der Zuschauer zappen wohin er möchte, natürlich haben wir es auch gerne, wenn er bei unserer Werbung dabei bleibt, aber wenn er wegzappen will, ist das sein gutes Recht. Nur dies hier ist etwas anderes, hier versucht der eine sein Geschäft damit zu machen, indem er den anderen ruiniert."

Völliger Unsinn, meint der renommierte Medienrechtler Thomas Hoeren von der Universität Münster. Er hat die Urteile für und gegen den "Werbeblocker" verglichen und glaubt nicht, daß die "Fernsehfee" von den Privaten zur Strecke gebracht werden kann. Der Medienrechtler urteilt: "Wir haben den Grundsatz, daß wir uns in Deutschland natürlich an die guten Sitten des Wettbewerbs halten müssen, aber gute Sitten heißt nicht, daß wir Zwangswerbung verordnet bekommen, die sich jeder anschauen muß. Wir haben den Grundsatz der allgemeinen Freiheit, sich Werbung anzuschauen oder eben nicht, und daraus ergibt sich, daß jemand Werkzeuge herstellen kann, um jene Zuschauer zu unterstützen, die eben kein Werbefernsehen sehen wollen."

Nachfrage: "Was wären denn für Parallelen denkbar, wenn die 'Fernsehfee' verboten würde, wenn Sie auf andere Bereiche gucken?"

Antwort Thomas Hoeren: "Das würde genauso bedeuten, daß wenn jemand Aufkleber hätte, auf denen steht 'Werbung ist verboten', daß die niemand herstellen dürfte, weil man sagen würde, damit macht man die Werbestrategien eines Marketingunternehmens kaputt. Natürlich darf ein Unternehmen Aufkleber mit der Aufschrift 'Werbung verboten' verkaufen, weil es ja auch völlig legal ist, sich die Aufkleber auf den Briefkasten zu kleben."

"Fernsehfee" Petra Bauersachs will durchhalten. Auch wenn die Privat-Sender sie bis vor den Bundesgerichtshof zerren. Die hohen Richter müssen dann ein Machtwort sprechen. Doch eigentlich kann es dabei nur ein Urteil geben. Der mündige Bürger vor dem Fernsehen muß bei der Werbung die freie Entscheidung haben, ob er sich einen "Werbeblocker" kaufen will oder aber einfach von Hand ausschaltet.

Info/ Kontakt: (siehe unten)


Die Fernsehfee - ein Bericht von Winfried Schwamborn in der WDR-Sendung 'markt' vom 25.10.99:

Seit gut zwei Jahren ist ein Gerät auf dem Markt, das nach den Vorgaben des Fernsehzuschauers automatisch ins Programm eingreifen kann. Die "Fernsehfee" besitzt diverse Filterfunktionen und kann bestimmte Programme für Kinder sperren oder automatisch auf Lieblingsprogramme schalten. Und das alles sowohl im laufenden Programm als auch bei der Aufzeichnung auf Video.

Im Januar 1999 ist eine weitere Funktion hinzugekommen: Der Werbeblocker. Die "Fernsehfee" kann seitdem bei Beginn der Werbung automatisch in ein anderes Programm schalten oder die Aufzeichnung eines Videorecorders für die Dauer der Werbung anhalten.

Für viele Zuschauer geht damit ein alter Traum in Erfüllung. Fernsehen, ohne auch nur eine Minute Werbung konsumieren zu müssen. Ein Alptraum ist diese Vorstellung indes für die werbefinanzierten Privatfernsehstationen. RTL, Sat 1 und VOX zogen deshalb vor Gericht und ließen per einstweiliger Verfügung verbieten, dass die "Fernsehfee" die Werbung ausblendet.  

Die Herstellerfirma ist durch die Prozesslawine ins Mark getroffen. 250.000 Mark Anwalts- und Gerichtskosten sind bisher angefallen, den Fernsehsendern ist es sogar gelungen, den Vertrieb der "Fernsehfee" zeitweise gänzlich zu unterbinden.

