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zur Ausgabe Oktober 2001 - Ursachen des Terrorismus beseitigen!


Hallo Rudolf,

ich habe diesen Beitrag schon auf Deiner Homepage gelesen. Er ist treffend formuliert. Etwa:

>> Die Grünen fordern zwar: "Ursachen des Terrorismus beseitigen" Aber schon kurz darauf weiter: "Diese Ursachen - darauf werden wir auch in der innenpolitischen Diskussion bestehen - sind keine Frage von Kultur oder Religion." Und auch der Bundeskanzler hat diese beiden Bereiche sehr schnell ausgeklammert. - Hier wird vorschnell ein Verzicht ausgesprochen, der auf individuelle innere Unsicherheit und demzufolge eine Tabuisierung von Religion und Kultur schließen läßt. Aber gerade diese Bereiche sind bestimmend für die ethische Qualität menschlicher Zivilisation, der eigentlichen Grundlage innerer Sicherheit. <<

Das Problem liegt eigentlich genau dort, wo man es die Politiker in der Öffentlichkeit nicht diskutieren wollen: im Bereich der Kulturen und Religionen. Das ist auch ganz einfach zu erklären: die Gesetze, die bei ihrer Einhaltung Terrorismus erst gar nicht zulassen würden, etwa die Charta der Menschenrechte oder das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung, stehen in Widerspruch zu manchen Gesetzen oder Willenserklärungen "Gottes", die in "Heiligen Büchern" stehen. Und zwar bei allen gegnerischen Nationen, die Terrorismus und Gegenterrorismus ausüben. Ihre Führer berufen sich dabei gleichermaßen auf den "Gott Israels". Der aber befürwortet etwa Rassentrennung, Landeroberung, Ausgrenzung von "Ungläubigen", die Errichtung einer Weltmacht auf der Basis des Glaubens an ihn.

Solange diese "Heiligen Bücher" nicht ihre Wirkung auf Menschen verlieren, zumindest in Bezug auf ihre elitären, ungeeigneten Aussagen zum friedlichen, gleichberechtigten menschlichen Zusammenleben, solange werden auch wichtige Wurzeln für Terrorismus nicht beseitigt sein. Auch solange einerseits viele Menschen elend verhungern und viele andere Menschen teilnahmslos zusehen, werden wir keinen wirkliche Frieden erreichen. Wir brauchen eine menschliche Gerechtigkeit, die demokratisch erarbeitet und von der Vernunft bestimmt wird. Der "göttliche Gedanke der Rache" ist durch den Gedanken von Wiedergutmachung zu ersetzen, von uneingeschränkter Nächstenliebe, von Hilfe zur Selbsthilfe. So, wie in Deutschland die reichen Ländern den ärmeren helfen, so wie in der EU die reichen Staaten den ärmeren helfen, so sollte es auf der ganzen Erde sein. Wir benötigen eine überstaatliche Gerechtigkeit, keine einzelne Weltmacht, die nach ihren von Weltkonzernen bestimmten Vorstellungen Weltpolizei spielen will. Denn diese mächtigste Nation der Erde hat auf den Terrorismus so geantwortet, wie es in "Heiligen Büchern" "Gott" zugeschrieben wird: mit Rache. Wann endlich erkennt man, daß dieser "Gott" eine Erfindung elitärer Machtmenschen ist?

Liebe Grüße vom Peter

PS: ein Diskussionsforum auf Deiner Homepage könnte ihr vielleicht mehr Wirkung verschaffen? Kontroverses "miteinander reden" öffnet manchmal für beide Seiten die Augen für das Wesentliche. Wenn auch nur nach dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein.

31.10.01


Lieber Rudolf Kuhr,

vielleicht sind in dem folgenden Text interessante Anhaltspunkte für die Überwindung des Terrorismus.

Mit herzlichen Grüssen aus Portugal

Barbara Kovats

TERROR UND LIEBE

Eine Nachbesinnung zu dem Anschlag auf die USA, von Dieter Duhm

Auszüge:

Nach dem Entsetzen, nach der Angst und der Trauer kamen die Gedanken, die Informationen, die Schlußfolgerungen. (...)

Wir erleben im Äußeren die Eruptionen eines Systems, welches im Inneren auf Gewalt und Angst beruht. Dieses System ist auch in uns selbst. Friedenswille ist nicht mehr nur ein Aufschrei gegen äußere Verhältnisse, sondern Friedenswille ist die entschlossene Veränderung unserer eigenen Lebensverhältnisse.

Ich glaube an das ursprünglich Gute im Menschen. Ich glaube an die göttliche Grundnatur des Menschen wie aller anderen Wesen. Ich glaube auch - man verzeihe mir, wenn es wie Hohn klingt - ich glaube mehr denn je an die Macht der Liebe. Ich glaube an nichts mehr als an die Macht der Liebe, wenn es um die Frage geht, ob Mensch und Erde noch zu retten sind. (...)

Es gibt nicht mehr die Schuldigen und die Unschuldigen im alten Sinn. Wir müssen nicht die Schuldigen suchen und beseitigen, sondern die Ursachen. Die Ursachen liegen in einem weltweiten System von Ausbeutung und Barbarei, getragen von Wirtschaftsverbänden, Regierungen, Militärs und Geheimdiensten. Sie liegen in einer falschen Wirtschaftsordnung, welche auf Konsum, Naturzerstörung und Ausbeutung der armen Welt basiert. Sie liegen in einem Lebenssystem von Beruf, Ehe, Karriere und Konsum, welches dieser Ausbeutung zugrundeliegt und an welchem wir alle mehr oder weniger teilhaben. Sie liegen auch in den Schlachthöfen und den Tierlaboratorien, mit denen wir täglich den Schmerz der Welt vergrößern. (...)

Das Unglück in unseren Liebesbeziehungen, millionenfach reproduziert, kann keine heilsame Politik hervorbringen. (...)

Wir müssen um unsere Herzen herum neue mitmenschliche, neue soziale und ökologische Strukturen bauen, damit Liebe und Solidarität Dauer erhalten. Die Erde braucht "Stützpunkte der Liebe", in denen sich die neuen sozialen, sexuellen, ökonomischen und ökologischen Strukturen entwickeln können. Vor vierzig Jahren bestand das Hauptthema der Forschung darin, technologische Strukturen für die Raumfahrt zu schaffen, heute besteht das Hauptthema darin, dauerhafte gesellschaftliche Strukturen für die Liebe zu schaffen, Strukturen der Kooperation mit Natur und Schöpfung. (...)

Dies ist das große Projekt in unserer Zeit, dem wir uns verschrieben haben. Es ist nicht das Projekt kleiner Gruppen, sondern ein Projekt der Menschheit. Wir alle sind dabei, eine neue Stufe, eine neue Oktave des Lebens zu betreten. Die großen Systeme werden so lange zerfallen, bis sie auf jene Lebenseinheiten gestoßen sind, die nicht zerfallen können, weil sich in ihnen die neue Kraft verbreitet. (...)

