Kultur und Sexualität

Zusammenhänge und Widersprüche
  

1. Kultur im Wörterbuch

Kultur ist die Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft in Sprache, Religion, Wissenschaft, Kunst und anderem. So ist in einem Wörterbuch zu lesen. Zu weiteren Bedeutungsgehalten heißt es dann unter 2) allgemein: Pflege, Veredelung, Vervollkommnung der menschlichen Gesittung, Lebensführung und der Umwelt des Menschen. 3) Urbarmachung des Bodens Anbau, Pflege von Nahrungspflanzen. 4) Forstwesen: künstliche Gründung eines Waldbestandes (Saat, Pflanzung). 5) Medizin: auf geeigneten Nährböden gezüchtete Bakterien oder Zellarten. 6) gute Manieren, weltmännisches Auftreten.

In einem philosophischen Wörterbuch ist zu lesen: (17. Jh. v. lat. cultura, von cólere, hegen und pflegen, bebauen, ausbilden, tätig verehren), ursprünglich Bearbeitung und Pflege des Bodens (agricultura), um ihn zu "verbessern", d.h. menschlichen Wünschen und Bedürfnissen anzupassen und dienstbar zu machen, übertragen die Pflege, Verbesserung, Veredelung des Körpers und seiner Fähigkeiten, insbesondere der geistigen (cultura animi: Cicero), sowie der menschlichen Umwelt, beides im Sinne eines Ideals der Vollkommenheit (materielle und geistige Kultur). Kultur ist das "schöpferische" Sein und Werden des Menschen (wie Leben das Sein und Werden des Protoplasmas und Natur das Sein und Werden der Materie ist).

Das Ergebnis der Kultur-Entwicklung und Kultur-Arbeit ist die Kultur als Besitz, sind die Kultur-Güter und Kultur-Werte der Menschen und Völker. Art und Gang der Kultur wird bestimmt durch die Umwelt des Kultur-Trägers, durch Berührung mit fremden Kulturen, sowie durch die geschichtliche Vergangenheit, das geschichtliche Erbe. Je nach "Höhe" der Kultur unterscheidet man Kulturlosigkeit, primitive und Hochkultur. Ausartungen der Kultur werden zur Unkultur oder Hyperkultur. Verfall der ethischen Werte führt zu Kultur-Müdigkeit, Kultur-Pessimismus, Kultur-Stillstand und Kultur-Verfall.

Kultur ist der letzte Zweck der Natur.
Immanuel Kant

Als besondere Seiten, gleichsam als Facetten einer Kultur, lassen sich etwa unterscheiden: Sprache und Schrift, Dichtkunst und Musik, Spiel und Tanz und Drama, Malerei und Plastik, Baukunst und Siedelung, Kleidung und Schmuck, Hausrat, Werkzeug, Waffen, Wirtschaft, Gewerbe und Handel, gesellschaftliches Leben und Verkehr, Sitte, Moral und Recht, Religion und Philosophie, Wissenschaft und Technik. In allen kommt, mehr oder weniger deutlich, immer das Ganze der Kultur eines Volkes zum Ausdruck. - Wahre Kultur ist "Einheit des Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes" (Nietzsche).

 

Der Wille zur Kultur ist universeller Fortschrittswille,
der sich des Ethischen als des höchsten Wertes bewußt ist.

