Zitate - Sprüche - Denkanstöße

für verantwortliche Menschlichkeit

 

Zitate und Sprüche sind geistige Konzentrate. Sie können Wegweiser und Stützpunkte sein auf dem Weg zu einem sinnerfüllten Leben. Sie können anregen zum Widerspruch, zum Nachdenken und zum Handeln, je nachdem auf welcher menschlichen Entwicklungsstufe oder psychischen Verfassung man sich befindet.

 
   

  Menschlichkeit  >

braucht / ermöglicht                braucht / ermöglicht

          Freiheit                              Verbundenheit

 braucht / ermöglicht                                                           braucht / ermöglicht

Aufklärung                                     Frieden        

   braucht / ermöglicht                                                           braucht / ermöglicht

    Mündigkeit                            Gerechtigkeit

 braucht / ermöglicht                        braucht / ermöglicht

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Die größte Angelegenheit des Menschen ist,
zu wissen, wie er seine Stelle in der Schöpfung
gehörig und recht verstehe, was man sein muß,
um Mensch zu sein.

Immanuel Kant, Philosoph 1724-1804

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Ein Humanist liebt das Licht,
gleichgültig, woher es kommt.
Er liebt die Rose, gleichgültig,
in welchem Boden sie wächst.
Er ist ein Sucher nach Wahrheit,
gleichgültig, aus welcher Quelle sie fließt.
Er weiß: Anhänglichkeit zur Lampe
ist nicht Liebe zum Licht.

frei nach Abdu'l-Baha 1844-1921

Mündigkeit

Mündigkeit bedeutet mehr als nur Volljährigkeit. Mündigkeit heißt,
eine kritische Distanz nicht nur zu seiner Mitwelt,
sondern auch zu sich selbst zu haben, für sich selbst voll-
und für seine Mitwelt mitverantwortlich sein zu können und zu wollen.

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Glaube

Wenn es heute einen Glauben gibt, der vertretbar ist, dann ist es der Glaube an die Bildungsfähigkeit
des Menschen zu einem sozial und ökologisch handelnden, verantwortlichen Gemeinschaftswesen
und daran, daß die Natur den Menschen nicht braucht, wohl aber der Mensch die Natur.

humanistisch

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Sinn

Sinn unseres Lebens ist größtmögliche Entfaltung und Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit
in größtmöglicher Harmonie und Verbundenheit zu unserer Mitwelt.

humanistisch

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Vision

Wenn das Leben
keine Vision hat
nach der man strebt,
nach der man sich sehnt,
die man verwirklichen
möchte, dann gibt
es kein Motiv,
sich anzustrengen.

Erich Fromm, Psychoanalytiker 1900-1980

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Gastfreundschaft

Gastfreundschaft besteht aus ein wenig Wärme, ein wenig Nahrung und großer Ruhe.

Ralph Waldo Emerson, Philosoph 1803-1882

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Gespräche

Jedes gute Gespräch hat vier Voraussetzungen: Zeit, Disziplin,
Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn wir diese Grundregel beachten,
wird unser Leben durch viele beglückende Kontakte reicher werden.

buddhistisch

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Einfachheit

Alles Tiefe ist zugleich ein Einfaches und läßt sich als solches wiedergeben,
wenn nur die Beziehung auf die ganze Wirklichkeit gewahrt ist.

Albert Schweitzer, Humanist 1875-1965

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Beschränkung

Wer Großes will, muss sich zusammenraffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

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Tierhaltung

Artgerechte Tierhaltung ist ein Widerspruch in sich, denn artgerecht heißt zumindest für ursprüngliche Tierarten immer freilebend, und Tier-Haltung heißt immer Gefangenschaft. Der Tierfreund, dem es wirklich um das Wohl des Tieres geht, der setzt sich ein für die Erhaltung und Wiederherstellung gesunder Lebensräume für freilebende Tiere und wendet sich gegen Verkauf und Aufzucht von Tieren, die nur in Gefangenschaft existieren können. Tiere dürfen nicht zur Unterhaltung oder als Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen mißbraucht werden.
Tierquälerei beginnt mit der Tierhaltung!

