SAHARA

Sammlung häufig registrierter Anfragen im Forum '<de.etc.sprache.deutsch>'

Erscheint monatlich in <de.etc.sprache.deutsch>Stand: Februar 2000

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Inhalt:

Teil A Allgemeines
 

  1. Warum soll ich Deutsch lernen?
  2. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?
  3. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?
  4. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?
  5. Wann beginnt das neue Jahrtausend?
  6. Wie heißen die Jahre von 2000 bis 2009?

    Teil B Grammatik
     

  7. Warum heißt es "der Löffel", aber "die Gabel" und "das Messer"?
  8. Welche Vergangenheitsform ist korrekt?
  9. Wann heißt es "als" und wann "wie"? *
  10. Wann fügt man ein Fugen -s ein? Heißt es z.B. "Essenmarke" oder "Essensmarke"? *
  11. Welcher Fall kommt nach "wegen"?
  12. Welcher Fall kommt nach "trotz"?
  13. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?
  14. Wie ist das mit "sich" und "einander"? *
  15. Wie ist das mit dem Genitiv von "letztes Jahr" und "dieses Jahr"?

    Teil C Regionalismen
     

  16. Heißt es "der Gummi" oder "das Gummi"?
  17. Was bedeutet "das Mensch"?
  18. Wie bezeichnet man die Uhrzeit für 8.15 Uhr und 8.45 Uhr korrekt?
  19. Heißt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?
  20. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?

    Teil D Deutsche Wörter, Anglizismen
     

  21. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wörter?
  22. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?
  23. Welches sind die am häufigsten gebrauchten deutschen Wörter?
  24. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend"?
  25. Wie setzt man Wörter zusammen?
  26. Wie viele Wörter im Deutschen enden auf -nf?
  27. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden? *
  28. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?
  29. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?
  30. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?
  31. Was ist ein "Fuzzi"? *
  32. Sind Fremdwörter sinnvoll oder überflüssig?
  33. Wie kann man englische Fachwörter im Computerbereich auf deutsch ausdrücken? *
  34. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen? *
  35. Wie werden fremdsprachige Ausdrücke gebeugt?
  36. Wie lautet der Plural von "Status"?
  37. Wann setzt man einen Apostroph?

    Teil E Rechtschreibung und Rechtschreibreform
     

  38. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?
  39. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?
  40. Ist der Duden verbindlich?
  41. Darf man alles klein schreiben?
  42. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?
  43. Was ist das "ß"? Ist es sinnvoll? *

    Teil F Aussprache
     

  44. Wie spricht man die Endung -ig (König) korrekt aus?
  45. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?

    Teil G Besonderheiten in <de.etc.sprache.deutsch>, Akronyme (Abkürzungen)
     

  46. Kann ich auch in <de.etc.sprache.deutsch> schreiben, wenn ich selbst nicht gut Deutsch kann?
  47. Was bedeuten diese komischen Abkürzungen (Akronyme) in <de.etc.sprache.deutsch>?
  48. Was soll diese Liste überhaupt?
  49. Gibt es besondere Regeln in <de.etc.sprache.deutsch>?
  50. Hier gibt es soviel zu lesen. Könnte man das Forum nicht teilen?
  51. Gibt es eine Liste interessanter Verweise für das WWW (Links)?
  52. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn ruft?
  53. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?

 

Teil A Allgemeines

 

  1. Warum soll ich Deutsch lernen?

    Weil Deutsch eine schöne Sprache sein kann. Um Heine, Goethe, Rilke im Original lesen zu können. Um einen Arbeitsplatz bei einer deutschen Firma zu erhalten. Oder um in <de.etc.sprache.deutsch> mitdiskutieren zu können.

     

  2. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?

    Durch Übung, z.B. durch Diskussionen in <de.etc.sprache.deutsch>. Es gibt auch sogenannte Stilkunden, das sind Bücher, die einem helfen sollen, gut und verständlich zu schreiben. Welche die beste ist, soll jeder nach seinem persönlichen Geschmack entscheiden.

     

  3. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?

    Um Distanz zu wahren. Um Höflichkeit und Achtung auszudrücken. Um Rangunterschiede erkennbar zu machen.

    In deutschsprachigen Foren des 'Usenet', also auch in <de.etc.sprache.deutsch>, duzen die Diskussionsteilnehmer einander.

     

  4. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?

    Viele Bezeichnungen für Personengruppen (Leser, Ärzte, Minister) sind im Deutschen männlich (maskulin). Manche Feministen erklären das so, dass hier eine frauenfeindliche Wirklichkeit durch die Sprache abgebildet worden sei: Wenn den Frauen der Zugang zu Amt und Beruf versperrt werde, genüge es, die maskuline Form zu nehmen, um das entsprechende Amt oder den Beruf zu bezeichnen. Um Frauen auch in der Sprache sichtbarer zu machen, müsse man die femininen Varianten (Leserin, Ärztin, Ministerin) ausdrücklich ansprechen.

