Das Beispiel Summerhill

Alexander S. Neill
 

VII Fragen und Antworten

Allgemeine Fragen

Sie behaupten, die Menschheit sei lebensfeindlich. Was wollen Sie damit sagen? Ich bin nicht lebensfeindlich, und niemand von meinen Bekannten ist lebensfeindlich.

Ich habe zwei schreckliche Kriege erlebt und werde vielleicht einen noch schrecklicheren dritten erleben. In beiden Kriegen sind viele Millionen junger Menschen getötet worden. Als ich ein Junge war, starben in Südafrika Menschen für die Sache des Imperialismus. 1914/18 starben sie in einem "Krieg zur Beendigung aller Kriege". 1939/45 starben sie zur Zermalmung des Faschismus. Morgen könnten viele sterben, um den Kommunismus zu zerschlagen oder um ihm zum Sieg zu verhelfen. Die große Masse des Volkes ist also bereit, sich und ihre Kinder auf Befehl einer Zentralgewalt zu opfern - aus Gründen, die nichts mit ihrem Leben zu tun haben.

Wir sind lebensfeindlich und todesfreundlich, solange wir Bauern auf dem Schachbrett der Politiker, der Geldleute und Ausbeuter bleiben. Wir sind nur Bauern auf dem Schachbrett, weil man uns dazu abgerichtet hat, das Leben negativ zu betrachten, uns unterwürfig in die Unterdrückungsgesellschaft einzuordnen und bereitwillig für die Interessen unserer Herren zu sterben. Nur in Liebesromanen sterben die Menschen aus Liebe - in unserer Realität sterben sie für den Haß anderer.

Soviel über den Menschen in der Masse. Aber auch als einzelner ist er in seinem ganzen Dasein lebensfeindlich. Seine geschlechtliche Liebe ist meistens unbefriedigend; seine Vergnügungen sind billiger Selbstbetrug und Flucht vor der Wirklichkeit. Er hat strenge Moralprinzipien, das heißt, er hält ein ungezwungenes Leben für falsch oder zumindest für unvollkommen und erzieht seine Kinder dementsprechend.

Kein lebensbejahendes Kind bekäme jemals Gewissensbisse wegen der Sexualität, der Schule, wegen Gott oder guten Benehmens. Lebensbejahende Eltern und Lehrer schlagen ein Kind nicht. Lebensbejahende Staatsbürger würden unsere Strafgesetze und Hinrichtungen, unsere Bestrafung der Homosexuellen und die allgemeine Einstellung zur Unehelichkeit nicht tolerieren. Kein lebensbejahender Mensch setzt sich in die Kirche und behauptet, er sei ein erbärmlicher Sünder.

Ich möchte hier deutlich sagen, daß ich mich nicht für Libertinage einsetze. Man muß immer fragen: Fügt, was Herr X tut, irgend jemandem Schaden zu? Kann die Frage verneint werden, dann ist jeder, der sich über Herrn X erregt, lebensfeindlich.

Man kann an dieses Problem auch von der anderen Seite herangehen und auf die lebensbejahende Haltung junger Menschen hinweisen, die tanzen, wandern, spielen, ins Kino, ins Konzert, ins Theater gehen. Auch diese Argumentation ist stichhaltig; denn die Jugend strebt nach Lebensbejahung und ist so lebendig und optimistisch, daß sie sich auch dann vergnügt, wenn sie durch Autorität unterdrückt wird. Das Streben nach Lebensbejahung besteht auch später noch - aber der Erwachsene ist ambivalent: er sucht Vergnügen und fürchtet es zugleich.

Wenn ich von Lebensfeindlichkeit spreche, meine ich damit nicht Todessehnsucht. Lebensfeindlich sein bedeutet, das Leben mehr zu fürchten als den Tod. Es heißt, für Zwang, für Kirchenreligion, für Verdrängung, für Unterdrückung zu sein oder ihnen zumindest zu dienen.

Lassen Sie mich zusammenfassen: Lebensbejahung heißt Freude, Spiel, Liebe, interessante Arbeit, Hobbys, Lachen, Musik, Tanzen, Rücksicht auf andere und Vertrauen zum Menschen. Lebensfeindlichkeit ist gleichbedeutend mit Pflicht, Gehorsam, Unterwerfung durch Macht und Profit. Die Lebensfeindlichkeit hat noch immer in der Geschichte den Sieg davongetragen, und sie wird noch so lange die Oberhand behalten, wie die Jugend sich den heutigen Vorstellungen der Erwachsenen anpassen muß.

Glauben Sie nicht, daß die meisten Übel der Menschheit beseitigt sein werden, wenn die wirtschaftlichen Probleme von Millionen Menschen gelöst sind?

Es ist nicht sehr beruhigend, festzustellen, daß unsere Erziehung in Schule und Elternhaus das Leben der meisten Menschen kümmerlich macht. Natürlich muß auch die langweilige Arbeit in Geschäften und Büros getan werden. Vermeidbar ist aber, daß die Menschen ihren Schreibtisch oder ihren Ladentisch hassen und seelisch verkümmern und sich zum Ausgleich für ihr vertrocknetes Gefühlsleben an platte Filme, Hunderennen, Illustrierte und Sensationen halten müssen.

Millionäre mit Cadillacs sind nicht glücklicher als Gepäckträger, weil niemand Freude an wirtschaftlicher Sicherheit und Bequemlichkeit haben kann, der lebens- und liebesfeindlich ist. Reiche und Arme haben eines gemeinsam: in einer Welt aufgewachsen zu sein, die nichts von Liebe hält, Angst vor ihr hat und sie zum dreckigen Witz degradiert.

Viele Leute geben zu, daß die meisten Menschen unglücklich sind, behaupten aber, erst müßten alle wirtschaftlichen Probleme gelöst sein, ehe das Leben erfüllt, befriedigend und frei wird. Ich kann das nicht glauben. Was wir an wirtschaftlicher Freiheit bisher kennengelernt haben, ist nicht gerade ermutigend. Die wirtschaftliche Freiheit, die eine elektrisch betriebene Küche ermöglichte, hat nicht für größeres Glück und Wissen gesorgt. Alles, was sie bietet, ist größere Bequemlichkeit, und die wird nach kurzer Zeit als selbstverständlich hingenommen und verliert damit ihren psychologischen Wert.

Die bisherige Erziehung hat England zu einem materiell erfolgreichen Land gemacht und uns zu einem hohen Lebensstandard verholfen. Weiter reicht der Erfolg nicht. Im großen und ganzen sind die Menschen unglücklich. Nein, die Lösung der wirtschaftlichen Probleme allein wird die Welt niemals von Haß und Elend, von Verbrechen und Skandalen, von Neurosen und Krankheiten befreien.

Was soll man tun, wenn man unglücklich verheiratet ist?

Manche Eltern aus dem Kleinbürgertum suchen ihre Eheprobleme durch Psychoanalyse zu lösen, was oft zum Zusammenbruch der Ehe führt. Aber selbst wenn die Analyse erfolgreicher wäre, als sie gewöhnlich ist, könnten wir nicht die gesamte Menschheit analysieren. Psychotherapeutische Behandlung einzelner ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein; die Massen haben davon gar nichts.

Die Lösung für die Menschheit liegt in der richtigen Erziehung der Jugend, nicht in der Heilung Neurotiker. Ich muß gestehen, daß ich zur Lösung der heutigen Eheprobleme nichts beizutragen habe. Wenn Herr und Frau Brown in unglücklicher Ehe leben, weil sie in einer lebensfeindlichen Atmosphäre aufgewachsen sind, so kann man da gar nichts tun - hart, aber wahr.

Das klingt nach krassem Pessimismus. Wir können aber nur dann optimistisch sein, wenn wir mit unseren Kindern so umgehen, daß sie nicht mit Haß gegen das Leben und alles Sexuelle erfüllt sind. Jedesmal, wenn ich sehe, wie ein Kind geschlagen wird, wie man es belügt, wie man es zwingt, sich seiner Nacktheit zu schämen, stelle ich gepeinigt fest, daß dieses Kind später mal ein haßerfüllter Ehemann oder eine haßerfüllte Ehefrau sein wird.

Halten Sie es für wichtig, daß beide Ehepartner geistig auf dem gleichen Niveau stehen?

Die intellektuelle Seite der Ehe ist zweitrangig. Eine Ehe der Köpfe ist eine langweilige, kalte Angelegenheit. Eine Ehe der Herzen ist dagegen voll Wärme und beiderseitigem Geben. Man verliebt sich in einen Menschen ja nicht wegen seiner geistigen Fähigkeiten. Wenn die gegenseitige sexuelle Anziehung später nachläßt, können gemeinsame geistige Interessen ein Ehepaar dagegen glücklich machen. Die gleiche Art Humor ist vielleicht die beste Voraussetzung für eine lange glückliche Ehe.

Worin liegt die Ursache für die große Sorge, die sich viele Menschen wegen ihrer Arbeit machen, und warum begehen heute so viele junge Menschen Selbstmord?

Ich bezweifle, daß ein Kind sich jemals Sorgen wegen seiner Arbeit macht. Die offensichtlichen Sorgen des Kindes haben einen tieferen Grund. Fast immer entspringen sie Schuldgefühlen, von denen die Onanie begleitet ist. Kinder, die keine solchen Schuldgefühle haben, arbeiten gewöhnlich gut und fleißig.

Wilhelm Stekel hat gesagt: "Selbstmord ist der letzte sexuelle Akt." Wenn dem Kind das Onanieren verboten wird, haßt es seinen Körper und seine Seele; Selbstmord ist eine folgerichtige Reaktion. Wenn der Körper so widerwärtig ist, muß man sich von ihm befreien, und zwar je eher, desto besser.

Was halten Sie von Sozialfürsorgern?

Ich habe große Achtung vor diesen Menschen, die Familien in Slums besuchen, um den Problemkindern zu helfen. Sie leisten ausgezeichnete Arbeit. Geht ihre Arbeit aber tief genug?

Niemand erwartet von Sozialfürsorgern, daß sie die Eltern psycho-analysieren. Jeder weiß, daß ihre Arbeit beschwerlich ist. Sie können die Slums, die die Kinder asozial machen, ja nicht abschaffen. Sie können auch nicht unwissende Eltern ändern, die das Wachstum ihrer Kinder durch schlechte Ernährung hemmen und die Sexualität zu einem schmutzigen Abenteuer in dunklen Ecken werden lassen.

Die Sozialfürsorger sind Helden und Heldinnen. Sie bemühen sich, den Jugendlichen die Schwierigkeiten in einem armseligen Elternhaus überwinden zu helfen. Doch selbst wenn die Sozialfürsorger absolut überzeugt wären, daß Kinder Freiheit brauchen, wie könnten sie dieses Prinzip im Elendsviertel einführen? Könnten sie einer Mutter sagen: "Frau Green, Ihr Sohn stiehlt, weil sein betrunkener Vater ihn verprügelt, weil Sie ihn als Zweijährigen geschlagen haben, als er seinen Penis anfaßte, und weil Sie ihm nie Liebe gegeben haben"? Würde Frau Green das verstehen?

Ich behaupte nicht, daß diese Frau nicht umzuerziehen wäre, doch wäre dazu wohl mehr nötig als die Worte eines Sozialfürsorgers oder irgendeines anderen. Dieses Problem ist teilweise wirtschaftlicher Art. Man sollte zumindest einen Anfang machen, indem man die Elendsviertel beseitigt.

Über Summerhill

Wie kann ein Kind bei den Methoden Summerhills Willenskraft entwickeln? Wenn es tun und lassen kann, was es will, wie kann es dann Selbstbeherrschung lernen?

Ein Kind darf in Summerhill nicht tun und lassen, was es will. Seine eigenen Gesetze setzen ihm überall Schranken. Tun und lassen, was es will, kann es allein bei Dingen, die nur es selbst angehen. Es kann den ganzen Tag spielen, weil Arbeit und Lernen Dinge sind, die nur es selbst angehen. Doch darf es nicht im Klassenzimmer Trompete spielen, denn das würde andere stören.