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Werbung

Ausmaß und Art der Werbung sind ein Gradmesser für die Mündigkeit der Gesellschaft.

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Artikel 14+15 GG

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
Grundgesetz der BRD Artikel 14,2

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung
durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in
andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden.
Grundgesetz der BRD Artikel 15

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Klar und wahr

Was Du nicht sagen kannst, während Du auf einem
Bein stehst, so kurz - das ist nicht klar und wahr.

Ben Akiba

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Heilige Pflicht

Man sollte sich zur heiligsten Pflicht machen, dem Kinde nicht zu früh einen Begriff von Gott
beibringen zu wollen. Die Forderung muß von innen heraus geschehen, und jede Frage,
die man beantwortet, ehe sie aufgeworfen ist, ist verwerflich. Das Kind hat vielleicht seine
ganze Lebenszeit daran zu wenden, um jene irrigen Vorstellungen wieder zu verlieren.

Friedrich von Schiller 1759-1805

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Neuer Glaube

Größer werden die Menschen nicht.
Doch unter den Menschen
größer und größer wächst
die Welt des Gedankens.

Strengeres fordert jeglicher Tag
von den Lebenden.
Und so sehen es alle,
die zu sehen verstehen:

Aus dem Glauben des Kreuzes
bricht ein andrer hervor
selbstloser und größer.
Dessen Gebot wird sein:

Edel lebe und schön,
ohne Hoffnung künftigen Seins
und ohne Vergeltung,
nur um der Schönheit des Lebens willen.

Theodor Storm, Dichter 1817-1888
Dieses Gedicht fehlt in fast allen seiner Werke!

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Nichts taugt ohne Freude

Walther von der Vogelweide, Dichter um 1170-1230

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Universelle Religion

Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar.
Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt
einen Glauben, wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen
zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln, das genügt.

Tenzin Gyatso, Dalai Lama XIV *1936

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Bestimmung

Alles, was Mensch ist, ist bestimmt,
in eigener, denkender Weltanschauung
wahrhaftige Persönlichkeit zu werden.

Albert Schweitzer, Humanist (1875-1965)

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Erziehung

Bewußt und reflektierend miteinander leben und wachsen, die Kinder einfühlend begleiten,
Entfaltung ermöglichen, auch mal etwas fordern und begrenzen, mehr aber bestärken
und ermutigen, vor allem aber grundsätzlich akzeptieren, möglichst lieben,
das ist die beste Erziehung - oder besser, Be-ziehung.

humanistisch

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Gelassenheit

Erstrebe die Gelasssenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst;
den Mut, die Dinge zu ändern, die du ändern kannst
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

humanistisch

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Veränderung

Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.

Mahatma Gandhi, Politiker 1869-1948

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Vorurteile

Vorurteile machen blind - wie gut, daß man sich von ihnen trennen kann!

humanistisch

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Kunst-Niveau

Es ist nicht wahr, was man gewöhnlich behaupten hört, daß das Publikum
die Kunst herabzieht; der Künstler zieht das Publikum herab,
und zu allen Zeiten, wo Kunst verfiel, ist sie durch die Künstler gefallen.

Friedrich von Schiller 1759-1805

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Kruzifixus

Am Kreuz hing sein gequält Gebeine,
Mit Blut besudelt und geschmäht,
Dann hat die stets jungfräulich reine
Natur das Schreckensbild verweht.

Doch die sich seine Jünger nannten,
Die formten es in Erz und Stein
Und stellten's in des Tempels Düster
Und in die lichte Flur hinein.

So, jedem reinen Aug' ein Schauder,
Ragt es hinein in unsere Zeit,
Verewigend den alten Frevel,
Ein Bild der Unversöhnlichkeit.

Theodor Storm, Dichter 1817-1888

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Denken

Jede tiefere Religiosität wird denkend, jedes wahrhaft tiefe Denken wird religiös.

Albert Schweitzer, Theologe 1875-1965

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Zweifel

Der Zweifel ist kein angenehmer Zustand.
Gewißheit jedoch ist ein lächerlicher Zustand.