    Die weibliche (feministische) Deutung, wie die maskulinen Formen entstanden seien, ist allerdings umstritten. So wird argumentiert, dass das Genus eines Wortes nicht nur vom Geschlecht des Beschriebenen, sondern auch durch die Endung des Begriffs bestimmt werde. Wörter auf -ung sind in der Regel feminin und Wörter auf -er maskulin. Kritiker meinen außerdem, dass die Bezeichnungen für Personengruppen sich immer schon auf beide Geschlechter erstreckt hätten: Das Lehrerzimmer etwa sei stets für Lehrer beiderlei Geschlechts offen gewesen. Wenn die Sprache nur die gesellschaftliche Wirklichkeit abbilde, so ein weiterer Einwand, müssten zur Gleichberechtigung der Frau viel eher die realen Verhältnisse geändert werden als deren sprachliches Spiegelbild. (Vgl. auch Frage 42 zum Binnen-I)

     

  5. Wann beginnt das neue Jahrtausend?

    Unsere Zeitrechnung beginnt am 01.01.0001, weil es kein Jahr Null gibt. Das erste Jahrhundert endet hundert Jahre später am 31.12.0100. Das zweite Jahrtausend beginnt nach dieser Rechnung am 01.01.1001 und endet am 31.12.2000. Eine Eselsbrücke hilft, den Sachverhalt zu verstehen: Der zweite Kasten Bier beginnt mit der 21. Flasche, nicht mit der 20.

    Das zwanzigste Jahrhundert dauert folglich vom 01.01.1901 bis zum 31.12.2000. Die neunziger Jahre dagegen erstrecken sich vom 01.01.1990 bis zum 31.12.1999.

    "Millennium" schreibt man übrigens mit zwei "n" - man kann aber auch Jahrtausend oder Jahrtausendwechsel sagen.

     

  6. Wie heißen die Jahre von 2000 bis 2009?

    Das muss sich erst noch herausstellen. Im Angebot sind u.a. "die nuller Jahre" oder "die nullziger Jahre". Das hübsche englische Wortspiel "the naughties" lässt sich leider nicht ins Deutsche übersetzen.

     

    Teil B Grammatik

     

  7. Warum heißt es "der Löffel", aber "die Gabel" und "das Messer"?

    Weil Deutsch keine romanische Sprache ist. Die Regeln zur Geschlecht(Genus)bildung im Deutschen sind sehr kompliziert und folgen keiner Logik, die sich auf den ersten Blick erschließt. Für Fremdsprachler hilft leider nur: Lesen, lernen, üben...

     

  8. Welche Vergangenheitsform (Präteritum) ist korrekt?

    Im Deutschen ist die Wahl der Vergangenheitsform weniger streng geregelt als etwa im Englischen oder Französischen. Meist kann das Präteritum ("sie half mir") durch das Perfekt ("sie hat mir geholfen") ersetzt werden.

    Das Präteritum ist die geeignete Zeitform, um Ereignisse rein aus der vergangenen Perspektive heraus zu erzählen. Bei Ereignisreihungen, besonders in der Literatur, ist es hochsprachlich sogar die einzig korrekte Form: "Bogus trat nach vorne, schob den Riegel des Tores zurück und ließ seine Soldaten herein."

    Das Perfekt (Vergangenheit) muss dagegen immer dann verwendet werden, wenn der Sprecher einen Bezug zur Gegenwart herstellen will.

    a.) Perfekt des Nachzustandes: "Hurra, es hat geschneit!" (wenn der Schnee noch liegt, ist "Hurra, es schneite!" falsch)

    b.) Perfekt der Erfahrung ("experiental"): "Hast du je Froschschenkel gegessen?" (nicht "Aßest du je Froschschenkel?")

    c.) Neuigkeitenperfekt ("hot news perfect"): "Der Kanzler ist zurückgetreten!" (nicht "Der Kanzler trat zurück!")

    d.) Gegenwartsrelevanz: "Immerhin hat Jürgen Germanistik studiert, also kennt er sich mit Sprache aus."

    Das Plusquamperfekt bezeichnet die Vorvergangenheit. "Als sie geendet hatte, ging sie nach Hause." Der Gebrauch des Plusquamperfekts als normale Vergangenheitsform: "Letzte Woche waren wir in Urlaub gefahren", ist hochsprachlich nicht korrekt, aber z.B. im Berliner oder Hannoverschen Regiolekt gebräuchlich. Möglicherweise empfindet man diese Zeitform weniger formal als das Präteritum, aber vornehmer als das Perfekt.

     

  9. Wann heißt es "als" und wann "wie"?

    Nach Steigerungen fast immer "als", aber nie "wie". "Er ist größer als ich."

    Man kann bei Steigerungen auch "denn" verwenden, um zwei "als" hintereinander zu vermeiden: "Es ist besser als freier Mensch zu sterben, denn als Sklave zu leben." Ein wenig altmodisch klingt das allerdings schon.

    Bei Gleichordnungen immer "wie". "Er ist so dick wie ich."

    Kniffliger wird die Sache, wenn man Multiplikatoren zum Vergleich heranzieht. Korrekt heißt es: "Ina ist zweimal so stark wie Peter" (Gleichordnung), aber "Ina ist zweimal stärker als Peter" (Steigerung).

    Im Süden des deutschen Sprachraumes wird umgangssprachlich gerne "wie" nach dem Komparativ gesetzt ("Ich bin stärker wie du."), während die Norddeutschen eher dazu neigen, "als" nach dem Positiv zu verwenden ("so weit als möglich"). Standardsprachlich ist beides falsch.

