Vor dem ernsthaften Thema, das leider auch immer wieder zu falschen Schlüssen führt, hier zunächst ein witziges Geschichtchen: Während des Besuches in einer geschlossenen Anstalt fragt ein Besucher den Direktor, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob jemand eingeliefert werden muss oder nicht. Der Direktor sagt: "Nun, wir füllen eine Badewanne, geben dem Kandidaten einen Teelöffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Badewanne auszuleeren." Der Besucher: "Ah, ich verstehe, und ein normaler Mensch würde den Eimer nehmen, damit es schneller geht, ja?" Direktor: "Nein, ein normaler Mensch würden den Stöpsel ziehen ... wünschen Sie ein Zimmer mit oder ohne Balkon?" (Dieses, um eine weit verbreitete Herangehensweise an Probleme zu verdeutlichen: das Vernachlässigen des ganzheitlichen Miteinbeziehens von Ursachen.)
 

Mann-Frau-Problem

Ursache und Lösung
 

Das Thema ist nicht neu. Neu ist die Häufigkeit der Erwähnung und der Beschäftigung in der Öffentlichkeit damit. Öfter als jemals zuvor wird darüber geschrieben, gesprochen und geklagt. Wissenschaftliche Arbeiten, Bücher, Zeitungsartikel, Seminare und dergleichen mehr gibt es zum Thema. Interessant ist, daß selbst in psychologischen, soziologischen und anderen Fachkreisen die eigentliche Ursache des Problems, die biologische Seite so gut wie nicht oder aber ablehnend behandelt wird. Dabei ist eine nachhaltige Lösung ohne die Kenntnis der Ursachen wenig erfolgversprechend.

Ebenso interessant ist, daß sehr schnell über entsprechende Forderungen an Politiker nachgedacht wird. Aus diesen beiden Verhaltensweisen, dem Verdrängen der biologischen Ursachen und dem Abschieben der Verantwortung an Andere, geht deutlich hervor, wie wichtig das Einbeziehen des biologischen Gesichtspunktes für eine nachhaltige, menschenwürdige Lösung des andauernden Mann-Frau-Problems ist.

Im Mitteilungsblatt der 'Humanistischen Union' vom Dezember 1999 ist in einem Artikel über 'Mögliche Ursachen von Jugendgewalt - eine geschlechtsspezifische Betrachtung' zu lesen: "... In diesem Zusammenhang sollte einmal die Tatsache betrachtet werden, dass Gewaltdelikte Jugendlicher - und nicht nur Jugendlicher - fast ausschließlich ein männliches Problem sind; Jugendgewalt ist in den meisten Fällen Jungengewalt. Wer hier mit biologischen Argumenten kommt, verkennt, dass Gewalt ein soziales Konstrukt ist, Geschlechterverhalten ist antrainiertes Rollenverhalten. ..." Hier entsteht bei ganzheitlicher Sicht die Frage: Warum werden die Ursachen eines sozialen Konstruktes - nämlich die biologischen - verdrängt?

Man muß kein Fachmann oder Wissenschaftler sein und auch keine entsprechenden Bücher gelesen haben, um die Ursachen des Problems zu erkennen und eine Lösung zu finden. Eine aus dem kollektiven Wissen bezogene Allgemeinbildung und ein ganzheitliches Denkvermögen reichen hierzu aus. Wer die Entwicklung des Menschen aus dem Tier für wahrscheinlich oder natürlich hält, der wird auch eine grundlegende Ähnlichkeit von Verhaltensweisen bei Menschen und Tieren für möglich halten - ein gewisses Maß an Selbstsicherheit vorausgesetzt.

