Über die Trauer

Herbert A. Gornik 

Trauer gehört zu unserm Leben wie die Geburt und der Tod. Das Bild, das sich in vielen Köpfen mit der Trauer verbindet, ist das der älteren schwarz gekleideten Dame, einer Witwe, die das Grab ihres Mannes auf dem Friedhof besucht. Doch dieses Bild trügt. Trauer läßt sich an Äußerlichkeiten kaum festmachen, wie Psychologen und Psychiater in den letzten Jahren festgestellt haben. Es hat sich aber eine Lehre vom Ablauf des Trauerprozesses entwickelt. Und viele Untersuchungen der letzten Zeit beweisen, daß, bei nicht durchlebter Trauer, schwere Folgeschäden für Leib und Seele des Betroffenen entstehen können. Und zuletzt steht dann noch die Ausweitung des Begriffs Trauer auf generelle Verluste, so wie eine verpaßte Chance oder eine schöne Zeit, die vorbei ist.

Bleiben wir aber zunächst bei der traditionellen Auffassung, wonach sich Trauer auf den Prozeß in einem Menschen bezieht, der einen geliebten Menschen verloren hat: Vater oder Mutter, Mann oder Frau, ein Kind, den besten Freund oder Vertrauten.

Verena Kast beschreibt vier Phasen, die einem solchen Verlust folgen: da ist zunächst einmal der Moment, in dem der Hinterbliebene "das alles" gar nicht wahrhaben will, eine Zeit, in der er oder sie überhaupt nichts zu spüren vermeint, sich selbst (auch) als tot empfindet. Doch bald brechen die Gefühle durch: allerdings nicht immer die von der Umgebung erwarteten Tränen. Da können sich Wut und Freude mischen, Zorn, aber auch tiefe Niedergeschlagenheit. Fragen wie "Warum hast du mich verlassen?" tauchen auf, Schuldgefühle drängen sich in die Seele. Der Tod stürzt den Trauernden in ein Gefühls-chaos, das aber wichtig ist, um ein neues Verhältnis zu dem Toten zu erlangen. Das geschieht in der dritten Trauer-Phase: das innere Bild von dem Toten wird neu geordnet: Der Verstorbene ist nicht mehr nur gut oder böse, die Extreme lösen sich auf. Oftmals entdeckt der Hinterbliebene Fähigkeiten an sich, die er nur an seinen Partner gebunden sah. "Suchen und Sich-Trennen" nennt die Wissenschaftlerin Verena Kast diese Phase. Und schließlich, nach einer individuell unterschiedlichen Zeit - Monate oder Jahre später - gibt es einen neuen Bezug zur Umgebung. Der Trauernde hat sich verändert, hat Abschied genommen, und fängt ein neues, unabhängiges Leben an.

Wer glaubt, durch diese Prozesse nicht hindurch zu müssen, für den können Schwierigkeiten entstehen. Wenn die Seele nicht trauern darf, weil es gesellschaftlich nicht schicklich scheint, weil der Hinterbliebene meint, stark sein zu müssen, wenn Psychopharmaka genommen werden, um einsetzende Depressionen zu bekämpfen, dann kann sich der Körper wehren.

Männer scheinen dabei generell gefährdeter zu sein als Frauen.

Dem vermeintlich schwachen Geschlecht anzugehören bedeutet wohl bei der Trauerarbeit einen Schutz: Frauen dürfen sich eher emotional zeigen als Männer. Bei Vergleichen zwischen gleichaltrigen Männern, fanden Wissenschaftler heraus, daß die Männer, die einen Verlust zu betrauern hatten, bedeutend eher an Herzkrankheiten und Infektionen starben. Auch die Suizidrate war hier bedeutend höher als der Durchschnitt. Trauer kann, muß aber nicht krank machen. Aber die "Biologie des Trauerns", von der Mediziner heute sprechen, sieht bei den Hinterbliebenen eine größere Neigung zu Störungen im Atmungs-, Nerven- und Hormonsystem.

Und die Psyche tut ein übriges: wer glaubt, an der Trauer vorbeizukommen, der kann sich - oftmals erst nach Jahren - auf Depressionen, oder anscheinend unbegründbare Störungen in seiner Psyche gefaßt machen.

Neuere Studien aus Amerika zeigen aber auch, daß es durchaus Menschen gibt, die aufgrund ihres Charakters und ihrer körperlichen Disposition mit dem Verlust umgehen können. Menschen, die ohne fremde Hilfe auskommen und ohne Depressionen oder Verdrängung mit der Tatsache fertig werden, daß jemand nicht mehr da ist, den sie geliebt haben, mit dem sie lebten. Eine nicht zu vergessende Minderheit ist das. Für diese wird auch diese Sendung nicht so wichtig sein.