     

  10. Wann fügt man ein Fugen -s ein? Heißt es z.B. "Essenmarke" oder "Essensmarke"?

    Es gibt keine eindeutige Regel, und das Fugen -s hat auch nichts mit dem Genitiv (Wesfall) zu tun. Der Gebrauch des Fugen -s unterscheidet sich von Region zu Region. Der Gesetzgeber in Deutschland vermeidet es allerdings, Fugen -s zu setzen. So werden die offiziellen Steuerbezeichnungen ohne "s" gebildet: Einkommensteuer, Versicherungsteuer usw.

    Analog zum Fugen -s gibt es auch das Fugen -n. Man findet es z.B. im "Hallenbad".

     

  11. Welcher Fall kommt nach "wegen"?

    In geschriebenem Deutsch der Genitiv ("Wegen des Regens sind wir daheim geblieben."); es heißt ja auch "deswegen" und nicht "demwegen". Umgangssprachlich verwenden die meisten Leute - mit Zustimmung des Duden - den Dativ (Wemfall)  ("Wegen dir hab ich mein Leben vergeudet."). Der Dativ nach "wegen" schleicht sich auch zunehmend in die geschriebene Sprache: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

    In der geschriebenen Alltagssprache wird der Dativ nach "wegen" besonders verwendet, wenn ein einfacher Singular (Einzahl) ohne Artikel (Geschlechtswort) folgt: "Wegen Todesfall geschlossen" anstelle des eigentlich korrekten: "wegen Todesfalls geschlossen".

     

  12. Welcher Fall kommt nach "trotz"?

    Meistens der Genitiv, obwohl historisch der Dativ richtig wäre. Es heißt ja "trotzdem" und nicht "trotzdessen".

    Das Wort "nichtsdestotrotz" ist eigentlich eine spaßige Verbindung aus "nichtsdestoweniger" und "trotzdem". Nichtsdestoweniger setzt sie sich immer mehr durch und wird z.B. von der Winword-Rechtschreibprüfung als richtig akzeptiert.

     

  13. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?

    Das Deutsche kennt zwei Konjunktivformen. Besondere Bedeutung gewinnen sie in der indirekten Rede.

    "Er sagt, er ist ein feiner Kerl."

    Er sagt es, und ich weiß, dass es stimmt.

    "Er sagt, er sei ein feiner Kerl."

    Er sagt es. Ich weiß nicht, ob er recht hat, oder ich will mich in meiner Aussage nicht festlegen. Diese Form ist korrekt, um neutral in indirekter Rede zu berichten.

    "Er sagt, er wäre ein feiner Kerl."

    Er sagt es, aber ich weiß, er ist ein Schuft.

    Um konditionale (bedingende) Sachverhalte auszudrücken, nimmt man den Konjunktiv II (Möglichkeitsform) (Irrealis): "Wenn es regnete, nähme ich den Schirm", bzw. gängiger: "Wenn es regnen würde, würde ich den Schirm nehmen." Die Konjunktivform der Verben klingt in vielen Fällen ungewöhnlich und wird nur noch selten verwendet. Statt dessen nimmt man besonders im Alltag normalerweise die Hilfsform "würde", also "Es würde mir helfen, wenn du deutlicher sprechen würdest.", an Stelle von "Es hülfe mir, wenn du deutlicher sprächest."

     

  14. Wie ist das mit "sich" und "einander"?

    "Einander" dient in der "gehobenen Sprache" (so der Duden) dem Ausdruck einer wechselseitigen Beziehung: "Sie wuschen einander die Hände". Obwohl "einander" die kürzere und prägnantere Form darstellt, verwendet man heute in der Alltagssprache meist die Konstruktion "sich gegenseitig": "Sie wuschen sich gegenseitig die Hände".

    "Sich" steht immer dann, wenn die Beziehung selbstbezogen ist: "Sie wuschen sich die Hände" (d.h. jeder für sich) "Sich" steht im heutigen Sprachgebrauch meist auch dann für die wechselseitige Beziehung, wenn kein Missverständnis möglich ist: "Sie küssten sich." Die eindeutigeren Formen "einander" und "sich gegenseitig" wirken hier oft gespreizt: "Was einander liebt, das neckt einander" oder "Sie küssten sich gegenseitig und sie schlugen sich gegenseitig."

     

  15. Wie ist das mit dem Genitiv von "letztes Jahr" und "dieses Jahr"?

    Das Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort) "dieser" wird mit dem Substantiv (Hauptwort) gebeugt, andere Pronomina (Fürwörter) nicht. Auf Deutsch:

    "Im Sommer dieses Jahres..."

    "Ende dieses Monats"

    aber

    "Anfang vorigen Jahres..."

    "Zu Beginn letzten Quartals..."

    Und wenn "heuer" klein geschrieben wird, ist es keine Entlohnung für Seeleute, sondern ein Ausdruck für "dieses Jahr", der im Süden des deutschen Sprachraumes gängig ist. "Wir wollen heuer Weihnachten zu Hause feiern."

     

    Teil C Regionalismen (örtlich begrenzte Besonderheiten)

     

  16. Heißt es "der Gummi" oder "das Gummi"?

    Beides ist richtig. Die Verwendung ist regional unterschiedlich. Genauso ist es bei "die Cola" und "das Cola".

    Nur im Bairischen (und auf einigen Höhen des Schwarzwaldes) hingegen sind korrekt: der Radio, der Schokolad`, der Butter, das Teller, das Monat, das Bleistift und der Zwiebel.

     

  17. Was bedeutet "das Mensch"?

    "Mensch" ist ursprünglich "der Männische" und gehört zum Wort "man", das es im Englischen heute noch so gibt. "Man" bedeutete "Person" (nicht etwa nur "männliche Person"), das unpersönliche Pronomen "man" im modernen Deutsch leitet sich davon ab.