Was ist überhaupt Willenskraft? Ich kann meinen Willen einsetzen, um das Rauchen aufzugeben, aber mit aller Willenskraft kann ich mich nicht dazu bringen, verliebt zu sein oder mich für Botanik zu interessieren. Niemand kann durch Willenskraft gut oder auch nur schlecht werden.

Ein starker Wille läßt sich nicht erlernen. Wenn man Kinder in Freiheit erzieht, werden sie ihrer selbst immer stärker bewußt, weil die Freiheit einen immer größeren Teil des Unbewußten bewußt werden läßt. Daher haben die meisten Summerhill-Kinder kaum Zukunftssorgen. Sie wissen, was sie wollen, und ich zweifle kaum daran, daß sie es auch erreichen werden.

Man sollte sich klarmachen, daß ein sogenannter schwacher Wille meistens anzeigt, daß der Betreffende seine Interessen nicht kennt. Ein schwacher Mensch, den man leicht dazu bewegen kann, Tennis zu spielen, obwohl er gar keine Lust dazu hat, hat gar keine Ahnung von seinen wirklichen Interessen. Ein Gesellschaftssystem mit Sklavendisziplin bestärkt solche Menschen nur in ihrer Schwäche und Nutzlosigkeit.

Lassen Sie es zu, daß ein Kind in Summerhill etwas Gefährliches tut?

Natürlich nicht. Viele Leute verstehen nicht, daß man Kindern Freiheit geben kann, ohne deswegen schon ein Trottel sein zu müssen. Die kleinen Kinder dürfen nicht selbst darüber entscheiden, wann sie schlafengehen wollen. Wir schützen sie vor Gefahren, die ihnen von Maschinen, Autos, Glasscherben und gefährlichen Gewässern drohen.

Man sollte einem Kind nie eine Verantwortung übertragen, für die es noch nicht reif ist. Man sollte aber auch wissen, daß viele Gefahren, in die ein Kind gerät, nur eine Folge falscher Erziehung sind. Einem Kind, das mit Feuer spielt, hat man eben noch nicht die Wahrheit über Feuer gesagt.

Leiden die Kinder in Summerhill an Heimweh?

Wenn eine unglückliche Mutter ihr Kind nach Summerhill bringt, klammert es sich weinend an sie und möchte wieder mit nach Hause. Die Mutter ärgert sich sogar, wenn das Kind nicht genügend schreit. Sie will, daß es Heimweh hat; denn je größer das Heimweh ist, um so mehr liebt das Kind sie. Oft ist das Kind schon fünf Minuten nach ihrer Abfahrt glücklich und zufrieden beim Spiel.

Es ist schwer zu sagen, warum ein Kind aus unglücklichem Elternhaus Heimweh hat, wenn es zur Schule kommt. Wahrscheinlich ist es wegen der Atmosphäre im Elternhaus überängstlich. Was, so fragt es sich, geht wohl in diesem Augenblick zu Hause vor? Die einleuchtendste Erklärung liegt wohl in der Tatsache, daß die unglückliche Mutter, da ihre Liebe zum Mann unerfüllt ist, zu viel Liebe und Haß auf die Kinder überträgt.

Heimweh ist meist ein Zeichen dafür, daß das Elternhaus nicht in Ordnung ist und in ihm starker Haß herrscht. Das heimkehrende Kind sehnt sich nicht nach der Liebe des Elternhauses, sondern nach seinem Zwist und seinem Schutz. Das hört sich paradox an, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, daß das Kind um so mehr nach Schutz sucht, je unglücklicher das Familienleben ist. Ein solches Kind hat nirgends einen Halt und idealisiert den Ankerplatz, den es sein Zuhause nennt, sobald es woanders ist. Es sehnt sich nicht nach seinem tatsächlichen Elternhaus, sondern nach dem, das es sich wünscht.

Nehmen Sie zurückgebliebene Kinder in Ihre Schule auf?

Sicher. Es kommt natürlich darauf an, was Sie unter "zurückgeblieben" verstehen. Kinder mit einem geistigen Defekt nehmen wir nicht auf. Ein Kind, das in der Schule zurückgeblieben ist, ist etwas anderes. Viele Kinder sind in der Schule zurückgeblieben, weil die Schule sie langweilt.

Unser Urteil darüber, ob ein Kind zurückgeblieben ist oder nicht, stützt sich nicht auf Prüfungen und Zensuren. In vielen Fällen bleibt das Kind einfach deshalb zurück, weil es einen unbewußten Konflikt hat und an Schuldgefühlen leidet. Wie kann ein Schüler sich für Rechnen oder Geschichte interessieren, wenn ihn unbewußt die Frage quält:

"Bin ich böse oder nicht?"

Ich kann über dieses Problem aus eigener Erfahrung sprechen, weil ich als Junge einfach nicht lernen konnte. Meine Hosentaschen steckten voller Alteisen- und Messingstücke, und immer, wenn ich über meinen Büchern saß, schweiften meine Gedanken ab und wanderten zu meinem Spielzeug.

Ich habe selten einen zurückgebliebenen Jungen oder ein zurückgebliebenes Mädchen gesehen, die nicht das Zeug zu schöpferischer Arbeit gehabt hätten. Ein Kind nach seinen Fortschritten in der Schule zu beurteilen ist sinnlos und gefährlich.

Was geschieht, wenn ein Kind sich weigert, die von der Schulversammlung verhängte Geldstrafe zu zahlen?

Die Kinder weigern sich nie. Ich glaube allerdings, daß sie sich weigern würden, wenn sie das Gefühl hätten, ungerecht behandelt zu werden. Dem wird aber dadurch begegnet, daß die Kinder Einspruch gegen ein Urteil erheben können.

Sie sagen, die Kinder in Summerhill seien innerlich sauber. Was meinen Sie damit?

Innerlich sauber sein heißt, nicht schockiert werden können. Schockiert sein bedeutet, daß man Verdrängungen hat, die das Interesse am Schockierenden erregen.

Im viktorianischen England waren Frauen schockiert, wenn sie das Wort "Bein" hörten, denn sie hatten ein abnormes Interesse an allem, was mit Beinen zu tun hat. Alles, was mit Beinen zusammenhing, hatte eine sexuelle Bedeutung und war daher verdrängt. In einer Atmosphäre wie in Summerhill, die frei von sexuellen Tabus ist und Sexualität nicht mit Sünde verbindet, besteht für die Kinder kein Anlaß, alles Sexuelle durch Tuscheln und obszöne Neugier in den Schmutz zu ziehen. Für unsere Kinder ist Sexualität etwas, über das man offen und frei sprechen kann.

Als unser siebenjähriger Willie nach dem ersten Tertial aus Summerhill zurückkam, benutzte er so viele Kraftausdrücke, daß unsere Nachbarn ihre Kinder nicht mit ihm spielen lassen wollten. Was soll ich tun?

Das ist traurig und schmerzvoll für Willie, aber sehen Sie sich die Sache einmal von der anderen Seite an! Wenn Ihre Nachbarn sich durch ein paar "verdammt" und "verflucht" schockieren lassen, leiden sie unter Verdrängungen und sollten schon deshalb nicht mit ihrem Sohn zusammenkommen.

Wie stehen die Kinder in Summerhill zum Kino?

Die Kinder sehen sich alle möglichen Filme an. Wir üben keine Zensur aus. Die Folge ist, daß die Kinder, wenn sie die Schule verlassen, in Bezug auf Filme ein kritisches Urteilsvermögen entwickelt haben. Häufig geht eines unserer älteren Kinder nicht in einen bestimmten Film, weil sich der Titel nicht interessant anhört. Die älteren Schüler, die filmische Meisterwerke aus Frankreich, Italien und Deutschland gesehen haben, stehen den Durchschnittserzeugnissen von Hollywood sehr kritisch gegenüber. Jungen im vorpubertären Alter langweilen sich in Liebesfilmen. Kim Novak bedeutet ihnen nichts.

Was tun Sie mit einem Kind, das Widerworte gibt?

Die Kinder in Summerhill geben nie Widerworte. Ein Kind gibt nur dann Widerworte, wenn es von einem aufgeblasenen Erwachsenen von oben herab behandelt wird. In Summerhill sprechen wir die Sprache der Kinder. Wenn sich ein Lehrer bei mir darüber beschwerte, daß ein Kind ihm Widerworte gegeben hat, würde ich wissen, daß er ein Blindgänger ist.

Was machen Sie, wenn ein Kind seine Medizin nicht nehmen will?

Das weiß ich nicht. Wir haben nie Kinder, die ihre Medizin nicht nehmen wollen. Die Kinder werden so ausgeglichen ernährt, daß Krankheit nicht zu unseren Schulproblemen gehört.

Kümmern sich die älteren Schüler um die jüngeren?

Nein, denn um die Kleineren braucht sich niemand zu kümmern, weil sie viel zu sehr mit ihren eigenen wichtigen Dingen beschäftigt sind.

Haben Sie schon mal farbige Schüler in Summerhill gehabt?

Ja, zwei. Soweit ich das beurteilen kann, nahmen die anderen Kinder von ihrer Hautfarbe überhaupt keine Notiz. Einer der beiden war ein Tyrann; die andern mochten ihn daher nicht. Der zweite war ein netter Bursche und bei seinen Mitschülern außerordentlich beliebt.

Gibt es in Summerhill Pfadfinder?

Nein. Ich glaube, unsere Jungen wären nicht damit einverstanden, jeden Tag eine gute Tat vollbringen zu müssen. Jeden Tag eine gute Tat tun - das schmeckt nach Hochmut. Vieles an der Pfadfinderbewegung ist gut. Mich stören aber ihr Streben nach moralischer Besserung und ihre spießbürgerlichen Vorstellungen von Gut und Böse und von Reinheit.

Ich habe mich in Summerhill nie über die Pfadfinder geäußert. Andererseits habe ich auch noch nie einen unserer Jungen ein Interesse an der Pfadfinderei bekunden hören.

Wie verhalten Sie sieh bei einem Kind, das aus einem tiefreligiösen Elternhaus kommt? Lassen Sie es seine Religion ausüben?

Ja, das Kind kann seine Religion in Summerhill ausüben, ohne daß es irgendwelche unfreundlichen Bemerkungen von Lehrern oder Mitschülern zu befürchten hätte. Ich habe aber festgestellt, daß ein freies Kind nicht an Religion interessiert ist.

Einige Schüler gehen, wenn sie neu in Summerhill sind, ein paar Sonntage zum Gottesdienst, dann haben sie genug davon. Die Kirche ist ihnen zu langweilig. Nichts deutet darauf hin, daß Kinder von Natur aus eine Veranlagung zur Gottesverehrung haben. Wenn sie sich von dem Gefühl, sündig zu sein, befreit haben, beten sie auch nicht mehr.

Kinder aus frommem Elternhaus sind meist unaufrichtig und leiden an Verdrängung. Das ist unausbleiblich bei einer Religion, die ihre ursprüngliche Lebensbejahung aufgegeben und den Schwerpunkt auf Angst und Tod verlegt hat. Man kann einem Kind Gottesfurcht, aber keine Gottesliebe einflößen. Freie Kinder brauchen keine Religion; denn ihr Leben ist geistig schöpferisch.

Interessieren sich die Kinder von Summerhill für Politik?

Nein. Vielleicht liegt das daran, daß die Kinder aus der Mittelklasse kommen und nie erlebt haben, was Armut ist. Ich habe es mir zur Regel gemacht, den Lehrern einzuschärfen, daß sie die Kinder nicht politisch beeinflussen sollen. Politik und Religion sind Bereiche, in denen das Kind später, wenn es älter ist, selbst seine Entscheidung treffen muß.

Gibt es ehemalige Summerhill-Schüler, die Berufssoldaten geworden sind?