Ich bitte alle helfenden Kräfte um Unterstützung und Mitarbeit. Ich danke allen Heilungsarbeitern dieser Erde.

Für den ganzen Text: http://www.tamera.org/german/ oder: http://www.heilige-matrix.de/ dort "Geistiges Umfeld" anklicken

IGF - Institut für Globale Friedensarbeit, Monte do Cerro, P-7630 Colos, Portugal, Tel: +351-283 635 306, Fax: -283 635 374, e-mail: igf (at) tamera.org, www.tamera.org

31.10.01


Sehr geehrter Herr Kuhr,

Ich habe mir Ihr Schreiben genau durchgelesen und versuche kurz zu antworten:

Ich bin sehr wohl der Meinung wie Sie, dass die gegenseitige Ausgrenzung von Religionen der Boden ist, auf dem der Terrorismus wächst und gedeiht. Wichtigstes Ziel muss deshalb sein, diese internationalen Konflikte, von denen die Auseinandersetzung zwischen Israel und der arabischen Welt (Der Angriff auf das World Trade Center war ein Angriff auf das Weltjudentum, das ca. 80% des amerikanischen Finanzkapitals besitzt.) nur ein Teil ist zu begrenzen und zu befrieden. Hätte Präsident Bush beispielsweise die Friedenspolitik von Clinton fortgesetzt und nicht die Intifada unbekümmert weiterlaufen lassen, so hätte Bin Laden zumindest nicht gewaltigen Beifall der vielen Moslems des Nahen und Mittleren Ostens einheimsen können - die Frage, ob er dann den Anschlag durchgeführt hätte. Ich meine damit, zur Friedenspolitik und zur Verständigung zwischen den Völkern gibt es keine Alternative.

Meine Differenz zu Ihren Ausführungen besteht genau in dem "Ismus" des Humanismus, denn genau so wie Sie es schreiben, ist dies sozusagen schon wieder eine eigene Religion bzw. Weltanschauung, die als Mission andere Religionen ausgrenzt. Das tun Sie, indem Sie die vorhandenen Probleme dieser Religionen durchaus richtig (aus meiner Sicht richtig) ansprechen, aber eben durch eine eigene Weltsicht ersetzen wollen. Meine Auffassung ist hier eine andere:

Selbstverständlich wäre es für alle Menschen wichtig zu begreifen, das wir alle nur Teil einer einzigen Gattung sind, anstatt uns ständig für alle möglichen Zwecke anzufeinden oder gar gegenseitig auszurotten. Stattdessen sollte man erstens die positiven Teile innerhalb von Religionen und Weltanschauungen feststellen, wie z.B. der gegenseitige Respekt von Menschen und der Respekt vor dem Leben und der Unversehrtheit des anderen. Es gibt ja die weltweite Einigung auf die internationalen Menschenrechte auf die sich (fast) alle Völker, Staaten und Religionen geeinigt haben. Dazu gehört natürlich auch, dass die Religion des anderen akzeptiert wird. Deshalb akzeptiere ich beispielsweise auch jedes gelebte Christentum jedes einzelnen Christen, auch dann wenn die Starrsinnigkeit und der Missionseifer der Kirche über die Jahrhunderte hinweg bis heute der Menschheit viel Leid, Entbehrungen, Kriege und Unterdrückung gebracht haben und zwar bis zum heutigen Tage, was unter vielem anderem die Arroganz der christlichen westlichen Welt gegenüber dem Islam beweist. Die Alternative kann eben nicht sein, die Kirche abzuschaffen (außer sie löst sich selbst auf, womit ich keine Probleme hätte), sondern die Alternative muss der Versuch sein Kirchen, Staaten und Völker zu einem gemeinsamen Handeln zu bewegen durch gegenseitigen Kompromiss und Verständigung auf der Basis der Akzeptanz der anderen Position. - Leider sind wir davon noch meilenweit entfernt. Sie werden aber in allen möglichen Richtungen politischer, religiöser und weltanschaulicher Art eine ganze Menge Leute feststellen, die versuchen, genau diesen Weg zu gehen, nicht weil Sie meiner Auffassung sind, sondern weil sie erkannt haben, dass dies der einzige Weg ist, mit den menschlichen Realitäten in dieser Welt einigermaßen gewaltfrei zurechtzukommen, auch wenn es manchmal nicht ohne Gewalt geht.

Na, jetzt war's doch länger wie gedacht, aber Sie haben sich's verdient, denn bei dem Hoax haben Sie mir doch sehr geholfen.

Viele Grüße,

H. Z., 31.10.01


Sehr geehrter Herr Kuhr,

nach längerer Pause einmal wieder eine Reaktion von mir. Ich drücke Ihnen vor allem die Daumen für die angedachte Stiftung (ich folgte dem angegebenen Link) und möchte Ihnen meinen Respekt bekunden für Ihr Engagement, das auch aus diesem neuen und sehr gelungenen (!) Newsletter spricht. Besonders gefallen haben mir die Gedanken, daß es den Separatismus zu überwinden gilt sowie die Newsletter-Kritik an dem fälschlichen Ausschluß der Themen Kultur/Religion aus der Debatte um die Ursachen des Terrorismus.

Daß letzteres ein besonders gewichtiger Punkt ist, zeigte auch der gestrige Tagesthemenbeitrag über das Scheitern der Integration der Türken in Deutschland (seit nach dem Kriege nunmehr in dritter Generation) und bestätigt damit einmal mehr Ihre Auffassung.

Mit den besten Wünschen für Ihre weitere Arbeit und herzlichem Dank für die anregenden Newsletter-Informationen,

Kirstin Y. 31.10.01


Lieber Herr Kuhr,

Ihr Text «Ursachen des Terrorismus beseitigen!» ist sehr gut.

Beste Grüße

Ihr

Joachim L., Rom, 30.10.01


Um Terrorismus zu bekämpfen ist es wichtig, zuallererst Terrorist Nr.1 zu bekämpfen.
Und das ist die US-Gesellschaft.
Würde man nämlich mit der Bekämpfung von Nr. 2 oder 3 usw. beginnen,
so würde Nr. 1 sogar noch stärker und fürchterlicher werden

guenther 29.10.01


Hallo Rudolf Kuhr,

das Problem ist das Folgende: Erstens kann man einen lieben Gott nun mal nicht beweisen. Beweisen kann man lediglich einen Verstand - den es an den Tag zu legen gelte. Und zweitens - das hierzu Übergeordnete haben wir bereits. Es sind die Menschenrechte (Genf 1948). Diese enthalten jedoch den Begriff der Würde - und die ist unantastbar, und damit könne der Mensch nun blöd sein wie er wolle. Leider!

Ich sehe da also wenig Erfolg für Deine gut gemeinten Absichten.

Martin N. 28.10.01

Den Menschenrechten übergeordnet ist eine - mehr oder weniger bewußte - universale ethische Orientierung, welche deren Begründung und Umsetzung erst ermöglicht. Die Behauptung, die Menschenwürde sei unantastbar ist eine Wunschvorstellung und damit Selbsttäuschung, wie uns täglich bewiesen wird. Eher ist sie hin und wieder nachweisbar, sowohl aktiv, als auch passiv. Auf jeden Fall ist sie zu ermöglichen, zu achten und zu schützen.

