Zitate zu Religion 3

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Achtung, die Zitate können Gefühle verletzen!
Sollte dies so sein, liegt es weniger an den Zitaten als an einer mangelnden inneren Sicherheit des Lesers. Ein vernünftiger Glaube wird durch Zweifel nicht erschüttert, sondern gefestigt.

 

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Nicht ist es diese oder jene meiner Meinungen, um derentwillen ich verfolgt wurde und werde, sondern die Feindschaft der Jesuiten.

Galileo Galilei, Physiker (1564-1642)

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Ich kann ohne das mindeste Zögern sagen, daß, wer behauptet,
Religion habe nichts mit Politik zu tun, nicht weiß, was Religion bedeutet.

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Ich glaube zwar, daß die Hauptbücher der großen Weltreligionen inspiriert sind, doch sie leiden unter einem zweifachen Destillationsprozeß: zuerst gehen sie durch den Mund eines menschlichen Propheten; dann durch die Kommentare der Interpreten. Nichts daran kommt direkt von Gott - und da seine Botschaft durch das unvollkommene menschliche Medium weitergegeben wird, ist sie mehr oder weniger anfällig für Entstellungen. (All Religions Are True, S.20-21, 1962 Mohandas Karambachand, Bombay, Bahratyia Vidya Bhavan)

Mahatma Gandhi, Politiker (1869-1948)

*

Nero hat nie daran gedacht, die Christen als solche verfolgen zu lassen.

Johannes Geffken

*

Es ist der Glaub' ein schöner Regenbogen,
Der zwischen Erd' und Himmel aufgezogen,
Ein Trost für alle, doch für jeden Wandrer,
Je nach der Stelle, da er steht, ein andrer.
...
Was einst Trost und Heil der Massen,
Ward zur Satzung dumpf und schwer;
Dieser Kirche Formen fassen
Dein Geheimnis, Herr, nicht mehr.
...
Statt sich des Wissens der Welt zu bemächtigen, zieht sich die Kirche
Von den Gedanken des Tages weiter und weiter zurück,
Lebt in vergangener Zeit und spricht in verschollenen Zungen,
Ach, und verwundert sich dann, daß sie der Tag nicht versteht.

Emanuel Geibel, Dichter (1815-1884)

*

Was viele glauben, glaubet nicht!

Christian Fürchtegott Gellert, Dichter (1715-1769)

*

Die Kultur muß begreifen, daß sie mit dem Versuch, das Christentum zu absorbieren, etwas für sie selbst Tödliches absorbiert. Sie versucht, etwas zuzulassen, das sie nicht zulassen kann; etwas, das sie verneint.

Andre Gide, Schriftsteller (1869-1951)

*

Der Mensch ist meine Passion. Ich glaube nicht an Gott. Ich sage das ohne atheistisch missionieren zu wollen. Ich lasse jedem seinen Glauben, aber ich bin fest davon überzeugt, daß Gott eine Projektion des Menschen ist, nicht daß Gott den Menschen nach seinem Ebenbild, sondern der Mensch Gott nach seinem Ebenbild geformt hat, aus dem tiefen Bedürfnis dieses verletzbaren, körperlich und seelisch verletzbaren, dünnhäutigen Wesens Mensch, aus seinem Bedürfnis, aus seiner Bedürftigkeit nach Gott heraus sucht er jemand, den er ansprechen kann, von dem er Hilfe erwarten kann. - Was kommt nach dem Tod? Nichts! Nichts! Dieses Leben ist das einzige, es hat vorher nichts gegeben, es wird nachher nichts geben.

Ralph Giordano, Schriftsteller *1923

*

Auswahl-Religion

Ich halte von Religion so viel, daß ich darin die naturgegebenen Problemfelder des Menschen angesprochen sehe. Der religiöse Mensch möchte über sich Bescheid wissen. Er sucht, seine Sinne auszuschöpfen, um zu wissen, was mit ihm ist und mit ihm passiert. Dass in dem Zusammenhang auch die Gottesfrage auftaucht und beantwortet werden möchte, halte ich für einen Begleiteffekt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass man nicht sehr präzise über Gott Bescheid wissen muss, um ein religiöser Mensch zu sein. Man kann auch als bloß fragender und sich selbst nicht einfach genügender Mensch ein religiöser Mensch sein ...

Die Gewissensfrage wird zukünftig mit Sicherheit in allen Religionen eine große Rolle spielen. Der Einzelne wird mehr als bisher genötigt sein, sich ein religiöses Urteil zu bilden. Er wird sich in den Grundfragen des religiösen Empfindens zu befragen haben, wird sich über die Chancen und die Grenze des Menschseins verständigen und sich überlegen müssen, was er meint, wenn er Gott sagt. Dabei wird er selbstverständlich zuerst seine eigene Religion kritisch befragen müssen, was für ein Gottesbild sie ihm vermittelt. Eine künftige Religion im postkirchlichen Zeitalter könnte eine Art 'Auswahl-Religion' sein, die sich in intensiver Durchleuchtung eigener und fremder Antworten auf Lebensfragen eine individuelle Bahn sucht.

Prof. theol. Manfred Görg *1938
in einem Interview in CONTUREN Nr. 3/2000

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Alle gesunden Menschen haben die Überzeugung eines Daseins und eines Daseienden um sich her. Indessen gibt es auch einen hohlen Fleck im Gehirn, das heißt eine Stelle, wo sich kein Gegenstand abspiegelt. Wird der Mensch auf diese Stelle besonders aufmerksam, vertieft er sich darin, so verfällt er in eine Geisteskrankheit, ahnet hier Dinge aus einer anderen Welt, die aber eigentlich Undinge sind. (Diwan IV 1816)
...
Dich vermag aus Glaubensketten
der Verstand allein zu retten.
...
Mist tut mehr Wunder als die Heiligen.
...
Offen stehet das Grab. Welch herrlich Wunder, der Herr ist auferstanden!
Wer's glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.
...
Unsterblich ist die Pfaffenlist.
...
Von Sonn´ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich seh nur wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt´s Vernunft und braucht´s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.

("Mephistopheles zum Herrn" aus Goethe, Faust I.Teil)
...
... nennen sich Christen, und unter ihrem Schafspelz sind sie reißende Wölfe.
...