Aber die Mehrheit erlebt den Verlust anders. Und mehr als hundert Selbsthilfegruppen hier in der Bundesrepublik versuchen, sich dabei gegenseitig zu stützen und zu helfen.

Deutschlandfunk 29.11.89

Auf dem Friedhof
sehe ich Gräber
schön gepflegt
mit Blumen und Sträuchern.

Laßt mein Grab
verwildern
und gebt mir zu
Lebzeiten die Blumen.

Kristiane Allert-Wybranietz

weitere Hinweise zum Thema Tod und Trauer 


 
Mit freundlichen Empfehlungen
 
Humanistische AKTION

8/1999   


Suizid - Freitod

Zitate 

Der Selbstmord ist ein Ereignis der menschlichen Natur, welches einen jeden Menschen
zur Teilnahme fordert und in jeder Zeitepoche wieder einmal verhandelt werden muß.

Goethe, Dichtung und Wahrheit.

*

In der Gesetzgebung und der sozialen Organisation handle man nach dem Grundsatz, dass man vernünftigerweise nicht erwarten darf, Kranke, das heisst Personen, die sich durch ihre eigene Tätigkeit nicht am Leben erhalten können, durch die Tätigkeit anderer am Leben zu erhalten . . . Die Theorie, dass jeder lebende Mensch von unschätzbarem Werte sei, kann nicht in legale Praxis umgesetzt werden . . . Der Mensch, der mehr kostet als er wert ist, ist von einer folgerichtigen Hygiene so gut zum Tode verurteilt wie von einer folgerichtigen Volkswirtschaft.

George Bernard Shaw, Dramatiker (1856-1950)

*

"Wer abspringt, ist nicht notwendigerweise dem Wahnsinn verfallen, ist nicht einmal unter allen Umständen ´gestört´ oder ´verstört´. Der Hang zum Freitod ist keine Krankheit, von der man geheilt werden muß wie von den Masern. ... Der Freitod ist ein Privileg des Humanen."

Jean Améry, Schriftsteller (1912-1978)

*

"Ich finde es ganz toll, wenn man seinen Tod selbst wählt. Ich möchte nicht eines natürlichen Todes sterben, weil der natürliche Tod der schlimmstmögliche ist.
...
Ich möchte den Schluß nicht der Natur überlassen, sondern ihn selbst bestimmen. Ich will nur sagen, in 200 Jahren wird man lachen über unsere Unterhaltung, weil dann sowieso jeder Mensch seinen Todesaugenblick selbst bestimmt. Legal, organisiert, einwandfrei."

Martin Walser, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels in einem Interview in BUNTE 16.12.98. Er findet das dramatische Wort "Selbstmord" vollkommen untauglich und schlägt als Ersatz das einfache Wort "Schluß" vor.

Quelle: Otzelberger, Manfred, Suizid - Das Trauma der Hinterbliebenen - Erfahrungen und Auswege; Ch. Link, B. 1999

*

Freitod - gerade auch im reiferen Alter - ist ein Menschenrecht. Der Staat kann dazu beitragen, indem er Leiden lindern, verhindern und verkürzen hilft, z.B. durch die Freigabe einer menschlichen schmerzlosen Möglichkeit, sich zu verabschieden und damit auch Nahestehenden einen schweren Entscheid zu ersparen oder auch einem armen Lokomotivführer Leid zu ersparen.

Quelle: http://www.altersfreitod.ch/argumente.php

 

Jeder Mensch hat das Recht, Zeitpunkt und Art der
Beendigung seines Lebens selbst zu bestimmen.

(Vorschlag für einen Absatz 3 in Artikel 2 Grundgesetz)

  

Kriterien für einen nachvollziehbaren Suizid

Der "rationale Suizid"

Was diesen Suizid noch bemerkenswerter machte: Ein Jahr vor Nico Spejers Tod hatte Diekstra noch zusammen mit ihm Kriterien für einen nachvollziehbaren Suizid festgelegt, denen Spejers Suizid später vollauf genügte.
 

  • Die Wahl, das Leben durch Suizid zu beenden, basiert auf einer freien Willensentscheidung des betreffenden Menschen und geschieht nicht unter Druck von anderen.
     

  • Der Zustand dieses Menschen kann als Zustand unerträglicher körperlicher und/oder seelischer Schmerzen beschrieben werden, eine Besserung ist vernünftigerweise nicht zu erwarten.
     