Vor zwei Wochen dann die Wende: Vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verliert Sat 1 die Klage gegen die "Fernsehfee" (AZ. Oberlandesgericht Frankfurt 01 495/99). Aber noch stehen die von RTL und VOX angestrengten Gerichtsverfahren bevor.

Am 22. Oktober 1999 verlieren auch RTL und VOX ihre Klagen gegen die "Fernsehfee". Damit ist jetzt der Weg für den Werbeblocker frei.

Die Herstellerfirma der "Fernsehfee" kündigt gegenüber "markt" an, dass das Signal für die Ausschaltung der Werbung ab etwa Mitte November aktiviert werden soll. Dieses Signal wird von den "Fernsehfee"-Geräten in den Haushalten empfangen.

Die "Fernsehfee" kostet 299 Mark. Aufgrund der gerichtlichen Auseinandersetzungen ist die "Fernsehfee" momentan im Handel nur schwer erhältlich. Interessenten können das Gerät aber direkt bei der Herstellerfirma beziehen; dort erhalten sie auch weitere Informationen: (Adresse unten)

Dieser Text gibt den Inhalt des markt-Beitrags vom 25. Oktober 1999 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt. - Alle Angaben ohne Gewähr -


Die Hersteller-Firma 'TC Unterhaltungselektronik AG' teilte auf Anfrage am 09.11.99 folgendes mit:

Die Fernsehfee ist in erster Linie eine elektronische Programmzeitschrift. Sie können mit ihr direkt Zugriff auf das Fernsehprogramm der nächsten 14 Tage, was zur Zeit läuft und können die Box suchen lassen, wann eine Sendung mit einem bestimmten Schauspieler oder Genre läuft. Zudem lassen sich auf Grund dieser ca. 500 Schauspieler und ca. 500 Genre auch Aufträge erteilen. Der Fernseher kann nur einen Hinweis einblenden, auf dieses Programm schalten oder auch eine Videoaufnahme starten. So können auch alle Teile einer Serie durch einen einfachen Auftrag auf den Titel programmiert werden. Der Kinderschutz funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Neben einer generellen Sehzeitbeschränkung pro Tag / Woche / Monat und einem Zeitfenster (z.B. von 13.00 bis 19.00 Uhr) kann für alle Genre von den Eltern festgelegt werden, ab welchem Alter die Kinder entsprechende Sendungen sehen dürfen. Aber auch für die Erwachsenen kann unerwünschtes vom Bildschirm verbannt werden. Bei Sendungen bzw. Genre, die mit einem Zap-out belegt sind, sucht die Fernsehfee ein anderes Programm, welches den Wünschen des Zuschauers eher entspricht. Dies betrifft auch die Werbepausen, die dem Genre "Unterbrechung allgemein" zugeordnet werden. Zusätzlich besteht hierbei dem Benutzer die Möglichkeit offen, eine Videoaufnahme für diese Zeit unterbrechen zu lassen bzw. den Fernseher nur auf Stumm zu schalten.

Weitere Informationen: TC Unterhaltungselektronik AG, Koblenzer Str. 132, D-56073 Koblenz,
Tel: +49-261-98436-12, Fax: +49-261-98436-36, email: schellen (ät) telecontrol.de, Internet: www.telecontrol.de

*

Diese Information erfolgt allein aus dem Grund, gute Ideen weiterzuverbreiten, wenn diese noch wenig bekannt sind. Irgendwelche Vorteile von irgendwelcher Seite gibt es davon nicht. 

 
weitere Seiten zum Thema Medien
 


 
Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION
 
12/1999
 


 
nach oben   -   Service   -   Menue   -   Texte-Verzeichnis   -   Stichwörter

www.humanistische-aktion.de/fee.htm

 

Schleichwerbung

wie weit darf sie gehen?
 