Bisher hat nur ein Junge diese Laufbahn eingeschlagen, und zwar bei der englischen Luftwaffe. Das Heer ist vielleicht zu unschöpferisch, als daß es Anziehungskraft auf junge Menschen haben könnte, die in Freiheit erzogen worden sind. Schließlich bedeutet Kampf Zerstörung. Schüler von Summerhill würden genauso bereitwillig wie andere junge Menschen ins Feld ziehen, aber wahrscheinlich würden sie genau wissen wollen, wofür sie kämpfen.

Ehemalige Schüler unserer Schule haben im Zweiten Weltkrieg bei den Streitkräften Dienst getan. Mehrere von ihnen sind gefallen.

Warum lassen Sie in Summerhill Jungen und Mädchen in getrennten Schlafzimmern schlafen?

Summerhill liegt in England, und wir können englische Gesetze und Vorschriften nicht außer acht lassen.

Über Kindererziehung

Glauben Sie, daß jede Mutter, die Ihr Buch liest oder Ihren Vortrag hört, ihr Kind anders und besser behandeln wird, weil sie dann besser Bescheid weiß? Kann man gestörten Kindern helfen, indem man ihren Eltern Wissen beibringt?

Eine Mutter, die ihr Kind als Besitz betrachtet, wird nach Lektüre dieses Buches vielleicht Gewissensbisse bekommen und sich zu rechtfertigen suchen: "Was soll ich denn machen? Ich möchte mein Kind nicht zugrunde richten. Sie haben leicht reden, wenn Sie Diagnosen stellen, aber wissen Sie denn ein Heilmittel?"

Die Mutter hat recht. Was ist das Heilmittel? Gibt es überhaupt eines? Die Frage wird oft gestellt.

Welches Heilmittel gibt es für eine Frau, deren Leben trostlos und voller Angst ist? Welches Heilmittel gibt es für Eltern, die keine Ahnung haben, was sie anrichten, aber ganz empört sind, wenn man auch nur vorsichtig andeutet, daß sie Fehler machen?.

Nein, Wissen allein nützt nichts. Die Eltern müssen emotional fähig sein, dieses Wissen aufzunehmen, und sich der neuen Erkenntnis entsprechend verhalten können.

Warum reden Sie so viel davon, daß ein Kind glücklich sein muß? Gibt es überhaupt glückliche Menschen?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, wenn die Begriffe nicht klar sind. Natürlich ist niemand immer glücklich. Wir haben Zahnschmerzen, unglückliche Lieben, langweilige Arbeit.

Wenn "Glücklichsein" überhaupt eine Bedeutung hat, dann doch wohl die, daß man ein Gefühl des Wohlbefindens, der Ausgeglichenheit, der Übereinstimmung mit dem Leben hat. Das hat man aber nur, wenn man sich frei fühlt.

Freie Kinder haben einen offenen, furchtlosen Blick. Unfreie Kinder sehen eingeschüchtert, ängstlich, traurig aus.

Glück könnte als ein Zustand minimalster Unterdrückung definiert werden. In einer glücklichen Familie herrscht Liebe, in einer unglücklichen Spannung.

Wenn ich Glück für so wichtig halte, dann deshalb, weil ich Entfaltung für wichtig halte. Es ist besser, frei und zufrieden zu sein und nicht zu wissen, was ein Dezimalbruch ist, als Prüfungen zu bestehen und das Gesicht voller Pickel zu haben. Im Gesicht eines freien und glücklichen Jugendlichen habe ich noch nie Pickel gesehen.

Wie lange dauert es, bis ein Kind, das absolute Freiheit besitzt, die lebenswichtige Rolle der Selbstdisziplin erkennt? Erkennt es sie überhaupt?

Absolute Freiheit gibt es nicht. Wer einem Kind immer seinen Willen läßt, befindet sich auf einem gefährlichen Weg.

Kein Mensch ist ganz frei; denn er muß die Rechte anderer achten. Jeder aber sollte persönliche Freiheit genießen.

Um es konkret auszudrücken: Niemand hat das Recht, einen Jungen zum Lateinlernen zu zwingen, weil dieser das Recht hat, selbst zu entscheiden, was er lernen will. Doch wenn in einer Lateinstunde ein Junge Unfug treibt, sollten die anderen ihn hinauswerfen, weil er gegen ihre Freiheit verstößt.

Selbstdisziplin ist ein vager Begriff. Allzuoft ist damit nur die Unterwerfung der Jungen unter die Moralvorstellungen der Alten gemeint. Echte Selbstdisziplin beruht nicht auf Verdrängung und kritikloser Hinnahme. Sie ist Rücksichtnahme auf die Rechte und das Glück anderer und besteht darin, daß man mit anderen in Frieden zu leben sucht, indem man sie begreift.

Sind Sie wirklich der Ansicht, daß es richtig ist, einen Jungen, der von Natur faul ist, sich selbst zu überlassen, so daß er nur seine Zeit vergeudet? Wie bringen Sie einen arbeitsscheuen Jungen an die Arbeit?

Faulheit gibt es nicht. Ein sogenannter fauler Junge ist entweder körperlich krank, oder er interessiert sich nicht für die Dinge, mit denen er sich nach Ansicht Erwachsener beschäftigen sollte.

Ich habe noch nie erlebt, daß ein Kind unter zwölf Jahren faul war, wenn es nach Summerhill kam. Viele "faule" Jungen werden von einer strengen Schule zu uns geschickt. Diese Jungen bleiben eine ganze Zeitlang "faul", und zwar so lange, bis sie sich von ihrer Erziehung erholt haben. Ich zwinge sie nicht zu Arbeiten, die ihnen verhaßt sind. Wie Sie und ich werden auch diese Jungen später vieles tun müssen, was ihnen nicht gefällt. Wenn man ihnen aber im Spielalter Freiheit gibt, werden sie später besser mit Schwierigkeiten fertig. Soweit ich weiß, ist noch keinem ehemaligen Schüler von Summerhill der Vorwurf der Faulheit gemacht worden.

Halten Sie es für richtig, mit kleinen Kindern zu schmusen?

Als meine Tochter Zoe klein war, weinte sie jedesmal, wenn sie nur eine Tür schlagen hörte. Meine Frau nahm sie dann auf den Arm und hielt sie so, daß ihre Arme und Beine Bewegungsfreiheit hatten.

Wenn ein Kind das geringste Anzeichen von Steifheit erkennen läßt, sollten die Eltern so mit ihm spielen, daß es seine Muskeln frei bewegen kann. Bei Kindern im Alter von vier oder fünf tut ein kleiner Scheinkampf immer gute Wirkung. Ich muß natürlich verlieren. Lachen ist ein gutes Mittel zur körperlichen und seelischen Entspannung. Ein gesundes Baby lacht viel. Wenn man es kitzelt, lacht es meistens glücklich, und ... ja, hier muß ich eine Richtung der Kinderpsychologie erwähnen, die die Meinung vertritt, man dürfe ein Kind überhaupt nicht anfassen, weil man es sonst an den Vater oder die Mutter fixiert. Ich halte das für Unsinn. Es gibt für Eltern nicht den geringsten Grund, nicht mit ihren Kindern zu schmusen, sie zu kitzeln, zu streicheln und zu tätscheln.

Auf die lebensscheuen Psychologen, die alle Eltern davor warnen, ihre Kinder zu sich ins Bett zu nehmen oder sie zu kitzeln, sollte man nicht hören. Unbewußt steht ja hinter diesem Verbot, daß jeder körperliche Kontakt das Kind sexuell erregen könnte. Darin mag eine Gefahr liegen, aber nur dann, wenn die Eltern so neurotisch sind, daß sie dem körperlichen Kontakt mit dem Baby eine selbstische Freude abgewinnen. Ich schreibe aber für Leute, die mehr oder weniger normal sind, nicht für Eltern, die selbst noch Kleinkinder sind.

Was können fortschrittliche Eltern gegen die Aggressivität anderer Kinder tun?

Wenn Eltern ihren frei erzogenen Willie in die Volksschule schicken, wo er notgedrungen mit grausamen, aggressiven und gehässigen Kindern zusammenkommt, sollen sie ihn dann allein herausfinden lassen, daß er durch Haß und Gewalttätigkeit verletzt werden kann?

Als Peter drei Jahre alt war, erzählte mir sein Vater, er werde seinem Jungen das Boxen beibringen, damit er sich gegen den gewalttätigen Haß der anderen wehren könne. Der Vater hatte recht; denn in der sogenannten christlichen Welt gilt es nicht als Zeichen der Liebe, sondern der Feigheit, wenn man auch die andere Wange hinhält. Wenn wir nicht etwas Konkretes unternehmen, geraten unsere freien Kinder arg ins Hintertreffen.

Was halten Sie von Prügelstrafe?

Prügelstrafe ist vom Übel, weil sie dem Haß entspringt und grausam ist. Sie ist eine unbewußte sexuelle Perversion. In Schulen und Familien, in denen die Onanie unterdrückt wird, schlägt man auf die Hände - auf jenen Körperteil also, den man zum Onanieren braucht. In Jungenschulen, wo die Homosexualität unterdrückt wird, gibt es Stockschläge auf das Gesäß, das Objekt homosexueller Wünsche. Da die Religion das lasterhafte Fleisch haßt, ist die Prügelstrafe in religiösen Gegenden besonders beliebt.

Die Prügelstrafe beruht immer auf Projektion. Derjenige, der die Schläge austeilt, haßt sich selbst und projiziert seinen Haß auf das Kind. Die Mutter, die ihr Kind schlägt, haßt sich selbst und daher auch ihr Kind.

Der Lehrer, der in einer großen Klasse unterrichtet, schlägt allerdings weniger aus Haß als aus Bequemlichkeit. Das Schlagen in der Schule ließe sich am besten abschaffen, indem man die Klassen verkleinerte. Wäre die Schule ein Ort des Spiels, mit der Freiheit, zu lernen, wann man will, so würde das Schlagen sowieso aussterben. Lehrer, die ihre Sache verstehen, brauchen nicht Zuflucht zur Prügelstrafe zu nehmen.

Glauben Sie im Ernst, daß man Kinder am besten von schlechten Gewohnheiten befreit, indem man sie weiter ihren Lastern frönen läßt?

Laster? Wer sagt, daß es Laster sind?

Schlechte Gewohnheiten? Sie sprechen wahrscheinlich von Onanie?

Man kann eine Angewohnheit nicht dadurch beseitigen, daß man sie mit Gewalt bekämpft. Man kann dem Kind nur etwas abgewöhnen, indem man es sein Interesse abreagieren läßt. Wenn Kinder onanieren dürfen, onanieren sie viel weniger, als wenn es ihnen verboten worden ist.

Ein Kind, das geschlagen wird, braucht länger, bis es nicht mehr die Hosen vollmacht. Wenn ihm die Hände festgebunden werden, wird es zum pervertierten Onanierer auf Lebenszeit. "Schlechte Gewohnheiten" sind in Wirklichkeit keine, sondern ganz natürliche Neigungen. Die Bezeichnung "schlechte Gewohnheit" entspringt der Unwissenheit und dem Haß der Eltern.

Hebt eine richtige Erziehung im Elternhaus die falsche Behandlung in der Schule auf?

Im allgemeinen ja. Der Einfluß des Elternhauses ist stärker als der Einfluß der Schule. Wenn das Kind zu Hause keine Angst hat und nicht bestraft wird, wird es das falsche Verhalten der Lehrer nicht für richtig halten.

Die Eltern sollten ihren Kindern sagen, was sie von den falschen Methoden der Schule halten. Es ist absurd, daß Eltern häufig auch dann zu den Lehrern halten, wenn deren Dummheit grenzenlos ist.

Was halten Sie von Märchen und vom Weihnachtsmann?

Märchen sind bei Kindern sehr beliebt, und das ist ein ausreichender Grund, sie gutzuheißen.