Für mich als Humanist beginnt übrigens der Erfolg bereits mit dem Gefühl, das mir Mögliche getan zu haben.
Für manche mag dieser Anspruch zu bescheiden sein, für viele wohl schon zu hoch.
R.K.


Sehr geehrter Hr. Kuhr,

herzlichen Dank für Ihre E-Mail.

Sie haben sicher Recht, dass die Kulturen und Religionen auf einander zugehen müssen. Gegenseitige Vorwürfe und Ausgrenzung sind der Anfang allen Übels. Ihr Hinweis die jüdische Kultur wäre die ausgrenzende ist allerdings falsch. Sie ist vielmehr die Basis der christlichen wie auch islamischen Kultur. Es ist doch eher so, dass sich das Christentum um Abgrenzung gegenüber dem Judentum bemühte (was bis zur Ausgrenzung und zur Vernichtung im 3. Reich ging). Es ist schon bemerkenswert, dass der jetzige Papst der erste (nach genau 2000 Jahren!) ist, der hier einen Richtungswechsel eingeschlagen hat.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich C., 28.10.01

Selbst wenn die jüdische Kultur die Basis der christlichen und islamischen ist, so ist doch das jahrhunderte alte Leid, das praktizierende Juden fast überall in ihrer Diaspora erfahren haben, eine Erscheinung, deren Ursache in einem abgrenzenden kulturellen Verhalten zu sehen ist.

Mir geht es darum, die gemeinsamen, menschlich wesentlichen Gehalte aller Kulturen und Religionen ihren trennenden Formen überzuordnen und universal und zielorientiert zu bezeichnen.
R.K.


Lieber Herr Kuhr,

Ihr Artikel fängt ausgezeichnet an, aber am Ende verfallen Sie in die Ihnen gewohnten Allgemeinplätze: Humanismus etc.. Ist Ihnen nicht klar, daß Aufklärung und Humanismus das Ergebnis gerade der Anstrengungen der von Ihnen als abgrenzend und aussondernd gemahnten Juden waren? Läßt sich in Meyers Enzyklopädischem Lexikon (unter Mendelsohn) jedenfalls nachlesen.

Versuchen Sie doch einmal für Humanismus einen deutschen Begriff zu verwenden. Der wäre bestimmt deutlicher. Menschlichkeit deckt das nicht ab.

Da müßten wir est einmal die "condition humaine" klären. Was ist der Mensch?

Wie ist er? Wie sollte er sein? Warum?

Auch eine Universalkultur oder Universalreligion könnte sehr unmenschlich sein und die allgemeine, intolerante Weltdiktatur beinhalten.

Religionen sind alle unter Mißbrauch der Einsichten ihrer Stifter entstanden. Es läßt sich eben viel gewinnbringen-der scheinheilig sein als heilig.

Und Kultur hängt leider auch mehr mit Kultus zusammen als mit Natur- und Bodenpflege, was dieser Begriff ursprünglich bedeutet hat, nämlich bessere Lebensbe-dinungen durch neue Siedlungsmethoden.

Eingedenk dessen wird klar, daß es die besseren Lebensbedinungen sind, an denen das von Ihnen Angestrebte sich messen lassen muß.

Das was Sie mit Kultur und Religion glaubten ansprechen zu sollen, also das, was Werte setzt und wahrt, klappt im Massenstaat nur durch Indoktrination und Gehirnwäsche. In übersehbarem Raum des Zusammenlebens dagegen entsteht es von allein durch täglichen Umgang mit den anderen, täglichen Einblick in ihre Anstrengungen, für sich selbst zu sorgen, Verständnis für die anderen aufzubringen und, gegebenenfalls zu helfen. So entsteht gegenseitige Achtung, nämlich durch die Erkenntnis, daß niemand in dieser Siedlung versucht auf Kosten der anderen zu leben.

Genau das aber ist es, was durch die Rede von Humanis-mus nicht zu erreichen ist.

Oder sehen Sie das wirklich anders?

Mit freundlichen Grüßen

I., 25.10.01


Hallo!

Wegen der Dialektik und Widersprüchlichkeit der Welt wird es nie Standards geben. Das Leben folgt dem Oktav- oder Verdoppelungsgesetz. Da muß immer einer mal weichen und zurück stecken. Ich bezweifle, daß er das freiwillig tut. Die Weisheit liegt in der Beschränkung.

Viele Grüße Peter B.

Solange wir noch die Tiere und Pflanzen, unsere Mitbürger, terrorisieren müssen wird es nie Frieden geben.

23.10.01


zur Ausgabe August/September 2001 - Menschen-Versuche nötig


Lieber Rudolf Kuhr,

von Daniel O. habe ich Ihr Rundschreiben "Menschen-Versuche sind nötig!" zugesandt bekommen. Und so habe ich auch Ihre Homepage besucht. Ich war beeindruckt und ich fand sie sehr interessant und vielseitig. Als Holon-Mitglied setzte ich mich für ähnliche Wege und Ziele ein. Ich fühle mich Ihnen daher sehr verbunden.

In letzter Zeit kristallisierten sich für mich immer klarer Zusammenhänge heraus die im Spiele sind, bei dem was gerade einmal mehr abläuft. Ich bin sehr besorgt und das motivierte mich, verschiedene Texte zur Gewaltprävention zu schreiben. Ich beschreibe da Zusammenhänge von frühkindlichen prägenden Erfahrungen mit späterem Machtstreben und habgierigem Verhalten, die äusserst selten zur Sprache kommen.

Wenn diese Texte (http://home.sunrise.ch/maurer) bei Ihnen positive Resonanz finden, bin ich damit einverstanden, wenn Sie sie in Ihren Informationen erwähnen oder öffentlich zugänglich machen.

Herzliche Grüsse

Willi M. 05.10.01


Hallo Rudolf,

Du sagst in Deinem Rundschreiben:

>> Jeder, der versucht die Probleme ganzheitlich zu sehen, wird erkennen, daß die Ursachen für menschenunwürdiges Verhalten bei ethnisch- religiösen Konflikten ihre Wurzeln in irrealen, traditionellen Vorstellungen haben. In Israel/Palästina ist dies einerseits z.B. die Berufung auf einen Gott, der seinen Anhängern ein bestimmtes Land zugesprochen hat. Auf der anderen Seite ist es die Vorstellung vom Paradies, in welches ein Märtyrer gelangt, wenn er sich und andere tötet.<<

Auch mein Bemühen an verschiedenen AOL-Boards ist es, die giftigen Wurzeln aufzuzeigen, die tiefgläubige Menschen zu schlimmsten Taten verleiten. Ich werde in einem meiner nächsten Beiträge auf Deine Homepage verweisen.

Wir beide haben keine Probleme, die Giftigkeit dieser Wurzeln zu erkennen. Wir haben den Selbstversuch an uns schon durchgeführt und erkannt, wie falsch wir oft geprägt wurden.