Du nennst das Evangelium die göttlichste Wahrheit? Mich würde eine vernehmliche Stimme aus dem Himmel nicht überzeugen, daß das Wasser brennt und das Feuer löscht und ein Weib ohne Mann gebärt und ein Toter aufersteht; vielmehr halte ich dies für Lästerungen gegen den großen Gott und seine Offenbarung in der Natur. In diesem Glauben ist es mir ebenso heftig ernst wie Dir in dem Deinen. (Goethe an Lavater 9.8.1782)
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Man muß etwas zu sagen haben, wenn man reden will. Ich bedaure immer unsere guten Kanzelmänner, welche sich seit 2000 Jahren durchgedroschene Garben zum Gegenstand ihrer Tätigkeit wählen müssen. (Goethe an Fr.von Müller 16.8.1798)
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Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch' allein meine lieben Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.
...
Ist denn so groß das Geheimnis, was Gott und der Mensch und die Welt sei? / Nein! Doch niemand hört's gerne; da bleibt es geheim. (Venetianische Epigramme 1790)
...
Zwar überließ ich gern einem jeden, wie er sich das Rätsel seines Lebens zurechtlegen und ausbilden wolle. Aber die Art, auf einem abenteuerlichen Lebensgange alles, was uns vernünftigerweise Gutes begegnet, einer unmittelbaren göttlichen Einwirkung zuzuschreiben, erschien mir doch zu anmaßlich, und die Vorstellungsart alles, was aus unserem Leichtsinn und Dünkel übereilt oder vernachlässigt, schlimme, schwer zu ertragende Folgen hat, gleichfalls für eine göttliche Pädagogik zu halten, wollte mir auch nicht in den Sinn. (Dichtung und Wahrheit XVI 1775)
...
Die Bauart der Markuskirche in Venedig ist jeden Unsinns wert, der damals darinne gelehrt oder getrieben sein mag. Alle diese Bemühungen, eine Lüge geltend zu machen, kommen mir schal vor, und die Mummereien, die für Kinder und sinnliche Menschen etwas Imposantes haben, erscheinen mir, auch sogar, wenn ich die Sache als Künstler und Dichter ansehe, abgeschmackt und klein.
...
Vom Theater und den kirchlichen Zeremonien bin ich gleich übel erbaut, die Schauspieler geben sich viel Mühe um Freude, die Pfaffen, um Andacht zu erregen, und beide wirken nur auf eine Klasse, zu der ich nicht gehöre. (an Karl August, Rom 3.2.1787)
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Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte;
Geht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.
(Zahme Xenien 9)
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Dem auserwählten Volke wollen wir die Abstammung von Adam keineswegs streitig machen. Wir anderen aber ... hatten gewiß auch andere Urväter. (an Eckermann)
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Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen ist für vornehme Stände und besonders für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben. Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu wirken hat, läßt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser. (zu Eckermann am 25.2.1824)
...
Berangers Haß gegen die Herrschaft der Pfaffen und gegen die Verfinsterung, die mit den Jesuiten wieder einzubrechen droht: Das sind denn doch Dinge, denen man wohl seine völlige Zustimmung nicht versagen kann. (zu Eckermann 1830)
...
Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.
...
Mit Kirchengeschichte was hab' ich zu schaffen?
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen;
Wie's um die Christen steht, die Gemeinen,
Davon will mir gar nichts erscheinen.
...
Das könnte mich zur Verzweiflung treiben.
Wenn von dem Volk, das mich hier bedrängt,
Auch würde die Ewigkeit eingeengt.
Das wäre doch nur der alte Patsch
Droben gäb's nur verklärten Klatsch.
...
Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen und sich gegen die Obermacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können. (an Jacobi 1.6.1791)
...
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. (Faust 1)
...
Lavater hat auch in Weimar spioniert, unser entschiedenes Heidentum hat ihn aber sowie das allgemeine Mißtrauen, bald verscheucht. (an Jacobi 1790)
...
Ich bin nun einmal einer der ephesischen Goldschmiede, der sein ganzes Leben im Anschauen und Anstaunen und Verehrung des wunderwürdigen Tempels der Göttin Natur und in Nachbildung ihrer geheimnisvollen Gestaltung zugebracht hat und dem es unmöglich eine angenehme Empfindung erregen kann, wenn irgendein Apostel seinen Mitbürgern einen anderen und noch dazu formlosen Gott aufdrängen will. (an Jacobi 10.5.1812)
...
Wie einer ist, so ist sein Gott;
Darum ward Gott so oft zum Spott.
...
Den deutschen Mannen gereicht es zum Ruhm,
daß sie gehaßt das Christentum,
bis Herrn Carolus' leidigem Degen
die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
bis endlich die Pfaffen sie bezwungen
und sie sich unters Joch geduckt.
(Zahme Xenien 1815)
...
Viele folgen dir gläubig und haben des Lebens rechte Wege verfehlt, wie es dir selber erging. - Folgen mag ich dir nicht; ich möchte dem Ende der Tage als ein vernünftiger Mann, als ein vergnügter mich nahen. (Venetianische Epigramme 1790)
...
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht mir verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um:
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm!
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, läßt sich ergreifen.
Er wandle so den Erdentag entlang;
Wenn Geister spuken geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er! unbefriedigt jeden Augenblick! (Faust 2)
...

Ich bin, indem ich den patriarchalischen Überresten nachspürte, in das alte Testament geraten und habe mich aufs neue nicht genug über die Konfusion und die Widersprüche der fünf Bücher Mosis verwundern können, die denn freilich - wie bekannt - aus hunderterlei schriftlichen und mündlichen Traditionen zusammengestellt sein mögen. (an Schiller 12.4.1797)
...
Ich glaubte an Gott und die Natur und den Sieg des Edlen über das Schlechte; aber das war den frommen Seelen nicht genug; ich sollte auch glauben, daß Drei Eins sei und Eins Drei; das aber widerstrebte dem Wahrheitsgefühl meiner Seele; auch sah ich nicht ein, daß mir damit auch nur im mindesten wäre geholfen gewesen.
...
Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge
Duld ich mit ruhigem Mut, wie es ein Gott mir gebeut.
Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider
Viere: Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und Kreuz.
...
Mir willst du zum Gotte machen
Solch ein Jammerbild am Holze!
...
Das leidige Marterholz, das Widerwärtigste unter der Sonne, sollte kein vernünftiger Mensch auszugraben und aufzupflanzen bemüht sein. Das war ein Werk für eine bigotte Kaiserin-Mutter; wir sollten uns schämen, ihre Schleppe zu tragen. (An Zelter, 9.06.1831)
...
Es werden wohl noch zehntausend Jahre ins Land gehen, und das Märchen vom Jesus Christus wird immer noch dafür sorgen, daß keiner so richtig zu Verstande kommt.
...
Wer das höchste will, muß das Ganze wollen, wer vom Geiste handelt, muß die Natur, wer von der Natur spricht, muß den Geist voraussetzen oder im stillen mitverstehen
...
Eine jede Idee tritt als ein fremder Gast in die Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginnt, ist sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden.
...
Jede große Idee, die als ein Evangelium in die Welt tritt, wird dem stockenden Volke ein Ärgernis und einem Viel-, aber Leichtgebildeten eine Torheit.
...
Die Teile habt ihr in der Hand, allein es fehlt das geistige Band.
...
Freunde, flieht die dunkle Kammer,
Wo man euch das Licht verzwickt
Und mit kümmerlichstem Jammer
Sich verschrobnen Bildern bückt.
Abergläubische Verehrer
Gab's die Jahre her genug,
In den Köpfen eurer Lehrer
Laßt Gespenst und Wahn und Trug.
(Zahme Xenien VI.)
...
Die Menschen verdrießt's, daß das Wahre so einfach ist. Sie sollten bedenken,
daß sie genug Mühe haben werden, es praktisch zu ihrem Nutzen anzuwenden.

Johann Wolfgang Goethe, Dichter (1749-1832)

*

Denken ist allen erlaubt, doch vielen bleibt es erspart.

Curt Goetz, Schriftsteller (1888-1960)

*

Gott ist die aufs Lächerlichste vermenschlichte Erfindung der ganzen Menschheit. In den Jahrmilliarden, die unsere Erde alt ist, sollte sich Gott erst vor 4000 Jahren den Juden und vor knapp 2000 Jahren den Christen offenbart haben, mit deutlicher Bevorzugung der weißen Rasse unter Vernachlässigung der Schwarzen, der Gelben und der Rothäute? Auf solche Märchen kann ich mühelos verzichten.