Mit versteckten Werbe-Botschaften im TV verdienen Produktionsfirmen ihr Geld.
Jetzt droht Ärger

Warum trinkt Schimanski eigentlich immer diese Brause aus der blau-silbernen Dose? Und warum zwängt sich "Der Bulle von Tölz" in einen engen Sportwagen aus Bayern? Ein Schelm wer jetzt an Schleichwerbung denkt...

Das neue Zauberwort der TV-Branche klingt besser - "Product Placement". Weit über 100 Millionen Mark, so schätzen Insider, geben große Firmen jährlich aus, um ihre Produkte möglichst plakativ in Serien und Filmen zu plazieren. Sie machen sozusagen Werbung mit U-Boot-Taktik... "Heute gibt es kaum noch eine TV-Produktion ohne Product Placement", sagt Manfred Auer, 41, Inhaber der Firma "Arrangement Group". Er macht seit 15 Jahren Millionen-Umsätze damit. Auer: "Natürlich muss man behutsam vorgehen und darf den Bogen nicht überspannen, denn in Deutschland ist Placement im Gegensatz zu den USA ein sittenwidriges Geschäft. Deshalb zahlen viele Kunden in Naturalien - sie sponsern Ausstattungen, verleihen kostenlos Fuhrparks oder übernehmen Reisekosten..."

Die deutschen Werberichtlinien erlauben das Zeigen von Produkten, wenn es "dramaturgisch geboten" ist. Ein Gummi-Paragraf, den viele Produzenten zu nutzen wissen.

Doch der lasche Umgang mit der Schleichwerbung könnte bald ein Ende haben. Auer: "Europaweit ist nur in Deutschland und England das Placement noch möglich. Die anderen Länder haben da viel schärfere Gesetze. In Italien und Frankreich werden heute schon sehr harte Strafen verhängt. Da wird wohl noch einiges auf uns zukommen..." Einen hat's jetzt schon erwischt. Endemol soll 10.0000 Mark Strafe an die Niedersächsische Landesmedienanstalt zahlen, weil beim Einzug ins "Big Brother"-Haus die Wohnmobile eines Herstellers zu oft gezeigt und genannt wurden. Ob und wie viel Geld für diesen "Liebesdienst" geflossen ist, wird noch untersucht. Bisher sind solche Sanktionen eher eine Seltenheit gewesen - mal schauen, wie lange Schimanski noch Brause schlürfen darf...

TVneu 14/01

 
Medienanstalt:

Gleiche Aufsicht für Öffentliche und Private

Ludwigshafen (dpa). Die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt LPR hat eine einheitliche Aufsicht für den privaten und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert. Dazu zähle das Verbot der Schleichwerbung. "Mit Erstaunen" habe die LPR-Versammlung Presseberichte zur Kenntnis genommen, aus denen hervorgehe, in welchem Umfang im ZDF so genannte Kooperationen mit Dritten stattgefunden hätten.

So sei in einer Folge der ZDF-Serie "Samt und Seide" innerhalb von 31 Minuten 6 Mal der Name einer Kaufhausmarke genannt worden, die auch rund eine Minute lang zu sehen gewesen sei. Der Konzern habe für die Darstellung in der Serie etwa 770.000 Euro gezahlt. Im Vergleich dazu habe der von der LPR beaufsichtigte Sender SAT.l eine förmliche Beanstandung erhalten, weil er in einem Film 17 Sekunden lang das Logo eines Internet-Service-Providers gezeigt habe, der auch einmal genannt worden sei.

Volksstimme, Magdeburg 24.04.04

*

ARD

Die TV-Gebühren steigen - und jetzt das: Die Agentur 'epd' berichtete, die ARD-Produktionsfirma Bavaria-Film habe 10 Jahre lang illegal Schleichwerbung in Serien wie 'Marienhof' versteckt. Sonderprüfung! Kriegen die den Hals nie voll?

TVneu 24/05

Im Haushaltsjahr 2006 wurden an Rundfunkgebühren 7.29 Milliarden EURO kassiert!