Voltaire, Philosoph 1694-1778

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Wahrhaftigkeit

Wahrhaftigkeit ist das Fundament des geistigen Lebens. Durch seine Geringschätzung des Denkens hat unser Geschlecht den Sinn für Wahrhaftigkeit und mit ihm auch den für Wahrheit verloren. Darum ist ihm nur dadurch zu helfen, daß man es wieder auf den Weg des Denkens bringt. Es wird unbegreiflich bleiben, daß unser durch Errungenschaften des Wissens und Könnens so groß gewordenes Geschlecht so herunterkommen konnte, auf das Denken zu verzichten.

Die Philosophie gab den Zusammenhang mit dem im Menschen natürlich vorhandenen Suchen nach Weltanschauung preis und wurde zu einer Wissenschaft von der Geschichte der Philosophie. Das geistige und materielle Elend, dem sich unsere Menschheit durch den Verzicht auf das Denken und die aus dem Denken kommenden Ideale ausliefert, stelle ich mir in seiner ganzen Größe vor. Als unverlierbaren Kinderglauben habe ich mir den an die Wahrheit bewahrt.

Ich bin der Zuversicht, daß der aus Wahrheit kommende Geist stärker ist als die Macht der Verhältnisse. Finde ich Menschen, die sich gegen den Geist der Gedankenlosigkeit auflehnen und als Persönlichkeiten lauter und tief genug sind, daß die Ideale ethischen Fortschritts als Kraft von ihnen ausgehen können, so hebt ein Wirken des Geistes an, das vermögend ist, eine neue Gesittung in der Menschheit hervorzubringen.

Weil ich an die Kraft des Geistes und der Wahrheit vertraue, glaube ich an die Zukunft der Menschheit.

Albert Schweitzer, Humanist 1875-1965

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Identitäten

Mensch Kind Schüler Jugendlicher Lehrling Geselle Student Arbeiter Angestellter Beamter Arbeitnehmer Assistent Meister Lehrer Arbeitgeber Unternehmer Referendar Assessor Studienrat Oberstudienrat Regierungsrat Oberregierungsrat Minister Bürgermeister Oberbürgermeister Doktor Professor Senator Präsident Ehrenpräsident Arbeitsloser Sozialhilfeempfänger Mutter Vater Großmutter Großvater Greis Meier Müller Schulze Schwabinger Münchner Berliner Niederbayer Oberbayer Bayer Hesse Sachse Niedersachse Deutscher Schweizer Niederländer Türke Kurde Europäer Bürger Staatsbürger Bundesbürger Weltbürger Republikaner Marxist Leninist Stalinist Faschist Materialist Kosmopolit Monarchist Royalist Sozialist Kommunist Anarchist Utopist Militarist Imperialist Pazifist Optimist Pessimist Fetischist Masochist Sadist Theist Theosoph Theologe Bischof Kardinal Papst Buddhist Christ Katholik Protestant Moslem Hinduist Jude Orthodoxer Freimaurer Freiereligiöser Freidenker Freigeist Atheist Agnostiker Antroposoph Philosoph Psychologe Idealist Realist Liberalist Demokrat Kommunitarist Humanist

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Humanismus

Humanismus ist der Glaube an das Gute im Menschen und das Anwenden
dieses Glaubens mit einem kühlen Kopf und einem warmen Herzen.

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Wahres Menschsein

Einer der Wege, die zum  w a h r e n  Menschsein führen, besteht in dem Bemühen, aus der
Anerkennung der Wahrheit Lust zu schöpfen, anstatt aus dem Glauben an schöne, aber
falsche Vorstellungen. Man muß sich von Vorurteilen, seien sie nun idealistischer oder religiöser Art,
zu seinem eigenen Wohle, zum Wohle unserer Kinder und zum Wohle unserer Mitmenschen befreien.

Herbert James Campbell, Neurologe

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Beruf

Der wahre Beruf des Menschen ist, zu sich selbst zu kommen.

Hermann Hesse, Dichter 1877-1962

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Realistisch

Man muß die Dinge sehen, wie sie sind, aber man muß sie doch nicht so lassen.

Robert Lembke

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Achten

Achte deine Mitwelt und dich selbst.

humanistisch

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Blasphemie

Es gibt ein Recht auf Blasphemie, sonst gibt es keine wahre Freiheit.