Claire Goll, Dichterin (1890-1977)

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Obwohl schon lange Christus die Menschen vom Fluche des Gesetzes erlöst hat, kommen die Mönche immer wieder, setzen Regeln und Satzungen und schmieden sich selbst Ketten, die sie, gerade wie die Juden des alten Testamentes ihre Gesetze, für notwendig halten zur Erlangung der Gerechtigkeit. Wie jene dienen sie dem Gesetze des Buchstabens und seufzen unter seiner Knechtschaft, wie ehemals Israel, bevor der Erlöser auf die Erde kam.
...
Als ich ins Kloster eintrat, hoffte ich dort Menschen von Seelenadel zu finden. Aber ich fand entweder Menschen, von maßloser Herrschsucht beseelt, oder Menschen, die, in Verstellung geübt, sich mit dem Nimbus der "Observanz" zu umgeben verstehen und im Hinblick auf ihre Beobachtung der Konstitutionen sich selbst für vollkommen erklären. Nur ein paar waren da, die von all diesem sich noch freigehalten hatten. ... Nicht will ich sagen, daß alle schon von Natur falsch gewesen wären; aber das S y s t e m erzieht die Menschen künstlich zur Heimlichkeit und Verstecktheit. Und die brüderliche Liebe, von welcher immer g e r e d e t wird, besteht in Ränken, Erhaschen kleinlicher Vorteile vor einem Mitbruder, im Herabsetzen des Mitbruders vor dem Oberen, um sich selbst in gutes Licht zu setzen, in der Bildung von Konventikeln und was damit zusammenhängt.
...
Mit der ganzen Hingabe eines religiösen Gemüts übergibt sich mancher dem Kloster, erlebt dort aber nichts anderes als Knechtung des Geistes, Knebelung des Gewissens, Vergewaltigung des seelischen Lebens und neidisches Gezänk einer angeblich in brüderlicher Liebe lebenden Gemeinschaft. Aber trotz alledem bleiben die meisten. Warum? Es sind drei Gründe. Der größere Teil des Nachwuchses kommt aus den Ordensschulen; diese jungen Leute aus diesen Anstalten werden auf diese Gedankenwelt vorbereitet; ihr geistiger Horizont ist sehr eingeengt. Zum anderen ist es der Umstand, daß sie fast durchgehend einfachen, ja sogar armen Verhältnissen entstammen und nach einem Austritt, zumal unter dem Odium, ein ausgetretener Mönch zu sein, schwer zu einer Existenz kommen würden. Zum dritten treibt sie fast alle das Streben, unter allen Umständen der Knechtung sich zu unterwerfen, um später als Priester herrschen zu können.

Erich Gottschling
(Zwei Jahre hinter Klostermauern - aus den Aufzeichnungen eines ehemaligen Dominikaners; Theodor Fritsch (jun.), Leipzig 2.A. 1935)

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Wo nichts mehr helfen kann, da ruft man Pfaffen!
Und das ganz folgerecht. Denn niemand hilft
So wenig als ein Pfaffe.
...
Mit Gebeten und Jesuiten zwingt man nicht mehr die Welt.

Christian Dietrich Grabbe, Dichter (1801-1836)

Vielleicht wird uns hier klar, warum wir vorhin auf den engen Zusammenhang des Weibes mit dem Tier aufmerksam machten: Sexualität führt zur Bestialität.

Rudolf Graber, Bischof (1903-1992)

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Sämtliche Berichte (Auferstehung) tragen einen stark legendären Charakter...Der historische Ertrag für die Osterereignisse ist mager und fragwürdig.

Hans Grass, Theologe *1909

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Es ist die Pflicht eines jeden Katholiken, Ketzer zu verfolgen.

Papst Gregor IX (um 1167-1241)

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Es bedarf nichts als Geschwätz, um beim Volke Eindruck zu machen. Je weniger es begreift, desto mehr bewundert es. Unsere Väter und Lehrer haben oft nicht das gesagt, was sie dachten, sondern was ihnen die Umstände und das Bedürfnis in den Mund legten.

Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer (* um 329-390)

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Religion ist die Poesie der unpoetischen Menschen.
...
Mit drei Ständen habe ich nichts zu schaffen:
Mit Beamten, Gelehrten und Pfaffen.

Franz Grillparzer, Dichter (1791-1872)

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Wie tief sich auch diese Lehre unter den Christen eingebürgert hat, so hat doch der wirkliche Jesus nichts davon gewußt.

E.Grimm, Theologe

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Nirgends in den Synoptikern führt Jesus das Sündenelend der Menschen zurück auf die Ursünde, geschweige denn auf die Erbsünde. Offenbar hat der biblische Sündenfallbericht für ihn nicht die grundlegende Bedeutung gehabt, die Paulus und die Kirche ihm beilegen.

Julius Gross, Theologe

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Wer irgendeine Art von Religion zur Stütze seiner Sittlichkeit bedarf, dessen
Moralität ist nicht rein, denn diese muß in ihrer Natur nach in sich selbst bestehen.

Karoline von Günderode, Schriftstellerin (1780-1806)

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Mit dem Verhalten zur Verschiedenartigkeit der Religionen ist es leider wie mit dem Familiensinn, der seine eignen Kinder wunderbar schön findet, während sie andern nicht selten häßlich erscheinen.

Karl Gutzkow, Schriftsteller (1811-1878)

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Oberammergau

Eine bunte Völkerschau
weilt in Oberammergau,
denn der Höhepunkt der Ferien
sind stets ländliche Mysterien.

Ja, auch Bonns Regierungsspitzen
sah man bei den Laien sitzen,
wo Naivität und Bart
mit Profit so schön sich paart.

Amadeus ist sauer
auf die Oberammergauer,
die da wirken in dem Geist,
der zu Gott und Wohlstand weist.

Frömmigkeit zu Wucherpreisen
ist es, worauf die dort reisen;
fest hat man das Volk im Schlepp,
teils mit Glaube, teils mit Nepp ...

Eckart Hachfeld (1910-1994)
in "Die Welt" vom 28.5.1960

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Mit allen Mitteln ist die Hierarchie zu bekämpfen, welche der weltlichen Macht einen geistlichen Mantel umhängt und die Leichtgläubigkeit der ungebildeten Volksmassen zur Förderung ihrer egoistischen Zwecke ausnutzt.
...
Wo der Glaube anfängt, hört die Wissenschaft auf.
...
Die Früchte vom Baum der Erkenntnis sind es wert,
daß man um ihretwillen das Paradies verliert.

Ernst Haeckel, Naturforscher (1834-1919)

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Man glaubet, was man wünscht; das Herz legt ein Gewicht
Den leichtern Gründen bei; es fälscht der Sinne Klarheit,
Und Lüge, die gefällt, ist schöner als die Wahrheit.

Albrecht von Haller, Dichter (1708-1777)

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Der Satz:"Ich bin der Sohn Gottes", ist von Jesu selbst nicht in sein Evangelium eingerückt worden, und wer ihn als einen Satz neben den anderen dort einstellt, fügt dem Evangelium etwas hinzu.
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Der römische Katholizismus als äußere Kirche, als ein Staat des Rechts und der Gewalt, hat mit dem Evangelium nichts zu tun, ja widerspricht ihm grundsätzlich.
...
Das (Abendmahl) war eine von unzähligen (heidnischen) Mysterien her geläufige Sache.
...
Die alten Götter ziehen ein, nur mit neuen Masken.
...
...gerade die paradoxesten Glaubenssätze, welche jeder Erfahrung und vernünftiger Überlegung spotten, sind die willkommensten; denn sie scheinen die Gewähr zu bieten, daß hier nicht nur Menschliches und daher Unzuverlässiges dargereicht wird, sondern göttliche Weisheit.
...
Der Antijudaismus ist in der Kirche immer heftiger geworden.

Adolf Harnack, Theologe (1851-1930)

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In der Institution Kirche geht es nicht um den einzelnen Menschen, es geht auch nicht  um
theologische Impulse, sondern um eine starre, fundamentalistisch orientierte Institution.

Gotthold Hasenhüttl, kath.Theologe (* 1933)

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Der Durchschnittsbürger hängt am Althergebrachten, glaubt auch heute noch die einfältigsten und die unwahrscheinlichsten, ja die widerspruchvollsten Dinge der Welt, und zwar nur deshalb, weil man sie eben schon seit jeher glaubt.
...

Im übrigen haben während der letzten Jahrhunderte ausgerechnet diejenigen Völker die meisten Kriege vom Zaune gebrochen, bei denen der "fanatische Ungeist" des Christentums (Toynbee) am deutlichsten mit der Staatsräson verflochten ist.