Was den Weihnachtsmann angeht, so braucht man sich, glaube ich, keine Sorgen zu machen, denn die meisten Kinder kommen schnell dahinter. Es besteht aber ein Zusammenhang zwischen dem Weihnachtsmann und dem Storch. Eltern, die ihren Kindern den Weihnachtsmann einreden, belügen sie in der Regel auch über die Geburt.

Ich selbst erzähle Kindern nie vom Weihnachtsmann. Ich glaube, schon die Vierjährigen würden mich auslachen, wenn ich es versuchte.

Sie behaupten, schöpferische Tätigkeit sei besser als Besitz. Wenn Sie aber ein Kind etwas herstellen lassen, wird das Hergestellte zum Besitz, und das Kind überbewertet es. Was sagen Sie dazu?

Das Kind überbewertet das Geschaffene gerade nicht. Nach einem Tag oder einer Woche bedeutet es ihm nicht mehr viel. Kinder haben kein starkes Besitzstreben; sie lassen ihr neues Fahrrad im Regen stehen und ihre Kleidungsstücke achtlos herumliegen. Die Freude liegt im Schaffen. Ein wirklicher Künstler verliert das Interesse an seinem Werk, sobald es fertiggestellt ist. Kein Kunstwerk befriedigt seinen Schöpfer, denn er strebt nach Vollkommenheit.

Was würden Sie mit einem Kind tun, das nicht bei einer Sache bleiben kann? Es interessiert sich kurze Zeit für Musik, dann fürs Tanzen usw.

Ich würde nichts tun. So ist das nun einmal im Leben. Ich habe mich früher einmal für Fotografie, dann für Buchbinderei, dann für Holzarbeit, dann für Messingarbeiten interessiert. Das Leben ist voller bruchstückhafter Interessen. Jahrelang habe ich Federzeichnungen gemacht. Als mir klar wurde, daß ich ein zehntrangiger Künstler war, habe ich's aufgegeben.

Der Geschmack eines Kindes ist eklektisch. Es versucht alles einmal. Auf diese Weise lernt es. Unsere Jungen verbringen Tage damit, ein Boot zu bauen. Wenn uns dann ein Flieger besuchen kommt, lassen dieselben Jungen ihr halbfertiges Boot stehen und machen sich an den Bau von Flugzeugen. Wir sagen nie einem Kind, es müsse die angefangene Arbeit zu Ende führen. Wenn es das Interesse daran verloren hat, darf man es nicht zum Weitermachen drängen.

Soll man Kindern gegenüber sarkastische Bemerkungen machen? Glauben Sie, daß das den Humor des Kindes entwickelt?

Nein. Sarkasmus hat nichts mit Humor zu tun. Humor beruht auf Liebe, Sarkasmus auf Haß. Wenn man einem Kind gegenüber sarkastisch ist, fühlt es sich erniedrigt und minderwertig. Nur gehässige Lehrer und Eltern sind sarkastisch.

Mein Kind fragt mich ständig, was es tun und womit es spielen soll. Was soll ich antworten? Ist es falsch, ihm Anregungen zu geben?

Es ist gut, wenn das Kind jemanden hat, der es auf interessante Ideen bringt. Notwendig ist das aber nicht. Die beste Beschäftigung für ein Kind ist die, die es sich selbst sucht. In Summerhill bekommen die Kinder von den Lehrern nie Ratschläge, was sie tun sollen. Unsere Lehrer helfen einem Kind nur dann, wenn es wissen will, wie man dies oder jenes macht.

Halten Sie es für gut, Kindern als Liebesbezeugung Geschenke zu machen?

Nein.. Liebe bedarf keiner äußeren Beweise. Trotzdem sollten die Kinder zu den üblichen Gelegenheiten Geschenke bekommen - zum Geburtstag, zu Weihnachten usw. Man darf nur keine Dankbarkeit erwarten oder fordern.

Mein Junge schwänzt die Schule. Was kann ich dagegen tun?

Wenn ich mich nicht täusche, ist die Schule langweilig, und der Junge will was zu tun haben.

Ganz allgemein läßt sich sagen: das Schwänzen beweist, daß die Schule zu wünschen übrigläßt. Wenn Sie können, schicken Sie Ihren Jungen auf eine andere Schule, in der es mehr schöpferische Tätigkeit, mehr Freiheit, mehr Liebe gibt.

Soll ich mein Kind zum Sparen anhalten, indem ich ihm eine Spardose gebe?

Nein. Ein Kind denkt nicht an morgen. Wenn es etwas größer ist und unbedingt einen bestimmten Gegenstand haben möchte, wird es von sich aus sparen und braucht nicht dazu angehalten zu werden.

Ich möchte noch einmal betonen, daß man einem Kind die erforderliche Zeit zur Entwicklung lassen muß. Viele Eltern versuchen, das Tempo zu beschleunigen und machen damit einen schrecklichen Fehler.

Helfen Sie einem Kind nie bei etwas, das es allein tun kann! Wenn es versucht, auf einen Stuhl zu steigen, helfen ihm vernarrte Eltern hinauf. Damit nehmen sie ihm seine größte Freude: die Freude daran, Schwierigkeiten selbst zu überwinden.

Was soll ich tun, wenn mein neunjähriger Sohn Nägel in die Möbel schlägt?

Nehmen Sie ihm den Hammer weg und sagen Sie ihm, die Möbel gehörten Ihnen und es ginge nicht, daß er Sachen beschädige, die ihm nicht gehören.

Wenn er dann noch nicht aufhört, liebe Frau, dann verkaufen Sie die Möbel und bezahlen mit dem Erlös einen Psychotherapeuten, der Ihnen zu der Erkenntnis verhilft, auf welche Weise Sie Ihren Jungen zu einem Problemkind gemacht haben. Kein freies, glückliches Kind hat das Verlangen, Nägel in Möbelstücke zu schlagen, es sei denn, die Möbel sind das einzige im Haus, das sich zum Nägeleinschlagen eignet.

Als nächstes sollten Sie dem Jungen Holz und Nägel geben, damit er, möglichst außerhalb des Wohnzimmers, nach Belieben hämmern kann. Wenn Söhnchen mit dem Holz nicht zufrieden ist und noch immer Nägel in die Möbel schlagen will, dann ist das ein Zeichen dafür, daß es Sie haßt und ärgern will.

Was macht man mit einem trotzigen und schmollenden Kind?

Weiß ich nicht. In Summerhill lerne ich kaum solche Kinder kennen. Ein freies Kind hat keinen Grund, trotzig zu sein. Am Trotz der Kinder sind immer die Erwachsenen schuld. Wenn Sie das Kind lieben, machen Sie es nicht trotzig. Ein trotziges Kind hat irgendwelchen Kummer. Ich würde versuchen festzustellen, was die Ursache dieses Kummers ist. Wahrscheinlich fühlt sich das Kind ungerecht behandelt.

Mein sechs jähriges Kind zeichnet obszöne Sachen. Was soll ich tun?

Ermuntern Sie es, weiterzumalen. Im übrigen sollten Sie Ihr Haus säubern; denn da Kinder von Natur aus nicht obszön sind, muß das Kind die Anregung von Ihnen bekommen haben.

Sie sehen etwas Schmutziges in den Zeichnungen des Kindes, weil Sie selbst eine obszöne Einstellung zum Leben haben. Ich kann mir nur vorstellen, daß die Zeichnungen vom Klo und den Geschlechtsorganen handeln. Sprechen Sie ganz selbstverständlich über diese Dinge, ohne Gut und Böse ins Spiel zu bringen, dann verliert Ihr Kind das Interesse daran bald ebenso wie an anderen Objekten, auf die sich das kindliche Interesse zeitweise richtet.

Warum lügt mein kleiner Junge so oft?

Wahrscheinlich ahmt er seine Eltern nach.

Meine beiden Kinder, ein fünfjähriger Junge und ein siebenjähriges Mädchen, zanken sich immer. Wie kann ich ihnen das abgewöhnen? Im Grunde haben sie einander furchtbar gern.

Haben sie das wirklich? Oder liebt die Mutter vielleicht das eine Kind mehr als das andere? Ahmen die Kinder möglicherweise Vater und Mutter nach? Haben sie Schuldgefühle wegen ihres Körpers? Bestrafen Sie sie? Wenn Sie diese Fragen alle mit "Nein" beantworten können, dann sind die Streitereien nichts als der Versuch, aneinander die Kräfte zu messen.

Die Geschwister sollten aber auch mit anderen Kindern spielen, die keine Gefühlsbindungen an sie haben. Ein Kind muß sich an anderen messen können. Es kann sich nicht an seinen Geschwistern messen, weil da alle möglichen psychologischen Dinge im Weg stehen: Eifersucht, Begünstigung usw.

Wie kann ich meinem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen?

Versuchen Sie das gar nicht; denn wenn es Ihnen gelänge, würden Sie das Kind wahrscheinlich zwingen, auf eine frühere Gewohnheit zurückzugreifen. Was macht es schon, wenn es am Daumen lutscht? Viele erfolgreiche Leute haben als Kinder Daumen gelutscht.

Daumenlutschen ist ein Zeichen dafür, daß das Kind noch nicht das Verlangen nach der Mutterbrust aufgeben konnte. Da man einem Achtjährigen nicht die Brust geben kann, bleibt nur die Möglichkeit, ihm möglichst viel Gelegenheit zu schöpferischem Tun zu verschaffen. Aber auch das hilft nicht immer. Ich habe schöpferische Schüler kennengelernt, die noch bis zur Pubertät den Daumen gelutscht haben.

Lassen Sie Ihr Kind in Ruhe.

Warum macht mein zwei jähriges Kind all sein Spielzeug kaputt?

Sehr wahrscheinlich, weil es ein kluges Kind ist. Spielzeug ist meistens völlig unschöpferisch. Die Zerstörung verfolgt das Ziel, das Innere zu erforschen.

Nun kenne ich natürlich nicht die näheren Umstände dieses Falls. Wenn Sie das Kind durch Schläge und Moralpredigten zwingen, sich selbst zu hassen, zerschlägt es natürlich alles, was ihm in die Finger kommt.

Was läßt sich tun, um ein Kind zur Ordnung zu erziehen?

Warum wollen Sie es denn zur Ordnung erziehen? Die meisten schöpferischen Menschen sind unordentlich. Menschen, deren Zimmer und Schreibtische wahre Musterbeispiele der Ordnung sind, sind meistens ziemlich belanglos. Kinder bis zu neun Jahren sind gewöhnlich recht ordnungsliebend; zwischen neun und fünfzehn sind sie dann möglicherweise ziemlich unordentlich. Kinder sehen Unordnung einfach nicht. Später entwickeln sie soviel Ordnungssinn, wie nötig ist.

Unser zwölfjähriger Junge will sieh nie waschen, bevor er zum Essen kommt. Was empfehlen Sie uns zu tun?

Halten Sie denn Waschen für so wichtig? Haben Sie schon einmal daran gedacht, daß Waschen bei Ihnen eine symbolische Handlung sein könnte? Könnte es nicht sein, daß Ihre Sorge um die körperliche Sauberkeit des Jungen nur eine Tarnung Ihrer Befürchtung ist, er könne innerlich unsauber sein?

Nörgeln Sie nicht an dem Jungen herum. Glauben Sie mir, Ihr Schmutzkomplex ist eine ganz subjektive Angelegenheit. Wenn Sie sich schmutzig fühlen, ist es klar, daß Sie zu großen Wert auf Sauberkeit legen.

Wenn Sie aber meinen, daß er unbedingt sauber zu Tisch erscheinen muß - vielleicht weil Tante Mary am Tisch sitzt, die ihrem sauberen Neffen eines Tages ein Vermögen vermachen möchte - nun gut, dann verbieten Sie ihm am besten, sich zu waschen.

Wie kann man ein fünfzehn Monate altes Kind vom Ofen oder Herd fernhalten?

Stellen Sie einen Ofenschirm davor. Das Kind muß aber Gelegenheit haben, sich wenigstens einmal leicht die Finger zu verbrennen, damit es weiß, was es mit dem Ofen auf sich hat.