 

Verdacht auf Schleichwerbung

dazu ein Briefwechsel
 

Absender: "Rudolf Kuhr" <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Empfänger: "Zuschauerredaktion ARD" <zured (ät) das-erste.de>
Datum: 02. Aug 2005 12:04
Betreff: Schleichwerbung

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach den kürzlich diskutierten Fällen von Schleichwerbung bei der ARD würde ich gern wissen, wie ich als Gebührenzahler die aufdringliche Werbung für 'Märklin' in der Sendung 'Planet Wissen' am 01.08.05 im WDR einzuordnen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Amperstr.32, 82296 Schöngeising
Tel. 08141 222650
http://www.humanistische-aktion.de/medien.htm


Absender: "ARD Putz Petra" <Petra.Putz (ät) DasErste.de>
Empfänger: <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Datum: 02. Aug 2005 14:49
Betreff: AW: Schleichwerbung

Sehr geehrter Herr Kuhr,

vielen Dank für Ihre e-Mail und Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen.

Wir bedauern es sehr, wenn Sie den Eindruck gewonnen haben, dass in der Sendung "Planet Wissen" Schleichwerbung für Produkte der Firma "Märklin" gemacht wurden. Da diese Sendung von den Landesrundfunkanstalten für die Dritten Programme hergestellt wird, ist die Zuschauerredaktion des Ersten leider nicht die richtige Adresse für Ihre Anmerkung. Die Sendung über Eisenbahnen, die am 1. Augsut ausgestrahlt wurde, hat der Südwestrundfunk produziert. Bitte wenden Sie sich daher an den

Südwestrundfunk
Planet Wissen
76522 Baden-Baden

oder schicken Sie eine mail an:

planet-wissen (ät) swr.de

Im Übrigen möchte ich Sie bitten zu bedenken, dass es sich nicht automatisch um Schleichwerbung handelt, wenn ein Produkt deutlich sichtbar abgebildet wird. Nach den ARD-Richtlinien für Werbung ist die Erwähnung und Darstellung von Produkten durchaus zulässig, "wenn und soweit sie aus journalistischen oder künstlerischen Gründen, insbesondere zur Darstellung der realen Umwelt, zwingend erforderlich ist."

Schleichwerbung hingegen ist definiert als "die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Programmen, wenn sie zu Werbezwecken vorgesehen ist und die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks diese Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erfolgt."

Mit freundlichen Grüßen

Petra Putz
ARD-Zuschauerredaktion
Erstes Deutsches Fernsehen
Tel: 089/5900-3344
Fax: 089/5900-4070
E-Mail: petra.putz (ät) Das Erste.de
http://www.DasErste.de


Absender: "Rudolf Kuhr" <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Empfänger: <planet-wissen (ät) swr.de>
Datum: 03. Aug 2005 12:53
Betreff: Schleichwerbung

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach den kürzlich diskutierten Fällen von Schleichwerbung bei der ARD würde ich gern wissen, wie ich als Gebührenzahler die aufdringliche Werbung für 'Märklin' in der Sendung 'Planet Wissen' am 01.08.05 im WDR einzuordnen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Kuhr

Amperstr.32, 82296 Schöngeising
Tel. 08141 222650
http://www.humanistische-aktion.de/medien.htm


Absender: <Planet-Wissen (ät) swr.de>
Empfänger: <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Datum: 03. Aug 2005 17:18
Betreff: Antwort: Schleichwerbung

Sehr geehrter Herr Kuhr,

herzlichen Dank für Ihre Mail! Eins vorneweg: Mich ärgert Schleichwerbung selbst auch sehr. Und Schleichwerbung impliziert, dass auf die Redaktion Einfluss genommen wurde, in der Regel mit Geld, um sie zur günstigen Darstellung oder Präsentation eines Produkts zu veranlassen. In unseren Sendungen achten wir eigentlich immer darauf, dass verschiedene Hersteller ähnlicher Produkte genannt werden. Bei den Buchtipps und CD ROM Tipps gibt´s keine Bevorzugung von Verlagen oder Marken. Da wählen wir einfach die unserer Einschätzung nach guten und lesenswerten Bücher und CD-ROMs aus. Wir haben jedenfalls noch nie irgendeinen Einfluss von Seiten eines Herstellers auf unsere redaktionelle Arbeit erlebt und würden das auch nicht zulassen. Sollte dieser Eindruck in unserer Sendung entstanden sein, bedauere ich das. Wir nehmen Ihren Anfrage an uns als Ansporn, noch mehr darauf zu achten, keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen.