Ernst Hass, Arzt

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Glaube nicht allzu schnell, nicht keinem, nicht allen, nicht alles! Forsche, vergleich', erwäg's; finde die Wahrheit heraus!

Johann Christoph Friedrich Haug, Dichter (1761-1829)

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Mystisch

Geh' Du zur Kirche, fromm Gemüt,
Und sei kein Kind der Finsterniß,
Und wenn Dich Gott, der Herr, nicht sieht,
So sieht der Pfarr Dich ganz gewiß.

 
Warum schrieb Christus nicht, wenn er die Evangelien wollte?
...
In der Kirche weiß jeder die 10 Gebote, aber auf der Straße weiß er immer nur 9, dasjenige, an das er sich gerade erinnern sollte, ist vergessen.
...
Das Christentum ist das Blatterngift der Menschheit. Es ist die Wurzel alles Zwiespalts, aller Schlaffheit, der letzten Jahrhunderte vorzüglich.

Friedrich Hebbel, Dichter (1813-1863)

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Widerspruch über Widerspruch (Auferstehung).
...
Man ist versucht, manche Erzeugnisse der Moraltheologie der Pornographie zuzurechnen.
...

Der Jesus, der in elfter Stunde das Nahen der Mitternacht ankündigt, denkt nicht an die Schaffung einer für Jahrhunderte bestimmten Heilsanstalt. Der Prophet, der seine Jünger zu einer fliegenden Missionsfahrt durch die Städte Israels aussendet, ist kein Kirchenorganisator, kein Dombaumeister.

Friedrich Heiler, Religionswissenschaftler (1892-1967)

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Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
gerühret von ihrem Spiele...
Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ewgen Wonnen.
Sie sang das alte Entsagungslied,
das Eiapopeia vom Himmel,
womit man einlud, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

...

Lass die heilgen Parabolen,
Lass die frommen Hypothesen -
Suche die verdammten Fragen
Ohne Umschweif uns zu lösen.
Warum schleppt sich blutend, elend,
Unter Kreuzlast der Gerechte,
Während glücklich als ein Sieger
Trabt auf hohem Ross der Schlechte?
Woran liegt die Schuld? Ist etwa
Unser Herr nicht ganz allmächtig?
Oder treibt er selbst den Unfug?
Ach das wäre niederträchtig.
Also fragen wir beständig,
Bis man uns mit einer Handvoll
Erde endlich stopft die Mäuler -
Aber ist das eine Antwort?

...

Die Religion kann nie schlimmer sinken, als wenn sie solchermaßen zur Staatsreligion erhoben wird; es geht dann gleichsam ihre innere Unschuld verloren, und sie wird so öffentlich stolz wie eine deklarierte Maitresse.
...
Wer mit Pfaffen kämpft, der mache sich darauf gefaßt, daß der beste Lug und die triftigsten Verleumdungen seinen armen guten Namen zerfetzen und schwärzen werden.
...
In die Kirche ging ich morgens, um Komödien zu schauen,
Abends ins Theater, um mich an der Predigt zu erbauen.
...
Es gibt schmutzige Ideenfamilien; zertritt man eine dieser Ideenwanzen, so läßt sie einen Gestank zurück, der jahrtausende lang riechbar ist. Eine solche ist das Christentum, das schon vor 1800 Jahren zertreten worden und das uns armen Juden seit der Zeit noch immer die Luft verpestet.
...
...der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, als man an sie glaubt.
...
Besteht nun die heutige Religion in der Geldwerdung Gottes oder in der Gottwerdung des Geldes?
...
Wahrlich, Rom, der Herkules unter den Völkern, wurde durch das judäische Gift so wirksam verzehrt, daß Helm und Harnisch seinen welkenden Gliedern entsanken, und seine imperatorische Schlachtstimme herabsiechte zu einem betenden Pfaffengewimmer und Kastratengetriller.
...
Ein katholischer Pfaffe wandelt einher, als wenn ihm der Himmel gehöre; ein protestantischer Pfaffe hingegen geht herum, als wenn er den Himmel gepachtet habe.
...
Einst war es freilich anders, da ließ sich keiner einfallen, die Lehre und die Feier seiner Religion besonders anzupreisen, oder gar sie jemand aufzudrängen ... einem Griechen wäre es ein Greuel gewesen, wenn ein Fremder, der nicht von seinem Geschlechte, eine Religionsgemeinschaft mit ihm verlangt hätte; noch mehr würde er es für eine Unmenschlichkeit gehalten haben, irgendjemand durch Gewalt oder List dahin zu bringen, seine angeborene Religion aufzugeben und eine fremde dafür anzunehmen. Da kam aber ein Volk aus Ägypten, dem Vaterland der Krokodile und des Priestertums, und außer den Hautkrankheiten und den gestohlenen Gold- und Silbergeräten brachte es auch eine sogenannte positive Religion mit, eine sogenannte Kirche, ein Gerüste von Dogmen, an die man glauben, und heilige Zeremonien, die man feiern mußte, ein Vorbild der späteren Staatsreligion. Nun entstand die "Menschenmäkelei", das Proselytenmachen (Proselytenmacher = zudringlicher Bekehrer R.K.), der Glaubenszwang und alle jene heiligen Greuel, die dem Menschengeschlechte soviel Blut und Tränen gekostet...Gäbe es keine solche Staatsreligion, keine Bevorrechtung eines Dogmas und eines Kultus, so wäre Deutschland einig und stark, und seine Söhne wären herrlich und frei. So aber ist unser armes Vaterland zerrissen durch Glaubenszwiespalt, das Volk ist getrennt in feindliche Religionsparteien...überall Mißtrauen...überall Verketzerung, Gesinnungsspionage...Kirchenzeitungsschnüffeleien, Sektenhaß, Bekehrungssucht, und während wir über den Himmel streiten, gehen wir auf Erden zugrunde.

Heinrich Heine, Dichter (1797-1856)

*

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.

Gustav Heinemann, Politiker (1899-1979)

*

Hier wie dort dieselbe Art der Befriedigung des gleichen Triebes (Abendmahl und Opfermahl).

Wilhelm Heitmüller, Theologe (1869-1926)

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Irgend jemand, nehme ich an, entschuldigte etwas aufgrund von Wut, worauf der Bischof erwiderte, 'Wut ist neun Zehntel des Christentums'.

Sir Arthur Helps, Politiker (1813-1875)

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Die Religion also, welche Schützerin der Menschheit sein sollte, trat diese mit herrschsüchtigen Füßen, sie predigte nicht mehr Würde der Menschen, sondern Erniedrigung.
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Gregor VII. kümmerten die Liebesseufzer der kranken Nonnen, die verstohlenen Wege der Ordensbrüder, die stummen und lauten Sünden der Geistlichen, die durch sie gekränkten Ehen ... und jede andere Verwirrung nicht, die daraus erwachsen mußte; im Buch der Geschichte aber liegen die Folgen davon klar am Tage.
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Durch Waffen werden Irrtümer weder bestritten, noch ausgerottet; der schlechteste Wahn hingegen dünkt sich eine Märtyrerwahrheit, sobald er mit Blut gefärbt dasteht.
...
Eine Verfolgung indessen, wie man in späteren Zeiten z.B. gegen die Sachsen, Albigenser, Waldenser, Hugenotten, Preußen und Liven vornahm, ist gegen sie nie ergangen; Religionskriege der Art lagen nicht in der römischen Denkweise.
...
Je reiner eine Religion war, desto mehr mußte und wollte sie die Humanität befördern. Dies ist der Prüfstein selbst der Mythologie der verschiedenen Religionen.
...
Die Religion Christi, die er selbst hatte, lehrte und übte, war die Humanität selbst. Nichts anders als sie; sie aber auch im weitsten Inbegriff, in der reinsten Quelle, in der wirksamsten Anwendung. Christus kannte für sich keinen edleren Namen, als daß er sich den Menschensohn, d.i. einen Menschen, nannte.