In meinen Beiträgen spreche ich etwa unverblümt an, daß Hitler die Nürnberger Rassengesetze nicht neu erfinden, sondern nur im 9. Kapitel aus dem Buch Esra abschreiben und die Rassennamen ändern mußte. Landraub, Versklaven oder Ermordung der Vorbevölkerung mußte Hitler auch nicht lernen - das steht alles im AT. Bis hin zur Verwirklichung der Weltmacht einer einzigen Rasse, einer einzigen Nation und die Unterjochung aller anderen Nationen und Rassen. Das "Heilige Zion" von Hitler bekam nur einen anderen Namen: Tausendjähriges Reich. Ansonsten steht alles bereits in Scheinheiligen Schriften.

Ob man in der Bibel liest, im Tanach oder im Koran: durch solche Schriften sollen Menschen zu blindgläubigen Untertanen von Mächtigen geprägt werden. Das wirklich Schlimme ist: viele Menschen glauben aus tiefsten Herzen daran. Das alles ist für sie der Wille Gottes, der Wille Jahwes, der Wille Allahs. Der Wille des Höchsten also, was diese Menschen sich vorstellen können. Diese Menschen ignorieren völlig, das diese Scheinheiligen Schriften und die Religionsorganisationen, die sich ihrer aus vorwiegend eigenen Interessen bedienen, noch zu keiner Zeit das Wichtigste verwirklichen konnten: Weltfrieden und Toleranz aller Menschen untereinander.

Was ich nach dem Terroranschlag fühle, gleicht fast schon Ohnmacht. Ich erkenne das ungeheure Potential menschlicher Intelligenz - und andererseits die Unfähigkeit, dieses Potential vernünftig für alle Menschen einzusetzen. Es wird gnadenlos für überegoistische Zwecke ausgenutzt von elitären Mächtigen. Es wird noch bannig lange dauern, bis sogenannte göttliche Gesetze durch demokratisch erarbeitete Gesetze verdrängt sind, wie etwa durch die Charta der Menschenrechte. Dafür sich einzusetzen lohnt aber allemal. Steter Tropfen höhlt hoffentlich den Stein religiösen Irrglaubens.

Liebe Grüße vom Peter 27.09.01


Lieber Rudolf Kuhr,

danke für den Infobrief. Ich schicke Ihnen ein Gebet zu der Situation der Welt nach dem 11.9.2001, vielleicht kennen Sie es schon, dann bitte ich um Entschuldigung für die doppelte Sendung.

Grüsse aus einem spätsommerlichen Portugal

Barbara Kovats 27.09.01

Ein Gebet für New York, für Washington, für die Erde

Wir verbinden uns mit den Opfern und mit dem Schmerz ihrer Angehörigen.
Wir sehen die brennenden Menschen, die Sterbenden, die vom Tower sprangen...
Mögen sie in Gottes Arme gesprungen sein...
Mögen sie dort von einer größeren und helleren Welt empfangen werden, als sie derzeit auf dem Planeten Erde herrscht.
Mögen die Verletzten ihren Schutz erhalten...

Wir bitten darum, daß ihnen und allen Angehörigen in allem Leid ein Licht aufgeht.
Wir bitten darum, daß ein großes weltweites Erwachen eingeleitet wird...
Mögen immer mehr Menschen zu der Erkenntnis kommen, daß wir Haß und Gewalt nicht beenden können, solange wir in Feindbildern denken.
Wir bitten um einen inneren, globalen Geist der Versöhnung und der Einsicht, der uns von den alten Schablonen erlöst. Wir bitten für die USA, für Palästina, für Tibet, für Tschetschenien, für Afghanistan, für den Balkan, für Ost-Timor und Guatemala und für den eigenen Freundeskreis.
Wir bitten innig um das Licht der Erkenntnis und der Zusammengehörigkeit aller Völker.

Zum ersten Mal hat jetzt der Krieg der Welt die USA getroffen und ein Wahrzeichen ihrer Macht zerstört.
Die Gewalt, welche den USA zugefügt wurde, ist ein Echo der Gewalt, welche von den Wirtschaftsmächten alltäglich Millionen von Wesen zugefügt wird. Das Leiden der Menschen unter den rauchenden Trümmern von Manhattan ist schlimm, wir trauern um die Opfer.
Wer aber trauert um das Leiden der beraubten Völker in der Dritten Welt?
Das System, dem jetzt der Anschlag galt, hat selber unsäglich viel Gewalt auf dem Gewissen.
Das ist keine Rechtfertigung für den Mordanschlag, sondern eine Bitte um Besinnung.

Möge jetzt, wo die Zentren selbst getroffen sind, ein tieferes Erwachen gehen durch die Reihen von Millionen Menschen.
Wir bitten um die Weisheit und die Kraft, diese Matrix der Gewalt für immer zu verlassen und einzutreten in die Matrix des Verstehens und der Liebe.
Möge auch in den Herrschenden und den Amtsträgern dieser Welt ein großes Erwachen geschehen, die große Einsicht, daß Friede kein System ist, in dem man Feinde besiegt.
Friede wird eintreten, wenn wir teilnehmen am Schicksal aller Geschöpfe und wenn wir die große Einheit des Lebens sehen, die uns alle miteinander verbindet.
Es kann kein Friede entstehen, solange Haß noch in uns selber ist. Denn was draußen geschieht, ist immer die Vergrößerung unserer inneren Bühne.
Solange wir Gewalt säen durch unsere alltäglichen Lebensgewohnheiten, durch Mittäterschaft in Konsum und Beruf, in Schlachthöfen und Tierlabors, in Liebesclinchen und Rachegedanken, solange werden wir Gewalt ernten.
Äußere Feinde wird es solange geben, wie sie noch Resonanz finden in uns selbst. Wir bitten um die Weisheit und die Kraft, ein gemeinsames Leben aufzubauen, wo es in uns selbst keine
Feinde, keine Angst und keinen Haß mehr gibt.

Wir bitten um die Weisheit und die Kraft, eine zukünftige Welt zu sehen, die in Liebe und Vertrauen mit allen Wesen verbunden ist.
Und wir bitten um die Weisheit und die Kraft, diese Welt mit allen Freunden auf der Erde zu errichten, daß sich weltweit ein neues Lichtnetz spannt von Zentrum zu Zentrum.
Wir wissen, daß die Lichtseelen der Welt und aller ihrer Geschöpfe uns dabei unterstützen werden. Und so bitten wir um die heilige Kooperation mit allen Lichtwesen des Universums.
Das bestehende System zerbricht. Vielleicht besinnen sich jetzt viele Menschen auf die Möglichkeit autarker Systeme, hören auf mit dem Glauben an Kapital und Wirtschaft, besinnen sich auf die eigentlichen Werte des Lebens, die gegründet sind in Vertrauen, Anteilnahme und gegenseitiger Unterstützung zwischen uns und aller Kreatur.