  • Der Wunsch zu sterben kann als unerschütterlich einwandfrei festgestellt werden.
     

  • Der Mensch ist zu der Zeit, wo er sich entscheidet, Suizid zu begehen, im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte.
     

  • Der Suizid sollte in einer Weise durchgeführt werden, die anderen keinen unnötigen und verhinderbaren Schaden zufügt.
     

  • Der Helfende sollte im Gesundheitswesen qualifiziert sein. Sollte eine tödliche Dosis eines Medikaments verschrieben werden müssen, müßte immer ein Arzt beteiligt sein.
     

  • Schließlich sollte jeder Schritt, der getan wird, voll dokumentiert sein und die Dokumente sollten für die zuständigen Behörden bereitgestellt werden.

Mittlerweile sind diese Vorschläge in den Niederlanden längst von der Realität überholt worden. Spejers Suizid ist ein Paradebeispiel für das, was man heute "rationalen Suizid" nennt.

Quelle: Otzelberger, Manfred, Suizid - Das Trauma der Hinterbliebenen - Erfahrungen und Auswege; Ch. Link, B. 1999


 

Auswanderung ohne Rückkehr?

Ein Denk-Anstoß

Die zunehmende - bisher in diesem Ausmaß noch nie dagewesene - Überalterung unserer Gesellschaft und der schon jetzt bestehende menschenunwürdige Pflegenotstand könnten uns sehr bald dazu veranlassen, den Freitod auch so sehen zu lernen wie eine Auswanderung ohne Rückkehr und diese Handlung entsprechend zu kultivieren.

Es gibt Kulturen (Indianer, Japaner), in denen es normal ist, daß sich alte Menschen verabschieden und gehen. Es gibt sogar Stämme, bei denen Menschen im Alter von 30 Jahren Schluß machen, wenn ihnen - aus unserer Sicht verhältnismäßig geringfügige - Mißgeschicke widerfahren.

Es wäre wichtig, solche konkreten Beispiele zu sammeln und öffentlich zu diskutieren, um menschenwürdige Lösungen zu finden. Was derzeit im Fernsehen an Mißständen aus Pflegeheimen gezeigt wird, das ist untragbar, und es wird ganz sicher nicht besser werden. Und selbst bei einer noch so guten, ja vielleicht sogar idealen Pflege wird es Menschen geben, die - nach einem erfüllten Leben - ein Leben ausschließlich im Bett für nicht mehr menschenwürdig befinden.

In einer hochstehenden Kultur sollte es nicht nötig sein, einen sorgfältig durchdachten Freitod hinter einem Unfall verbergen zu müssen, um die Mitmenschen vor Schuldgefühlen oder gar Strafen zu schützen.

Rudolf Kuhr, 2007

 

Falls der Tod
aber gleichsam
ein Auswandern ist
von hier an einen anderen Ort,
und wenn es wahr ist,
was man sagt,
dass alle, die gestorben sind,
sich dort befinden,
welch ein größeres Glück
gäbe es wohl als dieses?

Sokrates

 



 

Ein authentischer Abschiedsbrief

 (Die Namen der fremden Personen und Orte wurden geändert)
 

Gerhard (11KB)
Gerhard Kuhr (1935-1967)
 

Wied 3.2.1967

Liebe Eltern, liebe Geschwister!

Zu Weihnachten war ich bei dem
Landesgemeindeleiter der Unitarier einge-
laden. Sehr nette, kultivierte Leute, haben
Baumschulen und wohnen auf einem etwas
abgelegenen Dörfchen. Ihr Sohn, etwa in
meinem Alter, hatte vor kurzem seinen
Dr. gemacht, hatte in einem Hamburger
Unternehmen eine sehr gute Stellung als
Dipl.-Kaufmann und war jung ver-
heiratet. Dann kam er vor ungefähr
einem halben Jahr bei einem Flugzeug-
unglück ums Leben. Die Unitarier
sind ausgesprochen lebensbejahend, glauben
jedoch nicht an ein Weiterleben und
Wiedersehen nach dem Tode. Sie vertreten
eine Diesseitsreligion, allerdings
von hoher Ethik. Trotzdem tragen
die Eltern den Tod ihres Sohnes, ihres
einzigen (!) Kindes mit bemerkenswerter
Fassung. Und das sollt Ihr
auch tun. Ich werde nämlich in
kurzer Zeit im Nirvana sein.