Es bestehen mitunter sehr große Ähnlichkeiten im Körperbau, in den Körperfunktionen und in der Art der Fortpflanzung zwischen Primaten und Menschen. Das Sozialverhalten von Tieren wird eingehend erforscht und auch in den Medien immer wieder ausführlich dargestellt. Es gibt beispielsweise Filme im Fernsehen über die Auseinandersetzungen innerhalb von Gruppen verschiedener Arten von Affen. Da ist zu beobachten, wie der Stärkste die Herrschaft über sämtliche Tiere ausübt, bis er von einem nachwachsenden Jüngeren unter heftigen Kämpfen, die auch zu Verletzungen von Jungtieren führen können, abgelöst wird. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist nähern sich zaghaft weibliche Tiere unter Demutsgesten dem neuen Herrscher, dem sich nun alle unterordnen. Dieses Grundmuster männlicher Dominanz und Aggressivität einerseits und weiblicher Unterordnung und Anpassung andererseits ist ein häufig wiederkehrendes in Populationen höherer Arten.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind Reste dieser grundlegend unterschiedlichen Verhaltensweisen auch noch in den Anlagen des Menschen vorhanden. Viele Beispiele im menschlichen Leben drängen sich geradezu auf: Männer wünschen sich meist Söhne, die ihren Familiennamen und mitunter auch Vornamen weitertragen. Frauen dagegen geben oft ihren Familiennamen bei der Heirat gerne auf. Frauen können jahrelang "aus Liebe" zu ihrem Mann halten, selbst wenn sie immer wieder von ihm geschlagen werden. Männer dagegen können bereits "fremdgehen", selbst wenn sie wirklich noch geliebt werden. Die Beteiligung an Wettstreit, an Prügeleien in Schulen, in Familien und beim Sport, an Karrierestreben, an Machtkämpfen, an Kriminaldelikten, an Vergewaltigungen, an Kriegen, ist überwiegend Männersache. Selbst als Säuglinge sind bekanntermaßen die Männer schon aggressiver. Und bereits beim Geschlechtsakt ist der Mann ganz natürlich der aktivere und mitunter auch zerstörerische, wenn er die Frau entjungfert. Schon das männliche Sperma zeigt das Grundmuster, indem es sich aktiv auf das weibliche Ei zu bewegt und, die Hülle verletzend, in dieses eindringt. Was liegt da näher, als in der Naturnotwendigkeit des Geschlechtsunterschiedes eine Ursache gesellschaftlichen unterschiedlichen Verhaltens zu erkennen und zu bedenken.

Das Beachten natürlicher Ursachen unterschiedlichen Verhaltens von Mann und Frau muß ja keineswegs eine Rechtfertigung bedeuten, im Gegenteil, nach dem Motto 'Gefahr erkannt - Gefahr gebannt' kann es erst durch dieses Anerkennen der Realität zu einem ursächlichen und damit nachhaltigen Bearbeiten des Problems führen. "Das Tier im Menschen kann nicht ausgerottet werden. Daher muß diesem Tier ins Auge gesehen und mit ihm gelebt werden." Das erkannte ein allgemein geschätzter Psychologe. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Gewalt in der Welt fast ausschließlich männlich ist, dann wird es auch von diesem Gesichtspunkt her sinnvoll sein, den biologischen Teil als Ursache für Geschlechterkampf und Gewalt mit in Betracht zu ziehen. Wer das nicht will, der handelt weder wissenschaftlich, noch ganzheitlich und kann nicht wirklich an nachhaltigen Lösungen interessiert sein.

Erst dann werden die leidigen Symptome der Ungleichheit von Mann und Frau kein
Problem mehr sein, wenn deren biologische Ursache bekannt und anerkannt ist.

Jeder Mensch, Mann und Frau sollten so früh wie möglich wissen, daß der Mann von der Natur her dazu angelegt ist, sich so oft wie möglich mit so vielen verschiedenen Partnern wie möglich zu paaren, um seine Art zu erhalten und zu verbreiten. Das würde es dem Mann erleichtern, Trieb nicht mit Liebe zu verwechseln und der Frau manche Enttäuschung ersparen. Das Verdrängen der Natur ist eine fragwürdige Kultur, denn sie führt nicht zum Ausgleich der naturbedingten Unterschiede, sondern zu deren Verstärkung durch Übertragungen verschiedenster Art und zu den daraus entstehenden vielfältigen Konflikten.

Der Mensch kann aus ganzheitlicher Sicht immer nur ein halber Mensch sein - entweder der
weibliche, oder der männliche Teil - erst beide zusammen ergeben den ganzen Menschen.