    Früher standen "das" und "der" Mensch gleichberechtigt nebeneinander; später hat man "das" Mensch (Plural: Die Menscher) nur noch auf Frauen bezogen, "der" Mensch auf Personen allgemein. Heute kennt man die Form "das Mensch" nur noch im Süden des deutschen Sprachraumes.

    "Das" Mensch hat dort in einigen Gegenden eine abschätzige Bedeutung bekommen und heißt etwa "Frau mit zweifelhafter Moral"; noch abschätziger ist die Verkleinerungsform "das Menschle", was mancherorts "Flittchen" bedeutet. Anderswo haben sich die älteren, wertfreien Bedeutungen noch gehalten; so gibt es Gegenden, wo die "Menscherkammer" keine negative Nebenbedeutung hat.

     

  18. Wie bezeichnet man die Uhrzeit für 8.15 Uhr und 8.45 Uhr korrekt?

    Wenn man "viertel nach acht" und "viertel vor neun" sagt, ist es eindeutig und wird überall verstanden. Regional gebräuchlich ist auch "dreiviertel neun" (8.45 Uhr) und "viertel neun" (8.15 Uhr). Diese Bezeichnungen werden aber nicht überall richtig interpretiert.

    Wer statt 8.30 Uhr "halb neun" sagt, wird überall verstanden.

     

  19. Heißt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?

    Im Norden Sonnabend, im Süden Samstag. Allerdings scheint sich der Samstag durchzusetzen, da ihn selbst die notorisch norddeutsche "Tagesschau" verwendet.

     

  20. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?

    Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist im Deutschen der Gebrauch von Dialekten und Regiolekten in vielen Gegenden auch unter gebildeten Leuten nicht verpönt (z.B. in Schwaben und im bairischen Sprachraum). Zu offiziellen Anlässen und in den Medien Radio und Fernsehen wird in Deutschland in der Regel in Schriftsprache geredet. In der Schweiz wird der Dialekt (Schweizerdeutsch in seinen Ausprägungen) auch bei offiziellen Gelegenheiten und in den Medien gesprochen.

    Außerhalb der Belletristik (schöngeistige Literatur) ist es ungewöhnlich, im Dialekt zu schreiben, selbst wenn man ihn spricht. In <de.etc.sprache.deutsch> schreiben alle Diskussionsteilnehmer Schriftsprache.

    In Ermangelung eigener Foren für die Dialekte des Deutschen (Ausnahme: Schwäbisch in alt.aeffle.und.pferdle) gibt es auch Diskussionen zu Dialektthemen in <de.etc.sprache.deutsch>.

     

    Teil D Deutsche Wörter, Anglizismen

     

  21. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wörter?

    Im Prinzip nein. Wörter entstehen und vergehen durch den Gebrauch in der Sprache. Anmelden kann man Wörter nicht. Die Redaktion des Duden wertet laufend deutschsprachige Veröffentlichungen aus. Wenn ein neues Wort regelmäßig verwendet wird, dann kommt es in den Duden.

     

  22. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?

    Die deutsche Sprache kennt für diesen Zustand keinen Ausdruck. Es gibt von Zeit zu Zeit Wettbewerbe, diese Lücke zu füllen. Der jüngste Vorschlag heißt "sitt". Durchgesetzt hat sich bislang keiner der vorgeschlagenen Ausdrücke.

     

  23. Welches sind die am häufigsten gebrauchten deutschen Wörter?

    Der Artikel "der" kommt am häufigsten vor. Die Uni Leipzig führt eine Liste, in der man sehen kann, wie oft ein gesuchtes Wort im Vergleich zu "der" verwendet wird: <http://www/">http://wortschatz.uni-leipzig.de>

     

  24. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend"?

    Ja. "Scheinbar" heißt, dass es in Wirklichkeit ganz anders ist. Bei "scheinbar" trügt der Schein. "Anscheinend" ist dagegen in punkto Wahrheitsfindung neutral.

    "Anscheinend ist er ein reicher Mann."

    Ich weiß nicht, ob er reich ist. Ich schließe es aber aus dem Anschein, den er erweckt. Vermutlich ist er reich, so wie er sich gibt.

    "Scheinbar ist er ein reicher Mann."

    Er gibt sich zwar als reicher Mann aus, ich weiß aber genau: In Wirklichkeit ist er arm wie eine Kirchenmaus.

     

  25. Wie setzt man Wörter zusammen?

    Ganz einfach. Man fügt sie, wie sie sind, zusammen (evtl. mit Fugen -s oder Fugen -n wegen der leichteren Aussprache): Dann wird aus dem Schrank, der im Wohnzimmer steht, ein "Wohnzimmerschrank". Auf keinen Fall wird ein "Wohn Zimmer Schrank" daraus und auch kein "WohnZimmerSchrank", selbst wenn die kreativen Köpfe der Werbewirtschaft diese Kombinationen derzeit sehr chic finden.

    Wenn die Wörter nach dem Zusammensetzen zu lange oder zu unübersichtlich werden, darf man der Lesefreundlichkeit halber auch Bindestriche setzen. Dann wird aus dem "Kaffeeexporteur" eben ein "Kaffee-Exporteur". Auch bei Verbindungen mit Fugen -s ist das zulässig, so z.B. bei der Versicherungs-Gesellschaft.