Wenn ich meine kleine Tochter wegen Lappalien tadle, sagen Sie vielleicht, daß ich sie hasse. Das ist aber bestimmt nicht wahr.

Jedenfalls hassen Sie sich selbst. Kleinigkeiten sind stellvertretend für wichtige Dinge. Wenn Sie Ihr Kind wegen Lappalien tadeln, sind Sie eine unglückliche Frau.

In welchem Alter sollten Kinder Alkohol trinken dürfen?

Hier befinde ich mich auf unsicherem Boden, weil ich einen Alkoholkomplex habe. Ich trinke selbst gern mein Glas Bier, einen Whisky, ein Fläschchen Wein oder auch einen Likör. Mit anderen Worten, ich bin alles andere als ein fanatischer Abstinenzler. Trotzdem habe ich Angst vor Alkohol, weil ich als junger Mensch gesehen habe, wieviel Schaden er anrichten kann. Daher gebe ich Kindern keinen Alkohol.

Wenn meine kleine Tochter mein Pilsener oder meinen Whisky probieren wollte, ließ ich sie das tun. Beim Bier machte sie Grimassen und sagte: "Widerlich!" Den Whisky bezeichnete sie zwar als "prima", doch mehr als einen Schluck wollte sie davon nicht haben.

In Dänemark habe ich erlebt, daß frei erzogene Kleinkinder Curacao trinken wollten. Sie bekamen ein ganzes Glas und leerten es bis auf den Grund; das reichte ihnen dann auch. Ich erinnere mich an einen Bauern, der an regnerischen und kalten Tagen seine Kinder im Ruderboot von der Schule abholte. Er hatte immer eine Flasche Whisky bei sich und gab jedem Kind einen Schluck. Mein Vater schüttelte traurig den Kopf und sagte: "Du wirst sehen, die werden alle zu Säufern!" Tatsächlich wurden sie später alle Abstinenzler.

Jedes Kind wird früher oder später auf Alkohol neugierig. Nur Menschen, die mit dem Leben nicht fertig werden, trinken leicht zu viel.

Wenn mich ehemalige Schüler in Summerhill besuchen, feiern sie feuchtes Wiedersehen in der Wirtschaft des Ortes. Ich habe aber noch nie gehört, daß sich dabei einer besoffen hätte.

Natürlich ist es nicht konsequent, wenn ich in Summerhill starke alkoholische Getränke verbiete. Andere werden vielleicht sagen, daß die Kinder selbst herausfinden müssen, was es mit dem Alkohol auf sich hat.

Was tun Sie mit einem Kind, das nicht essen will?

Weiß ich nicht. In Summerhill kommt das nicht vor. Bei einem Kind, das nicht essen will, habe ich sofort den Verdacht, daß es sich gegen seine Eltern auflehnt. Uns sind ein paarmal Kinder geschickt worden, die nicht essen wollten; sie haben aber hier nie gefastet.

In einem schwierigen Fall würde ich die Möglichkeit bedenken, daß das Kind psychologisch noch in der Stillphase steckt, und versuchen, ihm die Flasche zu geben. Ich hätte auch den Verdacht, daß seine Eltern zu viel Theater um das Essen gemacht und das Kind gezwungen haben, Dinge zu essen, die es nicht mochte.

Über Sexualität

Wie würden Sie "Pornographie" definieren?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich würde Pornographie als obszöne Einstellung zur Sexualität und anderen natürlichen Funktionen definieren; ihr liegen immer Schuldgefühle zugrunde, wie man sie bei unterdrückten Schuljungen findet, die in dunklen Ecken die Köpfe zusammenstecken und feixen und sexuelle Ausdrücke an Häuserwände schreiben.

Die meisten Sexgeschichten sind pornographisch, und wer sie erzählt, rationalisiert meistens, wenn er vorgibt, das Gute an der Geschichte sei nicht ihre Zotigkeit, sondern ihr Witz und Humor. Wie die meisten Männer habe auch ich tausende solcher Geschichten gehört und erzählt. Wenn ich es mir aber jetzt überlege, fallen mir nur eine oder zwei ein, die es wert wären, noch einmal erzählt zu werden.

Wer schmutzige Witze erzählt, der ist gewöhnlich sexuell unbefriedigt. Es ginge zu weit, wenn man sagte, solche Witze beruhten ohne Ausnahme auf Verdrängung; denn das hieße ja, aller Humor sei so. Ich habe mich halbtot gelacht, als ich sah, wie Charlie Chaplin im Badeanzug kopfüber ins Wasser sprang, das nur fünf Zentimeter tief war. Ich leide aber, soweit es ums Schwimmen und Springen geht, nicht an Verdrängung. Jede lächerliche Situation, ob sexuell oder nicht, enthält ein Element des Humors.

In unserer heutigen Gesellschaft ist niemand frei genug, um eine scharfe Trennungslinie zwischen Pornographie und Unpornographischem ziehen zu können. Als Student fand ich manchen sogenannten "Vertreterwitz" gut, während ich heute neunundneunzig Prozent dieser Witze einfach plump-obszön finde.

Im großen und ganzen kann man sagen, Pornographie ist eine Kombination von Sexualität und Schuldgefühlen. Ein Varietépublikum, das über die anzüglichen Witze von Komikern kichert, setzt sich aus Leuten mit krankhafter Einstellung zur Sexualität zusammen. Erwachsene, die Kindern schmutzige Witze erzählen, stecken selbst noch in der Phase unerwachsener Lüsternheit.

Wenn alle Kinder frei wären und über sexuelle Dinge Bescheid wüßten, könnte die Obszönität der Erwachsenen bei ihnen nicht zum Zuge kommen. Leider sind Millionen Kinder unaufgeklärt und haben Schuldgefühle, so daß die Pornographie der Erwachsenen ihre Unwissenheit und Schuldgefühle nur noch vergrößert.

Sind bestimmte Formen des sexuellen Verhaltens unanständig?

Jede Form des Sexualverhaltens ist anständig, wenn sie beiden Partnern Freude bereitet. Geschlechtliche Liebe ist nur dann abnorm und pervers, wenn sie nicht beiden Partnern höchstes Vergnügen bereitet.

Der Geschlechtsverkehr in der Ehe gilt als "anständig", weil die Sexualität gebändigt ist. Selbst Jugendliche beiderlei Geschlechts, die gegen das Geschlechtsleben ihrer Eltern nichts einzuwenden haben, würden bei dem Gedanken, daß Vater und Mutter an allen möglichen Liebesspielen Freude finden, wahrscheinlich schockiert sein.

Die autoritären Säulen der Gesellschaft haben das Liebesspiel ins Reich der Pornographie und der Obszönität verwiesen. Ihre folgsamen Diener, die vor Liebesspielen Angst haben, tun das gleiche. Wahrscheinlich hätten sie dabei starke Aggressionsgefühle und würden in einer masochistischen Lust schwelgen, die durch ein verbotenes Tun erregt wird.

Nichts Sexuelles ist unanständig, wenn es mit Zärtlichkeit und Liebe verbunden ist.

Warum onanieren Kinder, und wie kann man ihnen das abgewöhnen?

Man muß unterscheiden zwischen der Onanie des Kindes und der Onanie Erwachsener. Beim Kind handelt es sich im Grunde gar nicht um Onanie. Am Anfang ist nichts als Neugier. Der Säugling entdeckt seine Hände, seine Zehen und seine Nase, und Mutter lacht vor Freude. Sobald er aber seine Geschlechtsteile entdeckt, greift sie hastig ein. So werden die Geschlechtsteile zum interessantesten Körperteil.

Die erogene Zone des Kleinkindes ist der Mund; daher hat es wenig Interesse an seinen Geschlechtsteilen, solange sie nicht unter einem moralischen Onanieverbot stehen. Man kann einem kleinen Kind das Onanieren nur abgewöhnen, indem man es ihm nicht verbietet.

Auch bei Kindern, die schon im Pubertätsalter sind, sollte man nichts gegen das Onanieren unternehmen. Schließlich braucht der Geschlechtstrieb irgendein Ventil, und junge Menschen können aus wirtschaftlichen Gründen erst spät heiraten, so daß sie vom Beginn der Geschlechtsreife an vor der Alternative stehen, entweder außerehelichen Geschlechtsverkehr zu suchen oder zu onanieren. Die strengen Hüter der Moral verurteilen beides, können aber keine andere Lösung vorschlagen. Ja, natürlich raten sie zur Keuschheit, das heißt, zur Kreuzigung des Fleisches. Da aber offensichtlich nur ein paar Mönche in der Lage sind, das Fleisch auf immer zu kreuzigen, kommt die Mehrheit nicht daran vorbei, ein Ventil für ihren Geschlechtstrieb zu finden.

Solange Heirat ein finanzielles Problem bleibt, wird es Onanie geben. Filme und Romane erregen die jungen Menschen sexuell, und sie onanieren, weil ihnen die wirkliche Sexualität versagt ist. Die Tatsache, daß jeder einmal onaniert hat, ist ein schlechter Trost. Der einzige Ausweg scheint in der Kameradschaftsehe zu liegen. Solange Sexualität als Sünde gilt, wird die Gesellschaft diese Lösung allerdings kaum akzeptieren.

Um auf die Frage zurückzukommen: Sagen Sie dem Kind, Onanie habe nichts mit Sünde zu tun! Wenn Sie das Kind schon belogen und ihm erzählt haben, Onanie habe Krankheit, Wahnsinn usw. zur Folge, so haben Sie den Mut, ihm zu sagen, daß Sie es belogen haben! Nur dann wird ihm das Onanieren nicht mehr so wichtig sein.

Meine zwölfjährige Tochter liest gern schmutzige Bücher. Was soll ich dagegen tun?

Ich würde dem Mädchen so viele schmutzige Bücher geben, wie ich nur kaufen kann. Dann würde es sein Interesse abreagieren.

Warum ist Ihre Tochter so an Schmutzigem interessiert? Sucht sie vielleicht die Wahrheit über die Sexualität herauszufinden, die Sie ihr nie gesagt haben?

Würden Sie einen vierzehnjährigen Jun gen zurechtweisen, weil er schmutzige Witze erzählt?

Natürlich nicht. Ich würde ihm welche erzählen, die besser sind als seine. Die meisten Erwachsenen erzählen solche Witze. Als Student habe ich meine besten Witze von einem Geistlichen bezogen. Interesse an sexuellen Dingen zu verurteilen ist eine Heuchelei und Scheinheiligkeit.

Schmutzige Witze sind eine direkte Folge sexueller Verdrängung. Sie sind das Ventil für alles, was sich infolge des Dogmas von der Sünde aufgestaut hat. Wenn alle Menschen frei wären, würde der schmutzige Witz eines fast natürlichen Todes sterben.

Wer soll die sexuelle Aufklärung der Kinder übernehmen, Eltern oder Lehrer?

Natürlich die Eltern.

Über Religion

Warum sind Sie gegen Religionsunterricht?

Unter anderem deshalb, weil streng religiös erzogene Kinder am ehesten neurotisch werden. Strenge religiöse Erziehung gibt der Sexualität eine übertriebene Bedeutung.

Religionsunterricht ist schädlich für die Psyche des Kindes, weil die meisten Frommen den Gedanken der Erbsünde akzeptieren. Sowohl die jüdische wie die christliche Religion hassen das Fleisch. Das herkömmliche Christentum bringt allzuoft die Kinder dazu, sich selbst abzulehnen. In Schottland wurde mir von frühester Kindheit an gesagt, ich sei in Gefahr, in die Hölle zu kommen.

Ein neunjähriger Junge aus einer guten englischen Kleinbürgerfamilie kam nach Summerhill. Zwischen mir und ihm entspann sich folgender Dialog.

"Wer ist der liebe Gott?"

"Weiß ich nicht. Aber wenn man lieb ist, kommt man in den Himmel, und wenn man böse ist, kommt man in die Hölle."