Albert Schweitzer

Ein Philosoph aus der Zeit um die Jahrhundertwende wollte den Menschen zur Kulturverehrung erzogen wissen. Wir müssen die Menschen zur Ehrfurcht erziehen vor diesem gewaltigen Phänomen, welches uns das Geschlecht durch eigene Kraft emporsteigend zeigt von der tierischen Horde zur beseelten Gesellschaft, und von primitivsten Denkäußerungen zu jenem ungeheuren Besitz an Gedanken und technischem Können, über den wir heute verfügen - ein Schatzhaus der Jahrtausende, eine Welt über der Welt, und doch kein Jenseits, sondern auf sie bezogen. In ihr leben, weben und sind wir: herausgelöst aus dem Zusammenhang ist der einzelne, auch der Höchstbegabte, ein Nichts, kein Mensch, sondern nur ein Tier, hilfloser, ungeschickter, unbrauchbarer im Kampf ums Dasein, als das Mitglied einer primitiven Horde, zu der seine Ur-Ur-Vorfahren einst gehörten. Vor dieser gemeinsam errungenen, in Jahrtausenden geschaffenen, höheren Wirklichkeit, dem Werk der Geschichte, das im objektiven Geiste fortbesteht und überliefert wird, ist auch der Größte klein: denn was ist das Beste, was er zu geben hat, im Vergleich zu dem, was die Menschheit schon besitzt, und wie wäre er zu diesem seinem höchsten Eigentum gekommen, wenn nicht tausend unsichtbare Hände ihn emporgehoben, tausend Geister der Vergangenheit ihn beseelt und befruchtet hätten. In diesem gemeinsamen Werk der Menschheit ist aber auch der Kleinste und Geringste groß: denn aus tausend und tausend Einzelleistungen setzt sich das ungeheure Ganze zusammen, und jeder, der an seiner Stelle das Richtige tut, dasjenige, wozu ihn seine Kräfte befähigen und was die organisierte Gesellschaft braucht, ist wertvoll, ja unentbehrlich.
(Friedrich Jodl, Philosoph 1849-1914, Der Monismus und die Kulturprobleme der Gegenwart, 1911)

Als ethische Kultur bezeichnete die 1892 gegründete 'Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur' einen Zustand der menschlichen Gesellschaft, in welchem Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, Menschlichkeit und gegenseitige Achtung walten. Grundlage und wichtigster Faktor der ethischen Kultur sei der sittliche Zustand der Einzelnen. Die Vereinigung suchte vor allem den Moralunterricht in den Schulen zu fördern.

2. Kultur heute - Eine kritische Bilanz

Wie steht es zur Zeit um das Verhältnis von Kultur und Ethik? Ein bekannter Psychologe soll gesagt haben, Kultur sei Triebverzicht. Demnach wird entweder in unserer Gesellschaft seit längerer Zeit zuwenig verzichtet oder aber der Begriff Kultur sehr einseitig verstanden. Denn einerseits werden regelmäßig Millionenbeträge an Steuergeldern für Kultur ausgegeben, andererseits ist in zwischenmenschlichen Bereichen bis in die höchsten Ebenen hinein oftmals ein erheblicher Mangel an Kultur zu erkennen, wenn es um den Umgang miteinander geht. Wer heute in die Verlegenheit kommt, unsere Gesellschaft aus einem gewissen inneren Abstand und etwas kritisch zu betrachten, der wird den Begriff Kulturnation nur noch mit großer Skepsis akzeptieren können.

Wo es heute in der Öffentlichkeit um Kultur geht, da zeigt sich meist ein emsiger Kulturbetrieb mit deutlicher Triebhaftigkeit bezüglich äußerlicher Selbstdarstellung, sowohl auf Seiten der Künstler und deren Geschäftspartnern als auch auf der Seite der Konsumenten. Kultur scheint auf äußerliche Kunst, auf Produktion, Handel und Konsum abbildender und unterhaltender Kunst, reduziert zu sein und im menschlichen Bereich sich vor allem in negativer Weise, nämlich als Unkultiviertheit darzustellen. Besonders für Besucher aus den von uns meist so genannten Entwicklungsländern wird der Mangel an menschlicher Kultur deutlich. Sie empfinden in unserem Land oft eine ausgeprägte menschliche Kälte.

Es sind ja nicht nur die spektakulären Ereignisse wie öffentliche Debatten und Wahlkämpfe oder viele der anspruchslosen Unterhaltungssendungen des Fernsehens, in denen ein Mangel an menschlicher Kultur und Würde so deutlich in Erscheinung tritt, sondern auch die vielen kleinen täglichen Ereignisse in gesellschaftlichen öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Bereichen wie Behörden, Bildungseinrichtungen, Betrieben, Geschäften, Vereinen, vor allem auch in den Familien aller gesellschaftlichen Schichten, wo sich - meist im Verborgenen - menschenunwürdige Verhaltensweisen und über Generationen sich weitervererbende Tragödien abspielen. Begriffe wie Mobbing und seelische Verwahrlosung beschreiben einige dieser Erscheinungen.