Johann Gottfried Herder, Theologe (1744-1803)

*

Der gesamte Gottesdienst gewann Mysteriencharakter, insbesondere die Eucharistie.

Karl Heussi, Kirchenhistoriker (1877-1961)

*

Gönnt doch den Wahn dem armen Schlucker,
Der nur des Lebens Bitterkeit genießt!
Unsterblichkeit ist ja der Zucker,
Der ihm den herben Trank der Zeit versüßt.
...
Bist du schon gut, weil du gläubig bist?
Der Teufel ist sicher kein Atheist.

Paul Heyse, Dichter (1830-1914)

*

Kirchengebet.

Allmächtiger Gott! Herrscher der Heerscharen, der du in deiner Hand wägest mit Weisheit die Schicksale der Völker, der du mit Gerechtigkeit giebst Sieg deiner Sache, der gerechten! Laß unsere lange Prüfung jetzt vollendet seyn. Nimm uns in deinen Schutz; denn unsere Sache ist gerecht. Kröne unsere Waffen mit deinem Siege, damit Unrecht und Laster zu Schanden werde unter allen Völkern. Schütze und erhalte unseren theuren König, den Kronprinzen und das Königliche Haus. Schütze und erhalte unser Vaterland und alles, was gut ist und gerecht auf Erden, damit den Völkern, durch Tugend und Eintracht neu verbunden, wiederkehre segensreicher Frieden und Freyheit nach deinem Wort und deinem Gesetz. Amen. (Entwurf zum Anschluß an den Aufruf des preußischen Königs "An mein Volk" 1813. Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem)

Theodor Gottlieb von Hippel, Regierungspräsident (1775&endash;1843)

*

...das selbstverständliche Ergebnis unbefangener Forschung (Johannesevangelium), über das kein Historiker von wissenschaftlichem Ehrgefühl hinweg kann - es macht einfach Pein, die apologetischen (rechtfertigenden) Winkelzüge dem klaren Tatbestand gegenüber zu verfolgen.
...
Es gibt Theologen, die noch heute diese Historie (Auferstehung) für die bestbezeugte Tatsache der Weltgeschichte halten.
...
Der Weissagungsbeweis ist für uns abgetan. Wir wissen alle, daß er nicht stimmt.

Emanuel Hirsch, Theologe (1888-1972)

*

Wir werden von den Eltern in eine religiöse Zwangsjacke gesteckt, werden getauft oder beschnitten und sollen im Glauben unserer Erzeuger großgezogen werden (...). Werden die Kinder groß und wollen nichts mehr mit Kirchen und religiösen Dingen zu tun haben - das im Geburtsregister eingetragene Stigma werden sie nicht mehr los!

Magnus Hirschfeld, Arzt (1868-1935)

*

Der Nationalsozialismus ist weder antikirchlich noch antireligiös, sondern im Gegenteil, er steht auf dem Boden eines wirklichen Christentums. (Saarkundgebung 26.8.34 am Ehrenbreitstein bei Koblenz)
...
...Möge uns der allmächtige Gott wie bisher so in alle Zukunft seine Hilfe geben, um unsere Pflichten so zu erfüllen, daß wir vor unserem Volk und seiner Geschichte in allen Ehren zu bestehen vermögen. ... (Ausgewählte Reden des Führers; Zentralverlag NSDAP 1937, S.110)

Adolf Hitler, Politiker (1889-1945)

*

Es ist eine unbestrittene Wahrheit, daß die Päpste Jahrhunderte lang an der Spitze eines Mord- und Raubsystems gestanden haben, das mehr Menschenleben geschlachtet, als irgend ein Krieg oder eine Seuche "im Namen Gottes und Christi". Der Weg des Papsttums ist ein Weg des Grauens und Entsetzens. Rechts und links ist er eingesäumt von Tausenden von Scheiterhaufen und Tausenden von Blutgerüsten. Prasselnd schlagen die Flammen zum Himmel empor.
Unser Fuß überschreitet rinnende Bäche von Menschenblut. Menschenleiber krümmen sich in der roten Glut. Menschenköpfe rollen über den Weg. An uns vorübergeschleppt werden Jammergestalten; ihre Augen sind erloschen im langen Dunkel der Kerker; ihre Glieder sind verrenkt und zerfleischt von der Folter, ihre Seelen geknickt, entehrt und geschändet.

Graf Paul von Hoensbroech, Philosoph (1852-1923)

*

In der Vernunft und in unserer eigenen Natur werden wir Führer haben, die viel sicherer sind als jene Götter, denen die Geistlichkeit nach ihrem Gutdünken irgendwelche Worte in den Mund legt und deren Sprache sie je nach ihren Interessen auslegt.
- - -
Wem dient also der Glaube? Einzig und allein einigen Menschen, die sich des Glaubens bedienen, um die Menschheit zu unterjochen.
- - -
Wenn ein Atheist richtig geurteilt und seine Natur zu Rate gezogen hat, so hat er Prinzipien, die zuverlässiger und immer menschlicher sind als die des Abergläubischen, der durch eine finstere oder schwärmerische Religion entweder zur Torheit oder zur Grausamkeit geführt wird. Niemals wird man die Einbildungskraft eines Atheisten so sehr vernebeln, daß man ihm glaubhaft macht, Gewalttätigkeiten, Ungerechtigkeiten, Verfolgungen, Morde seien tugendhafte oder rechtmäßige Handlungen.
- - -
Man braucht in der Tat nur die Augen zu öffnen, um zu bemerken, daß die Priester sehr gefährliche Menschen sind. Das Ziel, das sie sich setzen, besteht offenbar darin, die Geister zu beherrschen, um über die Körper derer, die sie mit den Waffen der Meinungsbildung unterjocht haben, zu verfügen. ... würde man die Priester entsprechend ihrem Verdienst bezahlen, würde man ihre Funktionen entsprechend ihrem wahren Wert einschätzen, so fände man vielleicht, daß sie keinen besseren Lohn verdienen als jene Kurpfuscher, welche an den Straßenecken Heilmittel feilbieten, die gefährlicher sind als die Leiden, welche sie zu heilen versprechen.

- - -
Tatsächlich sehen wir recht oft, daß die aufgeklärtesten Menschen für immer in den Vorurteilen ihrer Kindheit befangen bleiben. Mit einem Wort, alles beweist uns, daß nichts schwieriger ist, als sich von den Begriffen zu lösen, die uns in unserer Jugend eingeflößt worden sind. Sie brauchen sich also nicht einer Schwäche zu schämen, die sie fast mit aller Welt gemeinsam haben und von der nicht einmal die größten Menschen ausgenommen sind.
- - -
Wenn man also fragt, was man an die Stelle der Religion setzen könnte, so würde ich antworten: eine vernünftige Moral, eine rechtschaffene Erziehung, vorteilhafte Gewohnheiten, klare Prinzipien und weise Gesetze, die auch die Bösen beeindrucken, sowie Belohnungen, die zur Tugend ermuntern.

Paul Thiry Baron von Holbach (1723-1789)
Philosoph der französischen Aufklärung, [franz.-dtsch.].

*

Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem "Wahrheits"-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.

Adolf Holl, Religionssoziologe *1930

*

Der Originaltext (Evangelien) verschwindet immer mehr; man bemerkt die immer zahlreicher werdenden Widersprüche zwischen den Handschriften verschiedener Überlieferung und versucht sie auszugleichen: - das Ergebnis ist ein Chaos.

E.C.Hoskyns und F.N.Davey, Theologen

*

Ich glaube, daß die Religion selbst Betrug ist, und daß die Betrüger damit ein herrliches Geschäft machen.