Vielleicht ist dies der Beginn einer neuen Macht von Menschen, die wieder wissen: Ein Mensch ist ein Mensch, ein Tier ist ein Tier, eine Pflanze ist eine Pflanze, egal welchem Land oder welcher Religion sie angehören. Und sie alle sind Teil des Einen großen Lebens. Was wir ihnen zufügen, fügen wir auch uns selber zu. Denn "Was ihr getan habt einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."
Möge kein Feindbild mehr aufgebaut werden, sondern die Erkenntnis, daß der Feind überall lauert, solange wir am Aufbau von Feindbildern beteiligt sind.
Möge eine Bewegung über die Erde gehen, wo immer mehr Menschen aus der Hypnose der alten patriarchalen Epoche, aus den kindischen Träumen von einer starken Nation und einem starken Heer, aus der Furcht vor dem Leben und dem Feind erwachen.
Mögen sie einen neuen Traum träumen, neue Bilder in die Seelen pflanzen, neues Leben und neue Freude wecken in den Herzen der Welt.
Es ist ja nicht nur ein Traum, sondern es ist der Bauplan einer Wirklichkeit jenseits von Angst und Trennung.
Die Welt selbst trägt in sich den Traum der Liebe und des Friedens und der Zusammengehörigkeit aller Wesen.
Laßt uns Orte auf der Erde errichten, Heimatorte, wo dieser Traum wieder ganz durch uns hindurchgehen kann. So daß wir ihn sehen und verwirklichen.
Möge er unsere Zellen regulieren, unsere Handlungen leiten und unseren Herzen die Gewissheit des Lebens wiedergeben.
Im Namen aller Kreatur, im Dienst der Wärme für alles, was Haut und Fell hat!
Mit Dank und Segen für alle Friedensarbeiter der Welt und für eine Bewegung für eine freie Erde.

Die Mitarbeiter des IGF und des Heilungsbiotop


Sehr geehrter Herr Kuhr!

Nicht nur was Sie schreiben, sondern auch Ihre Ausgangsbasis ist in allen Belangen blanker Unsinn. Nicht nur das Sie von einer mit übelsten Zielen gefälschten Geschichtsschreibung, allein was die letzten 100 Jahre betrifft, ausgehen. Sind Sie doch tatsächlich der Annahme, daß es heute irgendwo auf der Welt auch nur eine tatsächliche Demokratie gibt.

Statt einer solchen gibt es ausschließlich eine, die Globalisierung Ihrer Macht anstrebende, Herrschaft von Kapitalisten, deren Ziele ausschließlich in der eigenen Matcherhaltung und -erweiterung liegen, selbst wenn sie dazu alle gesellschaftlichen Zusammenhalte auflösen müssen um den individualisierten Rest dann mit allen Mitteln, sei es Täuschung oder auch Gewalt, zusammenzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Günter V. 27.09.01


Sehr geehrter Herr Kuhr,

Aufgrund Ihrer letzten Zusendung, die ich mit großem Interesse gelesen und zu der ich auch einiges anzumerken habe, wurde ich an Ihre letztes Mail vom 19.4. (! mea culpa) erinnert, das ich noch immer nicht in gebührender Weise beantwortet habe. Vorschläge für einen Beitrag, wie Sie damals schrieben, hätte ich genug. Hier nur einige Themen, die mich besonders interessieren und die ich bereits im Rahmen von Vorträgen oder Artikeln abbgehandelt habe:

1) Die Religion des Richard Wagner und ihre politischen und ideologischen Auswirkungen

2) Die "Visionen" Rudolf Steiners und ihre traditionelle Einordnung

3) Der Islam - Eine Religion des Friedens? Einblicke in den Koran

4) Auf Ihre letzte Aussendung bezogen: Das Judentum - Eine separierende Weltanschauung bzw. Deutschtum - Judentum: Zwei Begriffe eine Ideologie?

Vielleicht ist da etwas für Sie Interessantes darunter! Lassen Sie es mich bitte wissen. Es würde mich sehr interessieren!

Beste Grüße

Mag. Markus W. 26.09.01


Bitte streichen Sie mich aus Ihrem Verteiler.

freundlichen Gruß

Hans-Peter L. 24.09.01


Sehr geehrter Herr Kuhr,

bitte nehmen Sie mich aus Ihrem e-mail-Verteiler

Danke

Barbara C. 24.09.01


Hallo Rudolf,

Sehr gut verfasster Beitrag zum Thema - Bravo !!

Bitte um Genehmigung "Menschen-Versuche sind nötig!" auf meiner Webseite

http://webplaza.pt.lu/public/lucianid/

veröffentlichen zu dürfen. .

David Luciani 24.09.01


Hi, ich möchte bitte keine weiteren Mails von ihnen erhalten.

Danke für ihr Verständnis.

Bye.

Ricardo 24.09.01

 


Lieber Herr Kuhr,

Wenn Sie nur nicht so klug, sondern einfacher wären.
Sie würden sehen, daß die Menschen all die Lebenslügen, die Sie anprangern, brauchen: weil sie bequem
und träge sind und ihren status quo gern mit Mythen umweben, um ihn nicht täglich neu verdienen zu müssen.

Kultur war immer die Schwertscheide, das Feigenblatt vor der Gewalt, wie die Wohltätigkeit zur
Beruhigung des eigenen, aus ungerechter eigener Gewalt schlechten Gewissens.
Genau da ist der Ansatzpunkt.
Solange die Leute noch ihr Gewissen beruhigen wollen, haben sie doch wenigstens noch eins.
Wenn sie es fertigbringen, ein ruhiges Gewissen zu haben statt ein beruhigtes, stapfen wir in den Siebenmeilenstiefeln des Friedens.

Alles Gute!

Ihr I. 22.09.01


lieber rudolf kuhr,

ich habe auszüge aus deiner e-mail veröffentlicht in meinem FORUM -
in der hoffnung, dass dieser schreckliche anlass auch einer ist,
den zusammenhang von konfession und potentiellem fanatismus
genauer zu untersuchen...

dietmar g. 21.09.01


Danke schön! Ich freue mich immer wieder über Ihre interessanten Texte...

Lydia F. 21.09.01


Lieber Rudolf Kuhr,

Über die Initiative Ihrer Stiftung habe ich vor, in der nächsten Nummer von FCE (Papier und Internet-Ausgabe) zu
berichten. Bitte senden Sie mir etwaige Änderungen Ihrer Absichtserklärung bis zum 20.Oktober (Redaktionsschluß) zu.

Mit besten Grüßen,

Joseph R. 13.09.01


Lieber Rudolf,

wie wahr und gut Dein letzter Rundbrief und wie aktuell auch vor dem Hintergrund
der derzeitigen Neuigkeiten aus den USA und den zu erwartenden Steigerungen
der Gewalt als eben grundfalsche Antwort auf das Phänomen des Terrors.

Wolfgang F. 13.09.01


Es werden keine weiteren E-Mails gewünscht.