Wer genauer und aus einer inneren Distanz hinsieht, der wird auch in der eigenen Nachbarschaft oder gar Familie und Verwandtschaft diese Beispiele für Armut an menschlicher Kultur entdecken. Da gibt es Gefühllosigkeit und Unfähigkeit zu Wahrnehmung und Kommunikation die zu permanenten Demütigungen und zu Unterdrückung führen und nicht selten mit Krankheit und sogar mit Selbstmord enden. Selbst in hochgebildeten Kreisen, wo über philosophische Themen gesprochen wird, ist oft ein erschütternder Mangel an menschlicher Kultur erkennbar. Da begegnen einem aufmerksamen Beobachter Verhaltensweisen, die an das Tierreich erinnern. Männer produzieren, besonders in Anwesenheit von Frauen, ein Profilierungs- und Rivalitätsverhalten, daß sachliche Argumente oft gar nicht mehr zum Tragen kommen. Da scheinen mangels verinnerlichter ethischer Orientierung nur noch die primitiven, Lust- und Unlustgefühle registrierenden Rezeptoren wirksam zu sein. Es wird hier und da auch schon von einem gewissen Autismus unter Intellektuellen gesprochen.

Nicht nur hier wird deutlich, wie oberflächlich die gesellschaftliche Kultur geworden ist und wie sehr die animalische Natur immer wieder durchscheint und letztlich das Verhalten der Gesellschaft zunehmend bestimmt.

3. Kultur und Sexualität im Zeitalter der Verschleierung

Wie sagte der Psychologe Sigmund Freud? Das Tier im Menschen kann nicht ausgerottet werden. Daher muß diesem Tier ins Auge gesehen und mit ihm gelebt werden. Leider wurde diese Erkenntnis bisher kaum zur Kenntnis genommen und statt dessen lieber verdrängt. Dabei würde es den Menschen sehr viel Leid ersparen, wenn sie sich mehr mit dieser Realität auseinandersetzen würden. Das Verdrängen der Natur ist eine fragwürdige Kultur. Über zunehmende Gewalt wird allenthalben geklagt, daß diese Gewalt fast ausschließlich männlichen Ursprungs ist, das wird so gut wie nie zur Kenntnis genommen. Zu peinlich wäre der Gedanke, jeder Mann sei - mehr oder weniger - triebgesteuert und könnte sogar auch mitunter etwas Lust an Gewalt verspüren. Die fröhlichen Gesichter im Fernsehen von Soldaten, die gerade wieder ein Dorf in einem der ständigen Kriegsgebiete zusammengeschossen haben, sollten zu denken geben. (Lesen Sie hierzu auch 'Das Tier im Global Player - Ursachen des Machtstrebens im Business'.)

 

Real existierende Männlichkeit

"... Diese Stammeskriege sind ebenso wie die Beschneidungsprozedur ein Ausdruck für die Selbstsucht, den Eigendünkel und die Aggressivität der Männer. Ich sage das ungern, aber es ist wahr. Beides rührt daher, daß Männer zwanghaft an ihrem Territorium, ihren Besitztümern, festhalten; Frauen fallen kulturell und rechtlich gesehen ja ebenfalls in die Kategorie des Besitzes. Vielleicht sollten wir den Männern die Eier abschneiden, damit aus meinem Land ein Paradies wird. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen. Ohne diesen ständigen Ausstoß von Testosteron gäbe es keinen Krieg, kein Töten, kein Rauben, keine Vergewaltigungen. Und wenn wir ihnen ihre Weichteile abhackten und es ihnen dann freistellten, ob sie herumlaufen und verbluten oder überleben wollen, würden sie vielleicht endlich verstehen, was sie ihren Frauen antun. ..."

Eine afrikanische Frau, die mit fünf Jahren beschnitten wurde.

 
Das unwürdige Theater um die Sex-Affaire des USA-Präsidenten Bill Clinton zeigte für manche die Unaufrichtigkeit der zivilisierten Gesellschaft im Umgang mit ihrer christlich geprägten Moral, die einen politisch und sexuell potenten Menschen zum Meineid nötigt. Ein privates Ereignis, das eigentlich nur die Beteiligten etwas angeht, wird zum Politikum, weil es zu den Tabuthemen gehört. Besonders in den ansonsten so freien und modernen USA ist diese Spaltung zwischen Natur und Kultur erstaunlich groß.