Alfred Hrdlicka, Künstler (1928-2009)

*

Wir werden alles tun, was Gott uns erlaubt, und auch manches, was er verbietet, um diese Innovation voranzubringen. In Kürze werden wir deshalb mit den Mobilfunkbetreibern einen Rahmenvertrag zur Nutzung staatlicher Gebäude und Grundstücke als Antennenstandorte abschließen.

Erwin Huber *1946 (kath.), von 1994 bis 2008 Bayerischer Staatsminister
 am 15.10.02 auf der Technologiemesse 'Systems' in München

*

Die Religion ist nichts als der Schatten, den das
Universum auf die menschliche Intelligenz wirft.

Victor Hugo, Schriftsteller (1802-1885)

*

Es gibt keine unbegrenztere Despotie als die der Mönche. Welche schreckliche Vorstellung, daß derselbe Mensch, der sowohl von Sünden freisprechen wie nach Belieben den Trost eines zukünftigen glücklicheren Lebens entziehen kann, auch Herr und Gebieter über eure geringfügigsten Handlungen ist.
...
Keine Religion predigt die Unmoral; aber sicher ist, daß von allen existierenden die christliche Religion diejenige ist, unter deren Maske die Menschen am unglücklichsten werden. - So steigert sich der Haß gegen eine Menschenklasse, die unter dem Anschein, den Indios Gutes zu tun, ihnen ihren Besitz gewaltsam wegnimmt und sie glauben macht, es sei eine Sünde, sich darüber zu beklagen.

Alexander von Humboldt, Naturforscher (1769-1859)

*

Untersucht die religiösen Grundsätze, die tatsächlich in der Welt vorherrschten! Ihr werdet zur Überzeugung gelangen, daß sie kaum etwas anderes sind als die Träume Siecher.
...
Keine theologische Ungereimtheit ist so auffallend, daß sie nicht zuzeiten von den verständigsten und gebildetsten Menschen angenommen worden wäre.

David Hume, Philosoph (1711-1776)

*

Oh, Du großes irakisches Volk, oh, Ihr Angehörigen unserer mutigen Streitkräfte, oh Ihr Söhne der glorreichen arabischen Nation, oh, Männer, die Ihr guten Willens seid, die amerikanischen Teufel haben erneut einen Akt der Feigheit begangen und sich hinter einer Technologie versteckt, die sie in beschämender Weise einsetzen - doch das ist der Wille Gottes. ... Unsere Verluste sind gering. Gott hat den Angriff scheitern lassen - möge er sich jetzt der Seelen unserer Märtyrer annehmen. Gott ist der Größte, Gott ist der Größte, zum Teufel mit den Verfluchten! (Aus einer Ansprache 1996 an das Volk.)

Saddam Hussein, irakischer Staatschef (1937-2006)

*

Frau Alving zu Pastor Manders: ... Ich ertrage alle diese Fesseln und Rücksichten nicht mehr! Ich muß mich zur Freiheit emporarbeiten! ... Als Sie mich in das hineinzwängten, was Sie Pflicht und Schuldigkeit nannten; als Sie mir das als recht und wahr priesen, wogegen sich meine ganze Seele als gegen etwas Widernatürlichem empörte. Da war es, daß ich Ihre Lehren an meinem eigenen Saum prüfen wollte. Nur einen einzigen kleinen Stich wollte ich auftrennen; aber als ich den gelöst hatte, riß das Ganze auf. - Da erkannte ich, daß alles nur Maschinennäherei war.

Aus "Gespenster" von Henrik Ibsen, Dichter (1828-1906)

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Würde der Mensch heute den Lehren des Alten Testaments folgen, dann wäre er ein Krimineller.
Würde er den Lehren des Neuen Testaments genau folgen, dann wäre er ein Verrückter.

. . .

Gotteslästerung ist ein Urteil das vom Aberglauben
über den gesunden Menschenverstand verhängt wird.

. . .

In der Natur gibt es weder Belohnung noch Bestrafung - da gibt es nur Konsequenzen.

Robert Green Ingersoll, Schriftsteller (1833-1899)

*

Zur größten Ketzerei gehört es, wenn man nicht ans Hexenwesen glaubt.

Heinrich Institoris (Kramer), Großinquisitor * um 1430 und Jakob Sprenger * um 1436, Dominikanermönche,
im 1489 erschienenen Buch "Der Hexenhammer"

*

Alles nur um Irdisches und Zeitliches, um Könige und Königreiche, um Prozesse und Streitigkeiten. Kaum ein Gespräch über geistliche Dinge war erlaubt.

Jakob von Vitry, Kardinal (um 1160/70 - 1240/1244)

*

Katholisch geboren worden zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens.

Janosch (Horst Eckert) Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller, *1931

*

Wer weiterlebt wie bisher, hat nicht begriffen, was droht; es nur intellektuell zu denken, bedeutet nicht, es auch in die Wirklichkeit seines Lebens aufzunehmen.
...

Die Unwissenschaftlichkeit ist der Boden der Inhumanität. (K.J. unmittelbar nach dem Ende des Nationalsozialismus)

Karl Jaspers, Philosoph (1883-1969)

*

Die Tatsache, daß der neutestamentliche Text in dieser Periode seiner Entwicklung starke Veränderungen erlitten hat, zum Teil einer förmlichen Verwilderung unterlegen ist, kann nur die Unwissenheit leugnen.

Adolf Jülicher, Theologe (1857-1938)

*

Der Glaube versetzt Berge,
der Zweifel erklettert sie.

Friedrich Georg Jünger, Schriftsteller (1898-1977)

*

Das jüdisch-christliche Gottesbild als das summum bonum (das höchste Gute) ist dem reflektierenden Bewußtsein unmöglich.

Carl Gustav Jung, Psychologe (1875-1961)

*

Sowohl in der Politik als auch in der Religion gibt es einen heiligen törichten Eifer.
Indem wir andere überreden, überzeugen wir uns selbst.

Junius, engl.Politiker 1770

*

Nicht mehr Glauben tut not, sondern mehr Wissen über den Glauben, und zwar mehr von jenem längst vorhandenen, rationalen, durch Erfahrung und Vernunft begründeten Wissen über einen irrationalen, durch mystische Fantasien entstandenen Glauben, der uns im religiösen Bereich im archaischen Bewußtseinszustand antiker Hirtenvölker gefangenhält.

Hans Juple

*

Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter.

Decimus Iunius Juvenal, röm.Dichter (um 60-140)

*

Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wußtest, wie das Elend tut,
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werden!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord kurzerhand beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen werden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst. Und alles blieb
beim alten.

Stimmen aus dem Massengrab
(Für den Totensonntag, Anstatt einer Predigt)

Da liegen wir und gingen längst in Stücken.
Ihr kommt vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Wir aber liegen schlaflos auf den Rücken,
weil uns die Angst um Euch nicht schlafen läßt.

Wir haben Dreck im Mund. Wir müssen schweigen.
Und möchten schreien, bis das Grab zerbricht!
Und möchten schreiend aus den Gräbern steigen!
Wir haben Dreck im Mund. Ihr hört uns nicht.

Ihr hört nur auf das Plaudern der Pastoren,
wenn sie mit ihrem Chef vertraulich tun.
Ihr lieber Gott hat einen Krieg verloren
und läßt Euch sagen: Laßt die Toten ruhn!

Ihr dürft die Angestellten Gottes loben.
Sie sprachen schön am Massengrab von Pflicht.
Wir lagen unten, und sie standen oben.
"Das Leben ist der Güter höchstes nicht."

Da liegen wir, den toten Mund voll Dreck.
Und es kam anders, als wir sterbend dachten.
Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck.
Ihr laßt Euch morgen, wie wir gestern, schlachten.

Vier Jahre Mord, und dann ein schön Geläute!
Ihr geht vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Vier Jahre Mord, und ein paar Kränze heute!
Verlaßt Euch nie auf Gott und seine Leute!
Verdammt, wenn Ihr das je vergeßt!