Die Würde des Menschen und die Höhe einer Kultur bestehen nicht aus dem Verdrängen der Natur, sondern aus einer genauen Kenntnis durch Aufklärung und aus einem sinnvollen Einbeziehen solcher Erkenntnis ins tägliche Leben. Die Lösung muß ja nicht in einer ungehemmten Sexualität liegen, es würde durchaus reichen, wenn das Wissen über den Sinn und die Auswirkungen naturgegebener Triebe und über die Möglichkeiten eines kultivierten Umgangs damit ohne Hemmungen verbreitet und in ausgleichender Weise berücksichtigt würde. Hier gäbe es für "Kulturmenschen" noch viel zu lernen und zu üben. Man denke nur an die peinlichen Ereignisse um die sogenannte K-Frage unter unseren Spitzenpolitikern (Bundestagswahl 2005), bei denen wohl wieder mal die G-Ursache - sprich Gender - wirksam war.

Noch einmal: Es geht hier nicht darum, mit dem Hinweis auf naturbedingte Ursachen von menschlichen Fehlverhaltensweisen diese zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen, sondern darum, auch diese Ursachen zu erkennen und beim gemeinsamen Bemühen um Überwindung ihrer Auswirkungen mit zu beachten. Dieses ganzheitliche Einbeziehen der biologischen Gegebenheiten in das soziologische Leitbild einer echten Gleichstellung kann dessen nachhaltige Verwirklichung fördern, wenn nicht gar erst ermöglichen. Frau und Mann stehen hierfür gleichermaßen fast unbegrenzte geistige Fähigkeiten zur Verfügung.

Rudolf Kuhr

 

Kultur ist der letzte Zweck der Natur.
 
Immanuel Kant

 



 

Männer sind anders, Frauen auch

von H. Hornischer

 
Wie Männer und Frauen eine glückliche Beziehung führen können, verriet John Gray in einem zweitägigen Seminar in Augsburg. Der Motivationstrainer Jörg Löhr holte den amerikanischen Erfolgsautor zum ersten Mal nach Deutschland. Das Publikum, überwiegend Paare, war begeistert von Grays Ausführungen. Ein wichtiges Fazit der Veranstaltung: "Männer, lasst Eure Frauen reden, wenn sie ein Problem haben, auch wenn es Euch noch so klein erscheint." Denn bei der Frau fließt bei Aufregung achtmal so viel Blut ins Gehirn wie beim Mann. Um diese Überreaktion abbauen zu können, muss die Frau Serotonin produzieren, und das gelingt am besten durch Kommunikation. "Wenn eine Frau zu wenig Serotonin im Gehirn hat, kann der Mann nie recht haben", lacht John Gray. "Das müssen Männer einfach wissen". Sonst sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Lasst sie reden!

John Gray nimmt Verhaltensweisen der Männer unter die Lupe und erklärt, wie sie auf Frauen wirken. Wenn ein Mann beispielsweise nicht zuhört, sich leicht ablenken lässt und keine interessierten und bezugnehmenden Fragen stellt, denkt die Frau, er liebe sie nicht mehr. Oder noch schlimmer: Er nimmt ihre Gefühle wörtlich und verbessert sie. Er glaubt, sie bittet um Ratschläge und bietet ihr deshalb Lösungen an. Wieder fühlt sich die Frau ungeliebt, weil er sie einfach nicht versteht. Denn eine Frau sucht, wenn sie ihr Leid klagt, keine Lösungen oder Ratschläge. Sie will Verständnis und Trost. Also: "Lasst sie reden und nehmt sie dann in den Arm", fordert der Paartherapeut, der selbst seit über dreißig Jahren mit seiner Frau Bonnie eine glückliche Ehe führt - wie wäre es auch anders möglich! Gerne gibt er Tips, die Männer berücksichtigen können, um glückliche Frauen zu haben:

  • Sie muss sich geschätzt und umsorgt fühlen.

  • Er muss ihr immer wieder versichern, dass er sie liebt.

  • Sie muss sich verstanden und respektiert fühlen.