     

  26. Wie viele Wörter im Deutschen enden auf -nf?

    Fünf. Nämlich besagte fünf, daneben: Genf, Hanf, Senf und Sernf (das ist ein Schweizer Flüssli). Wer Wetten annimmt, dass er mehr findet, hat Pech gehabt.

     

  27. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden?

    Man sagt z.B. allgemein "Jeep" für Geländewagen und "Tempo" zum Papiertaschentuch. Eine Liste derartiger Begriffe, die als Markennamen geschützt sind, hat Markus Gail zusammengestellt: <http://www.rz.uni-frankfurt.de/~gail/marken.html>

     

  28. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?

    Wenn die Grundform ein Verb ist, wird die Ableitung (von Nomina agentis) immer auf "-er" gebildet: Kriegsgewinner (den Krieg gewinnen), Sprecher (sprechen), Weltrekordhalter (den Weltrekord halten), Schneider, Sänger...

    Wenn die Grundform ein Substantiv ist, wird die Ableitung auf "-ler" bevorzugt: Kriegsgewinnler (Kriegsgewinn), Altsprachler (alte Sprachen), Weltrekordler (Weltrekord), Postler, Künstler, Sportler, Nachzügler, Zuchthäusler...

    Bildungen auf "-er" mit substantivischer Basis - wie Reeder, Türmer, Schäfer - geraten heute immer mehr außer Gebrauch. Die Bildungen "Gewerkschaftler" und "Wissenschaftler" sind grammatisch korrekt und wertneutral. Dennoch halten viele "Gewerkschafter" und "Burschenschafter" an den Formen auf "-er" fest - aus Tradition oder weil sie in den Bildungen auf "-ler" immer noch eine (vermeintliche) Abwertung erblicken.

    (Vgl. P. Eisenberg 1998, "Grundriss der deutschen Grammatik. Das Wort.", S.266)

     

  29. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?

    "Fisimatenten machen" heißt soviel wie Unsinn, Unfug oder Umständlichkeiten machen. Das "elektronische Klassenzimmer" der Deutschen Welle bietet folgende etymologischen Erklärungsversuche:

    Erste Alternative: Aus dem 15. Jahrhundert von visae patentes literae, kurz visepatentes, ein umständlich zu erlangendes Patent.

    Zweite Alternative: Aus dem mittelhochdeutschen Wort visamente, das Zierrat oder Ornament bedeutet.

    Dritte Alternative: Volkstümliche Deutung: Von "Visitez ma tente" ("Besuchen Sie mein Zelt") als Einladung napoleonischer Offiziere an deutsche Mädchen.

    Vierte Alternative: Volkstümliche Deutung: Von der Ausrede verspäteter Passanten gegenüber napoleonischen Straßenkontrollen "Je viens de visiter ma tante." ("Ich habe gerade meine Tante besucht.")

    <http://www.dwelle.de/dpradio/bildung/alltagsdeutsch/archiv/Allt1299.html">

    Eine ähnliche Erläuterung findet sich unter <http://wagner.vobis.de/daher.html">

     

  30. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?

    "Secanen nannten sich selber die Nachkommen jener nordwestindischen Volksgruppe, die, seit sechshundert Jahren auf der Flucht, um 1500 in Mitteleuropa eintrafen. Andere bezeichneten sie irrtümlich als Egypter - ein Name, der schließlich das englische gypsy, das spanische gitano, das französische itan hergab. Den Namen Secanen hatten sie vom Balkan mitgebracht. Das gleiche Wort ('tsigan`) bürgerte sich in vielen osteuropäischen Sprachen ein, aber auch im Französischen (tzigane) und im Portugiesischen (cigano). Jedesmal paßte es sich dabei den Laut- und Schreibregeln der Landessprache an; im Deutschen ergab es Zigeuner. Woher 'tsigan` stammte und was es bedeutete, ist unbekannt. Die gängigste Erklärung leitet es aus dem byzantinischen Griechisch ab: ath'inganoi oder dann ts'inganoi wurden die unberührbaren Anhänger einer phrygischen Ketzersekte genannt, und vermutlich wurde das Wort von ihr auf die rätselhaften Islam-Flüchtlinge aus Kleinasien übertragen. Es war jedenfalls kein Schmähwort. Seine Abschaffung macht frühere Schmähungen nicht ungeschehen und verhindert keine für die Zukunft." (Dieter E. Zimmer)

    Wer politisch korrekt "Sinti und Roma" sagt, schließt alle anderen Volksgruppen der Zigeuner aus. Im Singular heißt es übrigens "ein Sinto" und "ein Rom". Die weiblichen Formen sind "Sintiza" und "Romni".

    Alles zu finden bei: <http://www.archiv.zeit.de/zeit-archiv/daten/pages/thema2.19960308.html>

     

  31. Was ist ein "Fuzzi"?

    Mit "Fuzzi", genauer "Fuzzy", bezeichnet man ursprünglich einen kleinwüchsigen Mann auf etwas abschätzige Weise. "Fuzzy" ist eine komisch-kauzige Westernfigur mit wucherndem Vollbart, die in den dreißiger und vierziger Jahren von dem Schauspieler Al St. John in etwa hundert US-Billig-Western verkörpert wurde. Im deutschen Fernsehen liefen diese Filme in der Reihe "Western von gestern". "Fuzzy" deutsch ausgesprochen ergab den heute üblichen "Fuzzi". Auf englisch bedeutet "fuzzy" so viel wie "flaumig, kraus, wuschelig".