Ich würde mich deshalb freuen, Sie auch künftig zu unseren Zuschauern und Internet-Nutzern zählen zu dürfen.

Unsere Sendezeit, jeweils montags bis freitags:

Südwest Fernsehen 14.00 - 15.00 Uhr

Weitere Programme, auf denen PLANET WISSEN zu sehen ist, sind:

WDR-Fernsehen 15.00 - 16.00 Uhr (Wdh. 7.30 - 8.30 Uhr)
BR-alpha 16.15 - 17.15 Uhr (Wdh. 6.15 - 7.15 Uhr)

Als kleines Dankeschön für Ihre Mail schicke ich Ihnen hier noch eine Übersicht der Themen in den kommenden Wochen. Ich würde mich freuen, wenn Sie durch Weiterleitung dieser Mail auch ein wenig Werbung für uns in Ihrem Bekanntenkreis machen könnten.

Mi. 03.08.2005 Brücken ? Meisterwerke aus Bögen und Pfeilern
Do. 04.08.2005 Tunnel ? Wunderwerk und Alptraum
Fr. 05.08.2005 Mühlen ? Kraft aus Wasser und Wind

Mo. 08.08.2005 Singen macht Spaß ? warum uns Lieder gut tun
Die. 09.08.2005 Speiseeis ? Kalter Genuss für heiße Tage
Mi. 10.08.2005 Die Hitmacher ? Hinter den Kulissen der Musikindustrie
Do. 11.08.2005 Werbung ? Wie man Wünsche weckt
Gr. 12.08.2005 Depressionen ? Schatten auf der Seele

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Gradwohl
SWR
Redaktion Planet Wissen


Absender: "Rudolf Kuhr" <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Empfänger: <Planet-Wissen (ät) swr.de>
Kopieempfänger: <Intendantur (ät) swr.de>,<Justitiariat (ät) swr.de>,"Zuschauerredaktion ARD" <zured (ät) das-erste.de>
BCC: monitor (ät) wdr.de, panorama (ät) ndrtv.de, zapp (ät) ndr.de
Datum: 08. Aug 2005 10:35
Betreff: Re: Antwort: Schleichwerbung
Sendung 'Planet Wissen' am 01.08.05 im WDR

Sehr geehrter Herr Gradwohl,

danke für Ihre schnelle Antwort. Sie kann allerdings den Eindruck entstehen lassen, daß Sie entweder Ihre Zuschauer nicht für bewertungsfähig halten oder aber, daß Sie als zuständiger Redakteur die betreffende Sendung gar nicht gesehen haben.

Wie wollen Sie den Zweck dafür einsehbar erklären, daß während Ihrer Sendung mindestens zehn Mal in verschiedenen Einstellungen ein Modelleisenbahnzug im Bild herumfuhr, an dessen Ende ein Wagen in besonders heller Farbe und mit großer Aufschrift 'Märklin' angehängt war.

Da kann durchaus die Frage entstehen, ob Ihre Mitarbeiter schon so sehr abgestumpft sind, daß ihnen eine derartig auffällige und eindeutige Werbung nicht mehr peinlich ist bzw. gar nicht mehr wahrgenommen wird. Oder ob die Verantwortlichen Ihrer Landesrundfunkanstalt schon so weit mit der Wirtschaft verfilzt sind und so autoritär auftreten, daß niemand mehr von den vielen an der Sendung Beteiligten in Ihrem Hause dagegen etwas zu sagen wagt. - Als Befürworter des öffentlich-rechtlichen Systems und als Gebührenzahler möchte ich das nicht gern annehmen.