Wenn wir heute in alten Filmen sehen, wie ein "Kavalier der alten Schule" tagelang einer Frau "den Hof macht", und dies noch heute so manche Frau in Entzücken versetzt, nicht erkennend, daß es ja hier wieder mal nur um "das Eine" geht, dann wird klar, wie gern eine Selbsttäuschung auf Kosten der Realität betrieben wird. Da muß die Warnung eines Psychologen schockierend wirken, der einer Klientin zu bedenken gibt, daß jeder Mann, der im Konzert neben ihr sitzt, ein potentieller Triebtäter ist.

Wie viele Enttäuschungen über "die Männer, die immer nur das Eine wollen" blieben den Frauen erspart, wenn sie wüßten, daß der Mann von der Natur her den Auftrag hat, so viele Nachkommen mit so vielen Frauen wie möglich zu zeugen, nicht anders als Hirsch oder Hahn. Wie viele Konflikte zwischen Männern und Frauen, wie viele Verbrechen könnten vermieden werden, wenn endlich erkannt und anerkannt würde, daß "das Tier im Menschen nicht ausgerottet werden kann, sondern diesem Tier ins Auge gesehen und mit ihm gelebt werden muß".

 

Literatur zum Thema Tier im Menschen

z.B. von Desmond Morris: 'Liebe geht durch die Haut - Die Naturgeschichte
des Intimverhaltens', 'Der nackte Affe', 'Der Menschen-Zoo', Begleitbuch zur
sechsteiligen Filmreihe 'Das Tier Mensch' vom WDR 1995.

 
Noch viel zu wenig bekannt ist, daß der Mensch in seinem Handeln, selbst bei rein sachlichen Entscheidungen, letztlich von dem binären Prinzip des Lust- und Unlust-Empfindens gesteuert wird, nicht anders als beim Tier. Dem entsprechend ist ebenso fast unbekannt, daß ein wesentliches Merkmal menschlicher Kultur in der selbstbestimmten Steuerung dieses Prinzips besteht, durch die Schaffung von und der Orientierung an Idealen. Einer der Wege, die zum w a h r e n Menschsein führen, besteht in dem Bemühen, aus der Anerkennung der Wahrheit Lust zu schöpfen anstatt aus dem Glauben an schöne, aber falsche Vorstellungen. Man muß sich von Vorurteilen, seien sie nun idealistischer oder religiöser Art, zu seinem eigenen Wohle, zum Wohle unserer Kinder und zum Wohle unserer Mitmenschen befreien. Das sagte der Naturwissenschaftler H.J. Campbell, in seinem Buch 'Der Irrtum mit der Seele'.
 

Es gibt keine Menschen, die aus "Gründen" handeln, sie bilden sich das bloß ein,
und namentlich versuchen sie, im Interesse der Eitelkeit und Tugend, anderen dies
einzubilden. Bei mir selbst jedenfalls habe ich stets und immer feststellen können,
daß die Antriebe zu meinen Taten in Regionen liegen, wohin weder mein Verstand
noch mein Wille reicht.

Hermann Hesse, Dichter (1877-1962)
 

Die Würde des Menschen und die Höhe einer Kultur besteht nicht aus dem Verdrängen der Natur, sondern aus einer genauen Kenntnis durch Aufklärung und aus einem sinnvollen Einbeziehen solcher Erkenntnis ins tägliche Leben. Die Lösung muß ja nicht in einer ungehemmten Sexualität liegen, es würde durchaus reichen, wenn das Wissen über den Sinn und die Auswirkungen naturgegebener Triebe und über die Möglichkeiten eines kultivierten Umgangs damit ohne Hemmungen verbreitet würde. Hier gäbe es für "Kulturmenschen" noch viel zu lernen.

Das schlimmste an der christlichen Religion ist ihre krankhafte und unnatürliche Einstellung zur Sexualität. ... Die Kirche erklärte die Ehe für unauflösbar und rottete jede Kenntnis der ars amandi (Liebeskunst) aus; so tat sie alles, was in ihrer Macht stand, damit die einzige Form der Sexualität, die sie gestattete, möglichst wenig Vergnügen und möglichst viel Leid mit sich brachte. ... An der Sexualität ist nichts Schlechtes, und die herkömmliche Einstellung dazu ist krankhaft. Ich glaube, in unserer Gesellschaft bewirkt kein anderes Übel soviel menschliches Elend... ... Jede Unwissenheit ist bedauerlich, aber Unwissenheit auf einem so wichtigen Gebiet wie der Sexualität ist eine ernste Gefahr. Bertrand Russel, Philosoph (1872-1970)