Wolfgang T. 26.08.01


Vielen Dank für Ihre Zusendung. Bitte streichen Sie mich dennoch aus dem Verteiler.

mit freundlichen Grüßen

Diethold U. 28.08.01


Hallo lieber Rudolf Kuhr,

endlich komme ich heute einmal dazu, einen "Kuhr-Tag zur Erholung" einzulegen und Ihnen zu schreiben. Für ihren humanistischen Infodienst bedanke ich mich ebenso wie für ihre Mail vom 11.07.01. Mit Ihnen gemeinsam erlaube ich mir gerne festzustellen, dass uns in humanitären Fragen im Grundsatz etwas Wesentliches verbinden könnte.

"Es braucht heute mutige Menschen, die bereit sind zu Selbstversuchen, um beispielhaft eine durch alle Bereiche der Persönlichkeit gehende Wahrhaftigkeit zu entwickeln als Grundlage innerer Sicherheit. Es braucht Menschen, die versuchen, ihren anerzogenen Glauben an Mythen zu hinterfragen, zu überwinden und stattdessen einen radikal realitätsbezogenen Glauben anzunehmen, der sich an den Möglichkeiten verantwortlichen Menschseins orientiert." ( Rudolf Kuhr, Humanisitischer Infodienst August 15/31)

Humanismus und Gentechnik sollten in einer gut funktionierenden Demokratie unbedingt ganzheitlich auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners und des größten gemeinsamen Teilers verstanden werden dürfen, wenn wir Fehlentwickungen gemeinsam vermeiden helfen wollen. Weil dabei auch der feste Glaube, beziehungsweise die Religion als Wissensersatz in die ganzheitliche Grenzbeurteilung miteinfließt -( auch mit dem Geld als Religion in Form einer gentechnischen Glaubensinvestition globaler Großaktionäre! ) -, stellt sich für mich als Wissenschaftler die entscheidende Bewertungsfrage vorab, ob die im öffentlichen Rampenlicht stehenden Entscheidungsträger als (hochbezahlte) Koryphäen unserer Bürgergesellschaft die Würde des werdenden Menschen gegenüber der Würde des seienden Menschen mehrheitlich niederer oder höher einstufen würden? Mein Seitenhieb zielt auf eine hinterfragwürdige Äußerung des Philosophen Peter Sloterdisjk, dessen "genetische Menschenparkanlagen" als doppeldeutige Provokation erscheinen könnte, wenn dessen Sprachbegriff einer "abgestuften" Würde in die gentechnische Diskussion menschlich verfassungswürdig Eingang finden würde, würde man Ihn denn auch unwidersprochen gewähren lassen. Wenn ihr Kollege Sloterdisjk, wie ich seinen öffentlichen Äußerungen zu entnehmen glaube, heimlich der Meinung ist, dass die Menscheit durch künstliche Klonierung viel dümmer eigentlich gar nicht mehr werden könne, als sie es heute ohnehin schon ist, würde er dann die Rettung durch eine fürsorglich molekularbiologisch verbesserte Erbhygiene zum frühestmöglichen Zeitpunkt als das geringere Übel ernsthaft in Kauf nehmen? Ich weis es nicht. Ich weis nur, dass ich am liebsten meine Meinung über ihren ansonsten von mir hoch geschätzen Kollegen ebenfalls dann "abstufen" würde. Erst recht, nachdem er schon einmal provokativ "ein Habermas" zum überlaufen bringen wollte.

Für mich widerspiegelt der Sprachbegriff der Würde eine zukunftskonditioniert offene "Wie-es-wohl-wäre-wenn-man-Mensch-sein-Würde"!

Die Würde bleibt für mich unantastbar und nicht wertungswillkürlich abstufbar. Gerade weil sie keine "Tat-Sache" ist. Also kein Faktum, gleichwohl ein lebensbedingungsabhängiges Faktotum, das für alles gerade stehen muss, wie ein williges Stehaufmännchen, das sich selbst (auf-)richtet. Eine Horrorvision wäre es für mich, wenn ich als beurteilender Mensch gezwungen wäre, den scheinbar schlechteren Menschen abzustufen, um dadurch den scheinbar besseren Menschen erhöhen zu können. Eine solche Klassengesellschaft lehne ich als erniedrigend ab.

Einmal mehr bewahrheitet sich, das Hochintelligenz und Schwachsinn jedenfalls genetisch nicht voneinander zu trennen sind, es sei denn, man nimmt die sofortige Umkehrung - natürlich abgestuft - billigend in Kauf, "nur so zum Spaß", und macht aus dem Klon einen Clown oder umgekehrt. Dieser hat in seinem späteren Berufsleben dann alle Chancen, nicht nur im Zirkus auftreten zu können, sondern auch im Wahlzirkus ein politisches Mandat erringen zu können! Doch das ist ja längst schon bekannt und verfilmt. Schauspieler können es bis zum Präsidenten oder wenigstens zu einem Minister bringen. Doch wollen überhaupt "Di di" es angeht, so meine stotterhaft in unsicherem Deutsch vorgetragenen Gedanken, noch "an diese Zukunft" erinnert werden und müssen "Di di" gemeint sind, sich zur Entlastung auf ein Attest von Dr. Alzheimer berufen? Wer kann schon völlig ausschließen, dass eine biologische Kreuzung von unterschiedlich abgestuften Würdenträgern sich nicht als billige Jakob-Kreutzfeld-Mischung offenbart? Was für eine rassistische Politik würde eine nationale Regierung verfolgen wollen, die eine internationale Gesetzeslücke zur embryonalen Stammzellforschung ausnützen könnte, um jüdische Vermächtnisse zur Finanzierung einer "zionistisch-arischen Zellkultur" zu Forschungszwecken einsetzen zu können, mit einem so geschaffenen Stammzellenerbgut unter billigender Inkaufnahme eines "Delirium Clemens" zur wohlgefälligen Völkerbefriedung? Humor ist, wenn man es trotzdem macht?

Zum diesem gentechnisch brisanten Thema zitiere ich den Spruch des Tages in der heutigen Wochenendausgabe der Pforzheimer Zeitung von Antoine de Saint-Exupéry: "Um klar zu sehen, genügt der Wechsel der Blickrichtung"

Ihren jüngsten Appell zum Thema "Meschenversuche sind ( - für Erkenntnisprozesse im Selbstversuch! - ) nötig" - habe ich mit Interesse vernommen. Die meisten Probleme dieser Welt haben ihre Wurzeln in einem Gewaltpotential, das auf irrealen Vorstellungen beruht, wie Sie dies am aktuellen Beispiel des Israel/Palästina-Konfliktes zutreffend beschrieben haben.