Von der ARD war zu erfahren: "Da diese Sendung von den Landesrundfunkanstalten für die Dritten Programme hergestellt wird, ist die Zuschauerredaktion des Ersten leider nicht die richtige Adresse für Ihre Anmerkung. Die Sendung über Eisenbahnen, die am 1. August ausgestrahlt wurde, hat der Südwestrundfunk produziert. Bitte wenden Sie sich daher an den Südwestrundfunk..."

Demnach gelten die ARD-Richtlinien für Werbung nicht für die von ihr ausgestrahlten, sondern nur für die von ihr produzierten Sendungen. Da erhebt sich die Frage, ob es denn bei Ihnen entsprechende Richtlinien gibt und wie und von wem diese auf ihre Einhaltung überprüft werden.

Mit freundlichen Grüßen
Rudolf Kuhr
Amperstr.32, 82296 Schöngeising
Tel. 08141 222650


Absender: "Rudolf Kuhr" <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Empfänger: <Planet-Wissen (ät) swr.de>
Kopieempfänger: <Intendantur (ät) swr.de>, <Justitiariat (ät) swr.de>, "Zuschauerredaktion ARD" <zured (ät) das-erste.de>, <zapp (ät) ndr.de>, "ARD Panorama" <panorama (ät) ndrtv.de>, "Monitor WDR" <monitor (ät) wdr.de>
Datum: 23. Aug 2005 10:57
Betreff: Re: Antwort: Schleichwerbung

ich bitte um eine Stellungnahme zu nachfolgendem Brief vom 08.08.05 R.K.

Sendung 'Planet Wissen' am 01.08.05 im WDR

siehe vorhergehenden Brief


From: Mail Delivery System <Mailer-Daemon (ät) swr.de>
To: Humanist.Aktion (ät) t-online.de
Subject: Mail delivery failed: returning message to sender
Date: Tue, 23 Aug 2005 11:22:37 ?

This message was created automatically by mail delivery software.

A message that you sent could not be delivered to one or more of its
recipients. The following address(es) failed:

Intendantur (ät) swr.de:

SMTP error from remote mailer after RCPT TO:<Intendantur (ät) swr.de>:
host slnst001.swr.de [10.127.101.12]:
550 Intendantur (ät) swr.de... No such user


Absender: <Planet-Wissen (ät) swr.de>
Empfänger: <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Datum: 24. Aug 2005 09:15
Betreff: Re: Antwort: Schleichwerbung

Return Receipt
Your Re: Antwort: Schleichwerbung
document:

was Planet-Wissen FS/FS/BA/SWR/DE
received by:

at: 24.08.2005 09:15:56


Absender: <Referendar.Justitiariat (ät) swr.de>
Empfänger: <Humanist.Aktion (ät) T-Online.de>
Datum: 31. Aug 2005 08:53
Betreff: Re: Antwort: Schleichwerbung

Return Receipt
Your Re: Antwort: Schleichwerbung
document:

was Referendar Justitiariat/JU/MZ/SWR/DE
received by:

at: 31.08.2005 08:53:41


 

Da bisher weder von der Redaktion, noch vom Justitiariat eine Antwort erfolgte, ist davon auszugehen,
daß hier ein Fall von Schleichwerbung durch den öffentlich-rechtlichen Sender SWR vorliegt!

 

Schleichwerbung legt die Axt an die Glaubwürdigkeit der Medien.

Horst Köhler, Bundespräsident 2006

 


 

Brief an das ZDF zum Thema Werbung
 


 
Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION
 
4/2001
 


 
nach oben   -   Service   -   Menue   -   Texte-Verzeichnis   -   Stichwörter

www.humanistische-aktion.de/fee.htm#sch

Aktualisiert am 26.09.07