Erich Kästner 1928

Neues vom Tage

Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott.
Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten.
Die Nachricht stimmt! Der liebe Gott
ist aus der Kirche ausgetreten.

Erich Kästner, Schriftsteller (1899-1974)

Replik von Johannes Glötzner:

Erich Kästner täuschte sich in seinem Gedicht "Neues vom Tage" mit der Behauptung, der liebe Gott sei aus der Kirche ausgetreten. - Er war nie drin.

*

Welch tröstliches Gefühl der Sicherheit verleiht es ichschwachen und beschädigten Individuen, einer weltumspannenden und jahrtausendealten Organisation anzugehören! Sozialpsychologisch geurteilt, handelt es sich um ein Entlastungsphänomen: um eine Ersparnis an neuer Überlegung und neuer Entscheidung. Begünstigt und gerechtfertigt wird dieses Verhalten durch die traditionelle Gedankenlosigkeit, Christentum und Humanität kurzerhand zu identifizieren, wie das gängige Lippenbekenntnis zum vermeintlich so hohen Ethos der Bergpredigt beweist.
...
Wer sich über das Christentum nicht empört, kennt es nicht.

Joachim Kahl, Philosoph *1941

*

Die Verabschiedung der Dreieinigkeit

Endlich kommt Frieden ins Haus:
Vater und Sohn ziehen aus.
Sogar der Heilige Geist
weiß Bescheid, dass er reist.

Abschied zu nehmen von euch,
kommen sie schweigend und bleich,
stellen sich dicht an die Wand,
geben noch jedem die Hand.

Sagen: Lebt wohl nun, es sei.
Unsere Zeit ist vorbei.
Was auch geschehen - es war
oftmals bei euch wunderbar.

Doch euer Geist ist erwacht,
damit erlischt unsre Macht.
Euer ist nun euer Reich.
Alles, was wird, liegt an euch.

Nehmen ihr Pack auf und stehn,
sehn euer Lächeln und gehn.
Wenden sich ab, eilen fort
ohne ein weiteres Wort.

Richtet euch selber das Haus.
Vater und Sohn zogen aus.
Auch alle Keller sind leer.
Satan fuhr gleich hinterher.

Heinz Kahlau, Schriftsteller *1931

*

Der Glaube einer gottesdienstlichen Religion ist ein Fron- und Lohnglaube und kann nicht für den seligmachenden angesehen werden, weil er nicht moralisch ist. Denn dieser muß ein freier, auf lauter Herzensgesinnungen gegründeter Glaube sein.
...
Die enge Pforte und der schmale Weg, der zum Leben führt, ist der des guten Lebenswandels; die weite Pforte und der breite Weg, den viele wandeln, ist die Kirche.
...
...ein jeder Kirchenglaube, so ferne er bloß statuarische Glaubenslehren für wesentliche Religionslehren ausgibt, hat eine gewisse Beimischung von Heidentum; denn dieses besteht darin, das Äußerliche der Religion für wesentlich anzusehen.
...
Gott ist nicht ein Wesen außerhalb mir, sondern ein notwendig Ding meines Gemüts, letzten Endes ein Gedanke in mir.
...
Das sittliche Handeln und die sittliche Wertschätzung ist von dem Glauben an die Existenz eines Gottes unabhängig.
...
Das Pfaffentum ist die Verfassung einer Kirche, so ferne in ihr ein Fetischdienst regiert, welches allemal da anzutreffen ist, wo nicht Prinzipien der Sittlichkeit, sondern statuarische Gebote, Glaubensregeln und Observanzen die Grundlage und das Wesentliche desselben ausmachen.
...
(zum Thema "Religion als Herrschaftsinstrument selbstverschuldeter Unmündigkeit":) "Nur im Bereich der Religion kann es im Interesse eines Herrschers liegen, das Volk unmündig zu halten. Künste und Wissenschaften sind diesbezüglich nicht von Interesse." (heute müssen wir fragen: was sind Wissenschafts-Gläubigkeit sowie der Materialismus an sich anderes als (versteckte) Religions- (und Manipulations-)Formen?)
...
Die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.
...
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
...
Die Aufklärung aufzuschieben ... heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten.

Immanuel Kant, Philosoph (1724-1804)

*

Es gibt keinen einzigen christlichen Gedanken..., der nicht schon vor Jesus in der "heidnischen" oder jüdischen Literatur nachweisbar wäre.
...
Die siegreiche christliche Gemeinde war in allen Punkten das gerade Gegenteil jener Gemeinde, die von armen Fischern und Bauern Galiläas und Proletariern Jerusalems drei Jahrhunderte vorher begründet worden war.

Karl Kautsky, Politiker (1854-1938)

*

Wie trivial erscheint mir gegenwärtig die Meinung, daß mit dem Aufgeben der sogenannten religiösen Ideen alle Poesie und erhöhte Stimmung aus der Welt verschwinde! Im Gegenteil! Die Welt ist mir unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewußtsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen. (Gottfried Keller in dankbarem Gedenken an Ludwig Feuerbach)
...

Ich hab in kalten Wintertagen
In dunkler, hoffnungsarmer Zeit
Ganz aus dem Sinne dich geschlagen
O Trugbild der Unsterblichkeit.

Nun, da der Sommer glüht und glänzet,
Nun seh ich, daß ich wohlgetan!
Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet,
Im Grabe aber ruht der Wahn.

Ich fahre auf dem klaren Strome,
Er rinnt mir kühlend durch die Hand,
Ich schau hinauf zum blauen Dome
Und such - kein beßres Vaterland.

Nun erst versteh ich, die da blühet,
Oh Lilie, deinen stillen Gruß:
Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet,
Daß ich wie du vergehen muß!

Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen;
In eures Daseins flücht'gem Glück!
Ich wende mich vom Schrankenlosen
Zu eurer Anmut froh zurück!

Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben,
Das lehret eurer Duft und Schein,
Und willig dann sich hinzugeben
Dem ewigen Nimmerwiedersein!

...

Wir wähnten lange recht zu leben,
Doch fingen wir es töricht an;
Die Tage ließen wir entschweben
Und dachten nicht ans End' der Bahn!

Nun haben wir das Blatt gewendet
Und frisch dem Tod ins Aug' geschaut;
Kein ungewisses Ziel mehr blendet,
Doch grüner scheint uns Busch und Kraut!

Und wärmer ward's in unsern Herzen,
Es zeugt's der froh gewordene Mund;
Doch unsern Liedern, unsern Scherzen
Liegt auch des Scheidens Ernst zu Grund!

Gottfried Keller, Dichter (1819-1890)

*

Ich suche in mir den Gott, den ich außer mir überall finde.

Johannes Kepler, Naturforscher (1571-1630)

*

Der Witz der Theologie besteht darin, daß sie ein höheres Wesen erfand, um sich selber ins Leben zu rufen.
...
Gewisse Charaktere haben es nötig, eine Instanz zu erfinden, die jenseits ihrer Erkenntnis liegt, um ihr Unbehagen an ihren Unaufrichtigkeiten dort unterzubringen.
...
Religion ist der Weihrauch des Unverdauten.
...
Gott legt keinerlei Wert auf die Christen, er läßt sie laufen; es ist der Teufel, der sie am Schnürchen hält.
...
Lüftet die Masken der Seligpreisung! Und wer tritt hervor? der allerheiligste Terrorist.
...
Wer sich gezwungen sieht, vor einem Fetisch das Knie zu beugen, der benutzt jeden Anlaß, um sich dafür an einer Vogelscheuche zu rächen.
...
Aus den Momenten der Hilflosigkeit schöpfen die christlichen Goldgräber ihren Gewinn. Wie unfair!
...
In den meisten Familien schrumpft das Christentum auf eine einzige Frage zusammen: Wer bringt denn Tante Frieda unter die Erde?
...
Sie können's nicht schaffen, der zu sein, der sie gern wären: der Wohlgefälligste aller, und deshalb brabbeln und rodomontiern sie vor sich hin: Heiliger Geist, schaff du es!