     

  32. Sind Fremdwörter sinnvoll oder überflüssig?

    Sprache lebt, Sprache wandelt sich. Neue Ideen, neue Konzepte verlangen nach Begriffen, um sie zu beschreiben. Daher gibt es Fremdwörter, seit es unbekannte Dinge aus fremdsprachigen Gegenden gibt. Das Deutsche ist voll von solchen eingedeutschten Begriffen, und bei den meisten merkt man gar nicht mehr, dass sie einmal aus fremden Ländern eingeführt worden sind. Wer denkt bei "Mauer", "Pfosten" oder "Fenster" an Fremdwörter?

    Manche Fremdwörter beschreiben Sachverhalte, für die es im Deutschen keinen geeigneten Ausdruck gibt (Esprit, Chuzpe, Fairness). Andere lassen sich nur umständlich und verschraubt übersetzen: Warum soll man einen Schauspieler für sein "genaues Gespür für den richtigen Zeitpunkt" loben, wenn bei ihm das Timing stimmt?

    Wer allerdings Fremdwörter einsetzt, um seine Sprache möglichst unverständlich zu machen, wer mit hochtrabenden Ausdrücken verschleiert, dass er im Grunde nichts zu sagen hat, der liegt mit Fremdwörtern einfach falsch und wird niemandem "imprägnieren" können.

     

  33. Wie kann man englische Fachwörter im Computerbereich auf deutsch ausdrücken?

    Gängig sind z.B.:

    Computer - Rechner; Newsgroup - Nachrichtengruppe, Diskussionsgruppe, Forum; Homepage - Leitseite, Startseite, Hauptseite; Website - Netzplatz, Netzpunkt, Netzauftritt; URL - Netzadresse; E-Mail - E-Post, E-Nachricht; to boot - hochfahren; to crash - abstürzen; to mail - senden; to post - veröffentlichen; posting - Artikel, Beitrag, Veröffentlichung; mailing - Nachricht; download - herunterladen, (formlos) herunterziehen; upload - hochladen

    Es ist umstritten, ob Übersetzungen von Begriffen wie "Usenet" oder "Internet" sinnvoll sind. Umfangreichere Listen mit deutschen Übersetzungen gibt es auf der Leitseite des VWDS (s.u.).

     

  34. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen?

    Ja. Beim VWDS <http://www.vwds.de>. Stefan Winterstein hat eine Liste zusammengestellt mit englischen Begriffen, die häufig falsch oder schief ins Deutsche übersetzt werden. <http://www-stz.dfki.uni-sb.de/~winter/lang/anglizisms-de.html>.

    Über den Einfluss von Aglizismen auf die deutsche Sprache teilen sich die Meinungen: Für die einen bricht schon längst das Abendland zusammen; die anderen halten die Sprache für widerstandsfähig genug, alle paar Jahre ein paar wechselnde Modewörter oder Anglizismen auszuhalten. Ganz allgemein gilt: Die Grenze zwischen der Vermeidung überflüssiger Anglizismen und Deutschtümelei ist fließend. Jeder empfindet das anders.

     

  35. Wie werden fremdsprachige Ausdrücke gebeugt?

    Wenn sie als Lehnwörter ins Deutsche integriert worden sind, dann werden sie auch ganz normal gebeugt ("Es ist Aufgabe des Managements..."). Wenn sie (noch) als fremdsprachig empfunden werden, bleiben sie ungebeugt ("Es ist das Wesen des Cash-flow...").

    Bei Verben ist die Sache schwieriger ("downgeloadet" oder "gedownloadet"?). In solchen Zweifelsfällen ist es wohl am besten, einen deutschen Ausdruck zu nehmen ("heruntergeladen" bzw. "heruntergezogen") oder auf eine Mischung aus fremdsprachigem Substantiv und deutschem Verb zurückzugreifen ("Nachdem der Download durchgeführt wurde,...").

     

  36. Wie lautet der Plural von "Status"?

    Nominativ: Der Status. Genitiv: Es ist eine Frage des Status... Plural: Die Status...

    So steht's im Duden, und so entspricht es auch der lateinischen Herkunft (status, -us; m). Wer die gewöhnungsbedürftige Beugung vermeiden will, kann "Status" ersetzen durch: Zustand, Stand, Bestand, Lage oder Stellung.

     

  37. Wann setzt man einen Apostroph?

    Seltener als man vielleicht denkt. Jedenfalls nicht beim Genitiv ("Pauls Würstchenbude"), außer ein Eigenname endet auf einen Zischlaut wie s, z, x: "Marx` Theorie", "Tacitus` Darstellung". Wenn der Genitiv aber durch einen Artikel angezeigt wird, braucht man wiederum keinen Apostroph zu schreiben: "Die Darstellung des Tacitus".

    Kein Apostroph wird beim Plural von gebeugten Abkürzungen gesetzt (CDs, CPUs).

    Und erst recht kommt kein Apostroph bei Verschmelzungen von Verhältniswörtern mit Artikeln, also bei "ans", "fürs", "am", "beim", "zum" usw.

    Die genauen Regeln stehen im Duden unter dem Stichwort "Apostroph".

    "Wenn der Deutsche nicht weiß, wie was geschrieben wird, haut er einen Apostroph rein. Klingt internationaler." (Richard Rogler)

     

    Teil E Rechtschreibung und Rechtschreibreform

     

  38. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?