2

Das einzige, was mich jetzt noch bedrücken
könnte, wäre, dass Ihr Euch übermäßigen
Kummer antut. Damit würdet Ihr weder
Euch noch mir helfen. Ihr kennt ja
nun meine Einstellung zum Leben,
schon als Kind hatte ich den Spitznamen
"Muffel", Herr Fentrich sagte mal, ich
wäre ein "junger Greis". Ja, seitdem
ich anfing, darüber nachzudenken
erschien mir das Leben sinnlos. Unerträg-
lich wird es aber, wenn man überhaupt
kein Ziel hat, das man anstreben kann.
Manche haben mir gesagt, solch ein Ziel
muß man sich eben suchen. Ich meine
aber, das muß sich irgendwie von selbst
ergeben, muß einem als selbstverständlich
erscheinen. Alles andere ist seelische
Selbstbefriedigung und Feigheit oder
Eitelkeit, sich die Sinnlosigkeit auch
des eigenen Lebens einzugestehen.
Man kann ja auch scharfen Käse oder
Salzheringe essen, um Durst zu erzeugen
und trinken zu müssen. Aber: lasse
ich das eine, erspare ich mir das
andere. Beende ich mein Leben, erspare
ich mir Enttäuschungen. Depressionen
und das unbeantwortete Fragen nach dem
"Warum?"

3

Ihr sollt aber nicht glauben, daß ich
furchtbar verzweifelt bin, oder Qualen
auszustehen habe. Ich bin nur völlig
apathisch geworden. Meine einzige Freude
war noch meine Waffensammlung. Aber
wenn ich in letzter Zeit ein neues, schönes
Stück erwerben konnte, sagte ich mir
gleich, dass ich es ja hier lassen muß,
wenn ich abgehe, dass das, wofür ich
Interesse hatte, vielleicht beim Schrott-
händler landet. Dabei habe ich mir viel
Mühe gegeben bei der Instandsetzung der
Sachen, zwei Gefäße von Floretts habe ich
selbst gemacht. Alles umsonst, alles
sinnlos. Mich langweilt alles. Ich habe
zwar verschiedene Interessen, wie eben
Waffensammeln, Fechten, Judo, Musik usw.,
aber ich bin leider zu faul, mich ent-
sprechend zu betätigen. Also langweile
ich mich. Ich habe in letzter Zeit
Sonntags fast immer im Bett gelegen.
Ohne den Kopf zu heben, konnte ich
die Bäume des nahen Waldes sehen, und
wenn dann die Sonne sanft ins Fenster
schien , ärgerte ich mich, daß ich im
Bett lag. Aber ich war zu träge, auf-
zustehen.

4

Ich fühle mich manchmal einsam,
aber ständig Gesellschaft oder gar Ehe
würde mir auf die Nerven gehen.
Wenn ich mich unbeobachtet glaube, halte
ich Selbstgespräche, nachts träume ich
mit solcher Deutlichkeit, dass ich Traum
und Wirklichkeit fast nicht mehr unter-
scheiden kann. Im Halbschlaf dagegen
ziehen Bilder, Eindrücke und Gedanken
so kurz und zusammenhanglos an
mir vorüber wie in einem Kaleidoskop.
Ich habe manchmal selbst den Eindruck,
daß ich so allmählich anfange, zu
spinnen. Solange man sich selbst darüber
noch Gedanken machen kann, geht es ja
noch, aber man soll es ja gar nicht erst
zum Äußersten kommen lassen, schließ-
lich wäre die Entscheidungsfreiheit so
eingeschränkt, dass man nur noch so
irgendwie dahinvegetiert. Oder dazu
gezwungen wird. Aber, wie gesagt,
das schlimmste ist, dass mich alles
langweilt und anödet, obwohl man
mich doch wohl nicht als stupide
bezeichnen kann. Nur, wenn ich am
Morgen erwache, frage ich mich, was
dieser Tag bringen wird. Antwort:

5

Nichts anderes als der vergangene und
der kommende. Man arbeitet, um zu
leben, und man lebt, um zu arbeiten.
Ist das nicht Irrsinn? Zwar fallen
zuweilen einige kleine Freuden ab, aber
da steht der Einsatz in keinem vernünf-
tigen Verhältnis zum Gewinn. Und
schließlich: Einfacher, als Bedürfnisse
zu befriedigen, ist keine Bedürfnisse
zu haben. Ihr habt Schopenhauers Werke,
lest mal das Kapitel: "Charakteristik des
Willens zum Leben", da wird Euch mein
Standpunkt klar. Ihr braucht nicht
etwa zu bedauern, dass ich vielleicht
von falscher Lektüre mich habe be-
einflussen lassen; ich habe bei
Schopenhauer meine Ansichten nur
bestätigt und besser ausgedrückt gefunden.
Ich habe auch nicht die Absicht, Euch
etwas vorzujammern, ich möchte Euch
nur meinen Entschluß verständlich
machen.
Nun möchte ich Euch noch sagen,
daß ich mit meinem Leben gar nicht
unzufrieden bin. Ich denke gern
zurück an meine Familie, meine Heimat,
meine Kindheit und meine Jugend.

