Grameen - eine Bank für die Armen der Welt

- so heißt ein im Rahmen der 1. Internationalen Chancen-Konferenz vorgestelltes Buch *) von Muhammad Yunus, Wirtschaftsprofessor aus Bangladesch und Gründer der Grameen-Bank (übersezt: 'Dorf-Bank')
 

Als Prof. Yunus eines Tages begriff, daß seine gelehrten Ausführungen über Wirtschaftswissenschaft an der Universität von Chittagong in Bangladesch keine Antworten auf die in unmittelbarer Nachbarschaft sichtbare extreme Armut seiner Mitmenschen boten, ja eigentlich gar nichts mit dem Leben selbst und den realen Menschen zu tun hatte, erfuhr sein Bewußtsein einen tiefgreifenden Wandel. Er begann, mit den Armen und durch die Armen sein bisheriges Verständnis von Kreditvergabe und Banking zu verändern.

Er nahm seine Studenten mit und forderte sie auf, die realen Lebensverhältnisse durch Anschauung und im Gespräch mit den Armen zu studieren und zu beschreiben. Dies ist bis heute eines der Prinzipien in der Ausbildung der Bankerinnen und Banker bei Grameen:

Als Banker geht er zu den Menschen, nicht sie müssen zu ihm kommen. Yunus ist davon überzeugt, "daß die Banken im Dienste der Entrechteten der Erde stehen müssen."

1976 begann Yunus mit der Entwicklung einer Bank für die Armen, dem Aufbau der Grameen-Bank Wie abenteuerlich, mühsam, allen Rückschlägen trotzend, ist lebhaft in seinem Buch beschrieben. Inzwischen hilft diese Bank etwa 12 Millionen Menschen, einem Zehntel der Bevölkerung Bangladeschs, sie ist in 36000 Dörfern vertreten, arbeitet mit einer Belegschaft von 12000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in mehr als 1079 Filialen und ist inzwischen anerkannter Partner der Weltbank in Washington.

Unabhängige Studien haben ergeben, daß die Grameen-Bank innerhalb von zehn Jahren ein Drittel ihrer Kreditnehmerlnnen aus der Armut und ein weiteres Drittel an die obere Grenze der Armutsschwelle geführt hat. Yunus ist ein Mann, der eine Vision hat und so sagt er folgerichtig: "Wir können nur das verwirklichen, was wir uns vorstellen können."

In seinem Buch führt er ausführlich die Klischees über die Armen auf, die ihm von Menschen entgegengehalten wurden, die nie mit Armen zusammengearbeitet haben. So wäre Arme unter anderem nicht kreditfähig, weil sie keine Ausbildung haben, nicht sparen, nicht zusammenarbeiten, keine vernünftigen Entscheidungen treffen können und vieles mehr an diskriminierenden und ausgrenzenden Vorurteilen.

Der Vorhaltung, die Armen könnten keine Garantien abgeben - eine der wichtigsten Bedingungen eines Bankers - steht wiederum die Erfahrung von Yunus gegenüber, worin die Armen als Garantie ihre Selbstachtung besitzen und das verpflichtende Beispiel all jener, die vor ihnen Geld geliehen haben: "Wir arbeiten mit den Ärmsten der Armen in einem der ärmsten Länder der Erde zusammen: mit landlosen Bäuerinnen, die nie in ihrem Leben Geld in Händen gehalten haben, mit Frauen, die weder lesen noch schreiben können und sich nicht trauen, vor einem Mann stehenzubleiben, und in Anwesenheit von Fremden das Gesicht verhüllen. Doch wir erreichen bei ihnen eine Rückzahlungsquote von mehr als 98 Prozent."

Die traditionellen Banken in Bangladesch verhalten sich sexistisch, das heißt sie weigern sich, einer Frau Geld zu leihen. So liegt eine der besonders herausragenden und wirklich außergewöhnlichen Merkmale der Grameen-Bank in der Tatsache, daß die Kredite überwiegend an Frauen vergeben werden. Intuitiv, aber auch durch das Studium der Phänomene kommt Yunus zu der Gewißheit, daß an Frauen vergebene Kredite schneller zu Veränderungen führen als ein an einen Mann vergebener. Frauen erwiesen sich letztendlich als kämpferischer konnten sich schneller dem Prozeß der Selbsthilfe anpassen und sind intensiver darum bemüht, zuerst einmal die Zukunft ihrer Kinder sicherzustellen. Dies entspringt einer anderen Wertehierarchie als der des Mannes, der sich häufig erst einmal um sich selbst kümmert.

Dorothea Walter
 

Es wird in Zukunft nicht die Frage sein, ob Menschen kreditwürdig
sind, sondern ob Banken menschenwürdig sind.

Leitsatz der Grameen-Bank in Bangladesch

 

*) Verlag Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach, ISBN 3-7857-0948-X, ca. DM 50,-

aus: 'Bankspiegel' 3/90 der GLS-Gemeinschaftsbank eG - Internet: www.gemeinschaftsbank.de

 

Friedensnobelpreis für den Gründer der Grameen Bank
Muhammad Yunus

Endlich ein Friedensnobelpreis für einen, der für Frieden mit den Ärmsten in der Welt sorgte!

 
Wir freuen uns riesig, dass Prof. Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank und seit 1997 Ehrenmitglied von TERRA, endlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde! Seit mehr als zehn Jahren bemühen sich viele Engagierte in der Welt, dass er den Friedensnobelpreis erhält. Aber es dauerte lange, bis sich das Nobelpreiskomitee zu der Erkenntnis durchrang, dass die Überwindung der Armut in der Tat sehr viel mit Frieden zu tun hat. Wohl niemand hat jemals mehr dafür getan, dass die Ärmsten und Hoffnungslosesten in der Welt einen sehr realen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut und dem "Weltkrieg gegen die Armen" gefunden haben. Mehr als 100 Millionen Menschen haben zwischenzeitlich Kleinkredite nach dem Modell von Yunus' Grameen Bank oder ähnlichen Modellen erhalten. Da durch die Familien im Durchschnitt etwa fünf Menschen in den unmittelbaren Genuss von Kleinkrediten kommen, schätzt man die Zahl der Menschen, die Dank der Kleinkreditidee von Yunus die Schwelle der absoluten Armut hinter sich lassen konnten, bereits auf über 100 Millionen Menschen. Was für eine Tat!

Terra-Gründer Peter Spiegel sorgte dafür, dass Muhammad Yunus bereits 1997 in der Frankfurter Paulskirche mit dem Planetary Consciousness Award ausgezeichnet wurde, gemeinsam mit Michail Gorbatschow und Huschmand Sabet. In einem Interview heute mit Deutsche Welle TV sagte er: "Endlich ein Friedensnobelpreis für einen, der für Frieden mit den Ärmsten in der Welt sorgte!" Er verband dies mit der Forderung, diesen Nobelpreis als weltweite Verpflichtung zu nehmen, endlich einen Global Marshall Plan zu beschließen, durch den die Armut in der Welt ganz überwunden wird.

TERRA-Newsletter &endash; Sonderausgabe 13.10.2006 - www.terranetwork.org

 
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Humanistische AKTION
 
9/1999
 


 
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Aktualisiert am 14.10.06