Es wäre zu wünschen und zu fordern, daß zu Beginn der Pubertät beide Geschlechter über die naturnotwendigen Gegensätze ihrer Sexualität gründlich aufgeklärt würden, um einen kultivierten Umgang in diesem Bereich mit sich selbst und miteinander zu ermöglichen. Jeder junge Mann und jede junge Frau sollten wissen, wie groß beim Mann die Abhängigkeit und das Ausgeliefertsein vom männlichen Trieb ist und wie ganz anders die naturgegebenen Bedingungen bei der Frau sind. Daß beispielsweise - grundsätzlich - jeder normale Mann in bestimmten Situationen mit jeder beliebigen Frau ins Bett steigen kann, während - grundsätzlich - fast jede Frau dazu erst eine gefühlsmäßige Beziehung entstehen lassen muß. Selbstverständlich gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen und sind die Bedürfnisse graduell sehr unterschiedlich. Aber das Prinzip ist von der Natur her gegeben und von gebildeten Menschen anzuerkennen.

Für diesen schwerwiegenden Unterschied zwischen Mann und Frau gibt es leicht einsehbare biologische Gründe. Während der Mann den naturbedingten Auftrag hat, für möglichst viele Nachkommen zu sorgen, obliegt es der Frau, nicht nur für die nächsten neun Monate für die Folgen eines kurzen Kontaktes die Konsequenzen zu tragen, sondern auch für die anschließenden Jahre und, in unserer gesellschaftlichen Situation, nicht selten sogar ganz allein für mindestens 18 Jahre die volle Verantwortung zu übernehmen.

Man muß kein Feminist sein, um sich durch den Fall Clinton bestätigt zu fühlen in dem Wissen um die grundlegende Problematik des Männlichen in unserer Welt. Man muß auch kein Nationalist sein bei dem guten Gefühl angesichts der Vorzüge unseres deutschen Rechtssystems gegenüber dem amerikanischen. Man muß auch kein Antichrist sein, um die Notwendigkeit einer humanistisch orientierten Ethik zu erkennen, welche die Wirklichkeit nicht verdrängt, sondern einen sinnvollen Umgang damit ermöglicht.

In unserer Gesellschaft wird gern von christlich-abendländisch geprägter Kultur gesprochen. Vielleicht ist hier der Grund dafür zu suchen, warum unsere Kultur so gespalten und so wenig menschenfreundlich ist. Auch der Zustrom religiös anders fundierter Kulturen und die Hoffnung auf eine Multi-Kultur wird uns kaum mehr an Humanität bringen, solange die naturbedingten Antriebe des Menschen weiterhin tabuisiert werden anstatt sie zu kultivieren. Es ist wohl höchste Zeit, daß sich unsere Gesellschaft zunächst einmal von den eigenen überholten Traditionen löst und an natur- und menschengerechteren Werten orientiert, um zu einer humaneren, zu einer humanistisch orientierten Kultur zu finden.

Rudolf Kuhr

 

Das Kultur-Ideal ist, daß der Mensch mit der höchsten Fülle von Dasein
die höchste Freiheit und Selbständigkeit verbinde und, anstatt sich an die Welt
zu verlieren, diese in sich ziehe und der Einheit der Vernunft unterwerfe.

*

Wenn die Kultur ausartet, geht sie in eine weit bösartigere Verderbnis über,
als die Barbarei je erfahren kann. Der sinnliche Mensch kann nicht tiefer als
zum Tier herabstürzen - fällt aber der aufgeklärte, so fällt er bis zum Teuflischen
herab und treibt ein rücksichtsloses Spiel mit dem Heiligsten der Menschheit.

 
Friedrich Schiller, Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen

 

Den Inhalt dieser Seite gibt es jetzt - zusammen mit weiteren 43 wesentlichen Seiten dieser Homepage -
in dem Handbuch 'Wachstum an Menschlichkeit - Humanismus als Grundlage' siehe Info.

 
Kritik an diesem Artikel

lesen Sie hierzu auch den Text 'Menschenbild'
 


 
Humanistische AKTION

11/1998,5
  
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Aktualisiert am 28.07.05