6

Falls ich noch mal auf die Welt käme,
was ich weder glaube noch wünsche,
könnte ich mir keine bessere Um-
gebung denken, als die, in der ich auf-
gewachsen bin, auch wenn ich oftmals
dachte, andere hätten es besser. Ich sage
das nicht, weil ich nichts anderes kenne
oder mir vorstellen kann, auch
nicht, um Euch zu beruhigen oder gar
zu schmeicheln, sondern aus ehrlicher
Überzeugung. Wenn man nun bedenkt,
(man kann es gar nicht), wie lang die
Ewigkeit ist, so ist es doch völlig
gleichgültig, ob man heute oder in
50 Jahren stirbt. Einmal ist es auf
jeden Fall so weit, und wenn einem
das Leben keinen rechten Spaß mehr
macht, dann sollte man sich auch
ruhig vor der üblichen Zeit verabschieden.
Ich finde es übrigens viel würdiger,
das Ende des Lebens selbst festzusetzen,
als dies Bakterien, Unfällen oder der
Altersschwäche zu überlassen.
Was natürlich nicht heißen soll, dass
andere meinem Beispiel nacheifern
sollten. Jeder muß eben selbst wissen,
was für ihn das beste ist.

7

Wenn ich außer meiner Veranlagung
zum Nihilismus noch etwas anderes
für mein Schicksal verantwortlich machen
kann oder will, so ist es die politische
Entwicklung nach 1945. Wir alle
hatten uns bis zu diesem Zeitpunkt
wohl vieles anders vorgestellt? Manch-
mal denke ich, meine wehmütigsten
Erinnerungen gelten dem alten, unzer-
störten Halberstadt. Ich könnte noch
den Grundriß von Laden, Kontor und
Werkstatt in der Schmiedestraße auf-
zeichnen, obwohl ich dort vor mehr
als 20 Jahren zum letzten Mal
gewesen bin. Von dem was am weitesten
zurückliegt, erinnere ich mich mancher
Waldspaziergänge mit Großvater Kuhr,
aber auch an unsere Oma, desgleichen
an Besuche beim "Ander-Opa" in
Blankenburg. Na, einmal ist eben
alles vorbei, mit allen Menschen, mit
Euch und auch mit mir.
Wenn ich Euch um eins bitten darf:
keinerlei Trauer um mich!
Ihr dürft vielmehr stolz darauf
sein, daß ich sowohl Mut als auch

8

Einsicht genug hatte, abzutreten.
Wenn Euch jemand fragt: "Wie geht
es Gerhard?" Dann sagt ihm: "Es geht
ihm gut, er ist tot!" Fröhlich lächelnd!
Noch einige bescheidene, aber ernst gemeinte
Wünsche: Keine Trauerkleidung, auch
keinen Trauerflor, keine Zeitungsanzeige,
keine Trübsal. Am liebsten wäre es mir,
wenn ich verbrannt und meine Asche in
alle Winde verstreut würde. Aber
das ist nicht so wichtig. Auf jeden
Fall bin ich gegen Pfaffengeschwätz,
Grabstein oder Kreuz und Blumen-
schmuck. Nichts von alledem!
Mir genügt es völlig, dass ich weg bin.
Nur möchte ich nicht gern als Übungs-
objekt für Anatomiestudien von
Medizinstudenten dienen. Ansonsten
ist mir alles egal.
 
   Euch, liebe Eltern und Geschwister,
   alles Gute wünschend
     Euer Sohn und Bruder
                                 Gerhard.

Wied, 3.2.67

Lieber Rudi!