Meine Theorie: Der Schlüssel zur Entsagung körperlich aggressiver Gewaltbereitschaft gegen sich und andere liegt wohl im Innenleben des Menschen, in seiner (Nicht-)Erkenntnis von Selbstachtung seiner Menschenwürde, die ich persönlich - als eine offen konditionierte "Wie-Es-Wohl-Wäre-Wenn-Man-Mensch-Sein-Würde" definiere! Hoffnung und Zukunftserwartung sehe ich als die Hauptantriebe menschlichen Bewusstwerdens, welche dem Sein durch SOLL-IST-VERGLEICH stellmotorisch "scheinbar von selbst" aus der Abfolge von Versuch und Irrtum als "Beweg-Grund" vorausgehen. Dabei spielt der natürliche Fehler in meiner Theorie eine phantastische Rolle, die manchmal sogar "zum Kugeln" ist. Die Realität ist bei einem rein subjektiven Abwägungsprozess des persönlichen Glaubens oder Handelns im Normalfall nämlich überhaupt nicht beteiligt! Um aber "radikal realitätsbezogen" Handeln zu können, bedarf es einer intelligenten Sichtweise des (nicht) teilnehmenden (Grenz-)Beobachters an der fiktiven Schnittstelle von innen und außen. Ich nenne diese Sichtweise, die weder subjektiv noch objektiv nachvollzogen werden kann, einfach "biotiv", weil sie dem hohen Anspruch gerecht werden muss, naturlebensbezogen und positiv widersprüchlich so doppelt einwirken zu können. Ich gebe zu, dass dies nicht einfach zu verstehen ist für Menschen, denen man seit Kindesbeinen eingeredet hat, dass ein Mensch nur 5 Sinne habe. Dem ist aber gewiss nicht so. Wer alle seine 10 Sinne "bei-Samen" hat, der vermag zwischen richtig und falsch, rechts und links, oben und unten, positiv und negativ, innen und außen all diejenigen "fruchtbaren" Dinge des Lebens im Zwischenraum "lebendig" zu unterscheiden, die eigentlich im Kern untrennbar zusammen gehören. Dieser Bereich ganzheitlicher Psychologistik ist Teil meiner Grundlagenforschung auf dem Gebiet ganzheitlicher Entwicklungsökonomie, mit der ich noch einige Überraschungen für die interessierte Nachwelt bereit halte.

"Ich halte es für dringend, in Ergänzung oder eigentlich als Voraussetzung zu einer staatlichen oder inzwischen auch geforderten europäischen Verfassung eine menschliche Verfassung bzw. ein universales Menschenbild zu konkretisieren." (Rudolf Kuhr)

Ein universales Menschenbild zu konkretisieren hat auch RUDOLF STEINER schon versucht und die heutigen Walldorfschulen arbeiten mehr oder weniger erfolgreich im Lernbetrieb mit seiner "Kunst des Gleichmaßes" von Wort, Melodie und Bewegung (=Eurythmie). Das Urwissen von Steiner wurde aber "allzu perfekt" verknüpft mit einer streng anthroprozentrischen Denkweise, wonach allein der Mensch Mitte und Endzweck der Welt sei. Eine solche Denkweise betont aber das Element der Identifikation und der Übereinstimmung mit dem Menschheitsideal allzu sehr "körperhaft" und vernachlässigt meiner Meinung nach dabei wichtige andere geistig lernbare Sicht- und Denkweisen.

Ein universales Menschenbild, das auch breite Akzeptanz versprechen könnte, müsste sowohl eine ORIENTIERUNG, eine ERKENNTNIS und eine BEDEUTUNG zugleich als pragmatische FUNKTION liefern, unabhängig von kulturellen und traditionellen Besonderheiten. Nach dem interessanten Vorbild der sich selbst optimierenden Natur zu handeln, muss aber dem "normalen" Menschen schon deshalb schwer fallen, weil in der Natur etwas sein kann und nicht sein kann zugleich, es aber in der Natur des Menschen liegt, sich über das Sein unbedingt Gewissheit verschaffen zu wollen. Realistischer wäre es, zu akzeptieren, dass das WERDEN dem SEIN unmittelbar vorausgeht, unabhängig davon, ob das nun sein kann oder nicht!

Wonach sich Menschen sehnen, wäre eine für sie individuell erkennbare Perspektive der Hoffnung, die subjektiv auch in der Praxis als real empfunden werden könnte und die auch finanziell einen Vorteil verspricht. Dies ist aber zumindest mit starker eigener Gedanken-Arbeit zur persönlichen Transformation verbunden, zu welcher der im täglichen Stress stehende Mensch in der Regel nicht in der Lage ist.

Ich habe nicht vergessen, was "Dietlev" über "das Geschwafel von diesem Herrn Wertheimer sagte": "Unlesbar und abgehoben, es macht Humanismus zu einer Farce für Intellektuelle, für Leute, die Zeit haben, nach dem Sinn hinter den Worten zu suchen." Ich würde Dietlev raten, sich nicht zu ersparen, wenigstens nach dem "geringsten" Sinn zwischen den Worten zu suchen. - Es gibt ihn!

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Layer <BernhardLayer (at) web.de> 27.08.01


Hallo Herr Kuhr,

danke für diese Zusendung. Ich bin ebenfalls für die Beendigung der blinden Religionsgläubigkeit.

Ob es einen Gott gibt und wie er aussieht und was er will und kann, darüber kann man streiten. Dass er aber jemand ein bestimmtes Land versprochen hat oder dass man durch Mord schneller in den Himmel kommt, sind unakzeptable Religionsaussagen. Denn sie wenden sich gegen die Bedürfnisse der (Gesamtheit der) Menschen. Für mich ist die Erfüllung der Bedürfnisse der Menschen (Definition von Bedürfnissen siehe mein Buch, Kapitel 0 und 3) zusammen mit dem Prinzip des "Vollen Arbeitsertrag" also Ende der Ausbeutung, eins der höchsten Ziele.

Was Gott will, muss demgegenüber zurücktreten. Wenn er es gut mit den Menschen meint (und zwar Palästinenser, Indianer, Schwarze eingeschlossen), wird er sowieso keine anderen Ziele haben.

Sie werben dafür, dass wir für die Umwandlung der Kirchen werben sollen.

Ich muss sagen, ich habe mit der Aufklärung über die Marktwirtschaft und mit der Werbung für mein Konzept der Aufhebung der Klassenspaltung, die den Kapitalismus kennzeichnet - und für Vollen Ertrag der Arbeit - schon genug zu tun (neben meiner Arbeit und Familie).

Ich hoffe, Sie sind damit vorerst zufrieden.

Achim B. 26.08.01


Hallo Rudolf Kuhr,

Ihrem Text kann ich nur zustimmen!! Gut!

Aber mir fehlt bei der ganzen betrachtung etwas: Sie zeigen zwar sehr gut und einsichtig auf was zu tun ist, aber ich finde wirklich Nichts über das Wie. Es ist nicht und war auch noch Nie damit getan Mißstände aufzuzeigen und das Gegenteil zu formulieren. Da war die französische Revolution schon weiter. Natürlich müssen alle menschen gut sein, Ihr Denken und Handeln reflektieren und ändern, zu andern Wertmaßstäben kommen.

Nur wie will man oder wollen Sie aus dieser Einsicht eine "Massenbewegung" machen?
Ihr Menschenbild und Ihre Herangehensweise unterscheiden sich schon sehr stark von mir, auch wenn Wir vielleicht das gleiche erreichen möchten.