"Wie sieht es in der Hölle aus?"

"Ganz dunkel. Der Teufel ist böse."

"Ach so. Und wer kommt in die Hölle?"

"Böse Leute. Leute, die fluchen und andere ermorden."

Wann werden wir endlich einsehen, wie absurd es ist, Kindern solches Zeug beizubringen, Fluchen und Morden gleichzusetzen und beides ewiger Verdammnis für wichtig zu erachten?

Als ich den Jungen aufforderte, mir Gott zu beschreiben, sagte er, er wisse nicht, wie Gott aussieht. Er versicherte jedoch, daß er ihn liebe. Wenn er behauptete, Gott zu lieben, den er nicht beschreiben konnte und nie gesehen hatte, benutzte er nur eine bedeutungslose, konventionelle Redewendung. In Wirklichkeit fürchtete er Gott.

Glauben Sie an Christus?

Vor einigen Jahren hatten wir den Sohn eines Laienpredigers als Schüler hier. Eines Sonntagabends waren wir alle beim Tanz. Der Vater des Jungen schüttelte den Kopf und sagte: "Neill, Ihre Schule ist herrlich, aber warum sind Sie so entsetzlich heidnisch?"

"Brown", antwortete ich ihm, "Sie verbringen Ihr Leben damit, den Leuten von Seifenkisten herunter zu predigen, wie sie erlöst werden können. Sie reden von Erlösung. Wir leben sie."

Nein, wir halten uns nicht bewußt an christliche Grundsätze; doch grob gesagt, ist Summerhill so ungefähr die einzige Schule in ganz England, in der die Kinder so behandelt werden, wie Christus es billigen würde. Kalvinistische Geistliche in Südafrika schlagen die ihnen anvertrauten Kinder, genauso wie katholische Priester. Wir in Summerhill geben den Kindern Anerkennung und Liebe.

Wie sollen Kinder etwas über Gott erfahren?

Wer ist Gott? Ich weiß es nicht. Für mich ist Gott das Gute in jedem von uns. Wenn Sie einem Kind etwas über ein Wesen erzählen, von dem Sie selbst nur vage Vorstellungen haben, dann schaden Sie dem Kind mehr, als Sie ihm nützen.

Würden Sie nicht auch sagen, daß Fluchen bedeutet, den Namen Gottes unnütz im Munde zu führen?

Kinder fluchen mit Ausdrücken, die sich auf die Geschlechtsorgane oder auf natürliche Körperfunktionen beziehen. Mit einem Frommen, der Gott zu einer heiligen Person macht und alles, was in der Bibel steht, wörtlich nimmt, kann man sich hierüber nur schwer unterhalten. Wenn Gott als ein Wesen der Liebe und nicht als ein Wesen des Hasses angesehen würde, käme niemand auf den Gedanken, seinen Namen zu verunehren. Blasphemie läßt sich nur abschaffen, wenn wir unsere Götter zu menschlichen und liebenden Wesen machen.

Über Psychologie

Ist es nicht unvermeidlich, daß alle Menschen als Neurotiker aufwachsen?

Die Antwort auf die Fragen, die Freud mit seinen Entdeckungen aufgeworfen hat, liegt in der Selbstbestimmung. Jeder Psychoanalytiker muß wenigstens dunkel wissen, daß sein Patient die vielen Stunden Psychoanalyse nicht brauchte, wenn er in seiner Kindheit ein Recht auf sich selbst gehabt hätte. Ich sage dunkel, weil nichts ganz sicher ist.

Vielleicht wird meine Tochter, die in Freiheit erzogen worden ist, eines Tages zum Psychoanalytiker gehen und zu ihm sagen: "Doktor, ich muß mich behandeln lassen. Ich leide an einem Vaterkomplex. Ich bin es leid, überall als Tochter von A. S. Neill vorgestellt zu werden. Die Leute erwarten viel zuviel von mir; sie meinen, ich müsse vollkommen sein. Der alte Mann ist jetzt tot, aber ich kann ihm nicht verzeihen, daß er mich in seinen Büchern zur Schau gestellt hat. Soll ich mich hier auf die Couch legen?" ... Man kann nie wissen.

Wie manifestiert sich der Haß eines Menschen gegen sich selbst?

Bei einem Kind zeigt sich der Selbsthaß in antisozialem Verhalten, Streitsucht, Gehässigkeit, Jähzorn, Zerstörungswut. Selbsthaß wird immer projiziert, d.h. gegen andere gerichtet.

Die Mütter eines unehelichen Kindes verurteilt gewöhnlich andere wegen ihrer losen Sitten. Ein Lehrer, der jahrelang versucht hat, das Onanieren zu überwinden, schlägt Kinder mit dem Stock. Die alte Jungfer, die ihren Geschlechtstrieb sublimiert, d.h. verdrängt hat, zeigt ihren Selbsthaß durch Verbitterung und Freude an Skandalgeschichten. Jede Form des Hasses ist Selbsthaß.

Die Judenverfolger sind Menschen, die sich selbst hassen. Man sieht das auch bei Farbigengesellschaften. Mulatten in Südafrika und Eurasier sind gegenüber den wirklichen Eingeborenen noch viel intoleranter als Weiße.

Sie sagen, man solle sich auf die Seite des Kindes stellen. Ist das nicht auch eine Methode, von dem Kind Besitz zu ergreifen?

Na und? Wenn es dem Kind hilft, spielt es keine Rolle, aus welchen Motiven man handelt.

Ich kenne ein acht jähriges Mädchen, das immer, wenn die Mutter dabei ist, stottert. Wie erklären Sie das?

Stottern ist oft ein Versuch, Zeit zu gewinnen, damit man sich nicht durch Reden verrät. Wenn mir nach einem Vortrag eine schwierige Frage gestellt wird, verberge ich meine Unwissenheit und Verwirrung, indem ich beginne: "Ja ... eh, ... hm ..."

Das betreffende Kind scheint Angst vor seiner Mutter zu haben. Ich habe den Verdacht, daß die Mutter eine moralinsaure Frau ist.

Ein kleiner Junge, den ich erlebt habe, stotterte, weil er verheimlichen wollte, daß er onaniert hatte, und Schuldgefühle hatte. Dem Jungen konnte geholfen werden, indem man ihn davon überzeugte, daß Onanieren keine Sünde ist. Die Psychologie des Stotterns ist jedoch ein noch fast unerforschtes Gebiet.

Kann ein Mann seine Frau analysieren oder umgekehrt?

Unter gar keinen Umständen sollte jemand die psychologischen Probleme seiner Verwandten zu lösen versuchen. Ich habe Fälle erlebt, in denen ein Mann seine Frau oder eine Frau ihren Mann analysierte. Diese Analysen waren immer erfolglos und manchmal ausgesprochen schädlich.

Eltern sollten auf keinen Fall ihre Kinder psychoanalytisch behandeln, gleichgültig welcher Methode sie sich bedienen.

Wie kommt es, daß so viele Erwachsene sagen, sie seien dem strengen Lehrer ihrer Kindheit dankbar?

Meist aus Eitelkeit. Wenn sich jemand bei einer Diskussion zu Wort meldet und erklärt: "Ich habe als Kind Prügel bekommen, und das hat mir verdammt gut getan!", sagt er damit praktisch: "Sehen Sie mich an! Ich bin trotz, ja wegen der Prügel in meiner Jugend ein erfolgreicher Mann geworden!"

Sklaven wollen keine Freiheit. Sie wissen Freiheit nicht zu schätzen. Auferlegte Disziplin macht Menschen zu Sklaven, zu Minderwertigen, zu Masochisten. Sie klammern sich an ihre Ketten.

Kann jeder Lehrer sich als Psychoanalytiker betätigen?

Leider nicht. Zunächst einmal muß er sich selbst analysieren lassen; denn wenn ihm sein eigenes Unbewußtes unbekanntes Gebiet ist, wird er mit der Erforschung der Kinderseele nicht weit kommen.

Über Unterricht

Sie sind gegen Latein und Mathematik. Wie soll sich denn nach Ihrer Meinung der Geist des Kindes entwickeln?

Ich weiß nicht, was "Geist" ist. Wenn Mathematiker und Lateiner große Geister sind, ist mir das noch nicht aufgefallen.

Hat Ihre Abneigung gegen höhere Mathematik zur Folge, daß Schüler von Summerhill nicht Mathematik studieren?

Ich spreche mit Kindern nie über Mathematik. Ich selbst mag Mathematik so gern, daß ich oft zum Spaß geometrische oder algebraische Aufgaben löse.

Mein Argument gegen die Mathematik ist, daß sie für Kinder zu abstrakt ist. Fast jedes Kind haßt Mathematik. Jeder Junge versteht zwar, was "zwei Äpfel" sind, aber nur wenige können sich etwas unter "x Apfel" vorstellen.

Gegen Mathematik mache ich außerdem die gleichen Einwände wie gegen Latein und Griechisch. Was hat es für einen Sinn, einem Jungen, der später Autos repariert oder Strümpfe verkauft, quadratische Gleichungen beizubringen? Das ist Wahnsinn.

Sind Sie für Hausaufgaben?

Ich halte nicht einmal etwas von Schulstunden, es sei denn, die Kinder entscheiden sich freiwillig dafür. Kindern Hausaufgaben zu stellen ist ein schändlicher Brauch. Kinder hassen Hausaufgaben; das allein reicht aus, gegen Hausaufgaben zu sein.

Warum lernen einige Jungen nur dann, wenn man ihnen körperliche Schmerzen zufügt?

Ich glaube, ich könnte den Koran auswendig lernen, wenn ich wüßte, daß ich andernfalls Prügel bekäme. Allerdings würde ich auch bis an mein Lebensende den Koran, den Prügler und mich selbst hassen.

Was sollte eine Lehrerin tun, wenn ein Junge während des Unterrichts mit seinem Bleistift spielt?

Bleistift ist gleich Penis. Dem Jungen ist verboten worden, mit seinem Penis zu spielen. Therapie: Die Eltern müssen das Onanieverbot aufheben.
 

Vorwort von Erich Fromm

I

Im achtzehnten Jahrhundert verkündeten fortschrittliche Denker die Ideen der Freiheit, der Demokratie und der Selbstbestimmung. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts begannen diese Gedanken auf dem Gebiet der Erziehung Früchte zu tragen. Das Hauptprinzip der Selbstbestimmung besteht darin, daß Autorität durch Freiheit ersetzt wird; das Kind lernt, ohne daß Zwang ausgeübt wird, indem an seine Neugier und seine spontanen Bedürfnisse appelliert und auf diese Weise sein Interesse an der Umwelt geweckt wird. Diese Einstellung kennzeichnet den Beginn der fortschrittlichen Erziehung - ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Menschheit.

Die Ergebnisse dieser neuen Methode waren jedoch oft enttäuschend. In den letzten Jahren hat eine wachsende Reaktion gegen die fortschrittliche Erziehung eingesetzt. Heute halten viele Leute die Theorie der fortschrittlichen Erziehung an sich für verfehlt und möchten sie über Bord werfen. Man ruft nach immer mehr Disziplin und fordert sogar die Zulassung der Prügelstrafe in den Schulen.

Zu dieser Reaktion haben wahrscheinlich wesentlich die beachtlichen Erfolge beigetragen, die in Schulen der Sowjetunion erzielt worden sind. Dort werden noch immer die altmodischen autoritären Methoden in ganzer Schärfe angewandt. Zumindest, was das Wissen der Schüler betrifft, ist das Ergebnis so, daß man meinen könnte, wir täten besser daran, den Gedanken der Freiheit des Kindes aufzugeben und wieder zu den alten Zwangsmethoden zurückzukehren.

Ist die Idee der Erziehung ohne Zwang falsch? Oder, wenn sie selbst nicht falsch ist, warum hat sie sich in der Praxis nicht sonderlich bewährt?