Aus beiliegendem Brief kannst Du entnehmen, was los ist. Alles geht zunächst an Dich, ich bitte, es weiterzuleiten. Teile doch bitte den Eltern mit, daß ich bis zuletzt heiter und ausgeglichen war. Vielleicht beruhigt sie das etwas. Ich kann mir vorstellen, daß Dir die Geschichte z. Z. etwas ungelegen kommt, da Du durch Dein Geschäft stark in Anspruch genommen bist. Du wirst wohl einige Tage Urlaub nehmen müssen, wenn Du das Telegramm erhältst. Ich habe aber bei Kellers die Miete auch für Februar bezahlt, Du kannst also so lange in meinem Zimmer wohnen, bis Du alles in Ordnung gebracht hast. Es wäre doch schade, wenn alle meine Sachen in fremde Hände gerieten. Allein meine Bücher sind wohl ziemlich viel wert. Beiliegender Schuldschein soll besagen, daß alles, was ich besitze, Dir so wie so gehört, da Du sonst, wenn Du mich beerbst, auch für meine Schulden aufkommen müßtest. Es handelt sich hier zwar nur um die Kosten für meine Beerdigung oder sonstige Beseitigung meines Kadavers, aber ich habe vergleichsweise die meisten Steuern und Sozialabgaben bezahlt (St.-Kl. 1) ohne jemals die Krankenkasse in Anspruch genommen zu haben. Da darf denn also der geliebte Vater Staat sich ruhig um die Beseitigung meiner Überreste bemühen.

Da ich trotzdem mit einer sogen. Haussuchung rechne, werde ich meine Feuerwaffen entweder zu G. Jäger, Bergfeld, Ahornstr.5 oder zu Fr. Braun, Oberhalden, Hauptstr. 4 (Tel. 35792) bringen. Beide sind aber wahrscheinlich nur abends zu erreichen. Ich glaube, die guten Jägers sind mir etwas gram, da ich "das Haus Ludendorff" gelästert habe. Dem "Feldherrn" und die "große Philosophin". Ich wollte zwar weder die Ludendorffs, noch die Jägers beleidigen, habe letzteren nur gesagt, was ich auch Dir schon mal geschrieben hatte. Ich hatte nur gesagt: "Selig, wer da glaubt an Mathilde und wandelt "im Geiste der Gotterkenntnis".

Ansonsten habe ich mich auf sachliche Widersprüche beschränkt. Wenn Du also den Eindruck hast, daß die Jägers mir nichts übelnehmen, dann schenk Günter die 08 Patronen (9mm Para) und biete ihm den Karabiner 30 M 1 für 300,- an. Sonst ist diese Waffe wert 350,-. 4 Ersatzmagazine á 10,-, 120 Patr. á 0,25 (vor einigen Jahren; heute schon 0,50) Also, falls Du selbst keine Verwendung dafür hast und die Jägers mir nicht allzu übelgesonnen sind. Werner Fischer in Dengen, Oberstr. 3, hat eine KK-Scheibenbüchse mit Diopter 80,- und eine Futteral sowie 1 neuen 08-Lauf 15 cm von mir. Wenn Du dafür 100,- verlangst, ist er gut davongekommen.

Den Revolver und die Pistole "Astra" Cal. 22 kurz wirst Du wohl selbst behalten wollen. Hierzu und ganz allgemein möchte ich sagen, daß man einen Hahn nie leer abschlagen lassen, sondern immer mit dem Daumen langsam vorlassen soll. Der Revolver darf auch nicht mit Ballistol oder anderen alkalischen Öl gereinigt werden, da der Rahmen aus Spritzguß (also kein Stahl oder Eisen) besteht und nur gewöhnliches Öl verträgt. Sonst ist ein Revolver zuverlässiger als eine Pistole, vorausgesetzt, daß er nicht beschädigt ist. Also ausprobieren! Das Luftgewehr ist etwa 120,- wert; eine moderne Sportarmbrust kostet zw. 600,- - 1000,- lt. "Waffenjournal", ist aber lange nicht so dekorativ wie meine, die zwar auch nur eine Kopie ist, die ich aber für unter 500,- nicht hergeben würde. Wenn Du meine Hieb- und Stichwaffen verkaufen willst, was mir allerdings leid täte, so ist jede im Durchschnitt 50,- wert, die eine mehr, die andere weniger. Meine Arbeitszeit noch nicht mitgerechnet. Von den Zeitungen und Zeitschriften ist vor allem das "Deutsche Waffen-Journal" interessant, das ich bis heute vollständig habe. Für die ersten Ausgaben werden heute schon Überpreise gezahlt.