Voltaire, Philosoph 1694-1778

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Gottes-Prinzip

Der wirklich religiöse Mensch bittet, wenn er der dem Wesen der monotheistischen Idee folgt, nicht um irgend etwas und erwartet nichts von Gott er liebt Gott auch nicht so, wie ein Kind seinen Vater oder seine Mutter liebt. Er hat vielmehr jene Demut erreicht, in der er weiß, daß er nichts von Gott weiß. "Gott" wird für ihn ein Symbol, in welchem der Mensch in einem früheren Stadium seiner Evolution das Höchste ausgedrückt hat, was er anstrebt: Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit. Er hat Vertrauen in die Prinzipien, die "Gott" verkörpert er denkt wahr, lebt in Liebe und Gerechtigkeit und empfindet sein Leben nur insofern als wertvoll, als es ihm die Möglichkeit gibt, zu einer vollen Entfaltung seiner menschlichen Kräfte zu gelangen - als die einzige Realität, die zählt, als das einzige Objekt "letzter Erkenntnis".

Und schließlich spricht er nicht über Gott, erwähnt nicht einmal seinen Namen. Gott zu lieben, wenn wir das Wort hier gebrauchen wollen, würde bedeuten, nach der Erreichung der vollen Fähigkeiten des Liebens zu streben, nach der Verwirklichung Gottes in uns selbst.

Von diesem Gesichtspunkt aus ist die logische Konsequenz des monotheistischen Gedankens die Negation der gesamten "Theo-logie", des gesamten "Wissens über Gott".

Erich Fromm, Psychoanalytiker 1900-1980

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Wissen und Fühlen

Wenn du das Ende von dem erreichst, was du wissen solltest,
stehst du am Anfang dessen, was du fühlen solltest.

Khalil Gibran

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Glück

Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden ist wohl das höchste Glück auf Erden.

Adalbert Stifter, Dichter 1805-1868

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Denken und Handeln

Wer weiterlebt wie bisher, hat nicht begriffen, was droht; es nur intellektuell zu denken,
bedeutet nicht, es auch in die Wirklichkeit seines Lebens aufzunehmen.

Karl Jaspers, Philosoph 1883-1969

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Beständige Liebe

Liebe ist nur möglich, wenn zwei Menschen sich aus der Mitte ihrer Existenz heraus miteinander verbinden, wenn also jeder sich selbst aus dem Zentrum heraus erlebt. Nur dieses "zentrale Erlebnis" ist menschliche Wirklichkeit nur hier ist Leben, nur hier liegt die Basis für Liebe. Eine so erlebte Liebe ist eine ständige Herausforderung sie ist kein Ruheplatz, sondern gemeinsames Streben, Wachsen und Arbeiten. Selbst Harmonie oder Konflikt, Freude oder Traurigkeit sind zweitrangig gegenüber der grundlegenden Tatsache, daß zwei Menschen sich aus dem Wesen ihrer Existenz heraus erleben, daß sie nur dadurch miteinander eins werden, daß sie mit sich selbst eins sind. Für die Existenz der Liebe gibt es nur einen Beweis: die Tiefe der Bindung sowie die Lebendigkeit und Kraft in jedem der Liebenden. Das allein ist die Frucht, an der man die Liebe erkennen kann.

Erich Fromm, Psychoanalytiker 1900-1980 (Die Kunst des Liebens)

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Erfüllung

Es gibt etwas, was man an einem einzigen Ort in der Welt finden kann. Es ist ein großer Schatz, man kann ihn die Erfüllung des Daseins nennen. Und der Ort, an dem dieser Schatz zu finden ist, ist der Ort, wo man steht.

Martin Buber, Philosoph 1878-1965

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Heilung

Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,
Theologen und Ideologen haben sie verändert,
Humanisten könnten sie heilen.

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Weg

Wir haben den schwersten Weg betreten, den ein Mensch - und gar ein Volk - gehen kann: den Weg der Aufrichtigkeit, den Weg der Liebe. Gehen wir diesen Weg zu Ende, dann haben wir gewonnen.