    Ja. Nein. (Unzutreffendes bitte streichen) Die vollständige Liste mit den neuen Rechtschreibregeln ist unter <http://www.duden.de> erhältlich.

     

  39. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?

    Die neue Rechtschreibung ist nur für die Schule und für Behörden verbindlich. Im übrigen gilt: Rechtschreibfehler sind (noch) nicht strafbar.

     

  40. Ist der Duden verbindlich?

    Im Prinzip ja. Der Duden ist das am weitesten verbreitete deutsche Wörterbuch. Allerdings ist umstritten, ob der Duden auch das beste deutsche Wörterbuch ist. Und manchmal liegt er definitiv daneben.

     

  41. Darf man alles klein schreiben?

    Man darf nicht, bzw. man soll nicht. Es ist auch wenig sinnvoll. "Die großgeschriebenen Substantive sind die Leuchttürme über dem Satz, und der Satz kann sie brauchen - um so dringender, je schlimmer er verschachtelt ist." (Wolf Schneider)

     

  42. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?

    Das Binnen-I ist eine Erfindung der "tageszeitung" (taz), um bei Berufs- und Gattungsbezeichnungen männlichen Genus` anzudeuten, dass auch Frauen gemeint sind; z.B. "LeserInnen" für "Leserinnen und Leser" bzw. für männliche und weibliche Leser. Seit Mitte der achtziger Jahre hat sich das Binnen-I in links-alternativen Kreisen verbreitet, was z.T. groteske Züge angenommen hat, etwa beim "KinderInnengarten" oder den "MitgliederInnen".

    Der Vorteil des Binnen-I gegenüber anderen Konstrukten wie "Leser/-innen" oder "Leser(innen)" oder "Leserinnen und Leser" liegt in der Kürze.

    Nachteilig ist dagegen, dass man Wörter, die das Binnen-I enthalten, nur schwer laut aussprechen kann (Leser(<pause>)innen) und das Binnen-I den Lesefluss stören kann. Weder die alte noch die neue Rechtschreibung lassen das Binnen-I zu. Korrekt ist die Schreibweise "Leser(innen)". Man kann auch den ganz altmodischen Standpunkt vertreten, dass sich Gattungsbezeichnungen unabhängig von ihrem Genus auf beide Geschlechter erstrecken. Dann ist das Binnen-I überflüssig, weil es die mitbezeichneten Frauen doppelt moppelt. (Vgl. auch Frage 4)

     

  43. Was ist das "ß"? Ist es sinnvoll?

    Das "ß" heißt Eszett (s-z), so wie die Schokoladetäfelchen, oder auch "scharfes s". Ursprünglich war es eine Typenverbindung (Ligatur) in gebrochenen Schriftsätzen (wie der Fraktur). Den vorderen Teil bildet das lange "s", das wie ein "f" ohne Querstrich aussieht. Ob der zweite Teil des "ß" vom runden Schluss-"s" oder vom Schluss-"z" herstammt, ist umstritten.

    Befürworter des "ß" betonen, es erhöhe die Verständlichkeit und Eindeutigkeit in Bedeutung und Aussprache (Als Gegenbeispiel für Zweideutigkeiten ohne "ß" wird gerne der Satz "Er trinkt Alkohol in Massen." angeführt).

    Die Gegner des "ß" weisen darauf hin, dass es das "ß" in keiner anderen Sprache gibt und der Verzicht die internationale Verständigung erleichtern würde. Die Schweizer haben das "ß" abgeschafft und leben trotzdem.

       

    Teil F Aussprache

     

  44. Wie spricht man die Endung -ig (König) korrekt aus?

    Wie man will, das ist von Region zu Region unterschiedlich. Es gibt im Deutschen grundsätzlich keine verbindliche Aussprache. Bücher, die die deutsche Aussprache festlegen (Siebs), sind nur für die Bühne allgemeingültig. Auf der Bühne sagt man also "Könich", in Bayern besser nicht.

     

  45. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?

    Auf einer Schauspielschule. Im Gegensatz etwa zu Großbritannien sind weder die Fernsehnachrichten noch das Staatsoberhaupt ein Maßstab für gute Aussprache. Die ARD-"Tagesschau" hat ein Faible für norddeutsche Sprecher, daher breitet sich z.B. die hamburgische Trennung von s-t (der berühmte "s-pitze S-tein") in letzter Zeit in Deutschland aus ("S-tatistik"). Die Aussprache des Staatsoberhauptes ändert sich mit den Personen, die dieses Amt bekleiden.

       

    Teil G Besonderheiten in <de.etc.sprache.deutsch>, Akronyme

     

  46. Kann ich auch in <de.etc.sprache.deutsch> schreiben, wenn ich selbst nicht gut Deutsch kann?

    Ja. Solange die anderen Teilnehmer verstehen, was gemeint ist, gibt es keine Probleme. Die Fragen finden eigentlich immer eine Antwort, und Fehler werden gelegentlich verbessert, entweder auf Wunsch des Fragenden oder einfach so. Aber bis jetzt eigentlich immer in freundlichem Ton.

    Falls jemand gar kein Deutsch kann, um eine Frage oder Stellungnahme zu formulieren, findet sich in der Regel auch ein Diskussionsteilnehmer, der auf Englisch antwortet. Wer in <de.etc.sprache.deutsch> keine Antwort auf seine Fragen findet, kann sein Glück auch in alt.usage.german versuchen.