Martin Kessel, Schriftsteller (1901-1990)

*

Welche Moral vertritt ein Individuum, das seine Schuld bezahlen läßt durch den Opfertod eines andern?
...

Sollten die Menschen nicht imstande sein, das Humane, das allen Gemeinsame zu verwirklichen ohne die Hilfe ihrer eigenen Gespenster, nämlich der Götter, und ohne den Schrecken des Übermenschlichen und Unmenschlichen und Antimenschlichen, aus denen sie allzuoft die Bausteine ihrer Religionen machen? Kurz, brauchen wir Menschen den Umweg der Götter, um human zu werden?

Hermann Kesten, Schriftsteller (1900-1996)

*

Von Nichts kann man nicht leben, hört man oft, besonders vom Pfarrer. Und gerade die Pfarrer bringen es zuwege: das Christentum existiert nicht, - aber sie leben davon.

Sören Kierkegaard, Philosoph (1813-1855)

*

Auch in der Geschichte läßt sich eine Kontinuität ethischen Denkens nachweisen. So ist es nicht verwunderlich, daß die Ethik der griechischen Philosophen, die nichts vom Christentum wußten und wissen konnten, grundsätzliche Gemeinsamkeiten mit der christlichen Ethik aufweist. Das mag damit erklärt werden, daß Christus selbst auf Umwegen mit der griechischen Philosophie in Berührung gekommen ist. Aber nicht nur gläubige Christen, sondern auch nichtchristliche und sogar atheistische Philosophen bieten eine plausiblere Erklärung: das sittliche Empfinden des Menschen ist in der Natur des Menschen angelegt und weist daher Grundzüge auf, deren Übereinstimmung bei allen Menschen sich nicht durch Gemeinsamkeiten der historischen Erfahrung und der kulturellen Tradition erklären läßt.

Otto Kimminich, Jurist *1932

*

Die Drei in einem - der Eine in Dreien? Nicht so! Zu meinen eigenen Göttern gehe ich. Mag sein, sie werden mir ein größeres Wohlgefühl geben, als euer kalter Christus und verworrene Dreifaltigkeiten.

Rudyard Kipling, Schriftsteller (1865-1936)

*

Die Sache mit Gott

Es gibt keine bequemere Methode,
sich vor der Verantwortung zu drücken,
als sie einem imaginären GOTT aufzuhalsen:
um Gottes Hilfe zu bitten,
wenn man nicht selber helfen will,
um Gottes Schutz zu flehen,
wenn man den eigenen versäumte,
nach Gottes Trost rufen,
um nicht selber trösten zu müssen.

GOTT ist unser Gewissen und Ruhekissen,
unsere Müllkippe für die Gleichgültigkeit,
unsere Zuflucht für die Bequemlichkeit.

GOTT ist Schicksal und Ausrede,
Rechtfertigung und Entschuldigung,
Strohmann und Buhmann,
Verhüter und Verursacher.

Und so muß Gott herhalten
für unsere Fehler und Versäumnisse,
für Unmenschlichkeit und Unfähigkeit,
im Sozialen wie im Ethischen,
im Leben wie im Sterben.

O GOTT, o GOTT! was hätten wir wohl
Großartigeres
erfinden können
als DICH!

Nicht mehr an DICH zu glauben
hieße, von nun an
alles wieder
selber
verantworten zu müssen.

Schlag nach bei Lukas
Kapitel 18, Vers 22

Vom Himmel hoch, da kommt er her,
die Erde uns zu küssen -
der Papst mitsamt Reporterheer.
Im Fluggepäck und Gott zur Ehr
das christliche Gewissen.

Nur merke, wem das Herz gebebt
beim Kniesturz seiner Beter:
der da wie Christus niederschwebt
und segnend seine Hände hebt,
nennt sich zwar STELLVERTRETER,

doch macht er nicht aus Wasser Wein,
speist nicht, die hungrig hecheln,
sagt nicht, was mein ist, ist auch dein!
Er schenkt den Darbenden allein
sein telegenes Lächeln.

Nimmt zwar die Reichen in die Pflicht
beim christlichen Erbarmen,
nur seine  r e i c h e  K i r c h e  nicht,
obwohl doch Jesus Christus spricht:
Gebt, was ihr habt, den Armen!

Das Geben überläßt er fix
den gläubigen Genossen
mit Klingelbeutel, Sammelbüchs,
dem Opferstock und andren Tricks,
die Steuer eingeschlossen.

E r spendet Segen nur und Charme
anstatt höchstselbst zu blechen.
Drum bleiben die, die seiner harrn,
trotz ihres reichen PAPAs arm
und - zahln noch seine Zechen.

Kriemhild Klie-Riedel, Publizistin (1913-2003)

*

In dem, was dem Menschen am teuersten ist, in seiner Verbindung mit Gott, darin erkühnst du dich, mir meine Freiheit zu nehmen?

Friedrich Gottlieb Klopstock, Dichter (1724-1803)

*

Der Glaube an böse Geister und ihre unheilvolle Macht ist einer der Grundbestandteile aller primitiven Religion.

R.Knopf, Theologe

*

Der Mensch hat dreierlei Wege
klug zu handeln:
erstens durch Nachdenken,
das ist der edelste,
zweitens durch Nachahmen,
das ist der leichteste,
und drittens durch
Erfahrung,
das ist der bitterste.

Konfuzius, Philosoph (551-479 v.u.Z.)

*

Ich glaubte, weil ich glauben wollte und das Schlimmste, ich glaubte, zu wissen.

Lew Kopelew, Schriftsteller (1912-1997)

*

Jeder ehrliche Mann sollte Zeter schreien, wenn er Jesuiten in dem Lande eines guten Fürsten erblickt.

August von Kotzebue, Schriftsteller (1761-1819)

*

Das Christentum hat die erotische Mahlzeit um die Vorspeise der
Neugier bereichert und durch die Nachspeise der Reue verdorben.

. . .

Kriege und Geschäftsbücher werden mit Gott geführt.

Karl Kraus, Schriftsteller (1874-1936)

*

Der Klerus schützt das keimende Leben. Wenn Hunderttausende junger Menschen zu Dreck und Brei zerfetzt werden, tritt der Klerus nicht dagegen auf ... Aber Fahnen und Kanonen segnen.

Ernst Kreuder, Schriftsteller (1903-1972)

*

In den Himmel will ich eh nicht. Das wäre mir zu langweilig.

Franz Xaver Kroetz, Schriftsteller *1946

*

Jesus hatte nie die Absicht eine neue Religion zu gründen, und wollte auch nicht selber verehrt oder gar zum Gott erhoben werden. Erst die Kirche hat Jesus zu einem Gott gemacht. ... die Kirchen sind Formen der organisierten Irrationalität.

Heinz-Werner Kubitza, Theologe

*

Es bleibt ein Geheimnis der Theologen, wieso sie an der Gottesvorstellung festhalten, obwohl sie beispielsweise die zehn Gebote als Sozialvertrag eines Nomadenvolkes anerkennen.

Bernd Kuck

*

In einer Fülle von Kundgebungen und Aufrufen bezeugten die einzelnen Kirchenleitungen an dem großen Einheitswerk (Hitlers) mitzuarbeiten und betonten ihre Verbundenheit mit den großen Vorgängen im politischen Leben Deutschlands.

Karl Kupisch, Kirchenhistoriker (1903-1982)

*
 

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Personen-Register   Fortsetzung Zitate 4 


 
Humanistische AKTION
4/1998,3
  
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Aktualisiert am 13.12.10