Hermann Hesse, Dichter 1877-1962

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Schönheit

Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen,
Verziertes aber spricht der Menge zu.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

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Sicherheit

Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um mehr Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren.

Benjamin Franklin, Schriftsteller 1706-1790

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Bau-Steine

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

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Aufklärung

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. - Habe Mut dich deines Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. / ...

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem, daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

Immanuel Kant, Philosoph 1724-1804

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Verantwortung

Wir müssen unseren Teil der Verantwortung für das, was geschieht, und für das,
was unterbleibt, aus der öffentlichen Hand in die eigenen Hände zurücknehmen.

Erich Kästner, Schriftsteller 1899-1974

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Würde

Die Würde des vernünftigen Menschen liegt darin, daß er sich eingesteht, was geschehen und was getan ist.
Die Würdelosigkeit bloßen Lebens liegt darin, einen Strich unter das Vergangene zu machen, zu vergessen
und weiterzuleben aus dem bloßen Anspruch gegenwärtigen Daseins.

Karl Jaspers, Philosoph 1883-1969

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Aufarbeitung

Erinnern
das ist
vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual

Erich Fried, Schriftsteller *1921

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Wissen und Tun

Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

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Ziel

Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln möchte, für den ist kein Wind ein günstiger.

Seneca, Philosoph ca.4 v.-65 n.u.Z.

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Zynismus

Zynismus ist oft ein Mittel, sich vor destabilisierender Niedergeschlagenheit zu schützen.

Horst-Eberhard Richter, Psychoanalytiker *1923

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Meisterschaft

Groß und glücklich wäre der Meister, der alle seine Schüler größer machen könnte, als er selbst war.

Johann Gottlieb Fichte, Philosoph 1762-1814

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Begriffe

Die Begriffe, die man sich von was macht, sind sehr wichtig.
Sie sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann.

Bertolt Brecht, Dichter 1898-1956

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Achtsamkeit

Durch Achtsamkeit blüht unser Glück am besten,
Nur von der Sicherheit kommt Unglück her:
Verachtet fallen uns die kleinsten Übel schwer,
Beachtet nützen uns die größten.

Christian Wernicke

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Denken erlaubt

Denken ist allen erlaubt,
doch vielen bleibt es erspart.

Curt Goetz, Schriftsteller 1888-1960

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Folgsamkeit

In den Herzen
der folgsamen
Kinder
nistet
knisternd und
raschelnd
die Rache

H.C. Flemming

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Geist

Der Geist genügt sich überall,
Wo er in rechter Fülle ist.
Und schafft Genügen überall,
Wo er in rechter Hülle ist.
Der Weg liegt allen offenbar,
Doch schwer ist's, ihn zu wandeln -
Wie alle Weisheit leicht und klar,
Doch schwer danach zu handeln.

Friedrich von Bodenstedt, Schriftsteller 1819-1892

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Verstandesglaube

Unvermeidlich schlägt die Stunde, wo der Gefühlsglaube durch den Verstandesglauben ersetzt wird.

John William Draper 1862

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Gründe

Es gibt keine Menschen, die aus "Gründen" handeln, sie bilden sich das bloß ein, und namentlich
versuchen sie, im Interesse der Eitelkeit und Tugend, anderen dies einzubilden. Bei mir selbst
jedenfalls habe ich stets und immer feststellen können, daß die Antriebe zu meinen Taten
in Regionen liegen, wohin weder mein Verstand noch mein Wille reicht.

Hermann Hesse, Dichter 1877-1962

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Kraft

Die mächtigste Kraft der Welt ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Voltaire, Philosoph 1694 -1778

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Idee

Die Idee, wo sie zum Leben durchdringt, gibt eine unermeßliche Kraft und Stärke.

Johann Gottlieb Fichte, Philosoph 1762-1814

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Wohlwollen

Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.

Immanuel Kant, Philosoph 1724-1804

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Deutschland heute

Als zivilisiertes und
industrialisiertes
westliches Land
geben wir
mit großen Gesten
Entwicklungshilfe
in die Länder der Dritten Welt.

Dabei hätten wir
sie selbst so nötig,
Entwicklungshilfe
allerdings solcher Art,
die man mit Geldern
nicht schaffen kann.