Und immer wieder stellt sich mir die gleiche Frage: Was wäre ein dem Menschen adäquates Ideal? Wie müßte die Aufgabe formuliert werden um es dem größten Teil der Bevölkerung bzw. der Menschheit zu ermöglichen diese zu bewältigen. Wo gehen Sie mit Ihren Idealismen die Gefahr ein, zu einer Verlogenheit zu kommen, weil das, was Sie fordern dem Menschen nicht entspricht?

Hier liegen die Probleme der Zukunft und vielleicht können Wir diese nur mit Hilfe des Wissens aus traditionellen Vorstellungen lösen. Denn wenn man etwas erreichen will muß man an der Realität anknüpfen, also den Menschen da abholen wo er steht oder Ihm einen Weg aufzeigen, der an seinem momentanem Punkt beginnt.

Gruß

Harald I. 23.08.01


Lieber Herr Kuhr,

dieser Aufsatz ist wieder ganz in allgemeinem humanistischem Sinne hoch lobenswert.

Beste Grüsse und lassen Sie nicht nach - am Ende wird es niemanden inmitten der bereits bekannten und noch kommenden Widersprüchlichkeiten in Religion und Politik geben, der das nicht einsehen wird.

Zu bedauern Nur-Politiker wie Busch oder unseren Fischer, welcher noch glaubt, das Palestinenser-Israel-Problem könne rein diplomatisch gelöst werden: Es fehlt ein offener Dialog, wo das Kernproblem direkt angegangen wird, indem man die Wahrheit offenbart: Ihr habt das Problem, das offiziell an zwei dogmatischen Religionen als fälschlicherweise für alle Zeiten zu fixierende Traditionslehren festgehalten werden soll. Solange dies die beiderseitige Kultur bleiben soll, werdet Ihr die menschlichen Barrieren nicht abbauen, sondern nur noch höherbauen können. Nur ein ganzmenschliches Umdenken und die Anerkennung einer allgemeinmenschlicher Weltethik würde Eure selbstgeschaffenen Traditions-Barrieren niederreissen und eine neue gemeinsame Weltkultur-Tradition begründen.

Beste Grüsse,

Kurt C. 23.08.01


Bitte senden Sie mir keine Nachrichten mehr zu, da ich mich aus allgemein zugänglicher Literatur genügend informiert fühle.

Freundlichen Gruß

Bernward C. 21.08.01


Hallo!

Ihr angesprochenes Motiv der Selbstopferung geht mir sehr nahe und ich stimme dem voll zu. Ich verweise auf die Biologie und mein Buch, in dem ich einen Titel (von vieren) "Die Hydra unter der Guillotine" genannt habe. Ein Kopf wird freiwillig abgehackt und zweie wachsen nach. Dieses Verdoppelungsgesetz der biologischen Entwicklung (Zellteilung) gilt analog auch in der Gesellschaft. Darum habe ich Sie auch in meine Linkliste aufgenommen, obwohl Sie zu wenig naturgesetzliches bringen und eine zu scharfe Trennungslinie zwischen den Geschöpfen der Natur und dem Menschen ziehen. Aber trotzdem weiter so.

Ihr

Peter Augustin 21.08.01
 


Reaktionen auf ältere Aussendungen

Humanist.Infodienst Juli 01 - Menschen-Unwürde

lieber rudolf kuhr,

ich habe diese mail unter dem stichwort eine GOETHE-kuhr in meinem FORUM FRIZZORUM vorgestellt...
meine neue URL: www.drfrizz.de

mit freundlichen grüßen

am tage des attentates auf hitler

dietmar fritze 22.07.01


Sehr geehrter Herr Rudolf Kur (humanist.aktion),

am 16.05.00 um 08:49 zum Thema "Humanistischer Infodienst Mai/6/30" wurden wir mit folgender Mail zwangsbeglueckt (siehe Ende der Mail)

Eine solche Mail wird im Interent allgemein als Werbemail angesehen und verstoesst damit gegen mehrere geltende Gesetze.

Die Werbung fuer die Homepage nimmt auch sehr grossen Teil dieser Mail ein.

Wir werden AUF KEINEN FALL diese Mail an Freunde und Bekannte weiterleiten, da wir uns nicht von Ihnen als billiges Werbemedium missbrauchen lassen.

Uns kostet die Bearbeitung, Durchleitung und Transport Ihrer Werbesendung Geld und Arbeitszeit, die Sie normalerwiese zu bezahlen hätten. In diesem Sinn werden wir im Wwiederholungsfalle diese Kosten auch an Sie weitergeben.

Ihre Aufforderung, eine Mail zu schicken, wenn wir keine weiteren Infos bekommen moechten, ist schlechtester Zynismus. Wir haben nie um vergleichbare Informationen gebeten und sehen daher auch keinen Anlass, AKTIV um die EInstellung einer solche Zwangsbeglueckung zu ersuchen.

Im Gegenteil: Da Sie gegen geltendes Recht verstossen, ist schon DIESE Information unerwuenscht, illegal und provokant (und in keinster Weise humanistisch).

Wir fordern Sie daher unmittelbar dazu auf, solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen; rechtliche Schritte behalten wir uns vor.

Mit freundlichen Gruessen

Andreas W.

GAIA e.V. Stuttgart (buddha.gaia.de) 17.05.01


Danke für die Mail, aber es besteht kein Interesse an weiteren mails.

Bury-Team 16.05.00


Humanistischer Infodienst Februar 2001  - Signale einer Notwehr!

Sehr geehrter Herr Kuhr,

würde es Ihnen viel ausmachen mich von Ihrer Mailing Liste zu streichen?

Mich interessieren Ihre beiträge nicht sonderlich.

Danke.
Jürgen T. 'Junge Humanisten' 22.02.01


Lieber Herr Kuhr,

in Bezug auf die BARMER sprechen Sie mir aus der Seele - auch ich bin bei dieser Krankenkasse Mitglied und bekomme diese Zeitung.
...

Mit freundlichen Grüssen

Thomas C. 20.02.01


Lieber Rudolf,

einen wichtigen Punkt hast Du da angeschnitten mit der Informationsflut und die Verantwortung der Öffentlich-Rechtlichen kann nicht oft genug bewußt gemacht werden.
...

Wolfgang F. 19.02.01


 

Humanismus als ethische Orientierung ist bei konsequenter Anwendung ein ganzheitliches,
sich selbst regelndes Rückbindungs-System, es ermöglicht ein ausgewogenes und
menschenfreundliches Verhalten als Grundlage nachhaltigen Wohlstandes.

 
Über den Sinn des Informations-Dienstes  -  Ausgaben ab Januar 2000  -  Rückmeldungen ab November 2001
 



 
Humanistische AKTION

9/2001
 
Kritik, Anregungen zu Form und Inhalt Dialog sowie unveränderter Nachdruck bei Quellenangabe
und Belegexemplar erwünscht. Kürzungen und Änderungen nach Absprache möglich.

 
 


 
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Aktualisiert am 27.06.06