Es ist ja eigentlich Unsinn, daß ich mir um meine Hinterlassenschaft noch Sorgen mache. Aber ich glaube doch, daß es sich für Dich lohnt, mein Erbe anzutreten. Falls Du nicht alles in Deinem Wagen unterbringen kannst, möchte ich Dir empfehlen, das Übrige in Bahn-Kollies nach Braunschweig zu schaffen. Schick doch bitte das Buch "Kontiki" an Beck, Adresse beiliegend. Ich bin auch dazu zu faul. Ich glaube, den Ring im german. Stil mit dem gedrillten Draht hätte Bärbel gern. Er ist allerdings nicht enger zu machen, etwas weiter nur durch Ausfeilen. Wenn Du diese ausführlichen Anweisungen gelesen hast und wenn ich Dir schreibe, daß ich diese beiden Briefe in einer Kneipe von 12.oo bis o.15 (Fernsehen Mainzer Karneval, sehr amüsant) verfaßt habe, wirst Du unseren Eltern sicher glaubhaft versichern können, daß ich vergnügt und froh in's bess're Land gegangen bin.

Ja, lieber Rudi, versuch bitte, Vati und Mutti klar zu machen, daß sie keinen Grund haben, mich zu bedauern oder zu betrauern.

Wenn Du hier her kommst, wende Dich also entweder an Jäger oder an Braun.

Euch allen wünscht alles Gute

Euer Gerhard.
Geige (10KB)
 
Diese goldene Geige wurde von Gerhard Kuhr als Gesellenstück im Goldschmiede-Handwerk angefertigt.
Ebenfalls von ihm sind 35 Miniaturen historischer Hieb- und Stich-Waffen sowie eine germanische Lure
auf dieser Seite.


 
 

Ein Briefwechsel
über die Bedeutung eines Abschiedsbriefes für Hinterbliebene

(Name der Absenderin wurde verändert)

07.07.2015

Sehr geehrter Herr Kuhr,
am 7.6.2015 hat mein Bruder sich das Leben genommen. Er wurde 34 Jahre alt, hinterlässt seine Ehefrau und seine 7-jährige Tochter, hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen und es fehlt jegliche Erklärung für seine Entscheidung.
Auf der Suche nach Antworten bin ich auf Ihre Seite gestoßen.
Dort habe ich den Abschiedsbrief von Gerhard Kuhr gelesen und er hat mich sehr berührt, weil ich das Gefühl habe, dass er erklärt hat, was mein Bruder versäumt hat, als Nachricht zu hinterlassen. Teile dieses Briefs habe ich am vergangenen Freitag bei der Beisetzung meines Bruders vorgelesen.
Für alle nahen Angehörigen war dieser Brief eine tröstende Erklärung für diese unfassbare Entscheidung unseres Bruders.

Darum möchte ich Ihnen ganz herzlich dafür danken, dass Sie diesen ins Netz gestellt haben!

Herzliche Grüße
Deriya Seefeld

 
11.07.2015

Liebe Frau Deriya Seefeld,
danke für Ihre Mitteilung. Es ist mir sehr wichtig, zu erfahren, daß die Gedanken in dem Abschiedsbrief meines Bruders auch von anderen Betroffenen gelesen und teilweise auch weitergegeben werden.
So konnte in Ihrem Fall allen nahen Angehörigen eine tröstende Erklärung
zuteil werden und es wird wahrscheinlich auch ein Annehmen und Verarbeiten des Geschehens erleichtern.

Mit guten Wünschen
und herzlichen Grüßen
Rudolf Kuhr
 

14.07.15

Lieber Herr Kuhr,
vielen Dank für Ihre Antwort.
So werden die Worte Ihres Bruders für mich noch wertvoller - es ist nicht mehr eine "anonyme" Website, von der ich den Brief habe, sondern eine Nachricht, ins Netz gestellt von einem Menschen mit einer Absicht dahinter. Das tut mir wirklich sehr gut und ich bin Ihnen sehr dankbar dafür.
Nachdem ich seinen Brief vorgelesen hatte, sagte die Witwe meines Bruders: "In diesem Abschiedsbrief sind so viele Gedanken, die Charif genauso hätte sagen können - ich bin nicht mal sicher, ob er sie nicht auch wirklich irgendwann so gesagt hat." Mir geht es ebenso

Ihnen alles Gute und herzliche Grüße zurück
Deriya Seefeld
 

zum Abschiedsbrief von Gerhard Kuhr auf dieser Netzseite

 


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"Kein Platz für Individualisten"

Der vollständige Abschiedsbrief, den Sebastian B. im Internet hinterlassen hat,
bevor er auf seinen suizidalen Rachefeldzug in seiner Schule in Emsdetten zog