Mitmenschlichkeit.

Kristiane Allert-Wybranietz, Dichterin *1955

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Friede

Der erste Friede,
der wichtigste ist der,
welcher in die Seelen der Menschen einzieht,
wenn sie ihre Verwandtschaft,
ihr Einssein mit dem Universum begreifen
und inne werden,
daß im Mittelpunkt der Welt
das große Geheimnis wohnt,
und daß diese Mitte tätsächlich überall ist.
Sie ist in jedem von uns.
Dies ist der wirkliche Friede,
alle anderen sind lediglich
Spiegelungen davon.

Der zweite Friede ist der,
welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird.
Und der dritte ist der zwischen Völkern.
Doch vor allem sollt ihr verstehen,
daß es nie Frieden
zwischen Völkern geben kann,
solange nicht der erste Friede vorhanden ist,
welcher, wie ich schon oft sagte,
innerhalb der Menschenseelen wohnt!

Hehakà Sapa, Ogallal-Sioux

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Güte

Freund, der Mensch ist gut, und will das Gute; er will nur dabei auch wohl sein, wenn er es tut;
und wenn er böse ist, so hat man ihm sicher den Weg verrammelt, auf dem er gut sein wollte.

Heinrich Pestalozzi, Pädagoge 1746-1827

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Und immer noch

Ein alter Stall im Winterwind
die Wände schief die Fenster blind
auf gelbem Futterkrippenstroh
ein Kind - in dulci jubilo
ein stiller Stern der langsam steigt
vor dem sich Ochs und Esel neigt
vor dem die weise Demut kniet
mit Weihrauch Myrrhe Hirtenlied.
Das Bild 2000 Jahre fern
trägt den Vermerk:
Geburt des Herrn.

Seitdem statt Stall und stillem Glanz
christfestlich süßer Firlefanz
der Dome Prunk der Messen Pracht
der Warenhäuser größte Schlacht
kalt gleißt der Kunststofftannenbaum
der Blick faßt die Geschenke kaum
die Perlen, Pelze Puppen und
den trotzdem noch nicht satten Schlund
der ei poppei society
und niemand hört das Kind - es schrie
direkt aus einem Fernsehbild
sein Hungermund blieb ungestillt
die Weihnachtsglocken schlugen's tot
der Himmel über ihm war rot.

Welch Farcen-Fest! Sein Stern so fern
und immer noch: Geburt des Herrn.

Kriemhild Klie-Riedel, Dichterin *1914

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Wandlung

Aus Feinden Gegner, aus Gegnern Partner, aus Partnern Freunde werden lassen!

humanistisch

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Warnung

Was man besonders gerne tut, ist selten ganz besonders gut.

Wilhelm Busch, Dichter 1832-1908

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Geben

Was ein Mensch an Gutem
in die Welt hinausgibt,
geht nicht verloren!

Albert Schweitzer

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Suche

Jede Sucht, und auch die Suche nach Gott ist im Grunde die Suche nach uns selbst als Teil des Ganzen.

humanistisch

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Freundlichkeit

Menschlichkeit beginnt mit der Freundlichkeit.

humanistisch

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Liebe

Liebe ist das einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.

Ricarda Huch, Dichterin 1864-1947

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Der Jammer

Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so
sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.

Bertrand Russell, engl. Philosoph 1872-1970

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Geistesfreiheit

Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft ist Geistesfreiheit,
und Würde heißt ihr Ausdruck in der Erscheinung.

Friedrich von Schiller, Dichter 1759-1805

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Wirkliche Liebe

Wirkliche Liebe ist ein Ausdruck der inneren Produktivität
und umfaßt Fürsorge, Respekt, Verantwortlichkeit und Wissen.

Erich Fromm, Psychoanalytiker 1900-1980

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Weltweit

Christlich-abendländisch oder weltweit humanistisch?

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Überholt

Kruzifixe, Gipfelkreuze, Priestertum und Zölibat, Schulgebet und Glockenläuten
- wollte Jesus das?

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Menschentum!

Christentum, Judentum, Deutschtum, Wirtschaftswachstum ...
die Welt braucht endlich Menschentum!