     

  47. Was bedeuten diese komischen Abkürzungen (Akronyme) in <de.etc.sprache.deutsch>?

    ARS: Alte Rechtschreibung

    DSEN: Deinem Sprachempfinden nach

    desd: <de.etc.sprache.deutsch>

    ENG: Einer Notdurft gehorchend (= Sorry, could not resist, SCNR)

    ENGE: Einer Notdurft gehorchend, Entschuldigung (s.o., nur höflicher)

    GABELN: Gruppe, Area, Brett, Echo, List, Newsgroup, also ein Forum des Usenet

    MbMn: Meiner bescheidenen Meinung nach

    MMN: Meiner Meinung nach

    MUSEN: Meinem unmaßgeblichen Sprachempfinden nach

    NRS: Neue Rechtschreibung

    PPA: Partizip Präsens Aktiv (z.B. gehend)

    RS: Rechtschreibung

    RSR: Rechtschreibreform

    SAHARA: Sammlung häufig registrierter Anfragen (= FAQ)

    WIMRE: Wenn ich mich recht erinnere (= If I remember correctly, IIRC)

    WWG: wieder was gelernt

    Ansonsten werden alle Akronyme verwendet, die auch anderswo im Usenet gebräuchlich sind (IMHO usw.).

     

  48. Was soll diese Liste überhaupt?

    Zugegeben, es gibt bereits eine sehr umfangreiche FAQL, die Ralph Babel verfasst hat. <http://www.deja.com/getdoc.xp?AN=383748784&fmt=raw>.

    Das Dokument ist allerdings urheberrechtlich geschützt, und der Autor erlaubt die Verwertung und Verbreitung nur nach Maßgabe des UrhG. Außerdem wird die Babel-FAQL nur in unregelmäßigen Abständen in desd veröffentlicht.

     

  49. Gibt es besondere Regeln in <de.etc.sprache.deutsch>?

    Nein. Der Umgangston in diesem Forum ist aber um einiges freundlicher und höflicher als in anderen Gruppen. Deshalb sollte man sich etwas zurückhalten, wenn man aus anderen Foren kommt, wo es ruppiger zugeht.

     

  50. Hier gibt es zuviel zu lesen. Könnte man das Forum nicht teilen?

    Man könnte, aber die Mehrheit der Teilnehmer hat das bis jetzt immer abgelehnt. Die meisten Leser finden es spannend und abwechslungsreich, Diskussionen zu verschiedenen Aspekten der deutschen Sprache in einem Forum zu verfolgen.

     

  51. Gibt es eine Liste interessanter Verweise für das WWW (Links)?

    Ja, die gibt es. Wolfram Meyer-von Gagern hat sie zusammengestellt und veröffentlicht sie regelmäßig in desd. Die Verweise finden sich im WWW unter <http://www.carpe.com/lit/plus> oder unter <http://privat.schlund.de/g/gagern/desd.htm>, wo auch diese Fragen-Sammlung zu finden ist.

     

  52. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn ruft?

    Manche provozierenden Fragen und Diskussionen tauchen in regelmäßigen Abständen in diesem Forum auf: Jemand klagt etwa, dass die deutsche Sprache in einem Meer von Anglizismen untergehe (vgl. Frage 34), oder ein Schüler will seine Hausaufgaben erledigt haben (vgl. Frage 53). Die Reaktionen sind für erfahrene Teilnehmer vorhersehbar; darum nehmen sie symbolisch auf einer gepolsterten Bank Platz und kramen ebenso symbolisch Popcorn heraus, um die sarkastischen Reaktionen in aller Gemütlichkeit zu betrachten, genau wie im Kino. Andere Leute setzen sich dazu, bringen Cola, Eiscreme und Chips mit, und so amüsiert man sich.
     

  53. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?

In <de.etc.sprache.deutsch> kaum jemand. Konkrete Fragen werden in der Regel beantwortet, allgemeine Anfragen im Stile von "Was muss ich in meiner Hausarbeit zu Goethes Faust schreiben?" hingegen weniger. Beim Schurigeln von derartigen Anfragen wird der Umgangston auch schnell ruppiger als sonst in diesem Forum. Außerdem lesen viele Deutschlehrer mit, und man kann nie wissen, ob der eigene darunter ist...

Anfragen zu Literatur und Bitten um Buchzusammenfassungen bzw. -interpretationen sind jedenfalls besser in <de.rec.buecher> aufgehoben.

*

Dank an Jürgen Amrhein, Ralf Arning, Thomas Bliesener, Børge Bomark, Martin Braun, Michael Erskine, Gerald Fix, Markus Gail, Martin Gerdes, Werner Icking, Sven Kaiser, Thomas "Theo" Kiaupat, Walter Koch, Matthias Kranz, João Luiz da Costa, Wolfram Meyer-von Gagern, Christoph von Nathusius, Joachim Pense, Michael Pronay, Manfred Russ, Roland Schmitt-Hartmann, Andreas Seybold, Wolfram Steinacker, Christian Wetzel und Zippo Zimmermann für ihre Hinweise.

Korrekturen, Erweiterungen und Anregungen sind willkommen.

Bitte per E-Mail an Jörg Digmayer (joerg.digmayer@gmx.de).

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Humanistische AKTION
 
3/2000


 
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Aktualisiert am 31.10.10