Unverständlich ist, warum nicht nur die Videos, sondern auch der Abschiedsbrief des Amokläufers schnell aus dem Web beseitigt wurde. Es ist ein Dokument, das die Motive und die Verzweiflung des 18-Jährigen deutlichen werden lässt, vor allem auch, dass es nicht wirklich um Killerspiele geht, wie manche Politiker dies meinen ( "Ich hasse es, überflüssig zu sein" (1)). Der Brief schildert sicherlich die Erfahrungen eines Jugendlichen, wie sie nicht nur er macht. Er zeigt die gesellschaftlichen Hintergründe und Zwänge, an denen manche Jugendliche - nicht unbedingt die Schlechtesten - verzweifeln, weil sie keinen aufrechten Ausgang aus der Situation finden und ihnen nirgendwo einer angeboten wird. Damit in der Diskussion nicht nur die reißerischen Themen und Aspekte, sondern auch die Überlegungen und die Befindlichkeit des Jugendlichen berücksichtigt werden können, der sich zu Mord und Selbstmord entschlossen hat, haben wir den Abschiedsbrief veröffentlicht. Mit solchen verzweifelten Taten von Menschen, die überflüssig sind oder sich als solche fühlen, werden wir vermutlich nicht das letzte Mal zu tun haben. Anstatt selbst argumentativ und erklärend loszuschießen, sollte man auch einmal kurz zuhören. - Florian Rötzer

Der Brief

Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht "das wird schon", aber das wird es nicht.

Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein Leben zu lernen, um später ein schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus, die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!

Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin. Für die ersten Jahre an der GSS (Geschwister-Scholl-Schule) stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe danach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.

Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das sie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde. Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen "Freunde". Hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen, aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.

Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen? Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere?

Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft.

Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die selbst denken, und nicht solche "Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ" Idioten!

Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!

Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam, fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!

Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!

Ich will dass ihr erkennt, dass niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!

Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!

Ich will nicht länger davon laufen!

Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!

Ich will R A C H E !

Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:

1. Ich ging nicht nur in eine Klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule. Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief! Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelevand wo ich da anfange.

2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten Schule!

Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseligste was die Welt zu bieten hat! S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod. Das ist der Lebenslauf eines "normalen" Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal?

Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jegliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!

S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung. Das Kind begibt sich auf seine persönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen.

Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gezwungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit!

Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!

WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!

Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie "Wir halten nun alle zusammen" oder "Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen". Doch das machen sie nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso... niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater-Aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!

Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige...einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den Begriff "Türken" benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist... und dann kommen sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassen hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI)

Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!

Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!

Weil ich weiss dass die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.

Als letztes möchte ich den Menschen die mir was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!

Ich bin weg...

(1) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24030/1.html
Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24032/1.html
11/06

*

Nahrung für die Seele!

Die Menge an Lehrstoff, mit der die Jugend überladen wird, ist der größte Fehler, den wir heute begehen. Die Kultur scheint bei der Jugend verschwunden zu sein, und die Inspiration fehlt. Wir sind uns nicht bewußt, was für junge Menschen nötig ist. Wir vermitteln ihnen keine Ideale, noch Eindrücke, die sie veranlassen könnten, etwas Großes erreichen zu wollen. Es scheint eine Art von Uniformität in der Jugend vorzuherrschen. Wegen dieser uniformierten Erziehung erhält das Kind keine Nahrung für seine Seele, die es nötig hat, um das zu werden, wofür es geboren wurde.

Die Jugend hat den Enthusiasmus, alles aufzunehmen, was ihr entgegenkommt, es sich zu eigen zu machen und wieder zum Ausdruck zu bringen. Aber wenn die Jugendzeit nur damit verbracht wird, den ganzen Tag hart zu arbeiten und sich zu mühen, um Prüfungen zu überstehen, während nur wenig Zeit zur Erholung übrig bleibt, dann ist das nicht ausreichend zur Erfüllung der Lebensaufgabe.

aus Hazrat Inayat Khan: 'Wanderer auf dem inneren Pfad'

 

In den Herzen
der folgsamen
Kinder
nistet
knisternd und
raschelnd
die Rache

H.C. Flemming

*

Freund, der Mensch ist gut, und will das Gute
er will nur dabei auch wohl sein, wenn er es tut
und wenn er böse ist, so hat man ihm sicher
den Weg verrammelt,
auf dem er gut sein wollte.

Heinrich Pestalozzi, Pädagoge (1746-1827)

*

Wenn der Mensch fähig sein soll zu lieben,
muß seine Entfaltung das höchste Ziel
der Gesellschaft sein.


Erich Fromm, Psychoanalytiker (1900-1980)

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Mit freundlichen Empfehlungen 
Humanistische AKTION
9/2002  

 
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Aktualisiert am 18.07.15