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Leise Menschen

leise Freundschaften
stille Worte
stille Zeichen
übertönen
lautstarkes Gerede
lautstarkes Getue
überdauern
die Kurzlebigkeit
großer Versprechungen
leerer Gesten

Margot Bickel

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Ethik

Ethik ist eine bis ins Unendliche erweitere Verantwortung.

Albert Schweitzer, Humanist 1875-1965

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Sein

Haben oder Sein, das ist jetzt die Frage.

humanistisch

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Menschsein

Menschsein ist nicht nur ein Zustand, sondern vor allem eine stetige Aufgabe.

humanistisch

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spontan

Spontan denken, kontrolliert handeln, nicht umgekehrt!

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Humanismus

Humanismus ist ein Denken und Handeln, das sich an der Würde des Menschen
orientiert und dem Ziel menschenwürdiger Lebensverhältnisse dient.

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Humanismus ist der Glaube daran, daß alle Menschen, die dies wirklich wollen,
in Frieden miteinander leben können.

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Toleranz

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein
sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

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Das Schwerste

Was ist am schwersten zu erreichen? - Daß man sich selber hinter die Schliche kommt.

Wilhelm Busch, Dichter 1832-1908

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Schuldgefühle

Schuldgefühle schaden beiderseitig eher als sie nützen - besser helfen Einsicht und Bedauern.

humanistisch

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Selbstachtung

Keinen verderben zu lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück erfüllen, auch sich, das ist gut.

Bertolt Brecht, Dichter 1898-1956

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Einspruch

Ohne kritischen Einspruch, ohne das Engagement unbequemer Denker verkümmert eine Gesellschaft.
Wir brauchen Streit und Widerspruch, wir brauchen die Zumutungen und Fragen unabhängiger Köpfe.

Roman Herzog, Ex-Bundespräsident

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Beharrlichkeit

Das ist alles, was wir tun können: immer wieder
von neuem anfangen - immer wieder und wieder.

Thornton Wilder, Schriftsteller (1897-1975)

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Humanismus

Humanismus ist die alternative ethische Orientierung für mündige Menschen.

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Prüfstand

Ich mahne zu mehr Verantwortung! Ich rufe auf zu mehr Flexibilität! Alle, wirklich alle Besitzstände
müssen auf den Prüfstand. Alle müssen sich bewegen. Durch Deutschland muß ein Ruck gehen.
Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Glauben wir wieder an uns selber.

Roman Herzog, Ex-Bundespräsident

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Schuld

Denn  d a s  ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:
die Freiheit eines Lieben nicht vermehren
um alle Freiheit, die man in sich aufbringt.
Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies:
einander lassen; denn daß wir uns halten,
das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen.

Rainer Maria Rilke, Dichter (1875-1926)
aus Requiem (1908) 'Für eine Freundin'

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Wegweiser

Humanismus ist unter den Religionen, Konfessionen, Weltanschauungen und sonstigen geistigen Rückbindungen
diejenige ethische Orientierung, deren Name bereits den direkten Weg und das eigentliche Ziel sinnvollen Handelns
enthält und deren Maßstäbe real, plausibel und wissenschaftlich haltbar begründet werden können.

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Wert

Es macht den Wert
und das Glück des Lebens aus,
in etwas Größerem aufzugehen,
als man es selbst ist.

Teilhard de Chardin, Anthropologe (1881-1955)

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Denkweise

Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben.

Albert Einstein, Physiker (1879-1955)

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Wohltat

Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann,
besteht darin, daß man ihn vom Irrtum zur Wahrheit führt.

Thomas von Aquin (1225-1274)

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Pflicht

Man darf nicht erst die Aussichten bewerten und daraufhin beschließen,
ob man was tun soll oder nicht. Sondern umgekehrt, man muß die Pflicht
und die Verantwortung erkennen und so handeln, als ob eine Chance da wäre,
sogar, wenn man selber sehr daran zweifelt.

Hans Jonas, Philosoph (1904-1993)

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Kritiker

Unsere Kritiker sind unsere Freunde,
sie zeigen auf unsere Fehler.