Ich glaube, der Gedanke, Kindern Freiheit zu geben, war nicht falsch, aber die Idee der Freiheit ist fast immer verfälscht worden. Um dieses Problem richtig behandeln zu können, müssen wir uns zunächst einmal darüber klar werden, worin das Wesen der Freiheit besteht. Zu diesem Zweck müssen wir zwischen offen zutage tretender Macht und anonymer Macht* unterscheiden.

(* Eine eingehende Studie über das Problem der Macht findet sich in E. Fromm: "Die Furcht vor der Freiheit", Zürich 1945.)

Die offen zutage tretende Macht wird unmittelbar und unverhüllt ausgeübt. Wer sich in einer Machtstellung befindet, sagt ganz offen zu dem ihm Unterworfenen: "Du mußt das tun. Wenn du es nicht tust, werden wir bestimmte Zwangsmaßnahmen anwenden." Die anonyme Macht bemüht sich, den Zwang zu verheimlichen. Sie tut so, als sei sie gar nicht vorhanden, als geschähe alles mit Zustimmung des Individuums. Während der frühere Lehrer zu Johnny sagte: "Du mußt das tun. Wenn du es nicht tust, bestrafe ich dich", sagt der heutige Lehrer: "Das möchtest du doch bestimmt gern tun." Heute besteht die Strafe für Ungehorsam nicht mehr aus Prügeln, sondern darin, daß der Erzieher eine Leidensmiene aufsetzt oder - noch schlimmer - dem Kind das Gefühl gibt, nicht "angepaßt" zu sein, sich nicht wie alle anderen zu verhalten. Wo die unverhüllte Macht physischen Zwang anwendet, bedient sich die anonyme Macht der psychischen Manipulation.

Der Übergang von der unverhüllten Macht des neunzehnten zur anonymen Macht des zwanzigsten Jahrhunderts ergab sich aus den organisatorischen Bedürfnissen unserer Industriegesellschaft. Die Konzentration des Kapitals hat zur Bildung von Mammutunternehmen geführt, die von hierarchisch organisierten bürokratischen Apparaten geleitet werden. Riesige Zusammenballungen von Arbeitern und Büroschreibern halten einen gigantischen Produktionsapparat in Gang, der, wenn er überhaupt funktionieren soll, reibungslos und ununterbrochen laufen muß. Der einzelne Arbeiter wird zu einem kleinen Rädchen in dieser Maschine degradiert. In einer solchen Produktionsorganisation wird der Mensch verwaltet und manipuliert.

Das gleiche gilt für die Sphäre des Verbrauchs, in der der Mensch angeblich seine freie Wahl trifft. Ob es sich nun um den Verbrauch von Lebensmitteln, Textilien, Alkohol, Zigaretten, Filmen oder Fernsehprogrammen handelt, überall ist ein mächtiger Apparat am Werk, der durch Suggestion das Verlangen des Menschen nach immer neuen

Waren zu steigern und dieses Verlangen so zu lenken sucht, daß es der Industrie Profite bringt. Der Mensch wird zum Verbraucher, zum ewigen Säugling gemacht, dessen einziger Wunsch darin besteht, immer mehr und immer "bessere" Dinge zu konsumieren.

Unser Wirtschaftssystem braucht Menschen, die seinen Geboten gehorchen, Menschen, die widerspruchslos mitmachen, Menschen, die immer mehr Waren verbrauchen wollen. Es muß sich Menschen schaffen, deren Geschmack genormt ist, die sich leicht beeinflussen lassen, deren Bedürfnisse im voraus berechnet werden können. Unser System braucht Menschen, die glauben, sie seien frei und unabhängig, aber alles tun, was man von ihnen erwartet, Menschen, die sich der Gesellschaftsmaschinerie reibungslos einfügen, die ohne Gewaltanwendung gelenkt, ohne Führer geführt und ohne Ziel dirigiert werden können - es sei denn dem einen, es "gut" zu machen*. Die Macht ist nicht verschwunden, sie hat auch nicht an Stärke verloren; die offene Macht hat sich lediglich in die anonyme Macht der Überredung und der Suggestion verwandelt. Der Mensch unserer Zeit muß also, wenn er sich anpassen will, die Illusion nähren, alles geschehe mit seiner Einwilligung, obwohl diese in Wirklichkeit durch geschickte Manipulation erzwungen wird. Man erhält seine Einwilligung sozusagen hinter seinem Rücken oder hinter seinem Bewußtsein.

(* Eine eingehende Studie über den Einfluß unseres Wirtschaftssystems auf die Charakterstruktur des Individuums findet sich in E. Fromm: "Der moderne Mensch und seine Zukunft", Frankfurt/M. 1960.)

Die gleichen Kunstgriffe werden in der fortschrittlichen Erziehung angewandt. Das Kind wird gezwungen, eine Pille zu schlucken, aber die Pille ist verzuckert. Eltern und Erzieher haben wirkliche nicht-autoritäre Erziehung mit Erziehung durch Überredung und geheimen Zwang verwechselt. Dadurch ist die fortschrittliche Erziehung verfälscht worden. Sie ist nicht das geworden, was sie sein sollte.

II

A. S. Neills Methode der Kindererziehung ist radikal. Nach meiner Ansicht ist sein Buch von großer Bedeutung, weil es den wahren Grundsatz der Erziehung ohne Furcht schildert. In Summerhill verbirgt sich hinter Autorität nicht ein System der Manipulation.

Dieses Buch ist keine Abhandlung über eine Theorie. Es berichtet über die praktische Erfahrung aus fast 40 Jahren. Der Autor vertritt die Ansicht, daß "Freiheit möglich ist".

Die Grundsätze, auf denen sich Neills System aufbaut, sind einfach und unzweideutig. Ich fasse sie im folgenden kurz zusammen.

1. Neill glaubt fest an "das Gute im Kind". Er ist davon überzeugt, daß das Durchschnittskind weder als Krüppel noch als Feigling noch als seelenloser Roboter geboren wird, sondern alle Voraussetzungen besitzt, das Leben zu lieben und am Leben interessiert zu sein.

2. Das Ziel der Erziehung - ja, das Ziel des Lebens - besteht darin, mit Freude arbeiten und glücklich werden zu können. Nach Neill ist Glücklichsein gleichbedeutend mit "am Leben interessiert sein". Ich würde es so ausdrücken: Glücklichsein heißt, auf das Leben nicht nur mit dem Verstand, sondern mit der ganzen Persönlichkeit zu reagieren.

3. Es genügt nicht, die intellektuellen Fähigkeiten zu entwickeln. In der Erziehung müssen sowohl die intellektuellen wie die emotionalen Kräfte entwickelt werden. In der heutigen Gesellschaft entsteht eine immer größere Spaltung zwischen Intellekt und Gefühl. Der Mensch von heute erfaßt, was er erlebt, in der Hauptsache mit dem Verstand, statt unmittelbar zu begreifen, was sein Herz fühlt, seine Augen sehen und seine Ohren hören. Diese Spaltung zwischen Intellekt und Gefühl hat im modernen Menschen eine fast schizoide Seelenverfassung geschaffen, die es ihm nahezu unmöglich macht, Erfahrungen anders als auf gedanklichem Wege zu machen.

4. Erziehung muß den psychischen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes angepaßt sein. Kinder sind keine Altruisten. Das Kind kann noch nicht lieben, wie ein reifer Mensch liebt. Es ist falsch, von einem Kind etwas zu erwarten, was es doch nur heucheln könnte. Altruismus entwickelt sich erst nach Abschluß der Kindheit.

5. Erzwungene Disziplin erregt ebenso wie Bestrafung Angst, und Angst erzeugt Feindseligkeit. Diese Feindseligkeit braucht nicht bewußt und offen zu sein, lähmt aber trotzdem Kraft und Echtheit des Gefühls. Intensive Züchtigung des Kindes ist schädlich und beeinträchtigt die gesunde seelische Entwicklung.

6. Freiheit ist nicht Zügellosigkeit. Dieser sehr wichtige Grundsatz, den Neill deutlich herausstellt, besagt, daß beide Seiten Achtung vor dem anderen Menschen haben müssen. Der Lehrer wendet gegen das Kind keinen Zwang an; das Kind darf aber auch nicht gegen den Lehrer Zwang ausüben. Ein Kind hat nicht das Recht, einem Erwachsenen lästig zu fallen oder ihn unter Druck zu setzen, nur weil es ein Kind ist.

7. In engem Zusammenhang hiermit steht die Forderung nach wirklicher Aufrichtigkeit des Lehrers. Der Verfasser sagt, in den vierzig Jahren seiner Arbeit in Summerhill habe er nicht ein einziges Mal ein Kind belogen. Der Leser dieses Buches wird sich davon überzeugen können, daß diese Behauptung, die vielleicht prahlerisch klingt, die reine Wahrheit ist.

8. Wenn das Kind sich zu einem gesunden erwachsenen Menschen entwickeln soll, muß es eines Tages die ursprüngliche Bindung an die Eltern oder ihre späteren Stellvertreter in der Gesellschaft aufgeben und völlig selbständig werden. Es muß lernen, als Individuum mit der Welt fertigzuwerden. Es muß lernen, Sicherheit nicht in einer symbiotischen Anlehnung an andere Menschen, sondern durch seine eigene Fähigkeit zu finden, die Welt geistig, emotional und künstlerisch zu erfassen. Es muß all seine Kräfte darauf richten, Übereinstimmung mit der Welt zu finden, und seine Sicherheit nicht in Unterwerfung oder Beherrschung suchen.

9. Schuldgefühle haben vor allem die Funktion, das Kind an die Autorität zu binden. Schuldgefühle behindern die Entwicklung zur Selbständigkeit. Sie schaffen einen Teufelskreis aus Auflehnung, Reue, Unterwerfung und erneuter Auflehnung. Die Schuldgefühle der meisten Menschen in unserer Gesellschaft resultieren weniger aus dem Gewissen als aus dem Gefühl des Ungehorsams gegen die Autorität und der damit verbundenen Angst vor Strafe. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um körperliche Züchtigung, um Liebesentzug oder darum handelt, daß man sich einfach als Außenseiter fühlen muß.

Alle diese Schuldgefühle erzeugen Angst, und Angst wiederum führt zu Feindseligkeit und Heuchelei.

10. In Summerhill gibt es keinen Religionsunterricht. Das bedeutet jedoch nicht, daß in dieser Schule die humanistischen Werte im weitesten Sinne des Wortes keine Rolle spielten. Neill drückt das kurz und bündig so aus: "Nicht Gläubige und Ungläubige im theologischen Sinne liegen miteinander im Kampf, sondern diejenigen, die an die Freiheit des Menschen glauben, und jene, die diese Freiheit unterdrücken wollen." Weiter heißt es bei Neill: "Eines Tages wird eine neue Generation Religion und Mythen unserer Zeit als veraltet über Bord werfen. Wenn dann eine neue Religion entsteht, wird sie mit der Vorstellung, der Mensch werde in Sünde geboren, gründlich aufräumen. Sie wird Gott verehren, indem sie die Menschen glücklich macht."

Neill steht der heutigen Gesellschaft kritisch gegenüber. Er hebt immer wieder hervor, daß der von unserer Gesellschaft geprägte Mensch ein Massenmensch ist. "Wir leben in einer wahnsinnigen Gesellschaft", und "unsere religiösen Verhaltensweisen sind größtenteils unecht". Es ist nur konsequent, daß der Verfasser Internationalist ist und fest und kompromißlos die Meinung vertritt, Bereitschaft zum Krieg sei ein Atavismus aus der barbarischen Zeit der Menschheit.

Tatsächlich will Neill die Kinder nicht zur Anpassung an die bestehende Ordnung erziehen; er will sie zu glücklichen Menschen machen, zu Männern und Frauen, in deren Wertskala nicht "viel haben" und "viel verbrauchen", sondern "viel sein" an erster Stelle steht. Neill ist Realist. Er weiß, daß die Kinder, die ihm anvertraut sind, zwar nach den Maßstäben unserer Gesellschaft nicht notwendigerweise sehr erfolgreich sein werden, aber doch in seiner Schule ein Gefühl für das Echte erwerben, das sie daran hindern wird, später zu Ausgestoßenen oder hungernden Bettlern zu werden. Neill hat zwischen der völligen Entwicklung des Menschen und seinem vollen Erfolg auf dem "Markt" gewählt. Bei der Verfolgung des gewählten Ziels ist er kompromißlos ehrlich.