  • Sie muss das Gefühl haben, dass ihm ihre Gefühle wichtig sind,

  • Sie muss das Gefühl haben, dass er zuhört und sich etwas aus dem macht, was sie sagt.

Frauen brauchen laut John Gray Fürsorge, Verständnis, Respekt, Hingabe, Bestätigung und Beruhigung. Dann, verspricht er, sei alles ganz einfach.

Die Helden

Doch auch die Frauen sind gefordert: "Gebt Euren Männern öfter mal das Gefühl, dass sie eure Helden sind und belohnt sie, gerne auch mal mit Sex." Also doch kein Ammenmärchen, dass frau das "starke Geschlecht" mit körperlichen Aktivitäten um den Finger wickeln kann? "Auch mit Sex", schränkt Gray ein. Bei Männern sei das Hormon Dopamin verantwortlich für ihre jeweiligen Stimmungen. "Genau wie bei Frauen der Serotonin-Level, ist bei Männern der Dopamin-Level verantwortlich für die Launen", referiert der Fünfzigjährige. Dopamin bei Männern sei verantwortlich für Motivation, für Problemlösungen und für Aktion. Wenn zu wenig im Blut sei, werde der Mann müde, gelangweilt und energielos. Aber es könne Abhilfe geschaffen werden: durch Freude, Aufregung und Sex. Auch hier mahnt der Paartherapeut zu mehr Verständnis:

  • Männer ziehen sich immer noch in ihre "Höhle" zurück, wo sie allein und ungestört sein wollen.

  • Für die meisten Männer ist "multitasking" ein Fremdwort.

  • Wenn Männer die Probleme ihrer Frauen zu lösen versuchen, bedeutet das Liebe für sie.

  • Männer bemerken gewöhnlich nicht, wie schnell sie von einem warmen, mitfühlenden
    Verhalten zu einem distanzierten und wenig kommunikativen Verhalten wechseln können.

  • In seiner Höhle ist ein Mann beschäftigt, seine Probleme zu lösen und ist sich nicht bewusst,
    wie seine gleichgültige Haltung auf andere wirkt.

Das Leben ist einfach

Und folgenden wichtigen Tipp gibt uns John Gray auf den Weg: "Wenn sich eine Frau den Lösungen eines Mannes widersetzt, fühlt er seine Kompetenz in Frage gestellt. Infolgedessen empfindet er Misstrauen und Geringschätzung und hört auf, sich um sie zu kümmern. Seine Bereitwilligkeit zuzuhören lässt verständlicherweise nach. Wenn ein Mann aber berücksichtigt, dass Frauen von der Venus sind, kann ein Mann verstehen, warum sie sich in solchen Situationen widersetzt. Er kann darüber nachdenken und sich bewusst werden, wie er wahrscheinlich Lösungen angeboten hat, zu einem Zeitpunkt, als sie Einfühlungsvermögen und Nestwärme brauchte." Auch konkrete Hilfestellungen für die Frauen, wie man denn einen Mann in der Höhle unterstützen kann, hat der Therapeut parat:

  • Missbilligen Sie nicht sein Bedürfnis, sich zurückzuziehen.

  • Versuchen Sie nicht, ihm zu helfen, indem Sie Lösungen anbieten.

  • Versuchen Sie nicht, ihn zu hätscheln, indem Sie ihm Fragen über seine Gefühle stellen.

  • Sitzen Sie nicht vor dem Höhleneingang, bis er herauskommt.

  • Sorgen Sie sich nicht um ihn oder bemitleiden Sie ihn nicht.

  • Machen Sie etwas, das Sie glücklich macht.

Übrigens die größte Belohnung für den Mann, laut Dr. Gray, ist immer noch eine glückliche Frau. Das Leben kann so einfach sein...

connection special 69 S.55 - www.connection.de

 

Männer und Frauen sind wie zwei verschiedene
Arten, die zur Symbiose gezwungen sind.

 
Wolfgang Wickler

  

siehe auch die Texte  Geschlechterdemokratie  -  'Kultur und Sexualität'  -  'Das Tier im Global Player'
 


 
Humanistische AKTION

5/2000,6

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www.humanistische-aktion.de/gender.htm

Aktualisiert am 27.11.05