Benjamin Franklin, Schriftsteller (1706-1790)

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Entfaltung

Wenn der Mensch fähig sein soll zu lieben, muß seine
Entfaltung das höchste Ziel der Gesellschaft sein.

Erich Fromm, Psychoanalytiker (1900-1980)

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ganz Mensch

Der Mensch ist erst dann ganz Mensch, wenn er Verantwortung
für sich und seine Mitwelt übernehmen kann und will.

humanistisch

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Möglichkeit

Es heißt, daß wir die erste Generation sind, welche die Fähigkeit hat, den Lauf der Weltentwicklung zu ändern,
und daß wir die letzte sein könnten, welche die Möglichkeit dazu hat. Das ist der Grund, daß unsere Generation
eine esondere Verantwortung und Gelegenheit hat, globale Veränderungen durchzuführen - und dies rechtzeitig.

Gro Harlem Brundtland, Ministerpräsidentin von Norwegen a.D.

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Autorität

Für mündige Menschen kann es nur eine Autorität geben:
Die Grundsätze zu verantwortlicher Menschlichkeit.

humanistisch

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Mittelmaß

Manche erlangen die Mittlere Reife
und behalten diese ihr Leben lang bei.

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Lebenssinn

Der Sinn des Lebens?
Mensch werden
Mensch sein und
Mensch bleiben.

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Ratschlag

Befolge nie einen Rat -
auch diesen nicht!  

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Empfehlung

Nimm dich wichtig
aber nicht zu ernst -
und auch umgekehrt!

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Frage

Wenn du nichts für deine Mit-Welt tun willst,
warum hast du dann gelebt?

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List

Mit List
aus der Last
eine Lust machen!

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Tun

Frage nicht nur, was die Gesellschaft für dich tun kann,
frage auch mal, was du für die Gesellschaft tun kannst.
Du bist ein Teil von dieser.

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Erkenntnis

Gott ist das Prinzip verantwortlicher Menschlichkeit.

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Reife

Die überzeugendste Form des NEIN zum Unzumutbaren
ist das JA zu den reiferen Möglichkeiten.

Birgit Berg

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Mensch

Wenn der Mensch im Menschen den Menschen stets erkennte,
so manche Schranke nicht von Menschen Menschen trennte;
es würde weniger Mensch gegen Menschen stehn,
es würde sich kein Mensch am Menschlichen vergehn.

Friedrich Rückert, Dichter (1788-1866)

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Kunst des Lebens

Bei der Kunst des Lebens ist der Mensch
sowohl der Künstler als auch der Gegenstand seiner Kunst.
Er ist der Bildhauer und der Stein, der Arzt und der Patient.

Erich Fromm, Psychoanalytiker (1900-1980)

*

Ich kann allein nicht Mensch sein.

Ruth C. Cohn

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Was der Mensch ist, das ist er durch die Sache, die er zur seinen macht.

Karl Jaspers, Philosoph 1883-1969

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Du kannst auf dieser Welt nur leben, wenn Du sie zu Deiner Geliebten machst. Sie mit diesen Wundern und Grausamkeiten
annimmst und zwischen beiden das Gleichgewicht findest. Sonst wirst Du sie nicht so verlassen können, wie Du es vorhast.
- laut lachend auf einem silbernen Vogel fliegend und bis zum Rand erfüllt mit allem, was sie Dir zu bieten hatte.

Janosch, Wörterbuch der Lebenskunst

*

In jedem Menschen steckt mehr als er weiß.

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Rätsel Mensch

"Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
gleichviel, ob große, ob geringe,
im wesentlichen so verpackt,
daß man sie nicht wie Nüsse knackt.

Wie solltest du dich unterwinden,
kurzweg die Menschen zu ergründen?
Du kennst sie nur von außenwärts
Du siehst die Weste, nicht das Herz."

Wilhelm Busch

*

Bereitschaft

Ein Bekenntnis zum Humanismus
als ethische Orientierung ist die Erklärung
der Bereitschaft, sich dem Anspruch
des Menschseins zu stellen.

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Veränderung

Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.

Mahatma Gandhi, Politiker (1869-1948)

*

Verbessere ein Stück Welt - Dich selbst!

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Humanistische AKTION

5/1998
 
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Aktualisiert am 28.03.07