III

Die Lektüre dieses Buches hat mich sehr angeregt und ermutigt. Ich hoffe, daß es vielen Lesern ebenso gehen wird. Das heißt nicht, daß ich mit allem, was der Verfasser schreibt, übereinstimme. Die meisten Leser werden Neills Buch nicht als Evangelium betrachten, und ich bin überzeugt, der Autor wäre der letzte, der das erwartet.

Vielleicht darf ich zwei meiner wichtigsten Vorbehalte andeuten. Ich habe das Gefühl, daß Neill die Bedeutung, die Echtheit und die Befriedigung eines intellektuellen Begreifens der Welt zugunsten einer emotionalen und künstlerischen Erfassung unterschätzt. Darüber hinaus sind ihm die Hypothesen Freuds allzusehr letzte Wahrheit; nach meiner Meinung überschätzt er, wie die meisten Freudianer, die Bedeutung der Sexualität. Trotzdem habe ich den Eindruck, Neill ist ein so realistischer Mann und erkennt so genau, was in einem Kind vorgeht, daß diese Kritik sich mehr gegen einige seiner Formulierungen als gegen seine wirkliche Einstellung zum Kind richtet.

Ich betone das Wort "realistisch", weil mir an Neills Methode vor allem auffällt, daß er die Fähigkeit hat zu erkennen, Wirklichkeit und Unwirklichkeit auseinanderzuhalten; er gibt sich nicht den Rationalisierungen und Illusionen hin, auf denen viele Menschen ihr Leben aufbauen und mit denen sie echte Erfahrungen von sich fernhalten.

Neill besitzt den heute selten gewordenen Mut, an das zu glauben, was er sieht, und Realismus mit unerschütterlichem Vertrauen zu Vernunft und Liebe zu verbinden. Er achtet kompromißlos das Leben und das Individuum. Er ist Experimentator und Beobachter und kein Dogmatiker, der ein egoistisches Interesse an dem hat, was er tut. Zu seinen Erziehungsmethoden gehören auch therapeutische Maßnahmen; Therapie ist für ihn aber nicht eine Sache für sich, mit der besondere "Probleme" gelöst werden, sondern einfach der Prozeß, in dem das Kind lernt, vor dem Leben nicht davonzulaufen, sondern mit ihm fertigzuwerden.

Der Leser wird erkennen, daß das Experiment, über das dieses Buch berichtet, in unserer heutigen Gesellschaft zwangsläufig nicht oft wiederholt werden kann: Nicht nur, weil es von einer außerordentlichen Persönlichkeit vom Schlage Neills unternommen werden muß, sondern auch, weil nur wenige Eltern mutig und unabhängig genug sind, mehr an das Glück ihrer Kinder als an ihren "Erfolg" zu denken. Das schmälert aber die Bedeutung dieses Buches in keiner Weise.

Auch wenn es heute in den Vereinigten Staaten keine Schule wie Summerhill gibt, kann dieses Buch für alle Väter und Mütter nützlich sein. Es wird sie dazu anregen, ihre eigenen Erziehungsmethoden zu überdenken. Sie werden feststellen, daß Neills Erziehungsmethoden durchaus nicht - wie viele Leute das tun - höhnisch als ein Verfahren abgetan werden können, das dem Kind die Macht gibt, von der der Lehrer selbst keinen Gebrauch machen darf. Neill besteht auf einem gewissen Gleichgewicht in der Eltern-Kind-Beziehung. Freiheit ohne Zügellosigkeit - diese Einstellung könnte einen radikalen Wandel im Leben einer Familie bewirken.

Nachdenkliche Eltern werden bestürzt sein, festzustellen, wieviel Zwang und Gewalt sie bei der Erziehung ihres Kindes ausüben, ohne es zu wissen. Dieses Buch gibt den Wörtern Liebe, Billigung, Freiheit neuen Inhalt.

Neill hat tiefe Achtung vor dem Leben und vor der Freiheit und lehnt die Anwendung von Gewalt radikal ab. Kinder, die nach diesen Methoden erzogen werden, entwickeln die Eigenschaften, die der humanistischen Tradition des Westens immer als Ziel gegolten haben: Vernunft, Liebe, Integrität und Mut.

Wenn all dies in Summerhill möglich ist, muß es auch anderswo möglich sein, vorausgesetzt, daß die Menschen dafür reif sind. Wie der Verfasser richtig sagt, gibt es keine problematischen Kinder, sondern nur "problematische Eltern" und eine "problematische Menschheit". Ich glaube, Neills Werk ist Saat, die aufgehen wird. In einer neuen Gesellschaft, in der der Mensch und seine Entfaltung im Mittelpunkt aller Anstrengungen stehen, werden Neills Gedanken allgemeine Anerkennung finden.
 

Einführung

Niemand weiß viel von der Psyche des Menschen. Die Kräfte des menschlichen Innenlebens sind uns noch immer weitgehend verborgen.

Seit die Psychologie von Freuds Genie belebt worden ist, hat sie sich sehr viel weiterentwickelt. Aber noch immer ist sie eine neue Wissenschaft, die die Küste eines unbekannten Kontinents erst einmal kartographiert. In fünfzig Jahren werden die Psychologen sehr wahrscheinlich über unsere heutige Unwissenheit lächeln.

Seit ich von der Pädagogik zur Psychologie des Kindes übergewechselt bin, habe ich mit Kindern aller Art zu tun gehabt, mit Brandstiftern, Dieben, Lügnern, Bettnässern und jähzornigen Kindern. Jahrelange intensive Arbeit in der Kindererziehung hat mich davon überzeugt, daß ich verhältnismäßig wenig über die Kräfte weiß, die das Leben bestimmen. Andererseits zweifle ich nicht daran, daß Eltern, die sich nur mit ihren eigenen Kindern beschäftigt haben, noch viel weniger wissen als ich.

An Eltern richte ich mich deswegen, weil ein schwieriges Kind nach meiner Meinung fast immer durch falsche Behandlung im Elternhaus zu einem schwierigen Kind geworden ist.

Welches ist die Aufgabe der Psychologie? Ich schlage vor: zu heilen. Was oder wovon soll sie aber heilen? Ich möchte nicht von meiner Vorliebe für die Farben Orange und Schwarz geheilt werden; auch vom Rauchen oder der Freude an einer Flasche Bier möchte ich mich nicht heilen lassen. Kein Lehrer hat das Recht, einem Kind das Trommeln abzugewöhnen. Heilung des unglücklichen Menschen ist die einzige Heilung, die erlaubt ist.

Ein schwieriges Kind ist ein unglückliches Kind. Es ist im Widerstreit mit sich selbst; daher liegt es auch mit der Welt im Kampf.

Das gleiche gilt für den schwierigen Erwachsenen. Ein glücklicher Mensch hat sich noch nie zum Störenfried hergegeben, Krieg gepredigt oder einen Neger gelyncht. Eine glückliche Frau nörgelt nicht an ihrem Mann oder ihren Kindern herum. Kein glücklicher Mann hat jemals einen Mord oder Diebstahl begangen. Ein glücklicher Chef terrorisiert seine Angestellten nicht.

Verbrechen, Haß, Krieg können auf Unglücklichkeit zurückgeführt werden. Das vorliegende Buch versucht zu zeigen, wie Menschen unglücklich werden, wie ihr Leben dadurch zerstört wird und wie Kinder so erzogen werden können, daß sie nicht unglücklich zu sein brauchen.

Darüber hinaus ist dieses Buch die Geschichte einer Schule - Summerhill -, in der Kinder von ihrem Unglücklichsein geheilt und - noch wichtiger - zu glücklichen Menschen erzogen werden.
 

Zu diesem Buch

Summerhill wurde 1921 von A. S. Neill in England gegründet. In dieser revolutionären Internatsschule wurden in den Jahrzehnten seitdem Hunderte von Jungen und Mädchen nach den völlig neuartigen Grundsätzen des Schulgründers erzogen. Sein erzieherisches Prinzip: dem Kind bei seiner Entwicklung jede nur mögliche Freiheit zu lassen, die Autorität der Erwachsenen zum Verschwinden zu bringen und Vertrauen zur Grundlage der zwischenmenschlichen Beziehungen zu machen.

In Summerhill ist die Teilnahme am Unterricht freiwillig. Hausarbeiten, Zensuren und Prüfungen gibt es nicht. Die notwendigen Vorschriften und Gesetze zur Sicherheit und Gesundheit der Kinder und zur Ordnung des Gemeinschaftslebens werden von keiner Behörde, keinem Kollegium und keinem Direktor erlassen, sondern in den allgemeinen Schulversammlungen jede Woche demokratisch diskutiert, beschlossen, manchmal wieder aufgehoben oder verbessert. Jedes Mitglied der Schulversammlung Stimmt mit einer Stimme ab - der jüngste Schüler ebenso wie alle Lehrer und Neill selber.

Und eine solche Schule soll funktioniert haben? Summerhill besteht fünfzig Jahre. Das pädagogische Experiment ist tatsächlich gelungen. Denn obwohl vorwiegend schwierige Kinder und "Versager" zu Neill gebracht wurden, sind aus der Schule von Summerhill keineswegs verwilderte oder verdorbene Geschöpfe hervorgegangen, sondern durchweg körperlich und seelisch gesunde, tüchtige und schöpferische Menschen.

In diesem Buch erzählt Neill die Geschichte von Summerhill, er schildert das Leben der Kinder in der Schule und seine Erfahrungen mit ihnen. Im zweiten Teil des Buches zieht dieser revolutionäre Erzieher die Summe seiner Gedanken über Kinder und Eltern, Schulen und Lehrer, über Freiheit und Zwang, über die neue Sexualmoral und Lernpsychologie.

Ein herzerfrischendes und ermutigendes Buch. Neill setzt nicht auf den Umsturz der bestehenden Zwangsgesellschaft. Freiheit und Menschlichkeit erhofft er sich nicht von den politischen Institutionen und technischen Fortschritten, sondern von einer neuen Erziehung. Summerhill ist nur ein winziger Anfang. Aber es gibt die Hoffnung, daß diese Schule - Schule machen wird.

Alexander Sutherland Neill wurde am 7. Oktober 1883 in Schottland geboren. Er besuchte die Dorfschule seines Vaters in Kingsmuir. Anschließend arbeitete er als Bürodiener und in einem Textilgeschäft. Sein Universitätsstudium beendete er als M. A. (Master of Arts) und M. Ed. (Master of Education). Neill wurde Lehrer an staatlichen Schulen. Seine Erfahrungen mit dem repressiven Dressursystem der öffentlichen Erziehungsanstalten wurden der Kontrasthintergrund für Neills revolutionäre Pädagogik. 1921 gründete er seine berühmte Internatsschule von Summerhill. Im selben Jahr wurde er Mitbegründer der internationalen Schule von Dresden-Hellerau.

Neill veröffentlichte zahlreiche Bücher über Kinder- und Jugendpsychologie und über Erziehungsfragen, darunter "The Problem Child" (1926), "The Problem Parent" (1932), "That Dreadful School" (1937), "The Problem Teacher" (1939), "Heart, not Heads" (1945), "The Problem Family" (1948), "The Free Child" (1953), "Freedom - Not License!" (1966).

Neill, Alexander S.: Theorie und Praxis der Antiautoritären Erziehung - Das Beispiel Summerhill; roro 1970, 338 S., ISBN 3499167077

 

Das Wichtigste an der Schulbildung
ist die Menschenbildung.

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Humanistische AKTION
 
11/2005
 


 
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Aktualisiert am 30.11.05